Ansgar Lange zu Person und Archiv - Website - E-Mail schicken

Wieder ein Konservativer weniger

04. Oktober 2012, 04:14 | Kategorien: Politik | Schlagworte: ,

Der CSU-Abgeordnete Norbert Geis wird dem nächsten Bundestag nicht mehr angehören.

In Aschaffenburg wurde die Frage beantwortet, ob einer der letzten Konservativen in der Union weitere vier Jahre für seine Wähler und seine Partei arbeiten darf.

Der CSU-Abgeordnete Norbert Geis wird dem nächsten Bundestag nicht mehr angehören. Der 73jährige verlor am Montag die Stichwahl um die Kandidatenaufstellung für die Bundestagswahl 2013 im Wahlkreis Aschaffenburg gegen die Vorsitzende der örtlichen Frauen-Union, Andrea Lindholz.

Der Grünen-Politiker und bekennende Homosexuelle Volker Beck kommentierte die Niederlage Geis’ auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit den Worten: „Nach der Absage der CSU an Norbert Geis steht der Öffnung der Ehe nichts mehr im Weg“.

„Beck war am Montag vom Kölner Kreisverband der Grünen für einen Platz auf der Landesliste Nordrhein-Westfalens zur Bundestagswahl im kommenden Jahr nominiert worden. Im Gegensatz zu Beck war Geis stets als direkt gewählter Abgeordneter in den Bundestag eingezogen“, so die Wochenzeitung Junge Freiheit http://www.jungefreiheit.de.

Über Geis’ Niederlage freute sich auch der Bundesgeschäftsführer der Lesben und Schwulen in der Union, Ronny Pohle. Auf seiner Seite im sozialen Netzwerk Facebook schrieb der CDU-Politiker: „Eine schöne Nachricht am frühen Morgen! Der alte Norbert Geis (CSU) hat seinen Wahlkreis verloren. Ein Hetzer weniger im Bundestag.“ Wer solche Worte der Engstirnigkeit und Intoleranz wählt, richtet sich selber, könnte man Pohles ganz kleines Karo kommentieren.

Konservative hingegen beklagen das Ende der „Ära Geis“.NorbertGeis ist ein Charakterkopf. Diejenigen, die ihn als bayerischen Taliban, als Reaktionär oder Hardliner schmähen, werden dem Politiker aus Unterfranken nicht gerecht. Geis scheut keinen Konflikt, wenn es um Inhalte und Überzeugungen geht. Doch er provoziert nicht um der Provokation willen. Und er ist so sensibel, dass er unter böswilligen Verunglimpfungen leidet.

Wenn sich Geis, der seinen Wahlkreis seit 25 Jahren im Bundestag vertritt, zur Homo-Ehe, zum Papst, zu Fragen der inneren Sicherheit, zur Familienpolitik oder zu Problemen bei der Integration äußert, dann echauffieren sich ja zumeist nur der politische Gegner und linksgestrickte Medien. „Ich bin der festen Überzeugung, dass die Mehrheit der Bevölkerung meine Vorstellungen teilt“, hat er vor kurzem selbstbewusst in einem Zeitungsinterview gesagt.

Dem gläubigen Katholiken, der verheiratet ist und vier Kinder und vier Enkel hat, ist die Familienpolitik ein Herzensanliegen. Auf die Feststellung der „bürgerlichen“ FAZ, er stehe für ein „sehr konservatives Familienbild“, hat Geis schlagfertig gefragt, was denn daran konservativ sei: „Meine Frau und  ich haben vier Kinder. Wir führen ein modernes Familienleben. Meine Frau war und ist berufstätig. Sie hat sich jeden Tag ins Auto gesetzt und ist von Edelbach-Kleinkahl nach Aschaffenburg hier in mein Anwaltsbüro gefahren. Die Kinder haben wir bei den Großeltern gehabt, und mit drei Jahren sind sie in den Kindergarten gegangen, den meine Frau mit anderen Müttern zusammen gegründet hat, damit wir im Dorf auch einen Kindergarten haben.“

Während seine eigene Partei in den letzten Jahren (Stichwort Mindestlohn, Frauenquote, Homo-Ehe, Schutz des ungeborenen Lebens etc.) deutlich nach links gerutscht ist, ist sich Geis treu geblieben. Daher hat er auch nicht übrig für ideologische Debatten über das Betreuungsgeld. Der CSU-Politiker will Betreuungsmöglichkeiten verbessern, plädiert aber zugleich für das Betreuungsgeld als Ausgleich für die Frauen, die ihr Kind zu Hause erziehen und nicht in die Kita geben. Diejenigen, die dies als „Herdprämie“ verunglimpfen, entgegnet er sachlich, dass die Höhe des Betreuungsgeldes zu niedrig sei. Früher habe der Bund Erziehungsgeld in Höhe von 300 Euro monatlich gezahlt.

Wer ein solches Lebensmodell für reaktionär hält, der blendet Teile der Wirklichkeit aus, die nicht ins eigene Weltbild passen. Im Gegensatz zu vielen Berufspolitikern hat sich Geis als selbständiger Rechtsanwalt seit 1970 die eigene wirtschaftliche Unabhängigkeit gesichert. Er macht seine Arbeit aus Überzeugung und nicht deshalb, um Karriere zu machen oder die eigene Existenz zu sichern. So etwas verschafft Unabhängigkeit im Denken und Handeln.

Freunde wie Gegner Geis’ dürfen schon jetzt auf ein Buch gespannt sein, dass Anfang nächsten Jahres im Gerhard Hess Verlag http://www.gerhard-hess-verlag.de erscheinen wird. Geis wird darin eine Art vorläufige Bilanz seines politischen Lebens ziehen.

 

 

 

 

 

Schlagworte: ,
Anzeige

1 Kommentar auf "Wieder ein Konservativer weniger"

Anzeige