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Randnotizen am Freitag (2)

14. Dezember 2012, 08:52 | Kategorien: Lebenswelt | Schlagworte:

Gedanken, die mich beim Lesen von Büchern regelrecht überfallen, halte ich als Notizen fest. Manches erscheint vielleicht banal, anderes aber ist bedenkenswert. So habe ich mich zur Veröffentlichung ausgewählter Randnotizen entschlossen. Jeden zweiten Freitag wird eine Folge erscheinen. Damit hoffe ich, dem geneigten Leser freiheitliche Denkimpulse zu geben. Aufrütteln will ich, aber auch trösten und hin und wieder erheitern. Bücher, die mir als lesenswert erscheinen, werde ich zur Lektüre empfehlen.



Staatliche „Bildungseinrichtungen“

Von einer öffentlichen Einrichtung mehr zu erwarten, als diese leisten kann, ist töricht. Krippe, Kindergarten und Schule sind aus der Notwendigkeit entstanden, Kinder zu beaufsichtigen, deren Eltern einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Sie können weder Substitut sein für ein Zuhause noch gleichwertigen Ersatz bieten für familiäre Nestwärme. Das schlechte Gewissen, das gelegentlich seinen Weg an die Oberfläche des Bewußtseins bahnt, wird von der „Bildungsindustrie“ pflichteifrigst zerstreut. Es gehe nicht um Liebe, sondern um Bildung. Und Bildung ist nun einmal das Mantra der Progressivität. Dieser Fetisch ist es wert, bereits Einjährige jeden Morgen in „Bildungseinrichtungen“ abzugeben, wo professionell (des)interessierte Aufsichtspersonen sich um das kognitive Wohl des kleinen Erdenbürgers kümmern. Wie wirkt sich die Realität eines rücksichtslos um Rangplätze und Zuwendung kämpfenden Kinderkollektivs auf die geistig-emotionale Entwicklung eines Kindes aus? Wir werden sehen.
Kollektive Verwahranstalten sind möglicherweise ein zu hoher Preis, den die Gesellschaft für ihren arbeits- und konsumgeprägten Lebensstil zahlt. Am Ende könnte die „Kultur der Vernachlässigung“ (Richard DeGrandpre) tatsächlich zum Ziel führen, das linke Konstruktivisten seit je her mit erstaunenswerter Zielstrebigkeit verfolgen: die Kreation eines völlig neuen Menschen.

 

Zukunft der westlichen Industriegesellschaften

Was soll nur aus all den Menschen werden, die lebenslang nichts anderes gelernt und geübt haben, als zu konsumieren und sich passiv unterhalten zu lassen? Worin werden sie ihren Lebenssinn finden, wenn die Vorräte einmal aufgezehrt sein werden? Auch die beste Logotherapie (Viktor E. Frankl) wird keinen Sinn mehr herbeizaubern können …

 

Fraktionszwang

Auf die Frage, weshalb er sich selbst nicht als Kandidat für ein politisches Amt zur Verfügung stellen wolle, antwortete Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel in einem Interview mit n-tv.de am 30. November 2012 so: „Alleine der Fraktionszwang ist etwas, das mit mir nicht zu machen ist. Das liegt mir nicht, ich kann nicht gegen meine eigenen Überzeugungen argumentieren.“ Mit anderen Worten, die Abgeordneten sind zur Lüge verpflichtet. Der Fraktionszwang – ein politischer Lügengenerator.

 

Kommunismus

Der Kommunismus ist unbegreiflich. Er will das Gute und sieht doch nur das Böse im Anderen. Seine Strategie erschöpft sich in der moralischen Abwertung all jener Personen, die sich der Bewegung nicht anschließen. Aus Gegnern werden Feinde, und Feinde muß man bekämpfen, weil sie grundsätzlich schuldig sind.

Im Johannesevangelium lesen wir, daß niemand von uns ohne Sünde sei. Den unschuldigen Menschen gibt es nicht, und jeder von uns trägt irgendeine Schuld mit sich herum. Hier nun hakt der Kommunismus ein mit seinen pauschalen Beschuldigungen: das Totalitäre daran bewirkte, daß selbst linientreue Stalinisten bei Schauprozessen sich zu Taten bekannten, die sie nie in der Realität, sondern bloß in Gedanken begangen haben konnten. Bei der Lektüre von Arthur Koestlers „Sonnenfinsternis“ fröstelt es einen. Das kommunistische Spiel der Doppelmoral ist ein Perpetuum mobile. Den heutigen Mitläufern muß man zugute halten, daß sie ihre eigene Rolle darin nicht begreifen.

 

Verkümmerter Brutpflegeinstinkt

Dezember. Der kalte Wind treibt einige Schneeflocken vor sich her durch die Straßen der Stadt. Eine junge Mutter schiebt den Kinderwagen vor sich her. Dem Trend entsprechend liegt der Säugling, kaum drei Monate alt, in Fahrtrichtung. Der Wind fegt ihm Schneeflocken ins Gesicht. Die Mutter kümmert das nicht. Sie kann das Kind ja nicht sehen und ist mit den Gedanken woanders.

Womit könnte man dieses gleichgültige Verhalten von Müttern ihren Kindern gegenüber rechtfertigen? Wie leicht wäre es, den Aufsatz herumzudrehen, dann würden Wind und Wetter durch den Körper der Mutter abgeschirmt. Auf diese Idee kommt die junge Frau nicht. Wie kommt es zu einer solch seltsamen Entwicklung?

Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz hat über das spezifische Verhalten von Tieren berichtet, die zur Zucht in Gefangenschaft gehalten werden. Bei diesen Tieren beobachtete er die Verkümmerung des Brutpflegeinstinkts. Die Unfähigkeit mancher Eltern, spezielle Bedürfnisse der eigenen Kinder zu erkennen und danach zu handeln, sollten wir als Alarmzeichen begreifen.

 

Reizüberfülle

Weihnachten – die Zeit kreischender Kleinkinder in Shoppingzentren. Verwirrt und erschöpft durch vielfältige Sinneseindrücke äußern sie lautstarken Protest. Unser modernes Leben ist gespalten in die Zeitsegmente Arbeitszeit und Freizeit. In keines dieser Segmente passen Kinder. Während der Arbeitszeit lassen Familien ihre Kinder fremdbetreuen, in der Freizeit werden sie notgedrungen mitgenommen, ein lästiges Anhängsel – denn:  „Wo wir leben, wenn wir kein Kind haben, da kann in der Regel überhaupt kein Kind leben. … Was diese Zeitsegmente füllt, ist kinderfeindlich durch Reizfülle und Perfektion – das Medium, die maschinellen Bewegungsformen, denen Anschauung und Beschaulichkeit mangelt; das Künstliche und Abgeleitete der Erwachsenvergnügungen: Kino, Fernsehen, Kneipenstunden, Autofahrten, Stadtbummel in sterilen Kulissen voller abgeleiteter Zeichen von Welt. Nicht das Lebendige zum Greifen und Probieren bestimmt die Freizeitwelt unserer Tage, nicht das Original Leben, sondern Lebensbilder, schwer verständliche Hieroglyphen, abstrakte Zeichen. In diesen Kulissen muß das Kind zum Störenfried werden – weil es ver-stört ist und leidet.“ (Gertraud Höhler. Kinder der Freiheit. Träume von einer besseren Welt. DVA Verlag, Stuttgart 1983)

 

Das Ganze

Gott gab uns das Ganze – und als solches ist es uns aufgegeben. Sobald der Mensch nur den genehmen Teil des Ganzen wählt, wirft Gott ihm die verweigerte Hälfte an den Kopf, meist mit einiger Verspätung. Das kann dann sehr weh tun.

 

 

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4 Kommentare auf "Randnotizen am Freitag (2)"

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