Harald von Seefried im Hayek-Club Berlin

Der deutsch-schweizerische Unternehmer Harald von Seefried sprach am vergangenen Dienstag im Hayek-Club Berlin über die Entstaatlichung des Geldes. Die Entstaatlichung war eine der wesentlichen späten Forderungen des liberalen Ökonomen und Sozialphilosophen Friedrich August von Hayek, der dem Club auch seinen Namen gibt. Vor 20 Zuhörern erläuterte von Seefried die Eurokrise aus Sicht eines internationalen Unternehmers.

Veröffentlicht: | Kategorien: Reportagen | Schlagworte: Berlin, Finanzkrisen
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Der 1942 geborene Unternehmer ist gelernter Jurist und war war in der Versicherungsbranche tätig, bevor er sich 1984 mit seiner eigenen Adlitz AG in Zürich (CH) selbstständig machte. Die Firma beschäftigt sich mit Vermögensverwaltung und Beteiligungsberatung.

Von Seefried begann mit einem kurzen Abriß der Position Hayeks, die er im Grundsatz teile. Das tiefe Mißtrauen gegen staatliches Handeln, und die Überzeugung, dass sämtlicher gesellschaftlicher Wohlstand durch unternehmerisches Handeln geschaffen werde, mache er sich zu eigen.

Man habe, zitierte er aus Hayeks Buch “Die Entstaatlichung des Geldes” (1976), “keine andere Wahl, als das Geldmonopol der Regierung und nationale Währungssysteme durch freien Wettbewerb zwischen Emissionsbanken zu ersetzen”, wenn der Wohlstand nachhaltig erhalten bleiben und wachsen solle.

Idealerweise wäre für von Seefried daher, wenn der Staat sein Monopolgeld aufgäbe.

Bankers Werk...

Die zur Zeit akute Krise in der Euro-Zone versteht von Seefried als das Ergebnis verschiedener Fehlentwicklungen.

Die erste seiner Ansicht nach eine systemische Krise der Banken. In den letzten Jahren habe sich gezeigt, dass innerhalb der Banken Defizite bestünden, die die Euro-Krise begünstigen.

Die Dotcom-Blase, die Lehman-Pleite und der Libor-Skandal zeigten, dass Banken im gegenwärtigen Zustand nicht die vertrauenswürdigen Institutionen seien, von denen Hayek hoffte, sie könnten das Geld dezentral verwalten.

Als Beispiel nannte er einen Fonds der Schweizer Großbank UBS. Obwohl keine Geldanlage völlig sicher ist, nannte die Bank dieses Produkt “Absolute Return Funds”. Diese waren, so von Seefried, “alle nichts wert.
Zypern sei ein gutes Beispiel für den inneren Verfall der Banken. Das Bankensystem sei durchweg korrupt und betreibe  “Geldwäsche wie im Bilderbuch”.

Eine Tatsache, die Seewald mit dem für ihn ausnahmsweisen Kraftausdruck "Riesensauerei" belegte. Vor diesem Hintergrund helfe die von der Troika vorgeschlagene Halbierung des Bankensektors nichts. Diese sei lediglich eine “Erlaubnis zur Geldwäsche auf halber Flamme”. Würde die Geldwäsche auf Zypern tatsächlich gestoppt werden, würde der Baneknsektor dort unrettbar kollabieren.

Weiterhin würde das Geld ohnehin nicht langen. “Die Nachschusspflicht kommt wie das Amen in der Kirche”, sagte von Seefried. Über Ausnahmetatbestände wie "Zahlungen an soziale Hilfswerke",  für die Spendenbescheinigungen aus Kiew und Wladiwostok kämen, würden Kapitalverkehrskontrollen umgangen. Auf diese Weise würde noch mehr Kapital abfließen, was mehr Rettungsgelder erforderlich mache.

… und Deutschlands Beitrag

Drei Krisen in Deutschland identifiziert von Seefried als weitere Ursachen der Euro-Krise. Eine des Bundestages, eine des Bundesverfassungsgerichts und eine der Bundesbank. Alle drei Institutionen hätten  die gegenwärtig schwierigen Verhältnisse durch Tun und Unterlassen sehenden Auges mitverursacht.

Zuerst kam von Seefried auf den Bundestag zu sprechen. Die Krise des Parlaments sei ursächlich für die Verabschiedung schädlicher Gesetzgebung gewesen. Beim ersten “Rettungspaket”-Gesetz hätten die abgeordneten mit 700 Seiten Unterlagen vom Montagmorgen ein Gesetz am Montagmittag verabschiedet.

Dabei seien Bedenken der Parlamentarier durch den Fraktionszwang übergangen worden. Auch das Zypern Paket werde durchgepeitscht werden. Eine organisierte Opposition existiere trotz einiger Aufrechter nicht. Da Grüne und SPD über die Fiskal-, und Transferunion zur Sozialunion wollten, sei von diesen Parteien keine Politik im sinne der vielen Bürger zu erwarten, die sich gegen die Rettungsspolitik aussprechen.

Einen weiteren Krisenherd macht von Seefried beim Bundesverfassungsgericht aus. Dieses entscheide über Euro-Rettungs-Maßnahmen stets im Sinne der Regierung und berücksichtige die verfassungswidrigen Auswirkungen der verabschiedeten Gesetze überhaupt nicht.

Nicht zuletzt ist die Euro-Krise nach von Seefrieds Meinung auch eine Krise der Bundesbank. Im Gegensatz zur geschwächten heutigen Unterabteilung der EZB stünde die vergangene Institution der Bundesbank mit ihrem historisch gewachsenen Selbstbewußtsein gegenüber allzu machtbewussten Politikern. Dies verdeutlichte er mit einer Anekdote über Oskar Lafontaines kurze Episode als Bundesfinanzminister der SPD 1998.

Damals besuchte der saarländische Politiker zum Amtsantritt die Bundesbank und forderte einen Zinssenkung zur Konjunkturankurbelung. Die Währungshüter verweigerten sich unter Hinweis auf ihr Mandat, die Kaufkraftstabilität sichern zu müssen. Heute dagegen rede die Bundesbank der Politik nach dem Munde. In einer Publikation vom Januar sehe sie gar  "Anzeichen einer dauerhaften Stabilisierung" der Eurozone.

Und das Positive, Herr von Seefried?

Ist also die Entstaatlichung des Geldes eine Möglichkeit zur Abwendung der Eurokrise? von Seefried verwies auf durchdachte Vorschläge zum Übergang auf eine Privatwährung. Der konkreteste stammt vom FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler und seinem Mitarbeiter Norbert F. Tofall (PDF-Dokument). von Seefried lobte die Idee, erklärte aber, dies könne aus praktischen Gründen nicht funktionieren.

Seine drei Argumente dagegen.

     

  1. In der Krise hätten sich deutlich die Grenzen des Unternehmertums gezeigt. Gerade das Bankensystem berge das größte Risiko. Da Banken ihre Kunden teils übel betrogen haben, sei ein Übergang auf private Emissionsbanken kritisch zu sehen.

  2. Die möglichen Parallelwährungen würden die Vermögen nicht retten können, da ein Übergang wegen Volumen und Vernetzung des Euro nicht möglich sei. von Seefried wörtlich: “Es führt kein Weg  hinaus.”

  3. Durch den Artikel 128 des Vertrags von Lissabon ist (außer den verbliebenen Nationalwährungen) der Euro als gesetzliches Zahlungsmittel in der EU vorgeschrieben. Eine Änderung dieses Zustandes müsste von allen Staaten mitgetragen werden.

  4.  

Der Weg in die PRivatwährung sei aber nicht unbedingt notwendig, munterte von Seefried die Zuhörer nach diesem pessimistischen Ausblick auf. Mit dem Schweizer Franken existiere bereits eine sichere Parallelwährung zum Euro. Zwar habe die Schweiz ihren Wohlstand in der Vergangenheit mit einem ähnlichen Geschäftsmodell wie Zypern aufgebaut, aber nach einer “Rosskur” unter dem Druck gerade der USA sei dies Geschichte.

Um die Vermögen zu retten, schlug von Seefried eine Öffnung der Goldbestände für die Bevölkerung vor. Die Bundesbank sollte einen Teil ihrer erheblichen Goldreserven in Form von Zertifikaten an Privateleute verkaufen. Die so umgewandelten Vermögen seien sicher, auch wenn der Kurs des Euro ins Bodenlose falle.

Im Anschluss entspann sich eine kontroverse Diskussion.

Beim nächsten Hayek-Club Berlin am 11. April 2013 wird Matthias Oppermann (Universität Potsdam) über das Thema "Das Ideal der Mäßigung - Liberalkonservatismus" referieren.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Remo

Mit der Auffassung, daß mit dem Schweizer Franken eine sichere Paralellwährung zum Euro existiere, irrt von Seefried leider.

Der Franken ist seit Jahren an den Euro gebunden und zwar durch den wegen illegalen Privatspekulationen zurückgetretenen damaligen Nationalbankchef Hildebrand. (http://schweizblog.ch/allgemeines/snb-hildebrand-affare-warum-wird-die-aufklarung-blockiert/)

Sämtliche Kommentatoren und Experten stellen fest, daß dies einer Teilnahme der Schweiz bzw. des Schweizerfrankens am Euro bedeute. Dies, obwohl abgestimmt wurde, daß nicht mitgemacht werden sollte beim Euro-Experiment.

Philipp Hildebrand ist übrigens ein ehemaliger EU-Politologe.

Der frühere und heutige Hegdfonds-Spekulant vertrat mir der Anbindung des Schweizer Frankens an den Euro auch nicht die Schweizer Interessen: http://schweizblog.ch/allgemeines/5350/

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