| |
| |
zur Person und Archiv
| |
Ferdinand Knauß 24.03.2013 18:46 Akademisierungswahn
Alternativlos ist nach Ansicht der im Bundestag vertretenen Parteien nicht nur die Eurorettung. Einig ist man sich auch in einer Grundsatzfrage der Bildungspolitik: Die starke Zunahme der Studentenzahlen wird von allen begrüßt und weiter gefördert.
Artikel lesen
| Kommentare (6)
| |
|

| |
| |
zur Person und Archiv
| |
Dr. Albert Wunsch 19.02.2013 11:08 Wohl bekomm's
Nein, es geht weder um das Verteufeln von Alkohol noch um Gesundheitsfanatismus. Aber dass ein exzessiver Alkoholkonsum von Jugendlichen und jungen Erwachsenen für viele zum Freizeitsport wird, ist nicht hinnehmbar.
Artikel lesen
| Kommentare (4)
| |
|
|
|
| | | |
<p>Steinbrück äußerte seine Meinung vor dem Hintergrund des Vorhabens der neuen rot-grünen Landesregierung Niedersachsens, das Sitzenbleiben abzuschaffen. Als vorbildhaft erwähnte er das finnische System, das Sitzenbleiben nicht kenne. Allerdings erhielten sie dort zusätzlichen Förderunterricht, mit dem die Defizite ausgeglichen werden würden. Seine Schlussfolgerung: »Da es das nicht gibt, bleibt nichts anderes, als die Praxis so in Deutschland fortzuführen.«</p>
<p> </p>
<p>Mehr dazu auf <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/spiegel-gespraechsreihe-steinbrueck-spricht-sich-fuers-sitzenbleiben-aus-a-885451.html" target="_blank">spiegel.de</a></p>
Artikel lesen
| Kommentare (2) Redaktion (oe), 26.02.2013 13:20
| |
| | |

<p>FreieWelt.net: <strong>Herr Meidinger, Niedersachsen plant das Sitzenbleiben abzuschaffen. Seitdem ist eine Debatte um das Für und Wider der sog. Ehrenrunde entbrannt. Der Deutsche Philologenverband hat sich für die Beibehaltung ausgesprochen. Welche Konsequenzen befürchten Sie bei einem Verbot des Sitzenbleibens?</strong></p>
<p><strong>Heinz-Peter Meidinger:</strong> Ich befürchte, dass dadurch die Bildungsqualität abgesenkt und die Leistungen in der Schule nach unten nivelliert werden, zumal ja die Ankündigung, mehr individuell zu fördern, bislang ein bloßes politisches Lippenbekenntnis ist. Die Quote der bei Abschlussprüfungen Scheiternden wird massiv steigen. Niedersachsen droht damit insgesamt genauso wie Hamburg, Bremen und Berlin ein "Sitzenbleiberland" in Sachen Bildungsqualität zu werden.</p>
<p>FreieWelt.net: <strong>Die Bertelsmann-Stiftung hat 2009 in einer Studie herausgefunden, daß das Sitzenbleiben die Gesellschaft jährlich eine Milliarde Euro koste, vor allem aber „negative Effekte“ habe. Wäre das Geld da nicht anderweitig beispielsweise in Nachhilfe besser angelegt, wie Hamburg das jetzt auch vormacht?</strong></p>
<p><strong>Heinz-Peter Meidinger:</strong> Die Bertelsmann-Studie hat im Endeffekt nur herausgefunden, dass Sitzenbleiber in der Regel auch danach nicht zu den Spitzenschülern zählen. Das ist keine Überraschung. Entscheidend ist doch, ob das Wiederholungsjahr hilft, den angestrebten Schulabschluss doch noch zu erreichen. Und da hat die umfassende Untersuchung von 2500 Schülerkarrieren im Jahre 2004 durch das RWI in Essen gezeigt, dass die große Gruppe der Schüler mit Entwicklungsverzögerungen von der Ehrenrunde stark profitiert. Wiederholer haben eine 50 Prozent höhere Chance den angestrebten Schulabschluss doch noch zu erreichen.</p>
<p>Staatlich finanzierte Nachhilfe ist toll, aber das heißt ja noch lange nicht, dass dadurch dann jeder Schüler in jeder Klassenstufe das Klassenziel erreicht. Die Chance auf ein zusätzliches Lernjahr sollte erhalten bleiben.</p>
<p>FreieWelt.net: <strong>Viele Länder, die bei der Pisa-Studie regelmäßig besser als Deutschland abschneiden, haben kein Wiederholungsjahr. Gibt es da nicht doch möglicherweise einen Zusammenhang?</strong></p>
<p><strong>Heinz-Peter Meidinger</strong>: Also da muss man genau hinschauen. Erstens einmal befindet sich Deutschland mit seinen Regelungen in der guten Gesellschaft einer Mehrheit der OECD-Länder. Zum anderen haben andere Länder andere Systeme. In England beispielsweise können Schüler für sie zu schwierige Fächer ab einer bestimmten Klassenstufe abwählen. Damit gibt es aber dann verschiedene Klassen von Abschlusszeugnissen. Die begehrten Unis und Firmen nehmen natürlich dann die, bei denen im Abi die "harten" Fächer wie Mathe und Physik nicht rausgewählt worden sind. Der Vorteil in Deutschland ist, dass jeder Abschluss noch gleich viel wert ist. Diesen Vorteil sollte man nicht aufgeben. Auch Finnland kennt kein Sitzenbleiben, aber beim Übergang auf die Oberstufe und in die Uni wird dann ganz hart selektiert. Besonders human finde ich das nicht.</p>
<p>FreieWelt.net: <strong>Was ist aber mit Schülern, die nur in einem Fach nicht ausreichende Leistungen zeigen, in anderen Lernbereichen den Anforderungen aber durchaus gerecht werden. Denen ist doch mit der Wiederholung der gesamten Klasse nicht wirklich geholfen?</strong></p>
<p><strong>Heinz-Peter Meidinger:</strong> Es ist richtig, dass es Schüler gibt, denen man durch präventive und punktuelle Unterstützung ein Wiederholungsjahr ersparen kann. Deshalb gibt es ja auch in den meisten Bundesländern Nachprüfungen, Sommerseminare, Vorrücken auf Probe usw., um solchen Schülern das Schließen ihrer Wissenslücken in diesen wenigen Fächern zu ermöglichen, ohne dass sie ein Jahr verlieren. Mehr als zwei Drittel aller Schüler, die das Klassenziel nicht erreichen, haben aber mangelhafte oder ungenügende Leistungen in mindestens drei Fächern. Das kann man nicht in kurzer Zeit aufholen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass wir intelligentere Lösungen innerhalb der Regelungen zum Wiederholen finden, z.B. dass die Wiederholer in ihren Fächern mit großen Wissenslücken Zusatzstunden erhalten, während sie in Fächern, wo sie gut waren, weniger Stunden besuchen müssen.</p>
<p>FreieWelt.net: <strong>Wie kann Ihrer Meinung nach leistungsschwachen Schülern geholfen werden, ohne das Sitzenbleiben abzuschaffen?</strong></p>
<p><strong>Heinz-Peter Meidinger:</strong> Das Zauberwort lautet: mehr individuelle Förderung. Zusatzangebote in den Fächern, wo Leistungsschwächen da sind. Auch kleinere Klassen wären hilfreich, damit sich die Lehrkräfte für schwächere Schüler mehr Zeit nehmen können. Das bedeutet: Viele zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer.</p>
<p>Trotzdem: Die Möglichkeiten der Schule stoßen an Grenzen. Wenn bei Schülern nicht nur elterliche Unterstützung, sondern auch das Bewusstsein für den Wert von Bildung und die generelle Leistungsmotivation fehlen, nutzt auch das beste Förderangebot nichts.</p>
<p>FreieWelt.net: <strong>Vielen Dank für das Gespräch!</strong></p>
<p><em>Die Fragen stellte Kerstin Schneider.</em></p>
Artikel lesen
| Kommentare (4) Redaktion (ks), 23.02.2013 10:44
| |
| | |

<p>FreieWelt.net: <strong>Sie sind Präsidentin des Verbandes Deutscher Privatschulverbände. Können Sie uns etwas über diesen Dachverband erzählen?</strong></p>
<p><strong>Petra Witt:</strong> Der Verband Deutscher Privatschulverbände, kurz VDP, ist der älteste deutsche Privatschulverband. Er besteht jetzt seit über 110 Jahren. Etwas anders als der Name vermuten lässt, vertreten wir nicht nur die Interessen von allgemein- und berufsbildenden Schulen. Zu unseren Mitgliedern zählen auch Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft aus den Bereichen Weiterbildung und Erwachsenenbildung sowie Sprachenschulen und Hochschulen. Wir setzen uns insbesondere für Pluralität und qualitätsfördernden Wettbewerb im Bildungswesen, für das Recht auf freie Schul- und Bildungsanbieterwahl der Bürgerinnen und Bürger und die rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen von freien Bildungsträgern ein.</p>
<p>FreieWelt.net: <strong>Privatschulen in Deutschland erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Was sind Ihrer Meinung nach die Ursachen?</strong></p>
<p><strong>Petra Witt:</strong> Viele Schüler und ihre Eltern haben heute eine sehr genaue Vorstellung von dem, was Schule ihrer Ansicht nach leisten muss. Aufgerüttelt durch die PISA-Ergebnisse werden seitdem das Angebot und die Qualität der Bildung viel stärker hinterfragt. Schulen in freier Trägerschaft erfüllen für sehr viele Schüler und Eltern deren Erwartungen, beispielsweise durch innovative pädagogische Konzepte, geringem Unterrichtsausfall und kleineren Klassen. Auch bieten sie ihren Schülern eine motivierende und gewaltfreie Lernumgebung. Dadurch kommen die Kinder und Jugendlichen gerne zur Schule und leisten in aller Regel auch mehr. Und Eltern ist es heute sehr wichtig, dass sie einen direkten und unkomplizierten Kontakt zu Lehrern und Schulleitern haben – das können freie Schulen nachgewiesenermaßen alles bieten.</p>
<p>FreieWelt.net: <strong>Derzeit wird über die Abschaffung des “Sitzenbleibens“ diskutiert. Viele Beobachter kritisieren dies als einen weiteren Schritt weg von schulischer Leistungsorientierung. Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen solchen Trends zur „Kuschelpädagogik“ und dem u.a. aufgrund der Pisa-Studie wahrgenommenen Niedergang des deutschen Bildungssystems?</strong></p>
<p><strong>Petra Witt</strong>: Sicherlich haben wir sehr viele Baustellen im Bildungswesen, von einem Niedergang möchte ich aber nicht sprechen. Nach unserer Ansicht ist für ein erfolgreiches Bildungssystem die Vielfalt der pädagogischen Konzepte und Angebote entscheidend. Die Kinder und Jugendlichen sind so unterschiedlich, dass es nicht nur eine Patentlösung geben kann. Für manch einen ist das Sitzenbleiben hilfreich, für andere wiederum ohne sichtbare positive Effekte. Wir müssen davon wegkommen zu glauben, dass es einen allgemeingültigen Bildungsansatz geben kann, der alle zu ihren optimalen Ergebnissen führt. Vielmehr muss sichergestellt sein, dass jeder Schüler, entsprechend seiner Voraussetzungen und Bedarfslagen, Wünsche und Interessen ein für sich passendes Bildungsangebot vorfindet. Wenn unser Bildungssystem stärker auch Dienstleistungsaspekte berücksichtigt und den Bildungsteilnehmern alle notwendigen Förderelemente zur Verfügung stellt, dann haben wir sehr viel erreicht. Dazu muss sich z.B. die Personalausstattung stärker an den Bedarfslagen der Schulen ausrichten und somit, neben Lehrkräften, auch Sozialarbeiter und Schulpsychologen berücksichtigen. In den skandinavischen Ländern ist dies seit langem erfolgreiche Praxis. Davon sind wir zur Zeit aber noch sehr weit entfernt.</p>
<p>FreieWelt.net: <strong>Sie fordern u.a. eine „nationale Bildungsstrategie“. Was erwarten Sie in dieser Hinsicht von der neuen Bildungsministerin Dr. Johanna Wanka? Trauen Sie Frau Wanka zu, eine solche Strategie umzusetzen?</strong></p>
<p><strong>Petra Witt:</strong> Mit unserer Forderung nach einer nationalen Bildungsstrategie und einem dazu notwendiger Weise abgestimmten Handeln von Bildungs-, Sozial und Wirtschaftspolitik, um mehr Effizienz und Erfolg auf allen Bildungsgebieten zu erreichen, sprechen wir nicht nur die Bundesbildungsministerin Frau Dr. Wanka an. Wir fordern, dass sich alle Bundesministerien, in deren Zuständigkeit Belange aus dem Bildungswesen fallen, als auch beispielsweise die Bundesagentur für Arbeit, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, die KMK und Vertreter der Wirtschafts- und Sozialpartner sowie der Bildungsverbände an einen Tisch setzen und gemeinsam eine nationale Bildungsstrategie für Deutschland entwickeln. Sie sollte Leitplanke und Kompass unter anderem für die aktive Arbeitsmarktpolitik, für die schulische und berufliche Bildung, aber auch für die Integrationspolitik sein. Das können wir nur gemeinsam erreichen. Wenn Frau Dr. Wanka unseren Vorschlag aufgreift und voranschreiten würde, würden wir dies sehr begrüßen und sie tatkräftig unterstützen.</p>
<p>FreieWelt.net: <strong>Vielen Dank für das Gespräch!</strong></p>
<p>Das Interview führte Kerstin Schneider</p>
<p> </p>
Artikel lesen
| Kommentare (3) Redaktion (ks), 21.02.2013 13:54
| |
| | |
<p>Meidinger erklärte die Behauptung einzelner Bildungsforscher für nachweislich falsch, dass es empirisch unstrittig sei, dass Sitzenbleiben den Schülern schade. Die größte spezifische Sitzenbleiberstudie in Deutschland, die 2004 vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung in Essen mithilfe einer Vergleichsgruppenbildung von Sitzenbleibern und Nichtsitzenbleibern bei 2.500 Schülerinnen und Schülern durchgeführt worden war, hat eindeutig ergeben, dass sich bei der großen Gruppe der Entwicklungsverzögerten das Sitzenbleiben die Chance, den angestrebten Schulabschluss zu erreichen, um 50 Prozent erhöhte.</p>
<p> </p>
<p>Mehr dazu auf <a href="http://www.dphv.de/index.php?id=20&tx_ttnews[tt_news]=412&tx_ttnews[backPid]=29&cHash=2edf7b378a" target="_blank">dphv.de</a></p>
Artikel lesen
| Kommentare (1) Redaktion (oe), 20.02.2013 13:10
| |
| | |

<p>Im Interview mit der <em>Welt</em> kritisiert Kraus die gerade aufgeflammte Diskussion, die nur einen geringen Prozentsatz aller Schüler – 1,5 Prozent – betreffe. Aus pädagogischen Gründen plädiert er für die Beibehaltung der Praxis des Sitzenbleibens, die ganz im Sinne leistungsschwacher Schüler sei. »Tatsache ist: Schüler, die immer wieder mit Ach und Krach in die nächst höhere Jahrgangsstufe vorrücken, haben irgendwann so kumulierte Wissenslücken, dass es am Ende gar nicht mehr geht. Das Gros der Sitzenbleiber hat in drei oder vier Fächern eine Fünf. Einen solchen Schüler in die nächst höhere Jahrgangsstufe hineinzuschieben heißt, dass die jungen Leute ihre Defizite nicht ausgleichen können und ständig ihren Frustrationen hinterherlaufen.«</p>
<p>Denen, die das Sitzenbleiben abschaffen wollen, wirft Kraus vor, die Realitäten zu verkennen. Hier »herrscht ein total idealisiertes Bild von Schülern. Man tut so, als sei immer nur das System schuld, wenn jemand nicht vorankommt. Tatsache ist, dass sich einige Schüler in bestimmten Phasen weniger anstrengen. Davon sind die Jungs stärker betroffen als die Mädchen, deswegen haben wir bei Ersteren ja auch eine doppelte Wiederholerquote. Ich glaube, dass ein beachtlicher Anteil von Schülern das Risiko des Scheiterns braucht, um mehr in Schule zu investieren. Es ist doch kein Zufall, dass die Länder mit den liberalsten Noten und Bedingungen bei den Pisa-Studien am Ende der Skala liegen.«</p>
<p> </p>
<p>Das ganze Interview unter <a href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article113726698/Warum-das-Sitzenbleiben-in-der-Schule-human-ist.html" target="_blank">welt.de</a></p>
Artikel lesen
| Kommentare (5) Redaktion (oe), 19.02.2013 09:27
| |
| | |

<p dir="ltr"><span>FreieWelt.net: </span><strong>Herr Kemmerich, Sie engagieren sich gegen die neue Form der GEZ-Gebühr. Was stört sie besonders an der Abgabe?</strong></p>
<p dir="ltr"><strong>Thomas L. Kemmerich:</strong><span> Ich bin gegen die Art und Weise, wie die GEZ-Gebühr eingezogen wird. Ich halte die Grundlage für das Modell in einigen Punkten sogar für verfassungswidrig. Der Rundfunkbeitrag verstößt zum Beispiel gegen das Gleichheitsgebot. Weder die Anzahl der Bewohner noch die Empfangsgeräte spielen eine Rolle für seine Erhebung. Ein Single mit Radio bezahlt also genauso viel, wie eine Großfamilie mit fünf Fernsehern und vier Computern. Zudem wird noch einmal Rundfunkgebühr fällig, wenn die Menschen in einer Firma als Mitarbeiter zählen, wenn sie ein Auto leihen oder in einem Hotel übernachten. Diese Mehrfachbelastung macht keinen Sinn. Außerdem kann es nicht sein, dass den in Deutschland lebenden Menschen das Öffentlich-Rechtliche Programm quasi „von oben“ aufgedrückt wird. Staatlich verordnete Informationsquellen sehe ich grundsätzlich problematisch. Aber man lässt den Menschen nicht einmal die Wahl. Vielleicht würden sich nicht Wenige dagegen entscheiden? Diesem Eventuell begegnet man prophylaktisch mit einer Zwangsabgabe. Ich bin jedoch überzeugt, dass der Bundesgerichtshof die Mängel betonen und die Rundfunkgebühr in ihrer jetztigen Form für rechtswidrig erklären wird. „Ein System, dem man nicht entkommen kann, das die Menschen praktisch zwangsbeglückt durch Informationen im Öffentlich-Rechtlichen Funk- und Fernsehen, steht außer Konkurrenz und lebt zum reinen Selbstzweck.“</span></p>
<h3 dir="ltr"><span>Kein zusätzliches Abgabensystem</span></h3>
<p dir="ltr"><span>FreieWelt.net: </span><strong>Wenn schon ein Öffentlich-Rechtliches Fernsehen; wie sollte es richtigerweise finanziert sein?</strong></p>
<p dir="ltr"><span><strong>Thomas L Kemmerich:</strong> </span><span>Nach meiner Meinung ist das der faire Weg: kein zusätzliches Abgabensystem sondern die rein steuerliche Finanzierung. Wenn Öffentlich-Rechtliches Fernsehen weiterhin gewünscht ist, dann muss es aus den vorhandenen Mitteln bezahlt werden. Und die können nur aus dem Steuertopf kommen. Spätestens dann ergeben sich neue Fragen, die ich von großer Wichtigkeit halte: Brauchen wir zum Beispiel eine öffentlich-rechtliche Medienpalette überhaupt noch? Wollen wir uns das leisten? Wieviel ist es uns wert? Welchen Vorteil hat das in der heutigen Zeit? Im Moment wird die Rechnung nach der Art gemacht: Wie viele Milliarden Euro brauchen die Sendeanstalten und wie viel muss jeder Haushalt dann zahlen. Keine Konkurrenz. Keine Verdrängung. Kein Markt. Wer das will, darf dafür aber keine zusätzliche Zwangsabgabe einkassieren. Heute finanzieren wir eine Medienblase unter staatlichem Schutz.</span></p>
<p dir="ltr"><span>FreieWelt.net: </span><strong>Was muss sich Ihrer Ansicht nach an den Inhalten im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk ändern?</strong></p>
<p dir="ltr"><strong>Thomas L. Kemmerich: </strong><span>Ich schätze die unabhängige Berichterstattung im Fernsehen und im Radio. Aber das funktioniert auch ohne den Bonus „öffentlich-rechtlich“. Die betroffenen Sendeanstalten müssen sich zukünftig mehr an den Interessen derer orientieren, die Rundfunkgebühren zahlen. Was wir nicht brauchen sind steuerfinanzierte Sender, die sich im Preiskampf um Übertragungsrechte und Persönlichkeiten mit Privatsendern messen.</span></p>
<p dir="ltr"><span>Irgendwo ist mal Schluß. Es gibt viele Dinge, die können die Privaten einfach besser und die Finanzausstattung ist entsprechend flexibler. Die wirklich starken Seiten der Öffentlich-Rechtlichen sehe ich klar im Bereich Bildung, Dokumentation, Werbefreie Zone, unabhängige politische Berichterstattung und Kulturpflege. Gerade auf regionaler Ebene ist das Programm sehr nah an den Bürgern dran. Für alles andere gibt es zahllose Spartensender.</span></p>
<h3 dir="ltr"><span>Im Detail fehlerbehaftet</span></h3>
<p dir="ltr"><span>FreieWelt.net: </span><strong>Wie führen Sie Ihre Kampagne?</strong></p>
<p dir="ltr"><strong>Thomas L. Kemmerich: </strong><span>Ich werde immer wieder offen sagen, wie ich zu unserem Rundfunkgebührensystem stehe und dazu aufrufen, kritisch zu bleiben. Hier geht es um Persönlichkeitsrechte und die Freiheit eines jeden Einzelnen in einem demokratischen Staat.</span></p>
<p dir="ltr"><span>Hier sehe ich meine Rolle als Politiker: Sowohl im Stadtrat von Erfurt, als auch im Thüringer Landtag oder auch über den Bundesliberalen Mittelstand nehmen wir Liberalen über die Fraktionen alle uns zur Verfügung stehenden parlamentarischen Mittel in Anspruch, um das Rundfunkgebührensystem nouvellieren zu lassen. Städte und öffentliche Einrichtungen sind zudem von horrenden Beitragssteigerungen betroffen. Hier plädiere ich, und das würde ich auch Privatpersonen raten, zu einer Zahlung unter Vorbehalt und Empfehle, Widerspruch gegen den Beischeid einzulegen.</span></p>
<p dir="ltr"><span>„Ich bin strikt gegen die späte Evaluierung der nicht rechtskonformen Rundfunkgebührenpraxis. Wir zahlen Milliardensummen für ein System, von dem wir wissen, dass es nicht nur im Grundsatz umstritten sondern auch im Detail fehlerbehaftet daher kommt.“</span></p>
<p dir="ltr"><span>FreieWelt.net: </span><strong>Bisher machen die Öffentlich-Rechtlichen Sender keine Anstalten einzulenken. Was werden Ihre nächsten Schritte sein?</strong></p>
<p dir="ltr"><span><strong>Thomas L. Kemmerich:</strong> </span><span>Weitermachen.</span><a href="https://www.facebook.com/events/149888651832304/"><span>Eine Initiative auf meiner Facebook-Seite mit dem provokativen Titel „Einzugsermächtigung GEZ kündigen“</span></a><span> bekommt täglich mehr Unterstützung. Lesen sie die Kommentare der Menschen. Dort können sie gut nachlesen, was Deutschland über das Öffentlich-Rechtliche Rundfunkgebührensystem denkt. Die Welle der Empörung muss nur endlich ordentlich anwachsen, damit man die GEZ-Gebühren-Kritiker nicht nur als Musikantenstadel-Hasser oder Pro-Privat-TV in die Randgruppenerscheinungsecke abtut. Das sind wir nicht. Wir sind mehr, als sie denken.</span></p>
Artikel lesen
| Kommentare (2) Redaktion (og), 18.02.2013 10:57
| |
| | |

<p>In sechs Städten registrierten die Behörde Schäden. Das russische Innenministerium beziffert derzeit 400 verletzte – darunter 3 Schwerverletzte. </p>
<p>Russische Blogger <a href="http://zyalt.livejournal.com/722930.html" target="_blank">verlinkten mehrere YouTube-Videos</a>, auf denen herabrasende Meteoriten gleich riesigen Sternschnuppen zu sehen sind.</p>
<p>Der russische Vizeregierungschef Dimitrij Rogosin sprach sich dafür aus, ein Schutzsystem im Rahmen einer internationalen Initiative zu errichten. Das System soll nicht nur frühzeitig vor Objekten aus dem Weltall warnen, sondern diese auch zerstören.</p>
<p>Heute wird der riesige Asteroid DA14 der Erde so nahe kommen wie noch kein einziger vergleichbarer Himmelskörper seit Beginn der Weltraumobservation.</p>
<p>Lesen Sie mehr auf: <a href="http://www.sueddeutsche.de/panorama/verletzte-bei-meteoritenschauer-in-russland-ich-sah-einen-blitz-und-spuerte-die-druckwelle-1.1600941" target="_blank">Sueddeutsche.de</a></p>
Artikel lesen
| Kommentare (0) Redaktion (os), 15.02.2013 11:49
| |
| | |

<p>Hier finden Sie die <a href="nachricht-11799/catherine-hakim%3A-mis-understanding-about-the-pay-gap-in-europe.html">englische Originalversion des Interviews</a>.</p>
<p>Freie Welt: <strong>Am 7. Juni werden Sie auf dem „European Congress on Familiy Science“ in Bamberg einen Vortrag über „Sexual Capital“ halten. Ihr Vortrag ist dort Teil einer Session „Vernachlässigte Perspektiven von Doing Family“. Es leuchtet ein, dass Familie etwas mit Erotik zu tun hat – zumindest gilt das für ihren Ursprung. Wie kommt es dann aber, dass die Familienforschung das „erotische Kapital“ vernachlässigt? Anders gefragt: Worüber werden Sie sprechen?</strong></p>
<p><strong>Catherine Hakim:</strong> Mein Buch und meine Vorlesung handeln von „erotischem Kapital“. ‘Das ist eine Kombination aus physischer und sozialer Attraktivität. Es ist das vierte persönliche Kapital, neben ökonomischem, Bildungs- und Sozialkapital. Es ist ein wichtiges Merkmal privater Beziehungen, wurde aber von Sozialwissenschaftlern ignoriert, weil sie unfähig waren, Sexualität und Begehren zu erforschen und alles was damit zusammenhängt, inklusive gutes Aussehen, Ausstrahlung, Mode usw. Bisher fehlten Sozialpsychologen die geeigneten Methoden, um besondere soziale Fähigkeiten (die emotionale Intelligenz) zuverlässig zu messen, obwohl wir alle jemand erkennen, der diese Fähigkeiten nicht besitzt! Mit der digitalen Fotografie ist es nun einfacher geworden, die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der äußeren Erscheinung des Menschen zu untersuchen. Für mein Buch <a href="http://www.amazon.com/Erotic-Capital-Attraction-Boardroom-Bedroom/dp/0465027474">Erotic Capital</a> habe ich deshalb v.a. die neueste Forschung - mehrheitlich nicht älter als 20 Jahre – analysiert.</p>
<p>Freie Welt: <strong>In Ihrer Forschung nehmen Sie das Partnerwahlverhalten in den Fokus. Frauen, so behaupten Sie, wollen noch immer „aufwärts“ heiraten. Die Auffassung, dass moderne Frauen die finanzielle Abhängigkeit von einem Mann hassen, bezeichnen sie als „Mythos“?</strong></p>
<p><strong>Catherine Hakim:</strong> Neueste Auswertungen von Interviews zeigen, dass Frauen es bevorzugen, jemanden mit dem gleichen Bildungsniveau zu heiraten. Gleichzeitig bevorzugen es DIE MEISTEN Frauen (nicht alle) aber auch, jemanden zu heiraten, der ein höheres Einkommen und damit die Möglichkeit hat, die Frau sowie Kinder abzusichern. Sogar Frauen mit Universitätsabschluß, sogar Frauen mit hohem Einkommen bevorzugen die Heirat mit einem Mann, der ein noch höheres Einkommen hat, von dem sie, falls erforderlich, leben können, während sie Kinder aufziehen. Die Einstellungen von Frauen haben sich schon geändert, aber nicht so sehr, wie wir denken.</p>
<p>Freie Welt: <strong>In der Familienforschung erregt Ihre „Präferenz-Theorie“ Aufsehen, mitunter auch Verwirrung. Könnten Sie uns Ihre Theorie in den Grundzügen erklären?</strong></p>
<p><strong>Catherine Hakim:</strong> Mein Buch <a href="http://books.google.de/books/about/Work_Lifestyle_Choices_in_the_21st_Centu.html?id=XmHYRDqRnYYC&redir_esc=y">Work-Lifestyle Choices in the 21. Century</a> behandelt die jüngste Forschung zu Lebensstil-Präferenzen von Frauen. Diese Forschung zeigt auf, dass Frauen sich grob in drei Gruppen unterteilen lassen: eine Minderheit (rund 20%) von Karrierefrauen ist wie Männer vorrangig an Arbeit und Tätigkeiten in der Öffentlichkeit (wie Sport oder Politik) interessiert; eine andere Minderheit von rund 20% konzentriert sich auf Heim und Familienleben. Die größte Gruppe liegt irgendwo dazwischen und versucht, Familienarbeit mit bezahlten Jobs zu verbinden, oft in Teilzeitarbeit. Während die Mehrheit der Männer auf Karriere aus ist, stellen Karrierefrauen also - im Gegensatz zu dem, was Feministinnen und die Europäische Kommission sagen - eine Minderheit. <br />Demzufolge prognostiziere ich, dass Männer weiterhin das öffentliche Leben beherrschen werden. Feministinnen sind darüber natürlich überhaupt nicht glücklich. Aber meine Theorie hilft bei der Beantwortung der Frage, warum sich das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen in den letzten 20 Jahren nicht noch weiter verringert hat: Die Politik der Chancengleichheit hat bereits alles erreicht, was sie überhaupt erreichen kann.</p>
<p>Freie Welt: <strong>Die nordischen Wohlfahrtstaaten sind aus der Sicht der EU-Kommission, der OECD und vieler Angehöriger der scientific community das große „Best-Practice-Bespiel“ in der Sozial-, Arbeitsmarkt- und Frauenpolitik, dem es nachzueifern gilt. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Geschlechtergleichheit, die in Nordeuropa verwirklicht sein soll. Genau das bezweifeln Sie aber: In Schweden sind die Frauen, so Ihre These, finanziell genauso abhängig von Männern oder vom Staat wie überall sonst in Europa. Können Sie das erläutern?</strong></p>
<p><strong>Catherine Hakim:</strong> Es ist der größte Erfolg der schwedischen Regierungs-Propaganda - der wir alle glaubten -, dass die skandinavischen Länder mit ihrer „Gleichstellung der Geschlechter“ ein soziales Utopia für Frauen geschaffen hätten, das als gutes Vorbild für den Rest Europas dienen könne. Aber zuletzt haben skandinavische Sozialwissenschaftler doch endlich die Wahrheit gesagt. Auch international vergleichende Studien haben schließlich gezeigt, dass es sich bei der Geschlechtergleichheit in den skandinavischen Ländern um einen ein Mythos handelt. Die Belege und Ergebnisse der Forschung, die ich in meinem Buch <a href="http://www.amazon.de/Key-Issues-Womens-Work-Polarisation/dp/1904385168">Key Issues in Women’s Work</a> sowie in einem letzten Bericht <a href="http://178.79.155.39/wordpress/wp-content/uploads/2011/07/Feminist-Myths-and-Magic-Medicine.pdf">Feminist Myths and Magic Medicine</a> behandelt habe, zeigen klar, dass schwedische Frauen nicht mehr erwerbstätig sind als in den USA (wenn man auf die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden achtet), dass ihr Lohngefälle zu den Männern - das Gender Pay Gap – nah am EU-Durchschnitt liegt und dass die skandinavischen Länder unter den OECD-Staaten zu den Ländern mit der höchsten Geschlechtersegregation bezogen auf die Wirtschaftsbranchen und Berufe gehören; der Wert für die berufsspezifischen Geschlechtersegregation ist ähnlich hoch wie in vielen Ländern der Dritten Welt! Kein Wunder also, dass schwedische Frauen genauso finanziell abhängig sind vom Ehepartner oder vom Staat, wie Frauen in anderen europäischen Ländern. Ein beherzter Befund eines schwedischen Ökonomen, Professor Magnus Henrekson – publiziert 2009 in <a href="http://www.independent.org/pdf/tir/tir_14_02_05_henrekson.pdf">The Independent Review</a> -, hat gezeigt, dass Frauen in den “hire-and-fire”-Kulturen der USA und Großbritanniens viel eher Vorstandsvorsitzende und ähnliches werden, als in den familienfreundlichen Wohlfahrtsstaaten Skandinaviens. Das schwedische Modell ist also keineswegs die soziale Utopie, als die es uns immer eingeredet wurde.</p>
<p>Freie Welt: <strong>Die nordischen Länder weisen weltweit die höchsten Frauenerwerbsquoten auf. Die Frauenerwerbstätigkeit gilt gemeinhin als der Indikator für Gleichstellung. Sie behaupten dagegen, dass hohe Frauenerwerbsquoten und Geschlechtergleichheit innerhalb der Arbeitnehmerschaft sich ausschließen. Warum?</strong></p>
<p><strong>Catherine Hakim:</strong> In meinem Buch <a href="http://www.amazon.de/Key-Issues-Womens-Work-Polarisation/dp/1904385168">Key Issues in Women's Work</a> zeige ich, wie verschiedene neuere Studien alle unabhängig voneinander zu dem gleichen Schluss kamen: Niedrige Beschäftigungsquoten von Frauen bedeuten, dass fast ausschließlich Karrierefrauen in die Berufswelt gehen und dort auch mit Männern auf Augenhöhe konkurrieren. Hohe Frauenbeschäftigungsraten in manchen Ländern sind hingegen das Ergebnis von Bemühungen, ALLE Frauen in Beschäftigungsverhältnisse zu zwingen – auch solche, die gar nicht sonderlich an Karriere interessiert sind, sondern vielmehr Teilzeitstellen oder sogar die Fürsorge für ihre Familie in Vollzeit bevorzugen würden. Diese Gruppen von Frauen sehnen sich keineswegs nach den höchsten Positionen oder geben der Karriere den absoluten Vorrang vor ihrem Familienleben. Sie suchen vielmehr - anders als die meisten Männer - familienfreundliche Arbeitsplätze, oft in Teilzeit.</p>
<p>Freie Welt: <strong>Das Gender Pay Gap gilt als Ausweis der fortdauernden Diskriminierung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Wie erklären Sie dieses Phänomen?</strong></p>
<p><strong>Catherine Hakim:</strong> In der Vergangenheit gab es schwerwiegende Diskriminierung aufgrund des Geschlechts: Männern wurde das Doppelte oder Dreifache des Gehalts von Frauen bezahlt, sogar für genau die gleiche Arbeit. Heute wird Männern und Frauen gleicher Lohn für gleiche Arbeit gezahlt. Das Lohngefälle existiert noch auf nationaler Ebene, weil Frauen andere Jobs wählen, weniger gewerkschaftlich organisiert sind, im öffentlichen Sektor arbeiten (wo die Gehälter niedriger sind), näher am Wohnort arbeiten, Teilzeitstellen annehmen, weniger berufliche Qualifikationen haben, weniger kontinuierliche Beschäftigung haben, etc. etc. <br />Es herrscht leider in Europa ein schweres Mißverständnis über das Lohngefälle vor, vor allem unter Journalisten und Politikern, aber auch bei Beamten der Europäischen Kommission, EU-Abgeordneten und Kommissaren. Sie haben die besten Absichten, aber sie verstehen nicht, dass Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts heute beseitigt und ganz andere Faktoren für die Einkommensverteilung entscheidend sind. Ich habe an einigen Sitzungen des Europäischen Parlaments und der Kommission teilgenommen und war schockiert vom Ausmaß der Ahnungslosigkeit in den Diskussionen.</p>
<p>Freie Welt: <strong>Warum meinen Sie, dass „Vereinbarkeitspolitiken“, also flexible Arbeitszeiten, Kinderbetreuungsangebote etc., das „Gender Gap“ auf dem Arbeitsmarkt nicht überwinden können?</strong></p>
<p><strong>Catherine Hakim:</strong> Diese Strategien haben in den skandinavischen Ländern keine Gleichstellung der Geschlechter erreichen können. Also werden sie das anderswo auch nicht schaffen. Solche Maßnahmen basieren auf einer Mischung aus Wunschdenken und falschem Verständnis von Forschungsergebnissen.</p>
<p>Freie Welt: <strong>In Deutschland dient die dänische und schwedische Familienpolitik seit einer Dekade als Blaupause für familienpolitische Reformen – konkret für das Elterngeld und den Ausbau institutioneller Kinderbetreuung. Als nicht nachahmenswert gilt in den Medien dagegen ein Betreuungsgeld für die häusliche Kindererziehung, wie es z. B. in Finnland existiert. Was bestimmt die Einstellungen zu solchen Leistungen? Wie kann die Politik mit unterschiedlichen Interessen von Frauen umgehen?</strong></p>
<p><strong>Catherine Hakim:</strong> Die Medien, die einen großen Einfluss in allen Ländern haben, haben immer die Sichtweise der Europäischen Kommission auf das Skandinavische Modell nachgebetet. Die Bürger sind nicht gut informiert, teilweise auch deshalb, weil Wissenschaftler nicht gut darin sind, ihre Forschungsergebnisse auch öffentlich bekannt zu machen. Viele Akademiker sind außerdem selbst voreingenommen. Weibliche Akademiker, die meist selbst Karrierefrauen sind, unterstellen, dass alle anderen Frauen genauso wie sie denken würden. Ein weiteres Problem besteht darin, dass es nur wenige “pressure groups” gibt, die sich für familienorientierte Frauen (und Männer) einsetzen. So sind die lautesten Frauenstimmen die von karriereorientierten Journalistinnen, Wissenschaftlerinnen und Politikerinnen, die ausschließlich berufstätige Frauen förderungswürdig finden. In allen meinen Büchern plädiere ich für eine geschlechtsneutrale Politik statt einer Politik der besonderen Exklusiv-Vorteile für Frauen. Mütter sollten zum Beispiel nur 2-3 Monate Mutterschaftsurlaub bekommen, während die restliche Elternzeit für beide Elternteile offenstehen sollte. Der Staat sollte nicht versuchen Social Engineering zu betreiben. Wir sollten den Leuten nicht vorschreiben, wie sie leben sollen. Statt dessen sollten wir Paare ihre eigenen Entscheidungen treffen lassen.</p>
<p>Das Interview führte Stefan Fuchs</p>
<p>Foto: catherinehakim.org</p>
<p>Dr. Catherine Hakim ist eine der bekanntesten Sozialwissenschaftlerinnen Großbritanniens und international renommierte Expertin für Geschlechter- und Arbeitsmarktfragen. Aufsehen erregten ihre wegweisenden Studien zur Frauenerwerbstätigkeit, zu berufsspezifischer Geschlechtersegregation und Einkommensunterschieden, zur Arbeitsorientierung und Lebensführung von Frauen und Männern sowie zur Sozial- und Familienpolitik. Große Bekanntheit erlangten besonders die von ihr entwickelte „Präferenz-Theorie“ sowie zuletzt ihre Theorie des „erotischen Kapitals“. Gegenwärtig ist sie Senior Research Fellow am “Centre for Policy Studies“; zuvor arbeitete sie u. a. für die britische Regierung und viele Jahre (1990-2003) an der London School of Economics.</p>
Artikel lesen
| Kommentare (4) Redaktion (rk), 08.02.2013 08:03
| |
| |
|
| |
|
Umfrage |
Welche Rolle spielt heute noch Angela Merkels DDR-Vergangenheit? Foto: Songkran/flickr.com/CC BY-NC-SA 2.0
|
|
|
Spruch des Tages |
| "Jeder Morgen ist eine neue Berufung." - Martin Buber |
|
|
|
|