Beatrix von Storch in Baden-Württemberg

Die Eurokrise in Zahlen - und was jetzt zu tun ist. Das ist der Titel einer bundesweit angelegten Vortrags- und Diskussionsreihe, in deren Rahmen die Sprecherin der Zivilen Koalition, Beatrix von Storch in dieser Woche Baden-Württemberg besuchte.

Redaktion (rk)
Veröffentlicht: | Kategorien: Reportagen | Schlagworte: Finanzkrisen, International, Reformen, Wahlen, Wirtschaftspolitik
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Dienstag Hinterzarten im Schwarzwald, Mittwoch Ravensburg und Donnerstag Waiblingen bei Stuttgart. Die Veranstaltungen sind jeweils organisiert durch engagierte Unterstützer der Zivilen Koalition vor Ort, engagierte Bürger, die nicht mehr nur zusehen wollen, wie die Eurokrise sich ausbreitet, sondern die selber aktiv werden. Sie haben Räume ausgesucht und angemietet, Menschen eingeladen und die Organisation der Veranstaltung übernommen.

In Hinterzarten steht der große Bürgersaal im Kurzentrum zur Verfügung. Es ist die Auftaktveranstaltung und nur hier reichen die Sitzplätze für alle Gäste. An den beiden nächsten Tagen in Ravensburg und Waiblingen herrscht Platznot. Es werden die, die erst pünktlich zum offiziellen Veranstaltungsbeginn kommen, stehen müssen. Das Interesse ist riesig.

Fast 90 Minuten referiert Beatrix von Storch wesentliche Kennzahlen zur Eurokrise, die so lebendig und oft auch mit einer Mischung aus Ironie und Sarkasmus vorgetragen werden, dass Langeweile nicht aufkommt. Sie beginnt die Ausführungen mit einer Klarstellung: „Wenn ich von Europa rede, dann meine ich Europa und also die 50 Staaten, die dazu zu zählen sind. Wenn ich von der EU spreche, dann meine ich die EU und die umfasst 27 Staaten. Und wenn ich von der Eurozone rede, dann meine ich die Eurozone und das sind dann nur noch 17 Staaten.“ „Deutschland profitiert am meisten vom Euro“-jeder hat das schon gehört und Frau von Storch legt mit fünf Kennzahlen dar, dass das Gegenteil dieser Aussage richtig ist. Der trockene - und in seinem Kern bittere - Stoff beginnt zu leben. Und auch der Laie versteht, warum niedrige Zinsen für Staatsanleihen von Krisenländern weniger die Lösung als die Ursache des Problems darstellen. Die Reaktionen der Zuhörer sind unterschiedlich. Wütende Zwischenrufe – „Das kann doch nicht wahr sein!“ spiegeln das Stimmungsbild wieder. Aber auch viele ungläubige Blicke treffen die Sprecherin. Es gibt einen ESM für Nicht-Euro Staaten? Kein Parlament hat darüber abgestimmt? Die EU-Kommission hat sich ermächtigt, für diesen ESM Schulden aufzunehmen, obwohl das Schuldenmachen für die EU verboten ist? Kaum Zeit dies zu verarbeiten. 17 Milliarden € zur Rettung Zyperns entsprechen einem Volumen von 2,6 Billionen € für Deutschland? Das kann eigentlich nicht wahr sein. Ist es aber wohl.

Viele Fakten sind neu. Sie entsprechen nicht den immer wieder gleichen Floskeln, die durch die Medien geistern, z.B. den von der Harmonie und Solidarität unter den europäischen Völkern, die erst durch die Einführung des Euros entstanden seien, vom Frieden, den der Euro gebracht haben soll und ähnlich historisch schlicht falschen Behauptungen.

Zum Abschluss wird die Diskussion eröffnet. Die Teilnahme ist äußerst rege, engagiert und dynamisch. >“Was wir heute gehört haben, das sollten alle Bürger wissen. Wir hätten eine andere Politikkultur in diesem Land. Eine tolle Veranstaltung.“ - das ein Kommentar aus Ravensburg, der die Stimmung bei vielen der Gäste wiederspiegelt.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Braindead

Genau, lasst uns eine Gesellschaft von Pharmazombies züchten.
Ich raten diesen sieben Bioethikern sich etwas besser mit der Materie zu beschäftigen und auch mal Studien zu lesen, die nicht von den Pharmafirmen finanziert wurden.

Gravatar: Freigeist

Hallo,
ein einer freien Welt kann jeder mit seinem Gehirn tun und lassen was er will, es sei denn er schränkt die Rechte anderer dadurch ein. Jeder kann sein Gehirn mit Religion voll pumpen oder das Gegenteil tun, jedweden Gott als orientalische Märchenwelt ablehnen. Religion ist ein Art von Gehirndoping, siehe Muslime mit häufigem Beten am Tag. Dies ist auch eine Droge für das Gehirn. Die Nebenwirkungen sind bekannt - Fundamentalismus.
Jede Pharmafirma kann jedoch bezüglich der Nebenwirkungen verklagt werden. Bei Religion ist dies ausgeschlossen, komisch, oder?
Grüße
Freigeist

Gravatar: Monika Armand

und eine umfangreiche Diskussion etlicher Wissenschaftler und Wissenschaftsblogger findet der interessierte Leser hier:» Bloggewitter "Neuro-Enhancement"

Gravatar: Klimax

Schön. Ich hoffe, die engagierte Dame kommt auch nach NRW.

Gravatar: Petra

Super-Arbeit, Frau von Storch!

Gravatar: Uwe Wiemer

Ich befürchte einige Halbwahrheiten bzw. unbewiesene Behauptungen. Deutschland ist ökonomisch tatsächlich Nutznießer des Euro, allerdings das "Deutschland der Wenigen" (siehe auch Prof. Werner Sinn).
Wie Andreas Popp schon mehrfach hinwies, geht es um die inhaltliche Klärung von Definitionen wie z.B. Deutschland, um in der Kommunikation nicht aneinander vorbei zu argumentieren.

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