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Zur staatlich verordneten Lufthoheit über den Kinderbetten!

06. Mai 2012, 07:25 | Kategorien: Lebenswelt, Politik | Schlagworte:

Wenn Bedarfsweckung als Bedarfsermittlung verkauft wird.

‚Neue Bedarfs-Analyse: ‚Stadt braucht viel mehr U3-Plätze’. So oder ähnlich titeln viele Tageszeitungen seit Wochen entsprechende Beiträge, besonders in Wahlkampfzeiten. Häufig ist der Unterzeile zu lesen: ‚Jüngere Kinder haben so das Nachsehen’.

Viele Menschen werden spontan denken: ‚Da muss halt noch kräftig nachgelegt werden, bei den Kleinsten sollten wir nicht sparen’. So sind insbesondere die Jugendämter gefordert, für die Umsetzung des gesetzlichen Anspruchs in der U3-Betreuung zu sorgen. Alles klar! Aber haben wirklich Babys und Kleinstkinder bei fehlenden Krippenplätzen das Nachsehen? Steigt der Bedarf tatsächlich von Jahr zu Jahr. Hoffentlich gibt es auch noch genügend Menschen, welche bei solchen Überschriften und Fragen kräftig ins Grübeln kommen. Auch wenn recht schnell deutlich wird, was hier gemeint ist, lohnt sich eine kleine Analyse des Sprach- bzw. Denkansatzes.

Wie können die Antworten innerhalb von Eltern-Befragungen im Stil: ‚Wer möchte / benötigt für sein Baby bzw. Kleinkind einen Betreuungsplatz’ als berücksichtigungswürdige Bedarfsaussage gewertet werden? Das kleine Einmaleins der Sozial- bzw. Markt-Forschung wird so jedenfalls außer Kraft gesetzt. Würden die Städte z.B. fragen, wer in der Innenstadt zu 80% subventionierte Parkplätze haben möchte, die Datensammelstellen würden in Bedarfsmeldungen ertrinken. Fakt ist, dass unter dem Gesichtspunkt von Angebot und Nachfrage nur dann ein Bedarf annähernd ermittelt werden kann, wenn die Menschen für das Erwünschte auch den entsprechenden Preis zu zahlen bereit sind.

Ob das Strickmuster: ‚Horche, was die Menschen wollen und wir werden es umsetzen’ bald zur allgemeinen Handlungsmaxime wird? So könnten klamme Finanzpolitiker die Schüler fragen: ‚Möchtet / benötigt ihr überhaupt die Schule?’ Ohne das genaue Ergebnis abzuwarten würde ein riesiges Über-Angebot deutlich werden. Vielleicht greifen ja Chaospolitiker die Idee bald auf, um mit dem eingesparten Geld ihre Ziele zu verwirklichen. Ein Zwischenfazit: Falsch angelegte Befragungen schaffen Verwirrung und bieten keine Planungsgrundlage.

Eine alternative – werteorientierte – Art der Bedarfsermittlung ist die Frage, was ein Mensch braucht bzw. wessen er bedarf. Auf das Thema Krippe bezogen würde das heißen: Braucht ein Kleinstkind eine Krippe? Hier würden alle Menschen, welche sich nicht der staatlichen Forderung nach der ‚Lufthoheit über den Kinderbetten’ unterworfen haben, mit einem klaren Nein reagieren. Denn gerade Babys brauchen als erstes umsorgende, fürsorgliche und für sie Zeit habende Mütter und Väter und keine staatlich organisierte Fremdbetreuung. Würde die Frage jedoch lauten: ‚Braucht ein Kind einen Kindergarten?’, würden die meisten Menschen und Fachleute dies mit einem eindeutigen Ja beantworten, weil ab dem Alter von ca. 3 Jahren eine zeitweise Gemeinschafts-Erziehung sehr förderlich ist.

Dass es trotzdem sinnvoll oder notwendig sein kann, Krippenplätze bereitzustellen, ist selbstverständlich. Der Bedarf ergibt sich dann durch die Zahlungsbereitschaft der Eltern für die entsprechenden Dienstleistungs-Gebühren, welche für Krippen-Kinder zwischen 1.000,- bis 1.300,- Euro pro Kind und Monat liegen. Und wenn dann Menschen mit einem zu geringen Einkommen im Einzelfall eine staatliche Unterstützung erhalten, hat wenigstens die meist recht gut verdienende Akademiker- oder Manager-Familie die Chance, den Aufwand auch aus eigener Tasche zu bezahlen. Das ist echte – wie vom Bundesverfassungsgericht seit Jahren geforderte – Wahlfreiheit.

Wer Bedarfsweckung als Bedarfsermittlung betreibt bzw. verkauft, hat entweder keine Ahnung oder nutzt die zustande gekommenen Zahlen gezielt zur Untermauerung der eigenen Ideologie. Bei den agieren müssenden Kommunen ist dies noch etwas komplizierter, da sie – ob sie wollen oder nicht – staatliche Vorgaben von Oben, ‚koste es, was es wolle’ umzusetzen haben. So wandelt sich eine Überschrifts-Passage: ‚Jüngere Kinder haben das Nachsehen’ aus der Sicht eines Kleinkindes in die Feststellung: ‚Wie schön, dass ich bei Mama und Papa aufwachsen darf und nicht über Tag in eine Krippe gebracht werde.’ Denn Kinder brauchen in erster Linie Eltern und keine Verschiebebahnhöfe zwischen möglichst langer Tagesbetreuung und häuslichem Nachlager.

Copyright: Dr. Albert Wunsch, 41470 Neuss, Im Hawisch 17

 

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