Churchill (2): Zu meinem Missbehagen ist der liebevoll gepflegte Rote Pfeil der Schweizerischen Bundesbahnen nach Churchill benannt, mit dem ich gestern die das grüne Voralpenland der Ostschweiz durchkreuzte, über welche die gelehrten Eingeborenen Debatten führen, ob es eigentlich geographisch die Nordschweiz sei. Verkneife mir Bemerkungen, dass ich diese Zugbenennung ähnlich geschmackvoll finde, als würden wir heutzutage die A 9 als Straße des Führers bezeichnen. Wir könnten uns dabei auch, wenn wir etwas lockerer wären, auf unsere Freunde aus Italien berufen, in deren Hauptstadt ich auf der Ponte Duce wandelte.
Churchill (3): So lausche ich einem ernsten Vortrag – zum Glück ist er kurz – eines halbjungen Historikers, der darüber aufklärt, warum diese Zugtaufe wg. des im Jahre 1946 erfolgten Besuch Churchills in der Schweiz geschah. Er, der Historiker, verstieg sich zur Bemerkung über die außerordentliche Beliebtheit des Mannes, der den wackeren Schweizern ein Vorbild an Durchhaltewillen gewesen sei. Seinen entscheidenden Anteil am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erwähnte der Vortragende nicht, natürlich nicht. Auch nicht, dass der beliebte Mann just soeben von seinen Briten mit Pauken und Trompeten abgewählt worden war, weil sie von ihm Schnauze gestrichen voll hatten, wie man so sagt. Churchill (4): Die Aufzeichnung der Sonntagsrunde des Radiosenders Kontrafunk, zu der eigentlich eingeladen worden war, ging als unverständliches Gemurmel vorüber, weil die Technik, die man aufgeboten hatte, nicht auf die Zuglautsprecher übertragbar war. Das Publikum nahm’s erstaunlich gelassen und unterhielt sich stattdessen prächtig bei gutem Essen und professionellem Service an den engen Vierertischen. Ich auch.
Churchill (5): Ich lernte eine neue Art des Wiedererkennens kennen. Nicht das Aussehen sorgt dafür, sondern der Name nebst zugehöriger Stimme. Nun gut, man bewegte sich hier unter einem notorischen Radiopublikum. Lustige Erfahrung.
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