Neuer Verband setzt sich für kinderreiche Familien ein

18. Oktober 2011, 10:36 | Kategorien: Lebenswelt | Schlagworte: , | von Redaktion
Foto: Verband kinderreicher Familien Deutschland e.V.
Redaktion

Kinderreiche Familien sollten endlich wieder normal sein. Sie sollten weder als Kuriosität gelten, noch als asozial. So fasste Dr. Elisabeth Müller, Vorsitzende des neu gegründeten Vereins „Verband kinderreicher Familien e.V.“, dessen Kernforderung bei der gestrigen Pressekonferenz zusammen. Kinderarmut sei hierzulande eines der größten gesellschaftlichen Probleme. In Deutschland kämen sehr wenige Kinder zur Welt. Einer Studie der „Stiftung für Zukunftsfragen“ zufolge schätzten sich nur die Russen noch kinderunfreundlicher als die Deutschen ein. 

Dies wolle der „Verband kinderreicher Familien e.V.“ ändern, ohne aber die Diskussion auf Finanzen und Betreuungsangebote zu beschränken.

„Niemand bekommt Kinder aus ökonomischen Erwägungen“, so Müller. Vom ökonomischen Standpunkt scheint Deutschland keineswegs kinderunfreundlich zu sein. In  den letzten Jahren wurde das Kindergeld erhöht, Kinderbekommen wird über die Riester-Rente gefördert und der Staat gibt mehrere hundert Euro im Monat für jeden Kindergartenplatz aus. „Am Geld scheint es nicht zu hapern“, konstatiert Thomas Franke, der Pressesprecher des Vereins. Allerdings, sei Kinderreichtum in Deutschland negativ konnotiert. Eltern, die mehr als zwei Kinder haben, sähen sich mit Vorurteilen und fehlender Akzeptanz konfrontiert. Es ginge nicht um mehr Geld für Familien, sondern um eine kinderfreundlichere Gesellschaft.

Was die deutsche Gesellschaft kinderunfreundlich macht, erklärt Müller an einigen konkreten Beispielen: Familienkarten für Schwimmbäder berücksichtigten maximal zwei Kinder. Wenn man mehr Kinder habe, müsse man extra bezahlen. Große Wohnungen seien, gerade in Städten, schwer zu finden. Viele Menschen würden die Geräusche von spielenden Kindern zu wenig tolerieren. Spielplätze würden nicht gepflegt. Politik, Medien und die Chefetagen der großen Konzerne würden von Kinderlosen dominiert. Kinder erwiesen sich, nach wie vor, als Karrierehindernis. Es sei also nicht verwunderlich, dass die Verantwortlichen wenig sensibel sind, für die Belange junger Großfamilien. Daher wolle sich der Verband auf allen politischen Ebenen für diese Belange einsetzen. Zwei wichtige Themen seien das Familiensplitting in der Steuergesetzgebung und die Anerkennung der Erziehungsleistung bei der Berechnung von Altersbezügen. Darüber hinaus müsse die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum steuerfreien Existenzminimum endlich umgesetzt werden. Der Verein will sich stark machen im Bereich des Wohnungsbaus und setzt sich für mehr Wahlfreiheit bei der Kinderbetreuung ein. Seine Kinder daheim zu betreuen, solle genau so gefördert werden, wie ein Kindergartenplatz. 

Viele Unternehmen, die sich nach außen als kinderfreundlich gäben, würden diesem Anspruch, bei näherer Betrachtung, nicht gerecht. Solche Firmen wolle der Verein mit einer „goldenen Himbeere“ abstrafen. Im Gegenzug hätte der Verein vor, familienfreundliche Unternehmen auszeichnen, die sie sich nicht auf Lippenbekenntnisse beschränken. Auch in anderen Bereichen will der Verein mit der Wirtschaft zusammenarbeiten. So wollten sie Unternehmen über die Belange kinderreicher Familien informieren; über Arbeitszeitmodelle oder die steuerliche Absetzbarkeit von Beteiligungen an Kinderbetreuung und Haushaltshilfen. Niemand solle wegen der Zahl seiner Kinder diskriminiert werden, wenn er sich um eine Stelle bewirbt. Es sollten für Eltern mit vielen Kindern Angebote geschaffen werden, beim Kauf eines PKWs oder beim Kauf von Kleinkindbedarf.  Die Lebenshaltungskosten stiegen mit jedem Kind und dem müsse man entgegenwirken. Alle diese Angebote sollten in einem speziellen Programm „Familie 3+“  zusammengefasst werden.  

Durch diese Maßnahmen und eine verstärkte Berichterstattung möchte der „Verband kinderreicher Familien e.V.“ das Bewusstsein dafür wecken, wie wichtig es sei, mehr als nur ein oder zwei Kinder zu haben. Denn nur so könne man dem demographischen Wandel begegnen. 

Mehr dazu auf kinderreichefamilien.de

 

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