Viele »Abers«, nur keine Grundsatzkritik

Feministen für Legalisierung der Leihmutterschaft

Der Feminismus hat gegen die technisch assistierte Kinder-Produktion nichts einzuwenden. Nur die Bedingungen sollen verbessert werden. Damit degradiert er Frauen letzten Endes zu Gebärmaschinen.

Dieser feministische Text dürfte leider zukunftsweisend sein. Er heißt »Das Recht auf das eigene Kind« und handelt vom globalen Markt für Eizellspende und Leihmutterschaft. Er beginnt sogleich mit einer Feststellung »altruistischer« Motive: Frauen helfen Frauen! Die Ökonomisierung und Technisierung des menschlichen Lebens und seiner »Produktion« wird keineswegs nur kritisch gesehen, so viel es an den gegenwärtigen Zuständen auch zu kritisieren gibt. Die Produktion ist eine Frage ihrer Bedingungen! Die generelle Entwicklung wird richtig benannt, kann aber nicht mehr bewertet werden: »Der Markt dringt damit in einen Bereich ein, wo er vorher noch nicht war, mitten in den Körper.«

Der Text verweist auf ein Video über eine Diskussionsveranstaltung mit Susanne Schultz vom »Gen-ethischen Netzwerk« und der freiberuflichen Soziologin Christa Wichterich, die dieser neuen Entwicklung »ihr Vokabular entsprechend angepasst« haben: »In den folgenden anderthalb Stunden sprechen sie über die neuen Arbeitsverhältnisse in der Fortpflanzungsindustrie, von Eizellenabgabe, Eizellenarbeiterinnen, Uterusverleih und Reproduktionstourismus.« Natürlich sind sie nicht blind dafür, dass dieser globale, neue Markt »prekäre Arbeitsverhältnisse und gesundheitsgefährdende Jobs« schafft: »Hormongaben, Operationen und Schwangerschaften bergen immer auch gesundheitliche Risiken.« (Das »Gen-ethische Netzwerk« setzt sich zum Beispiel gegen den Präna-Test und vorgeburtliche Selektion, zugleich aber für ein Recht auf Schwangerschaftsabbruch ein …)

An »Abers« fehlt es nicht, und dieser Text ist deshalb so lesenswert, weil er trotz aller Abers keine grundsätzliche Kritik übt. Man erkennt, wies sehr die rein ökonomische, feministische und biologisch-materialistische Sichtweise den Blick auf die wahren Probleme und Gefahren verstellt: »Vor allem Migrant_innen, Student_innen, Arbeiter_innen spenden Eizellen, um das Geld zu verdienen. In England werden 750 Pfund pro Zyklus bezahlt. In Deutschland ist der Eizellentransfer verboten, es gibt aber massive Vorstöße aus der Reproduktionsmedizin, dieses Gesetz infrage zu stellen. Der Augsburg-Münchner Gesetzentwurf von 2013, der sehr nahe an den Vorstellungen der Reproduktionslobby ist, enthält ein Grundrecht auf Fortpflanzung, dass dazu führt, dass der Staat neue Reproduktionstechnologien nicht verbieten darf, also auch Eizellentransfers und Leihmutterschaft« nicht.

Die beiden Damen berichten über fast alle möglichen Probleme: Darüber, dass aus dem Recht auf ein Kind ein Recht auf ein gesundes Kind folgt, dass Leihmütter oft eine emotionale Bindung entwickeln, die nach der Geburt zerrissen werden muss, dass Industrialisierung und Kolonialisierung hineinspielen, dass einerseits materielle Notlagen ausgenutzt und andererseits horrende Gewinne gemacht werden. Da aber Feministen von ihrem Fetisch weiblicher Selbstbestimmung nicht loskommen, müssen sie ihn am Ende der größten denkbaren Ausbeutung der Frau – als Gebärmaschine! – unterordnen. Schließlich geht es ja auch darum, Homosexuellenrechte zu verwirklichen, und da muss die Selbstbestimmung natürlich zurücktreten. Auch da, wo die Leihmutterschaft in traditionellen Gesellschaften der Frau erlaubt, sich von ihrem Mann zu emanzipieren, kann ihr der Feminismus eine positive Seite abgewinnen.

Die Konklusion ist scheinbar zwingend: »Wir brauchen eine Abschaffung des Verbots [der Leihmutterschaft in all den Ländern, in denen sie bislang ganz oder teilweise verboten ist] und stattdessen Arbeitsrechte für Eizellenarbeiter_innen und Leihmütter. Die Forderung nach Arbeitsrechten ist auch etwas, was indische Feminist_innen vor Ort stützen.« Woran erinnert uns das wohl? Genau, an die Umwertung der Prostitution in »Sexarbeit«, die nur entsprechend bezahlt und rentenmäßig abgesichert werden muss, um in den feministischen Kontext zu passen. Das ist aber nichts anderes als die Vernuttung der Mutterschaft. Gegen sie ist aus feministischer Perspektive letztlich nichts einzuwenden!

Allein das Wort »Bestelleltern« zeigt, wie weit die Feministen der kommenden Entwicklung entgegengehen. Sie mögen sich noch lange darüber streiten, ob alle möglichen rechtlichen, materiellen und gesundheitlichen »Absicherungen« dieser »Arbeitsverhältnisse« jemals ausreichen werden, die Entwicklung aus feministischer Sicht zu billigen. Entscheidend ist, dass ihr fragmentiertes Weltbild sie blind macht. Sie können nicht erkennen, dass sie mit der familienfeindlichen Isolierung von Frauenrechten längst auf der Welle der grausamen Atomisierung, Technisierung und Instrumentalisierung menschlichen Lebens mitschwimmen, auf einer Welle, die vom internationalen Kapital und von einer supranationalen Moral- und Gesetzlosigkeit zu einem gigantischen Markt ausgebaut wird. Dieser Markt wird niemals danach fragen, ob nicht die rechtzeitige, natürliche Elternschaft die bessere Antwort auf den Kinderwunsch gewesen wäre. Er wird niemals danach fragen, was für die Kinder gut ist und was nicht. Wie gesunde, tragfähige Familien entstehen und wie nicht.

Diese neue Welt der jederzeit und für jedermann erfüllbaren Wünsche Einzelner ist eine Welt grausamer Instrumentalisierung und Funktionalisierung. Wer die Rechte der einzelnen Frau an die Stelle des Familienorganismus setzt, ist dieser Welt schon heute hoffnungslos ausgeliefert. Tarif- und Arbeitsschutzrechte verschlimmern das Übel, weil sie helfen, es zu auszubauen und zu vervielfachen.

Sven von Storch

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