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zur Person und Archiv
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Dr. Christian Weilmeier 16.05.2013 11:12 Ein Hoch auf die Disziplin
Die Disziplin ist der Weg, wie man seine Ziele erreicht. Durch Disziplin wird man erfolgreich. Disziplin gilt als eng und veraltet. Das ist falsch. Alle erfolgreichen Menschen hatten Disziplin. Jeder Weg ist begrenzt. Man geht einen Weg und keinen anderen.
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zur Person und Archiv
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Jürgen Liminski 12.05.2013 15:57 Geisterfahrer unterwegs
Das tut er jetzt besonders gern. Denn die Anpassung an gesellschaftliche Verhältnisse, die er von seiner Partei fordert, um Volkspartei zu bleiben, ist im Fall des Ehegattensplittings für gleichgeschlechtliche Paare besonders billig. Es gibt gerade mal 27.
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zur Person und Archiv
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Eckhard Kuhla 10.05.2013 12:11 AUFRUF
Diese Lobbygruppe vermittelt fälschlicher weise den Eindruck, dass sie für “die” Frauen spricht, in realiter arbeitet sie nur für den eigenen Machterhalt und Gewinn. Dafür hat sich die Frauenquote als ein probates Mittel erwiesen.
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<p>Der Gastgeber Professor Gerd Habermann führte den Referenten als einen streitbaren Geist ein, von dem er sich harte Worte »wider den Anthropomorphismus« erhoffe. Die Darstellung<em>der Märkte</em> als handelnde Akteure wird von konsequenten Liberalen immer wieder kritisiert. Die Kritik am Begriff sollte Sascha Tamm im Verlauf des Abends auf den Punkt bringen.</p>
<p>Es handele sich bei der Darstellung, dass Märkte gewisse Sachverhalte <em>regeln</em> um eine »falsche und gefährliche« Sprachregelung, erklärte Tamm. Die gut gemeinte Vereinfachung sei inhaltlich und formal »ein Eigentor«.</p>
<h2>Status Quo</h2>
<p>Liberale stehen üblicherweise vor dem Problem, dass (auch FDP-)Politiker erklären, Energiepreise, Mieten oder Zinsen dürften <em>nicht dem Markt überlassen</em> werden. Immer häufiger ist die Rede davon das Politiker <em>den Markt beschränken oder bändigen</em> wollen.</p>
<p>Liberale und Marktwirtschaftler erwidern darauf, im Gegenteil solle <em>der Markt</em> entscheiden. Dabei führen sie ins Feld, dass es sich beim Markt um ein Informations- und Problemlösungssystem zur effizenten Güterverteilung handele. Damit lassen sich Liberale aber auf einen Streit <em>Markt gegen Staat</em> ein, den Tamm eine »argumentative Falle« nennt.</p>
<p>Wer den Staat und den Markt als Gegensatzpaar akzeptiert, »schadet dem Ansehen der Freiheit«, so Tamm. Staat und Markt seien aber keine Konkurrenten weil sie Entitäten mit vollkommen unterschiedlichen Eigenschaften seien. Diese Einsicht habe weitgehende Konsequenzen für die Argumentation.</p>
<h2>Raum und Rahmen</h2>
<p>Wenn Liberale davon sprechen, dass <em>Märkte entscheiden</em>, dann sei eigentlich gemeint: Individuen interagieren in einem Raum unter gemeinsamen Rahmenbedingungen. Märkte seien demnach nicht Entscheidungen fällende Akteure, sondern »Räume, in denen eigenverantwortlich handelnde Menschen handeln, schenken, Verträge schließen«.</p>
<p>Selbst die Vorstellung vom Staat als Akteur sei noch ein stark vereinfachendes Bild. Der Staat sei aber als Ergebnis gleichartig zielgerichteter Gruppeninteressen und -handlungen immer noch als konkret handelnder Akteur denkbar, während ein Markt nur abstrakt zu denken sei. Ein Markt sei nicht das Gesamtergebnis der Handlungen die auf ihm stattfinden, sondern vielmehr ein Konstrukt, um die Gesamtheit dieser Handlungen denken zu können.</p>
<p>Einem Markt fehle das bezeichnende Elemente des Staates, der Zwang, da per liberaler Definition auf einem Markt ohne Zwang agiert werden muss. Im Staat verschafften sich organisierte Parteien Zugang zu Zwangsmitteln, während am Markt dauerhafter Erfolg nur durch gewonnenes Vertrauen bei anderen Marktakteuren entstehe.</p>
<h4>Das ist nicht mein Kapitalismus</h4>
<p>Wohlgemerkt: Diese Sichtweise setzt voraus, dass jeder Zwang der zwischen Akteuren an einem Marktplatz ausgeübt wird, dazu führt, dass das Handeln automatisch nicht mehr als marktwirtschaftlich zu verstehen wäre.</p>
<h2>Anreiz, kein Zwang</h2>
<p>»In erster Annäherung ist der Staat ein Akteur mit Zwangsmacht, der zielgerichtet handelt«, so Tamm. Der häufig beschworene <em>Marktzwang</em> sei dagegen nur ein Begriff für »starke Anreize«, denen Marktteilnehmer immer ausweichen könnten, wenn sie den Aufwand dafür in Kauf nehmen. Der Zwang des Staates sei dagegen unausweichlich.</p>
<p>Eine weitere wichtige Unterscheidung sei, dass Märkte als Handlungsrahmen keine Entscheidungen fällen können. Wer <em>Märkte bändigen</em> wolle, schreibe diesen aber Eigenschaften zu, die ihnen fehlen. Politische Eingriffe führten wegen dieses Missverständnisses ständig zu unbeabsichtigten Konsequenzen. Staaten könnten dagegen als handelnde Akteure begriffen werden, wenn die Ergebnisse des politischen Prozess umgesetzt werden.</p>
<p>Tamm dazu: »Staaten können Handeln erzwingen, ohne für die Folgen zu haften.« Ohne Kenntnis über die Einzelbedürfnisse, die am Markt entstehen, sich verändern, gestillt werden und auch ungestillt bleiben, würden von Staats wegen willkürlich Aggregate gebildet, die man dann zu beeinflussen suche. Wie bei einem Mechanismus glaubten politische Wirtschafts- und Sozial-Ingenieure, sie müssten <em>nur die richtigen Maßnahmen ergreifen</em>, dann könnten sie die politisch gewollten Ergebnisse erzielen. Die Anpassungsreaktionen der Akteure am Markt, eigentlich Nachweise für funktionierende Marktmechanismen, würden als<em>Marktversagen</em> gedeutet. Die negativen Folgen fielen aber nicht auf die verursachenden politischen Akteure zurück.</p>
<p>Wenn politische Eingriffe unterblieben, würden sich erstrebenswerte Ergebnisse einstellen. Diese Ordnung sei menschenfreundlicher, weil die möglichst idealen Verhältnisse nur im freien Austausch, der gewaltlosen Konkurrenz, der freiwilligen Kooperation und der behutsamen Vertrauensbildung entdeckt würden. Sascha Tamm zusammenfassend: »Menschen auf Märkten schaffen stabile Ordnungen.«</p>
<p>Der eigentlicher Gegensatz sei also nicht <em>Markt oder Staat</em>, sondern »politischer Zwang oder Einzelentscheidungen«. Es sei die Gegenübersetzung von Markt und Staat als Alternativen zueinander, die die Illusion von der Steuerbarkeit der Märkte erzeuge.</p>
<h2>Wider wirre Wirtschafts-Wortwahl</h2>
<blockquote cite="http://daniel.fallenste.in/der-markt-entscheidet-nichts/Sascha%20Tamm">
<p>Das Denken in Kategorien wie Markt, BSP, Volkswirtschaft ist eine Verwirrung, die zu Freiheitsfeindlichkeit führt.</p>
</blockquote>
<p>Im Anschluss wandte Sascha Tamm sich gegen ein Denken, das mechanistische Denkmuster auf die Menschen am Markt anwendet. Ein Markt sei keine <em>Maschine, die man nur richtig steuern muss</em>.</p>
<p>Aggregate könnten notwendigerweise nur an der Oberfläche komplexester Sachverhalte schürfen. Märkte als Räume für selbstständige Entscheidungen seien durch ökonometrische Kennzahlen völlig ungenügend beschrieben. Deshalb sei die unbestrittene Effizienz der Ressourcenallokation in freien Märkten nicht das beste Argument für diese. Ein viel gewichtigeres Argument sei, dass in die Prozesse auf freien Märkten bei jeder Interaktion die moralischen Werte und Wertungen des Individuums einfließen. Eine Qualität, die durch jeden verzerrenden Eingriff weiter verloren gehe. So seien Märkte die einzigen Räume der Selbstverantwortung für Individuen und jeder politische Markteingriff eine Entmündigung und Verhinderung moralischen Handelns.</p>
<h2>Freier Markt = Freie Gesellschaft</h2>
<blockquote cite="http://daniel.fallenste.in/der-markt-entscheidet-nichts/Sascha%20Tamm">
<p>Eine freie Gesellschaft unterscheidet sich nicht von einem freien Markt.</p>
</blockquote>
<p>Damit spitzte Sascha Tamm seine Staatskritik auf die These zu, gesellschaftliche Entscheidungen fänden nur auf Märkten statt. Im Gegensatz zum Staat über den Interessengruppen Zwang ausübten, gäbe es an Märkten horizontale Kooperation unter formal Gleichen. Das schlagende Argument für freie Märkte sei gerade die Unkenntnis darüber, welche Innovation, welche Vertrauensbildung die freie Interaktion mit sich bringe. Ökonomische Erwägungen wie das Wirken des Preismechanismus seien von allen Aspekten des freien Marktes wohl die unwichtigsten.</p>
<blockquote cite="http://daniel.fallenste.in/der-markt-entscheidet-nichts/Sascha%20Tamm">
<p>Märkte haben keinen Anspruch und kein Ziel. Sie können also nichts entscheiden und deshalb nicht versagen.</p>
</blockquote>
<hr />
<p>Mehr Informationen zu den Hayek-Clubs finden sich auf <a href="http://www.hayek.de/">hayek.de</a>.</p>
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| Kommentare (2) Redaktion (og), 18.04.2013 09:54
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<p><span>Hier finden Sie die</span> <a href="nachricht-12353/good-teaching-demands-on-passion.html">englische Originalversion des Interviews</a><span>.</span></p>
<p>FreieWelt.net: <strong>Für Ihre Untersuchung haben Sie rund 800 Metastudien ausgewertet, insgesamt 50.000 Einzelstudien mit 250 Mio. Schülern. Was also macht einen erfolgreichen Unterricht aus?</strong></p>
<p><strong>John Allan Hattie:</strong> Ich wünschte es gäbe ein einfaches Rezept und meine Untersuchung der Daten war darauf ausgerichtet, es so einfach wie möglich zu machen…</p>
<p>Dazu gehört etwa, dass eine Gruppe von Lehrern von einer Person geleitet wird, die ein Klima des Vertrauens erzeugt, damit die Lehrer debattieren, kritisieren und Unterrichtsreihen planen können, die a) herausfordernd sind, b) auf dem Vorwissen der Schüler aufbauen, c) die Balance zwischen allgemeiner und tiefgründiger Stoffbehandlung halten und am wichtigsten, d) dass sich alle einig sind, wie der Erfolg sich am Ende darstellen wird und die Erfolgskriterien klar benennen können, BEVOR sie mit dem Unterrichten beginnen.</p>
<p>Die Aussicht auf Erfolg erhöht sich, wenn der Lehrkörper sehr frühzeitig die Zielsetzung des Unterrichtes kommuniziert und sich ständig um Feedback in Bezug auf den Fortschritt der einzelnen Schüler bemüht sowie die Lehrmethoden im Lichte dieser Rückmeldungen anpasst. Die Aussicht auf Erfolg erhöht sich, wenn Schüler, die mit den Herausforderungen des Lernens kämpfen, das Lernen selbst beigebracht bekommen (sich zu konzentrieren, mit Bewusstsein zu arbeiten, Fehler und Fehlschläge zu tolerieren, gemeinsam an Problemlösungen zu arbeiten und verschiedene Lernstrategien auszuprobieren) und mit regelmäßigem Feedback über die nächsten Schritte versorgt werden.</p>
<p>Angemessene Herausforderungen, Klärung des Erfolgsbegriffes und Lehrer, die sich und ihren Unterricht immer weiter entwickeln – das sind Schlüsselkategorien für Unterrichtserfolg. Lehrer müssen darin unterstützt werden, ihren eigenen Einfluss auf den Lernerfolg in einem vertrauensvollen Umfeld ständig zu überprüfen und die Anforderungen der Lehrpläne gemeinsam festzulegen. Lehrer müssen eine Leidenschaft dafür entwickeln, alle Schüler zum Erfolg zu führen.</p>
<p>FreieWelt.net: <strong>Was ist Ihre Vorstellung von einem „guten Lehrer“?</strong></p>
<p><strong>John Allan Hattie:</strong> Hervorragendes Unterrichten lässt sich - nach all meinen Schriften, meinen Beobachtungen in Schulen und meiner Beschäftigung mit Bildung allgemein - auf zwei Hauptnenner bringen - der eine davon ist Leidenschaft. Dabei meine ich eine bestimmte Form von Leidenschaft - die Leidenschaft, wirksamen Einfluss auf den Lernerfolg zu haben. Ich rede nicht über eine bloße „Liebe zum Lehren“, sondern über eine Leidenschaft für wertvolles und bewertbares Unterrichten, eine Leidenschaft dafür, seine Zeit und Energie dem Unterrichten zu widmen und dies zu einem zentralen Aspekt der eigenen Identität und des eigenen Lebens zu machen.</p>
<p>Kinder gehen nicht immer nur zur Schule, um nachzudenken. Unser Kopf ist gar nicht fürs Denken eingerichtet, wie wir in unserem neuen Buch argumentieren (Hattie & Yates, 2013). Denken und Lernen erfordern bewusstes Handeln, bewusste Praxis und bewusste Aufmerksamkeit dem gegenüber, was wir nicht wissen. Man muss Energie und Anstrengung aufbringen und dazu noch die Möglichkeit akzeptieren, daneben zu liegen, vor den anderen bloßgestellt zu werden, weil man es nicht kann! Manchmal erfordert es nachhaltige Bemühungen, bedroht das Selbstvertrauen, bringt ein hohes Maß von Unsicherheit mit sich. Es gibt keine Garantie für Erfolg. Und daher ist es riskant, weil wir es vielleicht nicht schaffen. Es könnte sehr peinlich sein, vor den Augen der Gleichaltrigen zu versagen. Es kostet viel, weil die gleiche Mühe in dem Moment nicht in andere, angenehmere Aktivitäten gesteckt werden kann, die nichts mit Nachdenken zu tun haben. Es ist einfacher, sich nicht mit dem Lernen zu beschäftigen, als es zu riskieren, trotz all der notwendigen Anstrengungen zu versagen. Das ist keine Faulheit. Wir Menschen (besonders die Kinder) verfügen eben nur über begrenzte Ressourcen, mit denen zu haushalten umsichtig, sogar weise ist. Lehrer mit einer ebenmäßigen (nicht obsessiven) Leidenschaft zum Unterrichten wissen das. Daher rührt auch ihr demonstratives Veranschaulichen der Freude, die man daraus ziehen kann, wenn man ihre Leidenschaft für das Lernen von Englisch, Mathematik, Physik und Sport teilt.</p>
<p>Diejenigen Lehrer, die diese Leidenschaft nicht haben, sehen die Quelle der Probleme vor allem in den Schülern. Sie sehen, dass manche klug sind und manche kämpfen müssen, dass manche es können und andere nicht. Sie sehen, dass einige sich bemühen und sagen, der Rest tut das nicht. Sie erklären einige für „leicht zu unterrichten“ und andere für „weniger leicht zu unterrichten“. Leidenschaftliche Lehrer dagegen wollen, dass ihre Schüler über das Erfüllen von Leistungsanforderungen hinaus und zur Beherrschung und Investition übergehen. Es reicht nicht, eine Arbeit rechtzeitig, ordentlich und mit der richtigen Wordanzahl abzugeben - sondern der Schüler soll den Lernerfolg, der durch die Investition in diese Aktivität anfällt, auch tatsächlich genießen. Nicht nur „mini-max“ (minimaler Einsatz für ein maximales Ergebnis), sondern „maxi-max“ (maximaler Einsatz für das Lernen für einen maximalen Ertrag). Leidenschaftliche Lehrer wollen, dass Schüler hinter die Oberfläche gehen: Von der Kenntnis vieler Fakten und Ideen zum vorsätzlichen Willen, diese Ideen miteinander in Beziehung zu setzen und zu erweitern.</p>
<p>Der zweite Hauptnenner, auf den man hervorragendes Unterrichten bringen kann, ist hoher Einfluss. Ich habe bei meiner Arbeit an „Visible Learning“ entdeckt, dass der Unterschied zwischen hervorragenden und nicht so großartigen Lehrern mehr als nur Leidenschaft ist. Die Antwort liegt nicht darin, wer der Lehrer ist – auch nicht notwendigerweise darin, was er genau tut. Es hängt vielmehr damit zusammen, welche Menge an Einfluss er auf die Schüler hat. Das hervorstechendste Ergebnis der Synthese von (derzeit) über 1000 Meta-Analysen (ca. 55.000 Einzelstudien, die ca. 250 Mio. Schüler umfassen) ist, dass fast „alles funktioniert“. Das erklärt nun, warum wir jeden Lehrer die Türe schließen und dann tun lassen, was er für das beste hält – solange es Beweise gibt, dass es das Lernen verbessert. Das erklärt auch, warum die allermeisten politischen Maßnahmen offenbar das Lernen fördern – weil beinahe alles das Lernen fördern kann. Aber wenn wir einmal von den durchschnittlichen Effekten absehen, ergibt sich eine ganz andere Geschichte. Ich bin fasziniert von den Merkmalen derjenigen Lehrer und Lehrarten, die zu überdurchschnittlichen Ergebnissen führen – und das sind die Botschaften in Visible Learning (2008) und Visible Teaching (2011). Ich möchte folgende normative These über hervorragende Lehrer aufstellen: Sie haben nicht nur einen gewaltigen und beständigen Einfluss, sondern sie können dafür auch qualitative Beweise anführen.</p>
<p>Ich habe mich in meiner Karriere auf das Studium von Erfolg konzentriert, und dieser ist in Schulen allgegenwärtig. Meine Schätzung gemäß meiner VL - Arbeit ist, dass um die 40 % der Lehrer stark einflussnehmende, leidenschaftliche Lehrer sind. Sie sind überall – wir müssen sie nur wertschätzen, verlässlich identifizieren, und dann alle anderen so fördern, dass sie zu dieser Gruppe von Lehrern aufschließen.</p>
<p>FreieWelt.net: <strong>Heißt das, reformpädagogische Ansätze wie offener Unterricht oder selbstgestaltetes Lernen, Ansätze also, bei denen sich der Lehrer weitestgehend zurückhält, bringen den Schülern unterm Strich gar nichts?</strong></p>
<p><strong>John Allan Hattie:</strong> Eines der allgemeinen Ergebnisse ist, dass Veränderungen der äußeren Strukturen des Lernens normalerweise wenig Auswirkung darauf haben, wie Schüler lernen – weil die meisten Lehrer nichts an ihrem Lehrstil ändern, wenn sie Strukturen ändern (Zum Beispiel Umzug in „offene“ Klassen, Nutzen von Technologien, Verringern der Klassengröße) – und wenn sie die Art wie sie unterrichten nicht verändern, ist es offensichtlich, warum es nur wenig Wirkung zeigt.</p>
<p>Veränderte Strukturen KÖNNTEN einen Unterschied machen, aber den gibt es selten. In den meisten Fällen gibt es nur unglaublich viele verpasste Möglichkeiten. Wir brauchen mehr Aufmerksamkeit für die Natur des Unterrichtens – wenn es einen systematisch hohen Einfluss hat, müssen wir es mögen, wertschätzen und mehr davon haben – wenn es einen geringen Einfluss hat, muss es sich einfach ändern.</p>
<p>FreieWelt.net: <strong>Und welche Faktoren schaden dem Lernerfolg der Schüler?</strong></p>
<p><strong>John Allan Hattie:</strong> Langeweile, fehlendes Interesse am Fortschritt, Grobheit und zu viel Reden. Das meiste beruht auf einem Modell des defizitären Schülers. Das heißt, man unterstellt, dass sie nicht lernen können, unerzogen und schlecht sind usw.</p>
<p>FreieWelt.net: <strong>In Deutschland wird derzeit darüber diskutiert, ob das Sitzenbleiben abgeschafft werden soll, weil es teuer ist und wenig bringt. Was hat Ihre Untersuchung diesbezüglich ergeben?</strong></p>
<p><strong>John Allan Hattie:</strong> Das Sitzenbleiben (ein Jahr wiederholen) ist einer der systematischeren negativen Einflüsse, der uns bekannt ist. Wenn es Studien über positive Auswirkungen des Sitzenbleibens gibt, dann sind diese noch nicht veröffentlicht worden.</p>
<p>Beinahe alle Studien zeigen negative Auswirkungen – ferner gibt es eine massive soziale Schieflage. In den USA zeigt sich z.B., dass 80% der Sitzenbleiber einen afro-afrikanischen oder hispanischen Hintergrund haben. Ich habe dafür keinen Beweis, aber ich wäre nicht überrascht, wenn man in Deutschland zwei Schüler mit gleichem Leistungsniveau nehmen würde und der aus der sozio-ökonomisch niedriger stehenden Familie mit einer sehr viel größeren Wahrscheinlichkeit sitzenbleiben würde.</p>
<p>Ich bin davon fasziniert, warum wir weitermachen mit dem Sitzenbleiben, und es sind die Lehrer, die das üblicherweise mit der Annahme tun, dass sie die Schüler „reparieren“ könnten, wenn sie einfach MEHR Möglichkeiten dafür hätten. Dabei hatten sie sie ein Jahr lang und haben versagt. Außerdem braucht der Schüler nicht MEHR von der gleichen Art von Lehrplan, Klassenklima, Tests, interaktiven Aktionen mit anderen Schülern. Was sie von diesem Lehrer am meisten brauchen, ist etwas ANDERES – es erweist sich, dass soziale Förderung oft die einzige Option ist …</p>
<p>Auf der anderen Seite stellt die Akzeleration (beschleunigte, vorzeitige Heraufstufung, z. B. ein Jahr überspringen) einen mächtigen Einflussfaktor für Lernerfolg dar. Levin und andere haben gezeigt, dass Akzeleration sowohl bei schwächeren als auch bei begabten Kindern positiv wirkt. Ich bin fasziniert von kognitiver Beschleunigung und von der Frage, wie wir diese in den Klassenzimmern verankern können (und es gibt viele Arten zu beschleunigen, wenn man eine Klasse überspringt).</p>
<p>Es wäre eine sehr positive Sache, das Sitzenbleiben zu beenden.</p>
<p>FreieWelt.net: <strong>Bei den von Ihnen ausgewerteten Studien handelt es sich überwiegend um englischsprachige Studien, die angelsächsische Bildungssysteme untersucht haben. Inwiefern glauben Sie, dass Ihre Ergebnisse auf Deutschland übertragen werden können?</strong></p>
<p><strong>John Allan Hattie:</strong> Ich habe behauptet, dass meine Geschichte für viele westliche Länder passt – besonders dort, wo die Hauptquelle für Leistungsunterschiede innerhalb und nicht zwischen Schulen besteht.</p>
<p>Ich weiß, dass Deutschland ein stärker selektives Schulsystem hat, also sind die Unterschiede zwischen verschiedenen Schulen und nicht innerhalb einer Schule vielleicht größer in Deutschland. Es ist also etwas Vorsicht notwendig.</p>
<p>FreieWelt.net: <strong>Welche Schlussfolgerungen sollte die Bildungspolitik aus Ihren Ergebnissen ziehen?</strong></p>
<p><strong>John Allan Hattie:</strong> Ich schreibe gerade etwas darüber, obwohl ich Forscher bin, kein politischer Entscheidungsträger. Die Botschaft ist meiner Meinung nach, dass es einen unglaublichen Erfolg unter den Lehrern Ihres Landes gibt, und dass es eine der Aufgaben der Politik ist, das zu erkennen und eine Koalition des Erfolgs zu schmieden. Politik beginnt zu oft mit Denken in den Kategorien von Defiziten (siehe oben). Aber das stellt die Wirklichkeit so vieler toller Lehrer in unserem System in Abrede.</p>
<p>Die Idee lautet deshalb, den vorhandenen Erfolg zu steigern. Manche Lehrer leugnen, dass es Spitzenleistungen gibt und andere streben immer weiter danach. Mein Argument ist, Ressourcen für Lehrer und Schulleiter zur Verfügung zu stellen, damit diese regelmäßig prüfen können, wie groß ihr Erfolg ist (sehen Sie z. B., <a href="http://e-asttle.tki.org.nz/">das e-asTTIe-Paket</a>, das wir in Neuseeland entwickelt haben http://e-asttle.tki.org.nz/) und den Schulen Autonomie zu geben, um kontinuierlich sowohl das Leistungsniveau als auch den Lernfortschritt zu steigern (jedes Kind verdient wenigstens ein Jahr Fortschritt für ein Jahr Input, egal, wo es angefangen hat) und die Schulen zu einladenden Orten für die Schüler zu machen. Wenn nicht, dann haben sie kein Recht auf Autonomie.</p>
<p> </p>
<p>Das Interview führte Christoph Kramer</p>
<p>Die Übersetzung aus dem Englischen besorgten Marcel Sudan und Christiane Kunze</p>
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| Kommentare (6) Redaktion (rk), 12.04.2013 13:29
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<p>Die Initiative Familienschutz sprach mit Ann-Kathrin F. (<em>Name von der Redaktion geändert</em>), Facherzieherin für Kleinkind-Pädagogik in einer süddeutschen Großstadt, über ihren Alltag in einer deutschen Kinderkrippe, die Bedürfnisse kleiner Kinder und ihre Wünsche an die Politik.</p>
<p>Initiative Familienschutz: <strong>Sie sind Erzieherin in einer Kinderkrippe. Vor einiger Zeit haben Sie sich an die Initiative Familienschutz gewandt und die Krippendebatte, insbesondere die Falschinformationen gegenüber den Eltern kritisiert. Was läuft Ihrer Meinung nach verkehrt in der Diskussion?</strong></p>
<p><strong>Ann-Kathrin F.:</strong> Falschinformationen sind für mich:</p>
<p>1. dass Kinder, die in eine Krippe gehen, später besser in der Schule sind. Konzentrationsstörungen, persönliche Unsicherheit, Aggressionen, oder Mitläufertum sind nur einige Folgen von mangelnder Zuwendung im Kleinkindalter.</p>
<p>2. dass die Kinder optimal betreut werden. Welche Mutter von Fünflingen hat genügend Zeit, Belastbarkeit, Zuwendung, gute Ideen, um jedem Kind nach seinen individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden? Im Schnitt teilen sich 5 Kinder eine Erzieherin. Die wenigsten Erzieherinnen haben bereits eine Zusatzqualifikation für Kleinkind-Pädagogik.</p>
<p>3. dass Migrantenkinder schneller Deutsch lernen und besser integriert werden. Die Muttersprache wird in den ersten 2 Jahren am besten von der Mutter gelernt, wie der Name schon sagt. Außerdem betreuen viele Migrantenfamilien ihre Kinder nach traditionellem Erziehungsmodell, d.h.</p>
<p>a: Die Mutter bleibt zuhause und versorgt die Familie.</p>
<p>b: Solche Familien lassen ihre Kinder daheim, weil sie nicht wollen, dass sie von fremden Wertvorstellungen geprägt werden.</p>
<p>4. dass alle Mütter arbeiten wollen. Ich habe noch in keiner Anmeldung gelesen, dass eine Mama arbeiten will, weil ihr das mehr Erfüllung bringt als das Zusammensein mit ihrem Kind</p>
<p>5. dass der Staat, unsere Wirtschaft auf die Arbeit der Mütter angewiesen ist. Wie viel Bruttosozialprodukt muss eine Mutter erwirtschaften, und entsprechend Abgaben zahlen, um dem Staat eine monatliche Subvention von mindestens 1000 € wert zu sein?</p>
<p>6. dass ausgebildete Fachkräfte Kleinkinder besser versorgen als Mütter. Aufgrund des Fachkräftemangels, der auch schon bei Gesetzesbeschluss absehbar war, werden Krankenschwestern, Lehrerinnen, Hausfrauen, Schüler und Studenten beschäftigt. Nach dem Motto: Spielen und Wickeln kann jeder. Fast jede Frau, Mann kann kochen. Hat er/sie dadurch die Qualifikation, als Chefkoch in einem Gourmetrestaurant zu arbeiten, zu erkennen, welche Ernährung für welchen Gast richtig ist, und entsprechende Menü- und Ernährungspläne zu erstellen? Was sind uns unsere Kinder wert?</p>
<p>7. dass Kinder in der Krippe mehr lernen als Zuhause. Lernpsychologen sagen, dass die Effizienz des Lernens stark von der Beziehung zwischen Lehrer und Lernendem abhängt, sowie auch von einer positiven Lernatmosphäre. Manchmal habe ich den Eindruck, dass unseren Entscheidungsträgern nicht bewusst ist, von welchem Alter sie sprechen: nämlich von Wochen bis 36 Monaten.</p>
<p>8. Wenn Politiker und Arbeitgeber über Krippenausbau reden, geht es nicht um die Bedürfnisse des Kindes, sondern darum, Mutter/Vater von der Erziehungsarbeit freizustellen, um verlässliche Arbeitskräfte zur Verfügung zu haben. Das Wort Betreuung klingt dabei sehr verfänglich. Denn in Wirklichkeit wird dann die Erziehungsarbeit der Eltern nicht mehr ergänzt, sondern zunehmend ersetzt, zumindest wenn die Eltern vollbeschäftigt sind.</p>
<p> </p>
<p><span style="text-decoration: underline;"><strong>Sichere Bindung ist die Voraussetzung für Bildung</strong></span></p>
<p><span style="text-decoration: underline;"><strong><br /></strong></span></p>
<p>Initiative Familienschutz: <strong>Sie schreiben „Jedes Kind hat ein Recht auf individuelle Bindung, Beziehung und Bildung. „Ja, wir sind ausgebildet und motiviert. Aber unter diesen Bedingungen können wir das nicht leisten“. Was genau meinen Sie damit?</strong></p>
<p><strong>Ann-Kathrin F.:</strong> Bildung bedeutet explorieren, neue Wege gehen. Die nachhaltigste Bildung entsteht aus eigenen Erfahrungen. Einfach gesagt: Die kindliche Neugierde lehrt den kleinen Menschen die Gesetze des Lebens und Handelns.</p>
<p>Dazu braucht das Kind einen sicheren Ausgangspunkt, eine sichere Bindung. Wer auf wackeligem Boden steht, wird keine Leiter hinaufsteigen, sondern wird alles tun, um festen Boden unter die Füße zu bekommen, d.h. ein Kind, das keinen sicheren Halt hat, kann sich gar nicht für neue Lerninhalte öffnen, denn es investiert seine ganze Kraft, Sicherheit zu bekommen. Erst dann wird es sich nach neuen Zielen ausstrecken.</p>
<p>Eine sichere Bindung kann nur durch die wachsende Beziehung zu einer festen Bezugsperson entstehen. Das erfordert viel Zeit, Fachkompetenz und Feinfühligkeit, um die Herzenssprache des Kleinstkindes zu verstehen, und ihm auf dieser Ebene zu begegnen. Nicht alle Betreuungskräfte haben das nötige Feingefühl, zu erspüren, welche Bedürfnisse das Kleinkind über Körpersprache, Mimik und Gestik mitteilt. Diese konstante Interaktion mit dieser festen Bezugsperson ist unerlässlich für die Selbstidentifikation des Kleinstkindes. Je jünger ein Kind ist, desto zuverlässiger muss die Bezugsperson sein, die seine Schritte begleitet und weitere Bildungsangebote anregt. Eine Erzieherin hat bei dem bestehenden Personalschlüssel weder die Zeit, noch genügend Hände für diese ständige Zuwendung. Null bis zweijährige Kinder leben im „Hier“ und „Jetzt“, nicht im „Später“ oder „Warte“, oder „Vielleicht“. Sie sind auf sofortiges Feedback auf ihr Tun angewiesen, weil jedes weitere Handeln entscheidend von der direkten Reaktion der Bezugsperson abhängt.</p>
<p>Dieser Aspekt beeinflusst die Motivation, die spätere Arbeitshaltung und Leistungsbereitschaft, und somit die weitere Entwicklung unserer Gesellschaft.</p>
<p>Das jedoch kann in Krippen etc. nicht gewährleistet werden.</p>
<p>Initiative Familienschutz: <strong>In immer mehr Kinderkrippen können Kinder ab der 8. Lebenswoche bis 3 Jahren von 6:00 bis 20:30 Uhr oder noch länger betreut werden. Wird dieses Angebot, insbesondere die Betreuung bereits weniger Wochen alter Babys, über einen so langen Zeitraum von den Eltern genutzt? Wie groß ist insgesamt die Nachfrage?</strong></p>
<p><strong>Ann-Kathrin F.:</strong> Sehr groß, insbesondere in Ballungsgebieten. Die Wartelisten sind oft mit 200% überbelegt. Schon während der Schwangerschaft werden Babys auf die Warteliste gesetzt. Wenn eine Mutter voll arbeitet, den Arbeitsweg und evtl. Pause einberechnet, dann ist ihr Kind etwa 10 Stunden in der Einrichtung.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;"><strong><br /></strong></span></p>
<p><span style="text-decoration: underline;"><strong>Staat hebelt besonderen Schutz der Familie immer mehr auf</strong></span></p>
<p><span style="text-decoration: underline;"><strong><br /></strong></span></p>
<p>Initiative Familienschutz: <strong>Für die Leiterin des Arbeitskreises “Außerfamiliäre Betreuung in der frühen Kindheit” in der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung, Ann Kathrin Scheerer, ist der massive Ausbau der Krippen weniger das Ergebnis gestiegener Nachfrage der Eltern, sondern habe vor allem arbeitsmarktpolitische und wirtschaftliche Gründe. Wie sehen Sie das? </strong></p>
<p><strong>Ann-Kathrin F.:</strong> Für Eltern aus den neuen Bundesländern ist Krippenerziehung oft selbstverständlich, weil sie es auch so erlebt haben.</p>
<p>Unverheiratete Mütter, (auch manche verheiratete) wollen öfters arbeiten, um nicht von ihrem Partner abhängig zu sein. Dazu kommt die Angst vor Versorgungsengpässen oder Altersarmut, weil der Staat den besonderen Schutz der Familie immer mehr aufhebelt.</p>
<p>Manchen Müttern wird der Verlust des Arbeitsplatzes mehr oder weniger direkt angedeutet. Sie haben Angst vor Mobbing oder Geringschätzung als Heimchen am Herd.</p>
<p>Die vorenthaltenen Sozialversicherungsanwartschaften seitens der Politik ermutigen Mütter auch nicht gerade, die kreativste nachhaltigste Aufgabe ihres Lebens wahrzunehmen, während getrennt lebende Väter Freizeitpapas nach Belieben sein dürfen.</p>
<p>Eine vage Vermutung: Wenn der Staat unter Bildung zunehmend zweckgebundenes Funktionieren hervorhebt und fördert, werden damit auch wesentliche Bestandteile des Menschseins verloren gehen, z.B. Emotionalintelligenz, Individualität, besondere Kompetenzen, Kreativität, Lebenssinn und Lebenswert.</p>
<p>Initiative Familienschutz: <strong>Bindungsexperten wie beispielsweise Dr. Rainer Böhm warnen immer wieder vor zu früher Fremdbetreuung. Insbesondere kleine Kinder seien einem enormen Stress ausgesetzt, das hätten Untersuchungen anhand des Stresshormons Cortisol belegt. Welchen Eindruck haben Sie von den Kindern in Ihrer Einrichtung? </strong></p>
<p><strong>Ann-Kathrin F.:</strong> Der kindliche Stress äußert sich in verschiedenen Formen.</p>
<p>- Manche Kinder weichen nicht von der Seite der Erzieherin und werden kaum eigenaktiv, halten sich buchstäblich an Spielzeug oder Ritualen fest, reagieren vorschnell mit Panik, oder heftigem Widerstand. Während der Eingewöhnungszeit (ca. 8 Wochen) ist das normal, doch danach ist das ein klares Zeichen von mangelnder innerer Sicherheit.</p>
<p>- Die Betreuungszeiten sind oft länger als die Dienstzeit der Bezugserzieherin, d.h. das Kind hat viele wechselnde Ansprechpartner, kommt in eine andere Gruppe zu anderen Kindern und Erziehern, oder hat gar keine Gruppe. Schon sehr früh wird es in ein System gepresst, (Tagesablauf, Verhaltensmuster, Erwartungen, Wertvorstellungen usw.) das für manche Kinder eher hemmend als förderlich ist.</p>
<p>- Weiteren Stress verursacht das Zusammenleben auf engem Raum. Es gibt zu wenige Rückzugsmöglichkeiten, um ungestört über einer selbst gewählten Aufgabe zu verweilen und daraus zu lernen. Unruhig und verloren laufen sie umher, ohne ein Erfolgserlebnis zu haben. Kinder dürfen nichts kosten Die Schlafmatratzen sind oft so eng nebeneinander, dass man nicht dazwischen sitzen kann, um ein Kind zu trösten.</p>
<p>- Auch die Garderobenplätze sind auf 20 cm pro Kind genormt. Wie breit ist denn ein Windelpopo? Die Kinder fühlen sich bedrängt und reagieren mit Rückzug oder Aggression. Kleinkinder sehen noch nicht die Bedürfnisse der anderen, nehmen also das Spielzeug, was sie gerade interessiert, und verstehen nicht, warum der andere jetzt weint oder schlägt. Es kommt zum Konflikt, und wenn mit den Konfliktpartnern kein Lösungsweg erarbeitet wird, werden sie auch kein konstruktives Sozialverhalten erlernen</p>
<p>- Durch das enge Zusammenleben werden Krankheiten sehr leicht übertragen. Es ist altersgemäß, dass Krabbelkinder alles in den Mund nehmen, bzw. sich gegenseitig ins Gesicht oder Mund fassen.</p>
<p>- Nicht zuletzt spüren Kleinkinder die Stimmung und Anspannung ihrer Eltern, wenn sie unter Zeitdruck ihr Kind aus dem Schlaf holen, um pünktlich am Arbeitsplatz zu sein. Es kommt vor, dass Kinder halbkrank oder mit Fieberzäpfchen in die Einrichtung gebracht werden, weil Mutter oder Vater nicht schon wieder von der Arbeit fehlen können. Auch wir stehen dann im Konflikt zwischen den Bedürfnissen des kranken Kindes, den Verpflichtungen der Eltern und unserer Verantwortung gegenüber allen Kindern. Besonders hart ist es, wenn (meist) die Mutter in der Probezeit ist und Angst hat, ihren Job wegen des Kindes zu verlieren. Das ist leider Alltag.</p>
<p>Initiative Familienschutz: <strong>Ab welchem Alter halten Sie die Betreuung des Kindes außerhalb der Familie für sinnvoll und angemessen? </strong></p>
<p><strong>Ann-Kathrin F.:</strong> Ich denke, dass die meisten Kinder sich schon sehr früh an einige, wenige, feste, dauerhafte Bezugspersonen gewöhnen können, wenn diese für die Eltern vertrauenswürdig und verlässlich sind. Für ein Baby sollte das höchstens nur stundenweise und immer die gleiche Person sein. Wenn Kinder anfangen zu laufen, fühlen sie sich in Krabbelgruppen wohl, wo die Mama in Reichweite ist. Das Kind kann sich selbstbestimmt lösen, um erste eigene Erfahrungen mit Gleichaltrigen zu sammeln. Mit zwei Jahren können viele Kinder nach einer individuellen Eingewöhnungszeit mehrmals pro Woche für 2-3 Stunden in einer vertrauten Umgebung mit vertrauten Menschen gute Erfahrungen machen und ihren Horizont erweitern. Das ist aber keine Bedingung für eine gute Entwicklung.</p>
<p> </p>
<p><span style="text-decoration: underline;"><strong>Wollen Eltern wirklich anderen überlassen, was für ihre Kinder für wichtig und wertvoll sein soll?</strong></span></p>
<p><span style="text-decoration: underline;"><strong><br /></strong></span></p>
<p>Initiative Familienschutz: <strong>Mütter, die ihre Kinder nicht bereits frühzeitig in einer Krippe betreuen lassen, würden ihren Kindern Bildung vorenthalten, so ein immer wiederkehrendes Argument für die frühe außerhäusliche Betreuung. Was meinen Sie dazu? </strong></p>
<p><strong>Ann-Kathrin F.:</strong> Wie ein Baum in Kreisen von innen nach außen wächst, groß und stark wird, so entdeckt und entwickelt ein Mensch seinen Lebensraum und Aktionsradius vom unmittelbaren Umfeld Familie hinaus in weitere Beziehungen und Herausforderungen.</p>
<p>Die primären Bildungsaufgaben des Kleinstkindes sind der Erwerb von Emotional- und Körperkompetenz, und die Fähigkeit, sich mitzuteilen, also Sozialkompetenz. Im Zusammenspiel dieser Kompetenzen entwickelt sich das, was landläufig unter Bildung definiert wird: nämlich die kognitive Intelligenz, also die Fähigkeit, Dinge und Zusammenhänge altersgemäß zu erforschen, verstehen und entsprechend damit umzugehen.</p>
<p>Was lernt der kleine Luis, wenn ich ihm die Tasche aus der Hand nehme und sie selber einpacke, weil er zu langsam ist, und die anderen Kinder schon warten? Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Kleinkindalter beeinflussen das ganze spätere Leben.</p>
<p>Zuhause kann die Mutter/Vater auf die Bedürfnisse des Kindes individuell eingehen: Schlafen, wenn es müde ist, Essen, wenn es hungrig ist. Bilderbuch vorlesen, Türmchen bauen, Schüsseln sortieren…, wenn das Kind seine Neugierde, sein Bildungsbedürfnis signalisiert. Denn dann ist der Lernerfolg auch am effektivsten. Die Pädagogik nennt das Lernfenster. Warum erlernt man eine Fremdsprache am besten in dem betreffenden Land?</p>
<p>Weil man sie dort in einer anregenden Umgebung mit allen Sinnen erlebt und sie gleich sinnvoll anwendet. Das Gleiche erfährt ein Kind, das mit seiner Mama Geschirr in den Schrank räumt oder Wäsche sortiert. Es entdeckt u.a. die Gesetze der Schwerkraft, mathematische Größen, Farben und Formen, fördert seine Handgeschicklichkeit, erweitert seine Sprachfähigkeit durch Begriffe wie hart, weich, biegsam. Es erkennt Sinn und Funktion der Dinge, und bekommt obendrein die wichtigste Anerkennung: Mama ist stolz auf mich – ich habe es gut gemacht. Ich bin wichtig und wertvoll. Wollen Eltern wirklich anderen überlassen, was für ihre Kinder für wichtig und wertvoll sein soll, welche Lebens- und Arbeitshaltung sie erwerben?</p>
<p>Initiative Familienschutz: <strong>Was wünschen Sie sich als Krippenerzieherin von der Politik? </strong></p>
<p><strong>Ann-Kathrin F.:</strong> <span style="text-decoration: underline;">Von der Politik wünsche ich mir:</span></p>
<p>- Dass Kinder als die wichtigste Investition in unsere Zukunft gesehen werden und nicht als Politikum für die nächste Wahl.</p>
<p>- Objektive Aufklärung und Information: Was brauchen Kinder, um Gestalter und Leistungsträger unserer zukünftigen Gesellschaft werden zu können?</p>
<p>- Die Erkenntnis, dass Menschen und insbesondere die Kinder ohne Lobby keine</p>
<p>variable Größe sind, die man der Wirtschaft anpassen kann; und schon gar nicht den Zielen Einzelner unter dem Vorwand des Gemeinwohls unterstellt werden dürfen. Schließlich dienen die Arbeit und der damit verbundene Lohn der Erhaltung des Menschen - und nicht der Mensch zur Rechtfertigung von Konzernstrategien.</p>
<p>- Dass endlich die Leistung von Müttern/Vätern für das Gesamtwohl unserer Gesellschaft geschätzt und honoriert wird. Erziehung und die damit verbundene Prägung ist eine Aufgabe von höchster Kreativität und Nachhaltigkeit für das Gemeinwohl. Das Betreuungsgeld beträgt höchstens ein Zehntel vom Zuschuss für einen Krippenplatz.</p>
<p>- Echte Wahlfreiheit besteht erst, wenn Mütter ihre Kinder nicht aus finanziellen, bzw. Statusgründen und schon gar nicht aus Angst vor ausgebremster Karriere, Arbeitsplatzverlust, oder Altersarmut in die Krippe geben.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Wenn Kleinkinder, d.h. vor dem dritten Geburtstag, außerhäuslich betreut werden müssen, wünsche ich mir von der Politik:</span></p>
<p>- Eine qualifizierte Ausbildung der Fachkräfte, sodass diese den Erziehungs- und Bildungsbedürfnissen von Kleinkindern gerecht werden können.</p>
<p>- Dass die Leistung der Fachkräfte durch Status und finanzielle Anerkennung gewürdigt und honoriert wird.</p>
<p>- Dass der Betreuungsschlüssel auf höchstens eins zu drei festgesetzt wird. Bisher gibt es nur schwammige Empfehlungen.</p>
<p>- Die räumliche und materielle Ausstattung muss sich an den wahren Rechten und Bedürfnissen der Kinder orientieren und nicht am Budget er Geldgeber.</p>
<p>- Keine Kita im Keller oder Dachgeschoss! Kinder brauchen Sonne, frische Luft und Natur – Aussicht statt Kunstlicht, Klimaanlage und Indoorspielplatz. Das weiß jede Oma und jeder Kinderarzt.</p>
<p>- Eltern brauchen ein Recht auf familiengerechte Arbeitszeiten. Schließlich erbringen sie durch ihre Erziehung eine Leistung für den Staat und sollen selber lange leistungsfähig bleiben.</p>
<p>Initiative Familienschutz: <strong>Danke für das Gespräch!</strong></p>
<p>Die Fragen stellte Kerstin Schneider.</p>
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| Kommentare (11) Kerstin Schneider, 02.04.2013 11:26
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<p>FreieWelt.net: <strong>Weltweit glauben Milliarden von Christen - ungefähr ein Drittel der gesamten Menschheit - daran, dass ein jüdischer Wanderprediger namens Jesus von Nazaret vor ca. 2000 Jahren gekreuzigt wurde und danach wieder von den Toten auferstand. Sie glauben, dass dieser Mann der Sohn Gottes war, durch dessen Opferung Gott einen neuen Bund mit den Menschen schließen und die Menschheit zur Erlösung führen wollte. Wie erklären Sie sich den unglaublichen Erfolg dieser Heilsgeschichte?</strong></p>
<p><br /><strong>Abt Jeremias:</strong> Weil sie wahr ist. Und weil diese Botschaft, die von glaubwürdigen Zeugen weitergegeben wurde, die Menschen ins Herz getroffen hat.<br /> <br />FreieWelt.net: <strong>Sie halten sich gerade ein Afrika auf, wo die Menschen das Osterfest sicher anders begehen als hier bei uns in Westeuropa. Was sind nach Ihrer Beobachtung die auffälligsten und wesentlichsten Unterschiede?</strong><br /> <br /><strong>Abt Jeremias:</strong> Die auffälligsten Unterschiede sind nicht besonders wesentlich, aber trotzdem köstlich: Bei der Fußwaschung am Gründonnerstag, da wurden mir keine blitzblanken Pfarrgemeinderatsfüße entgegengestreckt, sondern zwölf erst im Gottesdienst bestimmte Apostelvertreter bekamen ihre Füße gewaschen. Am Waschwasser und am Handtuch konnte man sehen, dass diese Waschung nicht nur symbolisch war. Aber das Wesentliche ist gleich, wie in der deutschen Heimat. Und das soll es ja auch sein.<br /> <br />FreieWelt.net: <strong>Der neu zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählte Papst Franziskus etabliert nach Meinung vieler Beobachter einen ganz neuen Führungs-Stil in Rom. Welche Wirkung entfaltet die Person Franziskus Ihrer Beobachtung nach auf die Verkündigung der Osterbotschaft?</strong><br /> <br /><strong>Abt Jeremias:</strong> Der Papstrücktritt und die Überraschungswahl von Papst Franziskus haben viele abgetauchte Katholiken wieder neugierig auf Kirche gemacht. Dieser ganz andere Stil des Feierns bis hin zur Fußwaschung im Jugendgefängnis, das bringt ja die alten Riten wieder neu zum Sprechen. Das alles ist aber aus afrikanischer Sicht sehr weit weg. Hier freut man sich, dass es einen Papst gibt, weiß sich in der Einheit mit ihm, aber der Glaube hängt nicht daran.<br /> <br />FreieWelt.net: <strong>Sie sind Abtpräses der Missionsbenediktiner, die in vielen Gegenden der Welt missionarisch aktiv sind. Wie wird das Osterfest im Orden begangen? Welche Bedeutung kommt dem Fest innerhalb der missionarischen Tätigkeit zu? Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es zwischen den Großregionen der Welt (Europa, Afrika, Asien, Amerika), in denen der Orden aktiv ist?</strong><br /> <br /><strong>Abt Jeremias:</strong> Das ist aber eine große Frage! Bei uns Benediktinern ist die Feier der Liturgie immer bestimmend, und gerade an Ostern versuchen wir, den ganzen Gehalt der Riten und Gesten auszukosten. Und weil uns das meistens ganz gut gelingt, kommen sehr viele Menschen in unsere Klöster, um mitzufeiern. Das ist eine sehr benediktinische Form der Mission - das offene Haus, die Gastfreundschaft, und das Teilhabenlassen an der klösterlichen Lebensform und feierlichen Liturgie. Da, wo unsere Mitbrüder unmittelbar im Seelsorgseinsatz stehen, da ist Ostern aber vor allem auch das Fest der Taufen. Ich habe Nachrichten darüber aus Kenia und China bekommen, und weiß, dass auch sonst in vielen unserer Kirchen und Missionen an diesem Tag oder in diesen Wochen viele Erwachsene in den Glauben an den Dreieinigen Gott hineingetauft werden.<br /> <br />FreieWelt.net: <strong>Welche besondere Botschaft würden Sie - als "weitgereister" Ordensführer mit einem Blick für globale Entwicklungen - uns hier im kalten Deutschland zu Ostern mit auf den Weg geben?</strong><br /> <br /><strong>Abt Jeremias:</strong> Ostern heißt für uns Christen jedes Jahr: zurück zum Kern!</p>
<p>Das Interview führte Christoph Kramer</p>
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| Kommentare (0) Redaktion (rk), 30.03.2013 10:03
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<p class="Formatvorlage1">Insbesondere die Kinder aus den Bezirken Neukölln und Marzahn-Hellersdorf haben überdurchschnittlich große Schwierigkeiten sich auszudrücken. Neukölln ist bekannt für seinen hohen Migrantenanteil, Marzahn-Hellersdorf gilt allgemein als Problembezirk.</p>
<p class="Formatvorlage1">Wenn ein Kinder in einer Kindertagesstätte untergebracht wird, heißt das übrigens nicht, dass es dann über besseren Sprachfähigkeiten verfügt als Altersgenossen, die nicht in einer Betreuungseinrichtung abgegeben wurden. Im Bericht des <em>Tagesspiegel</em> über die Auskunft der Berliner Schulverwaltung heißt es: »Jedes sechste Kind hat Defizite beim Sprechen – zum Großteil trotz jahrelangen Kitabesuchs.«</p>
<p class="Formatvorlage1"> </p>
<p class="Formatvorlage1">Mehr dazu auf <a href="http://www.tagesspiegel.de/berlin/neue-untersuchung-jedes-sechste-kitakind-hat-sprachdefizite/7942482.html" target="_blank">tagesspiegel.de</a></p>
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| Kommentare (8) Redaktion (oe), 19.03.2013 10:57
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<p>Der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, erklärte dazu, Jugendliche besäßen ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden. Darum brächten sie kein Verständnis dafür auf, "Schüler ohne Ansehen ihrer Noten einfach vorrücken zu lassen".</p>
<p>Meidinger vermutet, dass hinter den Plänen zur Abschaffung des Sitzenbleibens in erster Linie "eine Sparmaßnahme von Bundesländern, um Schüler schneller an den Arbeitsmarkt loszuwerden".</p>
<p> </p>
<p>Mehr dazu auf <a href="http://bildungsklick.de/pm/87051/85-prozent-der-schueler-und-studenten-gegen-abschaffung-des-sitzenbleibens/" target="_blank">bildungsklick.de</a></p>
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| Kommentare (2) Redaktion (EF), 08.03.2013 08:50
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<p>FreieWelt.net:<strong> Bitte erläutern Sie uns, wie Sie auf die Idee gekommen sind, ein Jungengymnasium in Potsdam zu gründen: Warum gerade jetzt? Warum in Potsdam? </strong></p>
<p><strong>Horst Hennert:</strong> Nachdem Berlin zur Bundeshauptstadt wurde, sind viele Familien aus dem Westen nach Berlin und ins Umland gezogen. Auf der Suche nach Schulen für ihre Kinder wurden sie damit konfrontiert, dass hier die Gymnasien meist erst mit der 7. Klasse beginnen, dass statt Religionsunterricht Ethik vermittelt wird, dass es wenig Schulen mit christlichem Profil gibt. So bildete sich eine Initiative aus Eltern, die sich stark machen wollte, eigene Schulen zu gründen. Da einige aus dem Kölner Raum die Fördergemeinschaft für Schulen in freier Trägerschaft kannten, die seit 40 Jahren ein Mädchengymnasium in Jülich betreibt, konnten sie diesen Schulträger für ihr Anliegen gewinnen. Da die Ersatzschulfinanzierung in Brandenburg günstiger ist als in Berlin und einige Eltern aus dem »Speckgürtel« um Berlin kommen, bot sich Potsdam als Standort an, weil er auch aus dem Westen Berlins leicht zu erreichen ist.</p>
<p>FreieWelt.net:<strong> Offiziell hat die Landesregierung ihren Widerstand gegen die Schulgründung damit begründet, dass reine Jungen- oder Mädchenschulen im Brandenburgischen Schulgesetz nicht vorgesehen sind. Sie wollen aber eine Jungenschule gründen. Was spricht für das Konzept der Monoedukation? </strong></p>
<p><strong>Horst Hennert:</strong> Dass die Jungen in unserem Bildungswesen benachteiligt sind, ist inzwischen allgemein bekannt: Inzwischen sind fast 60 Prozent der Abiturienten Mädchen, bei den Sitzenbleibern sind die Jungen in der Mehrzahl, 80 Prozent der ADHS-Geschädigten (Zappelphilipp-Syndrom) sind Jungen, Gewalt und Drogen treten vor allem bei Jungen auf. Das sind nur einige der Phänomene, die zum Nachdenken anregen über die Frage, wie man den Jungen besser helfen kann.</p>
<p>Als wir mit dem Schulprojekt begonnen haben, stand im Brandenburgischen Schulgesetz, dass die Schulen »in der Regel« koedukativ seien. In einer Neufassung wurde dann »in der Regel« gestrichen und unser Antrag von 2006, ein Jungen- und zeitversetzt ein Mädchengymnasium zu gründen, abgelehnt. Dagegen hat die Fördergemeinschaft durch drei Instanzen geklagt und nach sieben Jahren beim höchsten Gericht Recht bekommen. Das Land Brandenburg hatte argumentiert, dass an einer monoedukativen Schule die Gleichberechtigung der Geschlechter nicht vermittelt werden könne, dass sie diskriminierend für das andere Geschlecht und für »Transgender« sei. Das Bundesverwaltungsgericht hat nun letztinstanzlich entschieden: Nicht alles, was man in der Schule lernt, muss dort auch praktisch erfahren werden, zum Beispiel Respekt und Achtung vor anderen Ethnien erfordert nicht, dass in jeder Klasse fünf ausländische Schüler sitzen.</p>
<p>Wir wollen nur ein Angebot für Eltern machen, das im schulischen Lernen die Unterschiedlichkeit der Geschlechter berücksichtigt, das die besonderen Fähigkeiten der Jungen zum Beispiel in den naturwissenschaftlichen Fächern fördert, ihre sprachlichen Defizite ausgleicht, ihrem größeren Bewegungsdrang durch sportliche Aktivitäten entgegenkommt, ihr eher sachorientiertes Lernen und ihre gegenüber Mädchen langsamere Entwicklung berücksichtigt. Auch von staatlichen Stellen wird jetzt darüber nachgedacht, ob es nicht pädagogisch sinnvoll sei, in bestimmten Entwicklungsphasen und in einigen Fächern Jungen und Mädchen zu trennen. Das läuft unter der Bezeichnung »reflexive Koedukation«.</p>
<p>FreieWelt.net: <strong>Die Landesregierung hat versucht, die Gründung des Gymnasiums zu verhindern und dabei kaum einen Hehl daraus gemacht, dass sie die Verbindung zum Opus Dei stört. Wie wollen Sie derartigen Sorgen – die immer wieder geäußert werden – begegnen? </strong></p>
<p><strong>Horst Hennert:</strong> Wir haben immer zum Ausdruck gebracht, dass für uns die Erziehungsgrundlage das christliche Menschenbild ist, dass jeder Mensch ein Ebenbild Gottes ist, dem höchste Achtung entgegenzubringen ist. Die Schüler sollen zu selbstverantwortlichen Persönlichkeiten werden, die einmal im Beruf, in der Familie und in der Gesellschaft ihre Fähigkeiten einbringen und sich nicht von Ideologien einfangen lassen.</p>
<p>Die Spiritualität des Opus Dei ist gerade darauf ausgerichtet, sich als Christ in der Welt in diesen Bereichen zu bewähren. Die seelsorgliche Betreuung durch einen Priester des Opus Dei ist ein Angebot an die Eltern und Schüler, ihnen dabei zu helfen.</p>
<p>Das Opus Dei ist eine Personalprälatur innerhalb der katholischen Kirche, ein Bestandteil der hierarchischen Struktur der Kirche, und vertritt daher keine anderen Werte und Ziele als die katholische Kirche. Diese Erkenntnis setzt sich langsam auch im Bewusstsein vieler Menschen entgegen allen romanhaften Verzerrungen durch.</p>
<p>FreieWelt.net:<strong> Wie bewerten Sie das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, das Ihnen Recht im Streit mit der Landesregierung gegeben hat: Handelt es sich um eine Einzelfallentscheidung oder hat es eine darüber hinausgehende Bedeutung? </strong></p>
<p><strong>Horst Hennert:</strong> Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts ist von grundsätzlicher Bedeutung. Seine Tragweite liegt darin, dass jetzt Eltern, die dies wünschen, in allen – auch in den neuen Bundesländern – Schulen gründen können, die getrenntgeschlechtlich sind. Es ist eine Entscheidung für das freie Schulwesen in Deutschland und für das Recht der Eltern auf freie Schulwahl. Und sie stärkt die Eltern in ihrer im Grundgesetz verankerten Erstverantwortlichkeit für die Erziehung ihrer Kinder.</p>
<p>FreieWelt.net:<strong> Vom Erzbistum Berlin hört man wenig zu Ihrem Vorhaben, obwohl es selbst mehrere Schulen betreibt. Fühlen Sie sich ausreichend unterstützt?</strong></p>
<p><strong>Horst Hennert:</strong> Wir haben das Erzbistum Berlin von Anfang an über unser Vorhaben informiert. Da es sich aber nicht um eine kirchliche Schule handelt, war auch klar, dass sich das Bistum nicht finanziell engagieren würde.</p>
<p>FreieWelt.net: <strong>Vielen Dank für das Gespräch.</strong></p>
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| Kommentare (4) Redaktion (oe), 07.03.2013 12:59
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<p class="Formatvorlage1">Das hätte in ihren Augen zudem den Vorteil, dass der Aufwand von Behörden reduziert werden würde und der Anreiz für Plagiate in der Wissenschaft sinke. In Deutschland kann der Doktortitel – anders als in anderen Ländern – wie ein Ordens- oder Künstlername in den Personalausweis eingetragen werden. Andere akademische Grade werden nicht eingetragen.</p>
<p class="Formatvorlage1">Im Kern geht es Sager indes nicht um Bürokratieabbau, sondern um etwas anderes. Ihr ist die Möglichkeit, sich mit dem Doktortitel von anderen abzuheben, ein Dorn im Auge – niemand soll sich von anderen abheben dürfen, alle sollen gleich sein: »Es wäre an der Zeit, den Doktorgrad von gesellschaftlichen Überhöhungen zu entlasten. Zum Teil wird er wie eine Art bürgerlicher Adelstitel oder Namensbestandteil behandelt«, sagte Sager dem <em>Handelsblatt</em>.</p>
<p class="Formatvorlage1"> </p>
<p class="Formatvorlage1">Mehr dazu auf <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/dr-nicht-mehr-im-pass-gruene-starten-angriff-auf-deutschlands-elite-seite-all/7863758-all.html" target="_blank">handelsblatt.com</a></p>
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| Kommentare (5) Redaktion (oe), 04.03.2013 08:36
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