Geschlechterpolitische Staatsideologie auf samtenen Pfoten

05. März 2010, 03:33 | Kategorien: Lebenswelt, Politik | Schlagworte: | von
Fabian Heinzel

Gender Mainstreaming. Schon einmal gehört? Wenn Sie regelmäßig FreieWelt.net lesen, dürfte Ihnen der Begriff bekannt sein. Wenn Sie sich dagegen eher selten über das Internet informieren, ist die Wahrscheinlichkeit bereits deutlich höher, dass ihn dieser Anglizismus noch nie untergekommen ist. Dabei handelt es sich keineswegs um ein Randphänomen. Vielmehr ist das Konzept des Gender Mainstreaming in den Empfehlungen der Vereinten Nationen, den Richtlinien der Europäischen Union und den Gesetzen der Bundesrepublik Deutschland implementiert.

Das Bundesfamilienministerium betreibt gar eine eigene Seite mit der Domain “gender-mainstreaming.net”. Und was bedeutet nun Gender Mainstreaming? Das wollte Hedwig Beverfoerde den Zuhörern im Rahmen ihres Vortrags “Gender Mainstreaming – Geschlechterpolitische Staatsideologie auf samtenen Pfoten” am 25. Februar im Bildungszentrum Wilmershain in Berlin erklären.

Beim Bundesfamilienministerium heißt es “Gender Mainstreaming bedeutet, bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern von vornherein und regelmäßig zu berücksichtigen, da es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt.”

Abschaffung der Geschlechter

Das klingt nichtssagend, phrasenhaft. In Wirklichkeit sind die Auswirkungen des Konzepts jedoch sehr weitgegehend. Warum wird deutlich, wenn man sich das von der UN definierte Ziel des Gender Mainstreaming zu Gemüte führt: “Gender Equality” beziehungsweise “Gender Egilatarianism”, also nicht etwas Gleichberechtigung (englisch: “equal rights under the law”); sondern Gleichheit der Geschlechter. Diese Gleichheit müsste zwangsläufig eine Abschaffung der Geschlechter sein, denn Geschlecht ist ja als ein Merkmal der Unterscheidung definiert. Oder wie Frau von Beverfoerde es formuliert: “Gender Mainstreaming will einen neuen Menschen schaffen, der sein Geschlecht und seine sexuelle Orientierung selbst wählen soll, das heißt, willkürlich entscheiden, ob er oder sie Mann oder Frau sein will, heterosexuell, schwul, lesbisch, bisexuell oder transsexuell.”

Denn biologisch ist eine Abschaffung der Geschlechter eigentlich offensichtlich unmöglich. Daher muss eine Ideologie, die die Abschaffung der Geschlechter zum Ziel hat, voraussetzen, dass alle Geschlechtsunterschiede, die über anatomische Unterschiede hinausgehen, lediglich soziale Konstrukte sind, die sich unter entsprechenden Bedingungen beliebig verändern lassen. Diese Annahme geht unter anderem auf Simone de Beauvoir zurück, die 1949 in ihrem Buch “Das andere Geschlecht” die Auffassung vertrat “Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es”. Diese Auffassung wurde dann in den 1960er und 1970er Jahren immer populärer und nach und nach wurde der Begriff „Gender“ als das “soziale Geschlecht” in Opposition zum “biologischen Geschlecht”, dem “Sex” etabliert. Zu dieser Zeit strebten die Anhänger der Hypothese vom rein sozialen Geschlecht noch eine wissenschaftliche Untermauerung derselben an. Einer der ersten, die dies versuchten war der in Neuseeland geborene US-amerikanische Psychologe und Sexualwissenschaftler John Money.  Money wurde durch einen Fall bekannt, der in die Wissenschaftsliteratur als John/Joan-Fall eingegangen ist.

Der Fall David Reimer

Im Jahr 1966 wurden die 1965 geborenen, eineiigen Zwillinge Bruce und Brian Reimer aufgrund einer Vorhautverengung, die bei beiden fest gestellt wurde, beschnitten. Die Beschneidung von Bruce missglückte – sein Penis wurde irreperabel beschädigt. Die Eltern von Bruce Reimer suchten daraufhin John Money auf. Money hatte sich zu diesem Zeitpunkt mit der These vom rein sozial erlernten Geschlecht, bereits einen gewissen Namen gemacht. Auf dessen Empfehlung hin wurden dem damals 22 Monate alten Bruce “die noch vorhandenen Hoden entfernt und aus der Haut seines Hodensacks rudimentäre Schamlippen geformt, darüber hinaus wurde das Kind mit weiblichen Hormonen behandelt. Bruce wurde ab diesem Zeitpunkt Brenda genannt.”

Die Eltern Reimer erzogen Bruce/Brenda als Mädchen.  Money war von diesem Fall auch deshalb besonders begeistert, da Bruce eineiiger Zwillingsbruder ihm als Vergleich dienen sollte. So hoffte er, seine These, nach der allein die Erziehung in den frühen Lebensjahren für die Ausprägung einer sexuellen und geschlechtsspezifischen Identität eine Rolle spielt, klar belegen zu können.  John Money beschrieb Brenda als “normales glückliches Mädchen” und feierte das Experiment, das ihm weltweiten Ruhm bescherte, als großen Erfolg. So nutzte die Publizistin Alice Schwarzer den Fall 1975 in ihrem Buch “Der kleine Unterschied” als Beleg für ihre Thesen des Gleichheitsfeminismus und als Musterbeispiel für den “aufklärenden Auftrag der Forschung”. Sie schrieb, dass “die Gebärfähigkeit auch der einzige Unterschied ist, der zwischen Mann und Frau bleibt. Alles andere ist künstlich aufgesetzt.” und würdigte Moneys Experiment als “wenigen Ausnahmen, die nicht manipulieren, sondern dem aufklärenden Auftrag der Forschung gerecht werden”.       

Doch den von Money postulierten und von Schwarzer enthusiastisch aufgegriffenen Erfolg des Experiments hatte es nie gegeben und selten hat sich ein Wissenschaftler manipulativer, ideologischer und betrügerischer verhalten als John Money. Bruce/Brenda war kein normales glückliches Mädchen. Von Anfang an rebellierte der umgewandelte Jungen gegen das Tragen von Frauenkleidern und gegen Mädchenspielzeug und wurde von Familien und Freunden, später auch von sich selbst, als zutiefst unglückliches Kind mit großen sozialen Problemen beschrieben. Im Alter von dreizehn Jahren drohte Brenda mit Selbstmord, falls er/sie noch einmal zu einer therapeutischen Sitzung bei John Money gezwungen werden sollte, die er/sie als traumatisch empfand. Draufhin erzählten die Eltern Reimer ihrem Kind von der verunglückten Beschneidung und den Konsequenzen. Brenda beschloss sofort, von nun als Mann zu leben, nannte sich David und unterzog sich Operationen und Hormonbehandlungen, die ihn auch äußerlich zum Mann machten. Als Erwachsener heiratete er und wurde Stiefvater der Kinder, die seine Frau mit in die Ehe brachte. Obwohl John Money um den Fehlschlag seines Menschenversuchs wusste, propagierte er ihn weiter als großartigen Erfolg. Erst als David Reimer sich 1997 entschloss, mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen, hörte Money damit auf.  

David Reimer litt sein ganzes Leben unter seiner dramatischen Kindheit. 2004 erschoss er sich im Alter von 38 Jahren mit einer abgesägten Schrotflinte. Selbst nach David Reimers Suizid lehnten John Money und viele seiner früheren Anhänger, unter ihnen auch Alice Schwarzer, eine Korrektur ihrer früheren Bewertungen ab.  
John Money starb 2006. Im Rahmen seines Konzepts der “Geschlechtsneuzuweisung” hat er einer unbekannten Anzahl weiterer Kinder mit fehlgebildeten Geschlechtsorganen ein Geschlecht “zugewiesen”. Zu diesem Zweck hatte er in seiner Funktion als Leiter der Psychologie am Johns-Hopkins-Krankenhaus in Baltimore eine spezialisierte Klinik errichtet, die von seinem Nachfolger 1979 geschlossen wurden. Einige der ehemaligen Patienten versuchten später in Selbsthilfegruppen ihre Erlebnisse zu überwinden.  

Gender Mainstreaming ist unwissenschaftlich

Nicht nur in diesem Fall erwiesen sich das Gender Mainstreaming beziehungsweise seine Vorläufertheorien als wissenschaftlich unhaltbar. Eine nach heutigen wissenschaftlichen Standards durchgeführte Studie aus dem Jahr 2000 – erstellt ausgerechnet an jenem Johns-Hopkins-Krankenhaus, zu dessen Personal einst auch John Money gehörte – konnte nachweisen, dass sich bei Kindern mit der männlichen Chromosomenkombination XY auch dann eindeutig eine männliche Geschlechtsidentität entwickelte, wenn diese aufgrund eines Geburtsfehlers ohne Penis geboren wurden und ihnen anschließend das weibliche Geschlecht “zugewiesen” wurde. Ärzte hatten bei de betroffenen Kindern Vaginas geformt und sie mit Hormonen behandelt. Die Erkenntnisse der Genetik haben besonders in den vergangenen Jahren ebenfalls gezeigt: Sehr viele Aspekte unseres Verhaltens sind angeboren, nicht anerzogen, Theorien die von einer zu Hundert Prozent sozialen Prägung ausgehen, sind disqualifiziert.  
Studien aus dem Bereich der Sozialwissenschaften, in denen die Möglichkeiten der Manipulation sehr groß sind, die diese Erkenntnisse einfach ignorieren, um Gender Mainstreaming befürworten zu können, sind daher als Pseudowissenschaft anzusehen.

Gender Mainstreaming an Universitäten

Aber aller Wissenschaft zum Trotz ist Gender Mainstreaming nicht verschwunden. An zahlreichen deutschen Hochschulen existiert das Fach “Gender Studies”, dessen Belegung laut den Studienordnungen von immer mehr Studiengängen für immer mehr Studenten verpflichtend ist. In Bielefeld kann man sogar einen Abschluss in dieser Disziplin machen. Zudem gibt es an einigen Universitäten eigens Zentren für Geschlechterforschung (Hierzu wird auch das seit 2004 an der Charité in Berlin existierende “Zentrum für medizinische Geschlechterforschung” gezählt, das sich durchaus sinnvollen Forschungsprojekten widmet, in denen erforscht wird, warum bei Männern und Frauen zahlreiche Krankheiten unterschiedlich häufig auftreten, anders verlaufen oder signifikant verschiedene Symptome zeigen. Es stellt damit aber eine absolute Ausnahme da).

Judith Butler

Die Studenten, die damit immer öfter an den Gender Studies nicht vorbei kommen, kommen auch an Judith Butler nicht vorbei. Butler, die als Professorin für Rhetorik und Vergleichende Literaturwissenschaften an der University of California und der European Graduate School lehrt, gilt als einer der aktuell einflussreichsten feministischen Theoretikerinnen. Butler strebt die Abschaffung der Geschlechter auf einer noch radikaleren Ebene an als ihre Vorgängerinnen: Ihrer Ansicht ist nicht nur das soziale, sondern auch das biologische Geschlecht eine Konstruktion. Vor allem durch die Beschäftigung mit Butlers Aussagen wird deutlich, was “Gender” letzten Endes behauptet und was Volker Zastrow bereits 2006 in der FAZ erkannte: “…dass es biologisches Geschlecht nicht gebe. Die Einteilung der Neugeborenen in Jungen und Mädchen sei Willkür, ebensowohl könnte man sie auch nach ganz anderen Gesichtspunkten unterscheiden, etwa in Große und Kleine. Daher liege bereits in der Annahme der Existenz von Geschlecht eine letztlich gewalthafte Zuweisung von Identität: die “heterosexuelle Matrix”.”
 
Zwingende Konsequenz aus den Theorien von Butler ist daher, dass die Zweigeschlechtlichkeit dekonstruiert, also überwunden und abgeschafft werden müsse.

Die Weltfrauenkonferenz von 1995

Wie aber konnte eine derart abwegige Theorie, die wie oben gezeigt, in den Bereich der Pseudowissenschaft fällt, zu einem wesentlichen Aspekt der Politik nicht nur in Deutschland, sondern in allen Ländern im Einflussbereich der Vereinten Nationen werden? Der wohl wichtigste Grundstein wurde 1995 auf der Weltfrauenkonferenz in Beijing gelegt. Auf dieser Konferenz wurde die UN-Resolution “Mainstreaming a gender perspective“ beschlossen. Zu den Folgen der Konferenz gehörte auch zu diesem Zeitpunkt schon die Ersetzung des Wortes “sex” in amtlichen Dokumenten, das für Zweigeschlechtlichkeit steht, mit dem Wort “gender”.  

Die US-amerikanische Journalistin Dale O Leary, die an der Konferenz teilnahm, berichtet in ihrem Buch “The Gender Agenda“, dass sie Zeugin der folgenden Forderungen wurde, die es allerdings nicht alle in das Abschlussdokument schafften:

“1. In der Welt braucht es weniger Menschen und mehr sexuelle Vergnügungen. Es braucht die Abschaffung der Unterschiede zwischen Männern und Frauen sowie die Abschaffung der Vollzeit-Mütter.

2. Da mehr sexuelle Vergnügungen zu mehr Kindern führen kann, braucht es freien Zugang zu Verhütung und Abtreibung für alle und Förderung homosexuellen Verhaltens, da es dabei nicht  zur Empfängnis kommt.

3. In der Welt  braucht es einen Sexualkundeunterricht für Kinder und Jugendliche, der zu sexuellem Experimentieren ermutigt, es braucht die Abschaffung der Rechte der Eltern über ihre Kinder.

4. Die Welt braucht eine 50/50 Männer/Frauen Quotenregelung für alle Arbeits- und Lebensbereich. Alle Frauen müssen zu möglichst allen Zeiten einer Erwerbsarbeit nachgehen.

5. Religionen, die diese Agenda nicht mitmachen, müssen der Lächerlichkeit preisgegeben werden.”

Das mit Abstand wichtigste Ziel aber war die „Gender-Perspektive“ im Denken und in der Politik als Hauptstrom (Mainstream) zu verankern.

Gender Mainstreaming ist undemokratisch

Dabei hat Gender Mainstreaming nicht nur keine wissenschaftliche, es hat auch keine demokratische Legitimation. Auf europäischer Ebene wurde der Gender Mainstreaming-Ansatz erstmals 1999 durch das Inkrafttreten des “Vertrags von Amsterdam” in rechtlich verbindlicher Form festgeschrieben. Durch den Vertrag wurde Gender Mainstreaming  “….hochrangiges politisches Ziel der Europäischen Union und integraler  Bestandteil europäischer Politik….”

Das Bundeskabinett erkannte dann mit Beschluss vom 23.6.1999 die Gleichstellung (im Gegensatz zu der ohnehin seit Beginn der Bundesrepublik im Grundgesetz festgeschriebenen Gleichberechtigung) von Frauen und Männern als durchgängiges Leitprinzip der Bundesregierung an und bestimmte, diese Aufgabe mittels der Strategie des Gender Mainstreaming zu fördern.  

Diese Politik wurden von den wechselnden Bundesregierungen seit 1999 fortgesetzt, doch weder das Volk noch das Parlament hatten jemals Gelegenheit, über Gender Mainstreaming abzustimmen

Gender Mainstreaming ist teuer

Dabei würden wohl viele Steuerzahler gerne darüber mitentscheiden, ob ihre Geld zur Finanzierung der unzähligen Genderinstitute, Genderbeaufragten und Genderstudien beitragen soll. Der Versuch, Gender Mainstreaming auf allen Verwaltungsebenen, in der gesamten Arbeitswelt und im Bildungsbereich von der Kita bis zur Uni als festen Bestandteil des Ganzen zu etablieren ist teuer. Allein 27.000 Euro kostete beispielsweise eine Studie zum Thema “Geschlechtergerechtigkeit im Nationalpark Eifel“, die mit der Empfehlung endete, die Bilder von der Hirschbrunft aus den Werbeprospekten zu entfernen. Dies befördere stereotype Geschlechterrollen. Die Kosten für eine 2004 von der damaligen NRW-Umweltminsterin Bärbel Höhn in Auftrag gegebene Arbeit, die die “Gleichberechtigung im Wald” begutachten sollte, bewegten sich gar im sechsstelligen Bereich. Von Steuergeldern wurde natürlich auch der von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verschickte “Ratgeber für Eltern zur kindlichen Sexualerziehung“, der sich an Eltern von Ein-bis Sechsjährigen richtete. Die Broschüre enthielt Tipps zum Umgang mit den Geschlechtsorganen kleiner Kinder, die vor Gerichten den Tatbestand des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger erfüllen und musste daher 2007 nach massiven Protesten zurückgezogen werden.  

Der aussichtsreichste Weg, der weiteren Ausbreitung der Gender-Ideologie Einhalt zu gebieten, dürfte daher sein, entsprechenden Projekten den Geldhahn zuzudrehen.  Hedwig von Beverfoerde schlägt außerdem vor, massive Aufklärungsarbeit zu betreiben, da sich viele Bürger nach wie vor noch nicht einmal über die Existenz des Konzepts bewusst sind, in diesem Rahmen stark auf gewählte Politiker einzuwirken und gegebenenfalls die eigenen Kinder vom Sexualkundeunterricht zu beurlauben, sollte dort statt biologischer Erkenntnisse Gender Mainstreaming gelehrt werden.   

(Bild: Mutxamel/wikimedia)

Weiterführende Informationen bei www.gender-kritik.com

 

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