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Randnotizen am Freitag

01. Dezember 2012, 08:51 | Kategorien: Lebenswelt | Schlagworte:

Freitag, 30. November 2012

Preisinflation

Menschen sind eigenartige Wesen. Vor Freude geraten sie ganz aus dem Häuschen, wenn es eine Vermögenspreisinflation gibt. Immobilien zum Beispiel. Die Preise steigen und steigen. Der Hauseigentümer jubelt: Jetzt bin ich reich! Und täglich werde ich reicher! Leider fällt ihm nicht auf, daß er doch immer nur ein und dasselbe Haus besitzt statt deren zwei oder drei.

Wenn die Preisinflation der Vermögensgegenstände überdrüssig geworden ist, dann kommt sie herunter zu uns und macht dort dann die gewöhnlichen Menschen „reich“. Die Besitzerin von Winterstiefeln für 100.000 Euro kann sich als wohlhabende Frau fühlen. Sogar Brot und Milch können einen reich machen! Am Ende sind wir alle Millionäre.

Seltsam nur, daß nun alle die Mundwinkel hängen lassen und die Stirn in Falten legen, der einem Vorhang alle Ehre macht. Irgendwie paßt das nicht zusammen – entweder ist Inflation etwas Gutes, dann aber bitte für Häuser und Brot gleichermaßen. Oder Inflation ist etwas Übles. Dann sollte auch der Hauseigentümer sich Sorgen machen.

 

Das Minusrechnen verlernt

Ist es möglich? Eigentlich mag man es nicht glauben, und doch scheint es, als hätten unsere Banker das Rechnen verlernt. Ich spreche von den Grundrechenarten, genauer noch, vom Addieren und Subtrahieren. Bei der „revolvierenden Finanzierung“ werden nach vielem gelehrigen und finanzrhetorisch verbrämten Hin und Her am Ende alle Zahlen addiert, gleichgültig, ob sie ein Minus- oder Pluszeichen vorne dran haben. Das Subtrahieren scheint in den oberen Finanzetagen keiner mehr zu beherrschen. Ist ja auch kein Wunder, die Grundschulzeit ist zu lange her, und auch in der Schule scheint mir da einiges im Argen zu liegen, seit die Lehrpläne für Mathematik immer mehr und mehr der Finanzwirtschaft angeglichen werden.

Schulden und Guthaben zu addieren erzeugt beeindruckend hohe Summen. Politiker lieben große Summen, weshalb sie ihre Kumpel, die Banker, zum Addieren ermutigen. Daß sie alle inzwischen an Dyskalkulie leiden, fällt niemandem mehr auf. Klar, wenn alle gleich b…d sind, dann macht das nichts. Ein Problem sind die Taschenrechner. Sie besitzen alle noch eine Minustaste. Da gilt es eine Lösung zu finden. Subtrahieren ist ein atavistisches Relikt aus vormodernen Zeiten, als noch wir selbst schuften mußten statt das Geld arbeiten zu lassen. Heute holen wir uns soviel Geld wie gewünscht aus dem Automaten. Die stehen ja überall rum wie die Brezelbäume im Schlaraffenland. Minus? Interessiert doch keinen. Bloße Miesmacherei.

 

Alles hat seinen Preis

Was ist mir eine neue Hose wert? Wieviel bezahle ich für ein neues Auto? Was bin ich bereit auszugeben für einen Urlaub am Meer?
Der Wert für jedes Gut wird bestimmt durch das individuelle Bedürfnis des einzelnen Menschen. Auch das Prinzip der Knappheit bestimmt den Preis. Lebensnotwendige Güter sind begehrter als Luxusgüter, knappe Güter sind teurer als solche, die im Überfluß vorhanden sind. Für einen Schluck Wasser in der Wüste wird der Verdurstende einen Goldbarren hingeben. Der durstige Mensch in der Gesellschaft des Westens wird für dasselbe Gut nur einen kleinen Preis zu zahlen bereit sein.
Neben dem fundamentalen Wert gibt es auch einen Ideellen Wert – und dieser ist weder in Zahlen faßbar noch zu verallgemeinern. So kann eine verschlissene Stoffpuppe dem einem Kind mehr bedeuten als eine nigelnagelneue Puppe, während das andere Kind so etwas nicht nachvollziehen kann.
Keine staatliche Planungsbehörde wird je die Preise für Güter festsetzen können, die der Realität aller Menschen gerecht wird. Jeder Versuch muß scheitern und ist tatsächlich in der Geschichte gescheitert. Nur auf dem freien Markt bilden sich marktgerechte Preise.
Grundsätzlich gilt, daß wir für alles auf der Welt bezahlen müssen: für das, was wir tun und auch für das, was wir nicht tun. Alles hat seinen Preis.

 

Des Menschen Gefängnisse

Irgendwo las ich einmal diesen Satz: Wo immer neue Gefängnisse errichtet werden, finden sich alsbald auch die Insassen ein. Dazu lassen sich zahlreiche aktuelle Analogien finden, zum Beispiel:

Wo neue Straßen gebaut werden, flutet alsbald dichter Verkehr.

Wo eine Maschine aufgestellt wird, um die Arbeit zu erleichtern, wächst der Arbeitsstreß.

Wo ein Krankenhaus gebaut wird, finden sich alsbald viele Kranke ein.

Wo ein Büro eingerichtet wird, finden sich alsbald neue Administrationsaufgaben.

Wo Ganztagsschulen gebaut werden, finden sich auch alsbald die Schüler ein.

Wo Krippen eingerichtet werden, finden sich auch alsbald genügend Säuglinge für die Betten.

Wo Geld zum Nulltarif gedruckt und verteilt wird, finden sich auch alsbald die Schmarotzer ein.

Was immer der Mensch erfindet, er wird es nutzen; er tut dies selbst dann, wenn sich die neuen Errungenschaften als fragwürdig herausstellen und ihm persönlich sowie der Gesellschaft langfristig Schaden zufügen. Des Menschen Gefängnisse – er baut sie sich selbst.

 

 

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2 Kommentare auf "Randnotizen am Freitag"

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