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     Birgit Kelle
Email:   birgit.kelle@frau2000plus.net

Birgit Kelle (38) ist Journalistin, verheiratet und Mutter von vier Kindern. Geboren 1975 in Siebenbürgen, Rumänien, 1984 übergesiedelt nach Deutschland. Von 2005 bis 2008 Herausgeberin der christlichen Monatszeitung VERS1.
Sie ist Vorsitzende des Vereins Frau 2000plus e.V. und Member of the Board der New Women For Europe (NWFE), ein Dachverband für Frauen- und Familienverbände in Europa mit Beraterstatus am Europäischen Parlament.

 
RSS Blogeinträge von Birgit Kelle

 
Auf ihn mit Gebrüll
4  Kommentare | Posted 29.11.2012 10:37

Wahrscheinlich hat Frau Burmester auch, wie der Rest der deutschen Journaille, im Moment des Obama-Sieges mit Konfetti geworfen. Selbstverständlich journalistisch-investigatives Konfetti. Lassen wir beiseite, dass angesichts der realen Wählerstimmen Mitt Romney immer noch den Rückhalt von 47 Prozent seiner Bevölkerung hat und der reale Vorsprung von Obama nur magere 3 Prozent darstellt. Es ist etwas ganz anderes, was mich nachdenklich stimmt, denn dieUSA sind nicht die Welt und Mitt Romney nicht der Repräsentant einer untergehenden weißen Klasse: es ist die Niedertracht, die öffentlich zur Schau gestellte Freude am Scheitern des Mannes, die mir viel mehr Sorgen bereitet. Man stelle sich so einen Artikel einmal mit vertauschten Rollen vor: Solche Worte über die weiße Frau an sich aus dem Mund eines Mannes. Sie könnten einpacken.

Das Nachtreten und die Schadenfreude offenbaren eine Sichtweise auf den Geschlechterkampf, der uns in dieser Frage um Jahre zurück wirft. Es ist entlarvend zugleich, denn endlich liegt es offen auf dem Tisch, was einem in Diskussionen mit zahlreichen der Damen Feministinnen oft begegnet: Es geht nicht um ein Gleichmaß, nicht um ein Leben auf Augenhöhe, nicht um Respekt und auch nicht um gegenseitiges Verständnis. Es geht nur um den Sieg. Man will nicht nur das Aufholen der Frau, man will den Mann überholen. Man will nicht gleiche Macht für die Frauen, sondern die Entmachtung des Mannes. Das ist die alte „Schwanz ab“-Rhetorik der 70er-Jahre. Deswegen sind ja auch Mittel wie Quoten recht, weil es nicht um Anerkennung der Frau und ihrer Fähigkeiten geht, sondern um Proporz, egal wie. Das hat nichts mehr mit Weiblichkeit zu tun, sondern nur noch mit der Übernahme männlicher Domänen. Nein, ganz sicher, zu dieser Seite will ich als Frau nicht gehören.


Geschlechtergerechtigkeit ist keine Einbahnstraße

Bezeichnenderweise tragen solche Freudentänze auf dem Rücken von gescheiterten Männern auch auf der männlichen Gegenseite nicht gerade zu Respekt und Anerkennung für die Leistungen von Frauen bei. Ganz im Gegenteil, sie heizen die Stimmung gerade erst richtig auf. Vielleicht sollte sich Burmester einmal mit einem der zahlreichen Vätervereine in Deutschland auseinandersetzen, die sich derzeit massiv organisieren. Sie wird ihre männlichen Pendants dort haufenweise finden. Männer, die ebenfalls nur noch schwarz-weiß denken und durch die Dominanzfantasien à la Burmester zusätzlich Wasser auf die Mühlen bekommen in ihrer Vorstellung, dass Männer und Frauen grundsätzlich auf gegenüberliegenden Seiten des Geschlechtergrabens liegen. Haufenweise haben mir bereits solche Männer geschrieben. Viele sind gewillt, einen Weg mit gegenseitigem Respekt einzuschlagen. Viel zu viele jedoch sind angesichts einseitiger Frauenförderung und ihrer totalen Entmachtung als Väter in Deutschland derart verletzt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sich das in einem neuen Konflikt entladen wird. Weil wir als Frauen eben nicht einseitig neue Machtgebiete erobern und beanspruchen können, ohne gleichzeitig unsere bisherigen Machtgebiete in Sachen Kinder und Sorgerecht neu aufteilen zu wollen. Gleichgewicht sieht anders aus. Geschlechtergerechtigkeit ist keine Einbahnstraße für den Siegeszug der Frau.

Nichts, wirklich gar nichts ist für uns Frauen gewonnen, wenn wir die Männer auf unserem Weg nicht mitnehmen. Kluge Frauen drohen nicht, sie überzeugen. Kluge Frauen wussten schon immer, die Männer einzubinden. Na sicher kann man mit Quotenzwang kurzfristig etwas erreichen. Machen Sie doch, und dann gleich noch Quoten für alle, die mit auf dem Zug sitzen, mit dem Frau Burmester verheißungsvoll in den Sonnenuntergang fährt. Die „Klugen“. Dann stimmen die Zahlen, aber nicht das Gefühl dahinter und auch nicht die Überzeugung, die sie tragen müssen. Dann ist es ein Pyrrhussieg und das Pendel wird zurückschlagen. Schon jetzt mobilisieren sich in den Chefetagen selbst die Männer, die bislang ihren weiblichen Vorgesetzen viel Respekt gegenüber brachten und nun in Zeiten von Quotendiskussionen das Gefühl haben, ihre männlichen Felle retten zu müssen. Fronten, die mühsam abgebaut worden sind, werden gerade mancherorts neu errichtet.

Sammeln, wieder aufstehen

Nein Frau Burmester, ein Mann, der am Boden liegt, ist kein Grund zur Freude. Ganz abgesehen davon, dass es aus weiblicher Sicht wirklich nichts Unattraktiveres gibt als einen gebrochenen Helden. Er wird sich sammeln und wieder aufstehen. Verwundete Tiere sind gefährlich.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf TheEuropean.de.

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Shades of Grey im Kindergarten
2  Kommentare | Posted 19.11.2012 10:11

Stellen Sie sich vor, Sie sind unruhig, Sie schreien, Sie wollen nicht schlafen. Jemand wickelt Sie fest in eine Decke ein, fixiert Sie zusätzlich mit Tüchern, damit Sie sich nicht mehr bewegen oder gar befreien können. Damit Sie nichts mehr sehen können und keinen Kontakt mehr zur Umwelt aufnehmen können, wird Ihnen auch noch ein Tuch über den Kopf gelegt. Sie liegen dort so lange, bis Sie das Schreien aufgeben, also Ihr Wille gebrochen ist, oder Sie erschöpft einschlafen. Sollten Sie vor lauter Schreien aus Versehen das Tuch auf Ihrem Kopf einatmen, können Sie sich selbst nicht davon befreien. Vielleicht ersticken Sie dabei. – Nein, das ist keine neue Foltermethode aus Guantanamo, sondern die Einschlafübung für Kinder bis zwei Jahre im Kindergarten „Spatzennest“ im thüringischen Altenburg.

Ans Licht gekommen sind die aktuellen Vorfälle durch den Bericht einer Praktikantin in der Einrichtung. Sie hatte das nicht etwa heimlich dokumentiert und an die Staatsanwaltschaft oder die Polizei gemeldet. Nein, sie hat den normalen Tagesablauf in der Krippe fein säuberlich in ihrem Praktikumsbericht beschrieben und mit Fotos dokumentiert. So wie Tausende andere Praktikanten im Land ihre Praktika schriftlich festhalten müssen und dann in der Schule abgeben. Erst dort waren die Lehrer entsetzt, was sie in der Dokumentation vorfanden. Sie benachrichtigten umgehend den Träger der Einrichtung. Jetzt sind die drei beschuldigten „Erzieherinnen“ fristlos entlassen, Staatsanwaltschaft und Ämter informiert, man bemüht sich um Schadensbegrenzung.

Nicht auf die Masse der Kinderkrippen schließen

Ohne Worte. Man bleibt wirklich ohne Worte zurück angesichts dieser Vorfälle. Hunderttausende von Eltern bringen jeden Morgen in Deutschland ihre Kinder in die Krippen und Kindergärten unserer Republik. Wir vertrauen darauf, dass man unsere Kinder dort gut behandelt. Wir vertrauen, dass das zutrifft, was in den bunten Prospekten und in den pädagogischen Konzepten uns Eltern angepriesen wird. Unsere Kinder betrachten wir in der Regel als unser kostbarstes Gut. Es bedeutet für die meisten Mütter und Väter eine große Überwindung, sie einem fremden Menschen in Obhut zu geben. Ein Sprecher des Thüringer Kultusministeriums beeilte sich, festzustellen, es handele es sich hier um einen gravierenden Einzelfall: 99,9 Prozent der thüringischen Kitas erfüllten ihren Erziehungsauftrag hervorragend. Woher weiß er das so sicher? Wahrscheinlich dachte er bis Freitag auch, es seien 100 Prozent.

Sicher, man darf nicht den Fehler begehen, jetzt von ein paar schwarzen Schafen auf die Masse der Kinderkrippen zu schließen. Damit tut man Tausenden von sehr engagierten Erzieherinnen sehr großes Unrecht, die täglich schwere Arbeit leisten und ihren Job nicht selten mit Hingabe erfüllen. Aber man muss leider genau so nüchtern festhalten, dass ein Missbrauch erzieherischer Gewalt in Krippen möglich ist und man sich der Aufgabe stellen muss, wie so etwas zukünftig kontrolliert und verhindert werden kann.

In diesem Zusammenhang muss man klar sehen, dass solche Vorfälle deutlich einfacher zu vertuschen sind, wenn wir es mit Kindern zu tun haben, die noch so klein sind, dass sie das Erlebte weder einer anderen Erzieherin noch ihren Eltern gegenüber artikulieren können. Wenn wir also derzeit massiv Plätze für solche Kinder schaffen, erhöhen wir automatisch schon allein statistisch die Anfälligkeit des Systems. Und selbst, wenn es Kinder sind, die schon sprechen können. Wie reagiert man als Eltern auf den Satz: „Die Gitta bindet mich immer ans Bett.“ Nimmt man das ernst? Fragt man verunsichert nach? Kindermund, nein, was für eine blühende Fantasie die Kleine hat. Wir wissen, dass bei anderen Missbrauchsfällen die Beweislast oft kaum zu erbringen ist, wie also bei Kindern, die selbst nicht einmal aussagen können?

Eines der Kinder in Altenburg konnte anhand der Fotos der Praktikantin identifiziert werden. Es handelt sich um ein Baby, das noch nicht einmal ein Jahr alt ist. Und es ist wirklich purer Zufall, dass die Vorfälle ans Licht kamen. Hätte die Praktikantin nicht davon berichtet, würde das munter so weitergehen, ohne dass jemand zur Verantwortung gezogen wird. Wie viele andere Vorfälle bleiben im Dunkeln, weil niemand es anzeigt, weil die Kinder nicht reden können? Immer wieder werden Fälle von Misshandlungen in Kindergärten dokumentiert, sie kommen vor Gericht, die Erzieherinnen werden entlassen. Immer ist von bedauerlichen Einzelfällen die Rede.

In diesem Fall in Altenburg bin ich nicht ganz sicher, was mir einen größeren Schrecken einjagt: Die Vorfälle selbst, bei denen schlimmstenfalls ein Kind hätte ersticken können, oder die Reaktionen und Erklärungsversuche des Trägers und der zuständigen amtlichen Stellen.

Die Leiterin des Kindergartens will natürlich nichts gewusst haben. Was, wenn es stimmt, schon schlimm genug wäre. Denn es stellt sich die Frage, wie man so eine Praxis, die offenbar seit Monaten in der Gruppe der 16 U3-Kinder vollzogen wird, nicht mitbekommen kann? Auch keine der 27 Kolleginnen hat etwas mitbekommen? Sind die U3-Kinder in einem hermetisch abgeriegelten Nebenflügel untergebracht? Diese drei Erzieherinnen haben ja offenbar ohne jegliches Unrechtsbewusstsein gehandelt. Sie haben sogar zugelassen, dass die Praktikantin es mitbekommt und naiverweise dokumentiert. Also die Praktikantin weiß, was Sache ist, die Kindergartenleitung aber nicht?

Diese Kinder haben geschrien, geweint, jedes Mal. Deswegen hat man es ja getan. Sie sollten sich durch das Fixieren beruhigen. „Sie haben die Kinder beim Schlafen eingewickelt und zugeschnürt, damit sie ruhig bleiben“, sagte die zuständige Fachdienstleiterin des Landkreises Altenburger Land, Marion Fischer, am Freitag. Sie bestätigte auch die Tücher auf den Gesichtern. Das sogenannte „Pucken“, bei dem kleinen Kindern die Arme eng an den Körper gelegt und sie dann in eine Decke eingewickelt werden, sei legitim, erklärte Behördenleiterin Fischer. Das bestätigt übrigens auch der Geschäftsführer des Kindergartenträgers „Volkssolidarität“, Volker Kibisch. Das Pucken sei erlaubt, allerdings müssten die Erzieherinnen in der Nähe bleiben, um die Decken wieder zu lösen, sobald das Kind sich beruhigt habe. In diesem Fall seien die Kinder aber zusätzlich mit Mullwindeln fixiert worden. Offenbar kam niemand auf den Gedanken, dass man Kinder vielleicht auch durch körperliche Zuwendung beruhigen könnte. Durch Nähe, sanfte Worte, Berührung. Kuscheln. Vielleicht war auch einfach keine Zeit dafür.

Die amtliche Fachleiterin und auch der Geschäftsführer haben also kein grundsätzliches Problem mit dieser Technik, nur das zusätzliche Fixieren bereitet Unbehagen. Dies legitime „Pucken“ ist in der Psychoanalyse offenbar deutlich umstrittener als in thüringischen Kitakreisen. Ich empfehle dazu gerne Literatur, wie das Buch „Gefesselte Kinder“, das von „archaischen Methoden“ spricht. Aus dem Klappentext: „Der Autor zeigt, welche empirisch nachgewiesenen Gefahren damit verbunden sind. Medizin, Entwicklungspsychologie und Kindheitsgeschichte sollen ein Verständnis dafür eröffnen, was dieses Einbinden für das Baby bedeutet und welche Fantasien die wickelnden Eltern aufweisen.“ Das Wort „Eltern“ wäre dann in diesem Fall durch „Erzieherinnen“ zu ersetzen. Auch die Zeitschrift „Psychologie heute“ hat sich unter ähnlichem Titel ebenfalls mit dem Thema befasst.
Zitat: „Vielfach wird empfohlen, Neugeborene in den ersten Lebenswochen fest zu wickeln. Die nachgewiesenen Gefahren dieser archaischen Pflegepraxis – neudeutsch „Pucken“ – werden dabei häufig ignoriert. Wem dient eigentlich das stramme Wickeln: den Bedürfnissen des Babys oder vielleicht doch dem Wunsch der Eltern nach Ruhe?“ Eine gute Frage, die sich nahezu aufdrängt im Fall der Erzieherinnen.

Egal wie man nun als Eltern dazu steht – in Großbritannien werden beispielsweise 20 Prozent aller Neugeborenen „gepuckt“ – es ist eine Entscheidung der Eltern, wie sie dazu stehen und ob sie es selbst mit ihrem Kind tun wollen. Es ist auf keinen Fall eine Sache staatlicher Ämter. Üblich ist es zudem nur bei Neugeborenen, um ihnen die Enge und Ruhe im Mutterbauch künstlich nachzustellen. Hebammen empfehlen dies häufig, auch meine tat es. Ich habe meine neugeborenen Kinder auch in eine Decke gewickelt in den ersten Tagen ihres kleinen Lebens. Es tat ihnen gut. Allerdings habe ich sie sanft im Arm gehalten, bis sie schliefen und nicht schreiend abgelegt, bis sie aufhörten. Nur reden wir hier aber nicht von Neugeborenen, sondern von Krippenkindern bis zu zwei Jahren, die hier mit Methode ruhiggestellt wurden.

Ja, ich finde, man darf das böse Wort „Freiheitsberaubung“ in diesem Zusammenhang durchaus in den Mund nehmen. Das zusätzliche Fixieren der Kinder tut sein Übriges dazu. „Fixieren“ ist ein verniedlichender Begriff, den man bislang nur aus der Altenpflege kannte. Dort wird er verwendet, um alte Menschen in ihren Betten und Rollstühlen festzubinden, damit sie nicht herausfallen können und sich verletzen. Vielleicht auch, weil sie durch ihren Freiheitsdrang einfach zu viel Mühe machen. Die Methode ist jedenfalls umstritten.
Und sie gilt als ein derartiger Eingriff in die Persönlichkeitsrechte eines Menschen, dass es in der Pflege für jeden einzelnen Menschen, bei dem es angewendet werden soll, eines richterlichen Beschlusses bedarf. Man darf einen Menschen also nicht einfach in seinem Bett fesseln, auch wenn es das Beste für ihn ist und nur geschieht, um ihn zu schützen. Oder damit er schlafen soll. Das darf nicht der zuständige Pfleger oder die Heimleitung entscheiden, sondern nur ein Richter. Gilt denn Gleiches nicht auch für wehrlose Kinder? Die Leichtfertigkeit, mit der in Altenburg über das „Pucken“ von Kindern bis zwei Jahren als legitime Methode zur Beruhigung gesprochen wird, erschreckt doch sehr in diesem Zusammenhang.

Dass man einen richterlichen Beschluss für die körperliche Einschränkung eines Menschen braucht, gilt übrigens auch bei Menschen mit Behinderungen. Die Kita „Spatzennest“ ist eine integrative Einrichtung. Dort werden auch Kinder mit Behinderung betreut. Ob die betroffenen Eltern der „gepuckten“ Kinder wohl im Vorfeld informiert worden sind, welche Methoden im „Spatzennest“ als normal gelten und wie man mit ihren Kindern dort verfährt? Die Eltern selbst dürften jedenfalls zu Hause ihre Kinder nicht einfach im Bett fixieren. Denn auch für Kinder, für die man selbst die Vormundschaft besitzt, und die aus medizinischen Gründen fixiert werden müssen, braucht es einen richterlichen Beschluss.

Vertrauen zurückgewinnen

Volker Kibisch beeilte sich zudem mitzuteilen, dass keines der Kinder körperliche Schäden davongetragen habe. Ja wie schön. Keine Fesselspuren. Und man habe den Eltern psychologische Hilfe angeboten. Den Eltern wohlgemerkt, nicht den Kindern. Wie wäre es denn mal, wenn man nicht nach den körperlichen, sondern nach den psychischen Folgeschäden der Kinder fragt? Wie sich das so auf das Gemüt einer Zweijährigen auswirkt, diese Erfahrung von Ohnmacht, Ausgeliefertsein und Fesselung? Sollte sich zufällig ein zweijähriges Kind in Ihrer Obhut befinden, dann fesseln Sie es doch einfach mal mit einer Decke bewegungsunfähig für eine halbe Stunde in seinem Gitterbett. Nein? Würden Sie nicht machen? Ich auch nicht. Man braucht keine Ausbildung und auch kein psychologisches Studium, um sich auszurechnen, dass es weder für das Kind selbst noch für die Beziehung zwischen Täter und Opfer besonders förderlich ist.

Zurück bleibt die Frage, wie oft müssen uns denn „bedauerliche Einzelfälle“ erst begegnen, bevor man von Amts wegen einen grundsätzlichen Regelungsbedarf sieht? Bis das in einem amtlichen Arbeitskreis fertig diskutiert ist, bleibt uns als Eltern ja offenbar nichts anderes übrig, als entweder weiter blind zu vertrauen, oder alternativ öfters mal unangekündigt in der Krippe unseres Vertrauens vorbeizuschauen. Vertrauensförderlich ist das allerdings nicht.
Nein, mit der Aussage „bedauerlicher Einzelfall“ ist diese Sache nicht abgetan. Zurück bleiben massenweise unschuldige Erzieherinnen, denen jetzt eventuell misstrauisch begegnet wird und massenweise verunsicherte Eltern, deren Vertrauen man zurückgewinnen muss.

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Götterdämmerung am Krippen-Himmel
3  Kommentare | Posted 15.11.2012 14:08

Ja, ich hätte mir gewünscht, das Thema wäre einfach vom Tisch. Beschlossen, umgesetzt, fertig, gut. Oder kann irgendjemand das Wort Betreuungsgeld wirklich noch hören? Seit Jahren wird es durch den politischen Fleischwolf gedreht, wir wissen nun wirklich alles über die Ressentiments aller Parteien gegenüber überzeugungsresistenten Eltern, die wider besseren Wissens immer noch darauf beharren, selbst ihre Kleinkinder groß zu ziehen. Wir haben jedes Klischee über Frauen aus der Mottenkiste geholt und jede Beleidigung aus gesprochen , die wir finden konnten. Es sollte genug sein. Ist es aber nicht. Denn die Opposition im Parlament wird sich nicht zufrieden geben. Schon jetzt hat die SPD sowohl Verfassungsklage gegen das Betreuungsgeld als auch die Abschaffung des gerade beschlossenen Gesetzes angekündigt, sollte sie die nächste Bundestagswahl gewinnen.

„Krippenentzug” ist Chefsache

Selbstredend, dass man in der Bundestagsdebatte vergangenen Freitag deswegen die Führungsspitze bei Grünen und SPD ans Rednerpult holte. Zwar haben sich Trittin und Steinbrück bislang nicht gerade als familienpolitische Experten hervorgetan, aber das war ja auch egal. Hier sollte demonstriert werden: Bildungsnotstand durch Krippenentzug ist Chefsache. Da kommt sogar Herr Steinbrück mal persönlich im Bundestag vorbei. Ja, unser Land steht derart auf der Kippe, dadurch das manche Eltern nun 150 Euro mehr im Monat haben werden, dass die Bosse an vorderster Front in die Schlacht ziehen müssen, um den Ernst der Lage klar und deutlich zu artikulieren.

Lassen wir mal bei Seite, dass der gleiche Herr Steinbrück, der heute mit ernster Miene vom Betreuungsgeld als „Schwachsinn“ und „bildungspolitischem Rückschritt“ redet, im Jahr 2006 die selbe Causa noch einen „vernünftigen Kompromiss“ nannte und sich freute, dass nun „der Weg endlich frei für eine deutliche Verbesserung der Infrastruktur zum Wohle der Kinder in unserem Land“ sei. Zum Wohle der Kinder! Nein wir wollen darauf nicht herumreiten.

Grüne 180-Grad-Wende

Und wir wollen Herrn Trittin auch nicht vorhalten, dass seine Partei ebenfalls eine 180-Grad-Wende vollzogen hat, wenn er jetzt davon spricht, dass ein Betreuungsgeld „frauenfeindlich, familienfeindlich, kinderfeindlich und wirtschaftsfeindlich“ sei. Obwohl Herr Trittin, es ist so schön, dass muss man einfach mal wörtlich zitieren, aus dem Bundesprogramm der Grünen 1980, Punkt 1.5:

„Die Mütter oder Väter, die sich aus erzieherischer Verantwortung überwiegend ihren Kindern widmen, gegebenenfalls unter Verzicht auf Ausübung ihres Berufes, leisten eine Arbeit von größter gesellschaftlicher Bedeutung. Damit die spätere Entwicklung des Kindes ungestört verlaufen kann, sollte in den ersten Jahren möglichst kein Wechsel der Bezugspersonen stattfinden. Darum fordern wir entsprechende Angebote hauswirtschaftlicher und pädagogischer Ausbildung und ein Erziehungsgehalt“

Mein Gott, besser hätte ich das auch nicht sagen können. Ja, dieses neue Inter-Netz, das die jungen Menschen nutzen, vergisst nichts — auch wenn man bei den Grünen wohl hoffte, dass die eigene Vergangenheit in den Archiven langsam verrottet. Schon lange ist von der grünen Vergangenheit in Sachen Kinder und Erziehung nichts mehr zu spüren. Nicht nur dass das Personal heute nicht mehr in Turnschuhen und mit Blumenschmuck, sondern im grauen Dreireiher am Rednerpult steht — ein Dresscode, den fast nur noch Claudia Roth erfolgreich durchbricht. Nein, die alte Kinderladenzeit hat man gleich mit beerdigt. Einfach nur spielen ist nicht mehr liebe Kinder. Hier wird gebildet vom ersten Atemzug an. Ihr seid alle High-Potentials, nur notdürftig in Windeln gewickelt, aber schon auf dem Siegeszug durch die Institutionen der Republik.

Eine seltsame Allianz

Und jetzt? „Frauenfeindlich, kinderfeindlich, familienfeindlich und wirtschaftsfeindlich“. Frauenfeindlich, weil Frauen durch die lächerlichen 150 Euro vom Arbeitsmarkt ferngehalten werden und somit gleichzeitig von ihrer Vervollkommnung als Frau. 150 Euro, das sind mindestens zwei Yoga-Kurse, das vernebelt uns Frauen derart die Sinne, dass wir um unser selbst Willen vor diesem fatalen Fehltritt bewahrt werden müssen. Da ist Trittin auch ganz nah bei seinem Wunschkanzler Steinbrück. Auch der sieht uns Frauen wieder zurück in die Biedermeierzeit abrutschen. Kinderfeindlich, weil Kinder dann tatsächlich die ersten drei Jahre ihres Lebens hauptsächlich bei ihren Eltern verbringen werden und dabei dumpf vor sich hinvegetieren, wo sie doch stattdessen so toll gefördert und gebildet werden könnten.

Familienfeindlich, ja keine Ahnung, warum es familienfeindlich ist, das muss irgendetwas mit dieser Wahlfreiheit zu tun haben, die jetzt ebenfalls Schaden nimmt. Wirtschaftsfeindlich, da sind sich die Herrn Steinbrück und Trittin auch wieder ganz einig. Eine seltsame Allianz. Dass ausgerechnet die politisch Linken sich jetzt als Hüter des Kapitals ereifern, wer hätte das vor wenigen Jahren noch gedacht? Dass sie selbst die Kinder preisgeben zugunsten einer Ökonomisierung aller Lebensbereiche.

Billige Arbeitskraft der Frauen zum Wohl der Wirtschaft

Andererseits ist es genau genommen nur konsequent. Steinbrück ist ein Wirtschaftsmann, warum sollte er nicht von der Wirtschaft her argumentieren. Uns fehlen die Fachkräfte, die brach liegenden Potentiale der Mütter und die braucht er für seine Wachstumsraten. Man macht sich bei allen Oppositionsparteien auch Sorgen um die Integration ausländischer Kinder und deren Sprachkenntnisse, und somit auch um deren weitern Bildungsweg. Warum aber diskutieren wir hier dann über ein Budget des Familienministeriums?

Es wäre einfach ehrlicher, wenn wir mal Klartext reden, und den Krippenausbau endlich aus den Etats jener Ressorts bezahlen, in die sie gehören. Die einen wollen jahrzehntelange verfehlte Integrationspolitik wieder glatt bügeln, die anderen wollen die Arbeitswelt und den Fachkräftemangel in den Griff bekommen. Also bitte Krippenausbau aus dem Wirtschaftsministerium und aus dem Sozialministerium bezahlen, dann sind im Familienressort auch wieder Kapazitäten frei. Es ist ja nahezu heuchlerisch, wenn derzeit die gleichen Parteien, die früher noch von „Zwangsgermanisierung“ sprachen, heute unermüdlich betonen, wie wichtig der Erwerb der deutschen Sprache für Einwanderer sei. Hätte man sich darauf schon vor 20 oder 30 Jahren einigen können, hätten wir nicht ganze Generationen verloren, deren Kindern wir nun heute selbst mühsam Deutsch beibringen müssen, weil wir bei ihren Eltern einst nicht darauf bestanden.

Der Wirtschaft nützt es am allermeisten, wenn die Arbeitskräfte der Mütter frei gesetzt werden. Oder glauben Sie ernsthaft, dass sich alle Wirtschaftsverbände Deutschlands gegen das Betreuungsgeld und für mehr Kitas ausgesprochen haben, weil ihnen die Kinder oder gar die Gleichberechtigung der Frauen so sehr am Herzen liegen? Nein, hier geht es um lückenlose Erwerbsläufe und die billige Arbeitskraft der Frauen. Dann bezahlt das doch auch selbst. Was übrigens mal einen ganz neue Idee ist und auch viel sozialer. Wie wir es derzeit regeln ist weder sozial noch alternativlos. Denn es ist einfach und billig, dass sich jetzt zig Kommentare an dem angeblich überflüssigen Betreuungsgeld abarbeiten, das jetzt angeblich von Müttern haufenweise in Latte Macchiato, Yogakurse und den Otto-Versand investiert wird. Weil diejenigen, die vom Betreuungsgeld profitieren, es ja angeblich am wenigsten brauchen.

Nichts als große Heuchelei

Gleichzeitig habe ich aber weder bei der SPD, noch bei den Grünen oder den Linken irgendeinen Politiker gefunden, der ein Problem damit hat, dass wir der Millionärsgattin den Krippenplatz subventionieren, damit sie tagsüber in Ruhe Golf spielen kann, was wir tatsächlich jedoch tun. Denn die Subvention pro Kind, Platz und Monat liegt nach amtlichen Zahlen bei durchschnittlich 1.200 Euro, wahrscheinlich sogar mehr. Und die Subvention fließt für jeden Platz, egal, ob die Eltern diesen brauchen, ob sie berufstätig sind oder nicht. Ganz ohne Vorbedingung. Wer dies für ein alternativloses Modell hält, sollte seinen Blick einmal Richtung Niederlande wenden. Dort müssen Eltern ein Drittel der realen Krippenkosten selbst bezahlen, ein Drittel zahlt der Staat und ein Drittel der Arbeitgeber. Ja, der Arbeitsgeber. Ich bin sehr gespannt, wie laut die deutschen Unternehmer- und Wirtschaftsverbände nach noch mehr Krippenplätzen schreien würden, wenn man sie wie in den Niederladen an den Kosten beteiligen würde. So haben sie gut reden. Kostet sie ja nichts.

Wenn Sie übrigens in den Niederlanden ein Jahreseinkommen über 70.000 Euro haben, dann zahlt der Staat nur noch unter 2 Prozent der Krippenkosten, der Rest gehört Ihnen ganz allein. Das ist jedenfalls sozialer, als auch denjenigen einen Platz zu subventionieren, die ihn gar nicht brauchen. Es ist also auch hier wieder große Heuchelei, sich darüber aufzuregen, dass man womöglich durch das Betreuungsgeld jemandem 150 Euro zukommen lässt, der das finanziell nicht nötig hat, der gleichen Person aber ohne mit der Wimper zu zucken monatlich 1.200 geben würde und zwar per Rechtsanspruch.

Nichts ist alternativlos. Nicht umsonst ist es einst zum „Unwort des Jahres” gekürt worden. Bedeutet es doch in der Politik nichts weiter, als die Kapitulation angesichts der eigenen geistigen Begrenztheit. In die gleiche Falle tappen bis heute auch immer noch alle diejenigen, die über die Wahlfreiheit der Frauen reden. Andrea Nahles hat sich allen Ernstes zu dem Satz durchgerungen, dass das Betreuungsgeld in die Wahlfreiheit der Frauen eingreife. Ja, ich musste es zweimal lesen. Es war kein Tippfehler der SPD-Presseabteilung. Dass ich jetzt also als Frau die Wahl habe zwischen 150 Euro in bar oder einen Krippenplatz, engt mich in meiner Entscheidungsfreiheit ein. Vorher hatte ich die Wahl zwischen einem Krippenplatz und Null Euro, da hatte ich also noch einen bunten Strauss an Vielfalt. Das Problem ist doch ein ganz anderes: Selbst wenn für alle Familien und auch das letzte Baby ein Krippenplatz zur Verfügung stünde und damit die Wahlfreiheitsversion von Frau Nahles voll erfüllt wäre, würde sie immer noch gegen ein Betreuungsgeld stimmen. Weil sie einfach prinzipiell dagegen ist und gar keine Alternative will.

Kita zu Bildungseinrichtung umgedeutet

Auch hier treffen sich Trittins Grüne wieder in unheimlicher Allianz mit Steinbrücks Sozialdemokraten: Beide haben die Kraft der bürgerlichen Gesellschaft schon lange an den Nagel gehängt zugunsten einer Staatsgläubigkeit, die vor allem bei den Grünen doch sehr verwundert. Waren das nicht mal diejenigen, die gegen staatliche Strukturen auf die Straße gingen? Die gegen das Establishment ankämpften. Jetzt sind sie selbst im Establishment angekommen und schaffen noch mehr staatliche Strukturen als sie vorher abschaffen wollten. Da wünscht man sich fast das Chaos der Kinderläden wieder zurück für unseren Nachwuchs. Weil selbst das besser wäre als die stromlinienförmigen Bildungsapparat, in den man unsere Kinder mittlerweile ab dem ersten Lebensjahr drängen will.

Bei der SPD bahn sich das schon lange an. Olaf Scholz beanspruchte schon vor Jahren die „Lufthoheit über den Kinderbetten“ und ließ seinen sozialistischen Träumereien freien Lauf. Man wusste nur nicht so recht, wie man den Eltern die Kinder gegen ihren Willen enteignen kann. Die SPD hat sich schon im Jahr 2006 darüber Gedanken gemacht. Unter dem schönen Titel „Prüfung der Verbindlichkeit frühkindlicher staatlicher Förderung“ hatte die Berliner Justizsenatorin der SPD, Dr. Lore Maria Peschel-Gutzeit, in einem Gutachten überprüft, ob man auch gegen den Willen der Eltern eine Kindergartenpflicht einführen kann. Ergebnis: Man kann nicht, das blöde Grundgesetzt steht einem im Weg, denn dort ist dummerweise festgehalten, dass die Eltern in Erziehungsfragen in der Rangordnung vor dem Staat stehen. Allerdings könnte man über die Bildung eine Hintertür finden. Weil der Staat das Bildungsmonopol besitzt, daraus leitet sich ja auch die Schulpflicht ab. Könnte man also die Kitas zu Bildungseinrichtungen umdeuten, im Sinne von Schulen, dann hätte der Staat wieder das Sagen und könnte eine Kitapflicht daraus ableiten. Irgendjemand noch Fragen, warum wir also ständig über Bildung in der Krippe reden?

Kinder schon in der Krippe zu kleinen Ökoterroristen heranziehen

Nur dass die Grünen hier ebenfalls mitmachen ist neu. Andererseits auch wieder konsequent, schließlich ist man auf der Ökoschiene schon lange dabei, uns alle zwangsweise zu besseren Menschen zu erziehen, wenn wir denn freiwillig die Umwelt, die Erde und das ganze Universum nicht retten. Da muss man natürlich schon bei den Kindern anfangen, je jünger desto besser. Dann könnten doch schon in der Krippe Kinder zu kleinen Ökoterroristen herangezogen werden, die ihre Eltern melden, wenn diese den Müll nicht ordentlich trennen oder der Thunfisch auf Muttis Pizza nicht Flipper-frei gefangen wurde. Und das erste Wort ist dann nicht mehr „Mama“ sondern „Stoffwindel“. Also Grundausbildung als Gutmensch.

Zum Schluss möchte ich Ihnen Diana Golze nicht vorenthalten, eine Abgeordnete der Linken, die im Bundestag ebenfalls zum oder besser gesagt gegen das Betreuungsgeld Stellung nahm. Mit entwaffnender Ehrlichkeit legte sie das Geständnis ab, sie sei „ehrlich genug, zuzugeben, dass ich meinen Kindern beim besten Willen nicht das bieten kann, was ihnen das Zusammensein mit gleichaltrigen Kindern bieten kann und was ihnen eine qualifizierte, gut ausgestattete Kita bieten kann.“ Nun Frau Golze, das tut mir sehr leid für Sie und auch für Ihre Kinder – denn Millionen von Eltern schaffen das, was sie sich selbst offenbar nicht zutrauen.

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What a man!
2  Kommentare | Posted 10.11.2012 20:20

Ich gestehe, es war keine Liebe auf den ersten Blick zwischen James und mir. Als ich mit 12 Jahren meinen ersten „Bond“ schaute, war er schon seit 25 Jahren im Dienste ihrer Majestät unterwegs. Ich habe die Filme mit der gleichen Begeisterung gesehen, wie ich auch Bud Spencer und Terence Hill schaute: ohne tieferen Sinn, ohne politisches Verständnis, ohne Leidenschaft. Einfach Action, witzige Szenen. Ein immer gut aussehender Spion, der jede Dame, die nicht bei drei auf den Bäumen war, flachlegte – und dabei tadellose Anzüge trug. Aberwitzige Drehbücher und unrealistische Stunts störten mich nicht weiter. Das störte mich ja auch bei Bud und Terence nicht.

Vielleicht muss man erst älter werden, um sich für oder gegen eine Figur zu entscheiden. Um mehr zu verlangen, als einen gut aussehenden Helden, umgeben von hübschen Frauen mit albernen Namen wie Pussy, Kissy, Tracy, Honey und wie sie alle hießen. Die alten „Bond“-Filme schaue ich heute mehr unter dem Aspekt Tradition und Comedy. Es ist interessant zu sehen, was man sich vor 30 oder 40 Jahren als Zukunftsbedrohung vorstellte. Jeder neue „Bond“-Streifen war für seine Zeit spektakulär. Nach heutigen Maßstäben ist die Action oft albern. Das Frauenbild ist eine Katastrophe und der Held zu glatt. James als Mann ohne Vergangenheit, immer gut gelaunt, nie um eine Lösung verlegen und am Schluss sank er mit einer Schönen in den Armen in die Kissen. Gähn …

Seit Daniel Craig hat Bond endlich auch ein Leben

Meine Zeit als Bond-Groupie begann erst mit Daniel Craig. Was für eine Offenbarung als Mann! Endlich kein Schönling mehr. Endlich ein richtiger Kerl. Ja sicher, Sean Connery sah auch nicht schlecht aus. Auch Pierce Brosnan konnte ich aus weiblicher Sicht zumindest etwas abgewinnen, und sie waren beide so richtig bondmäßig. So wie man sich im schönsten Klischee den Engländer vorstellt. Wie Brosnan sich bei der Bootsverfolgung auf der Themse unter Wasser die Krawatte geradezieht, das ist einfach unerreicht. Mehr Bond geht nicht. Aber mal ehrlich, auch das ist doch Comedy. Eine Karikatur des klassischen Spions aus Zeiten, als die Verbrecherwelt noch klar in Gut und Böse aufgeteilt war. Brosnan war schon der Versuch eines Übergangs. Der alte Bond in neuem Gewand. Tragisch gescheitert, weil man dann doch nicht den Mut fand, sich vom Alten zu lösen, aus Angst, Bond dabei zu verlieren. Alte Figur mit neuer Technik. Nicht überzeugend in der Echtzeit angekommen. Und immer noch ausgestattet mit den Jungs-Spielzeugen von Q zwischen explodierenden Kugelschreibern und ferngesteuerten Autos. Für immer in der Schleudersitzzeit festgenagelt.

Seit Daniel Craig hat Bond endlich auch ein Leben. Er ist anders, als alle seine Vorgänger. Bullig, muskulös. Er trägt Anzüge, nicht weil er darin gut aussehen will, sondern weil er muss. Einer, den man auf den zweiten Blick erst umwerfend findet, weil er nicht so offensichtlich als gut aussehend durchgeht. Seit Craig ist endlich Realismus bei Bond eingezogen. Schlägereien sind blutig, Morde anstrengend. Es ist ein schmutziges Geschäft. Quälend lang braucht er, um mit Vesper Lynd den Afrikaner im Treppenhaus mit bloßen Händen zu erledigen. Spionageromantik go home! Man muss sich als Zuschauer nicht mehr ärgern, weil das Drehbuch hanebüchen ist und sich mit einem Augenzwinkern über physikalische Gesetze hinwegschreibt. Hey, nimm es nicht so ernst, es ist doch nur ein „Bond“.

Bond hat endlich auch eine Vergangenheit als Mensch. Als Mann! Er hat plötzlich Kanten, Zweifel, Gefühle. Er ist eigenwillig, unberechenbar. In „Casino Royal“ findet er die Liebe seines Lebens. Ja, das lässt uns Frauen seufzend in den Kinosesseln tiefer rutschen. Der Held, der wenn auch nicht ein ganzes Empire, aber doch wenigstens ihre Majestät in den Wind schießt, um ganz neu anzufangen. Für eine Frau. Ein harter Knochen, der angesichts einer weinenden Frau in die Knie geht. Ohne in Kitsch abzudriften oder gar an Männlichkeit zu verlieren. Genauso verletzlich, wie die Schöne, die er bis zum letzten Atemzug mit seinem Leben verteidigen würde. Ja endlich habt ihr auch für Mädels etwas ins Drehbuch geschrieben. Danke! Frauen nicht mehr rein als austauschbares Vergnügen und dumme Mäuschen. 

Sie hat ihn flachgelegt, mal eine ganz andere Variante. Dann der Verrat, die Enttäuschung. Der Nachfolger „Ein Quantum Trost“ ist ein einziger Rachefeldzug für Vesper Lynd. Als Drehbuch schwach, menschlich für die Bond-Figur aber konsequent.

Zwischen Cyberwelt und Jagdmessern

Und jetzt „Skyfall“. Ich verneige mich! Eine Abrechnung mit allen Bond-Klischees. Ein für alle Mal. Schluss mit den Kindereien. Nur um den Aston Martin tut es mir doch ein bisschen leid. Alles kommt auf den Tisch. Seine Kindheit, der tragische Tod seiner Eltern. Seine Einsamkeit. Die Zweifel an der Loyalität zu England, zu M, zu allem. Ein Bond mit Todessehnsucht. Einer, dem alles egal ist, der säuft, um zu vergessen. Fallen gelassen und am Ende. Und wieder ist es eine Frau, die ihn aus dem Sumpf holt. Seine Mutter-Sohn-Beziehung zu M, sensationell gespielt von Judi Dench. Keiner von beiden will zugeben, wie sehr man aneinander hängt. Und doch ist es so offensichtlich und schon seit „Casino Royale“ vorbereitet. Sie sind beide harte Knochen, zusammengeschweißt angesichts einer realen Bedrohung, aber auch angesichts politischer Kräfte, die beide in den Ruhestand versetzen wollen.

Und so ist es ein Showdown nicht nur gegen Bösewicht Javier Bardem, der einen Oscar verdient hätte für seine Inszenierung des gefallenen Agenten Silva. Ein Showdown zwischen der neuen und der guten alten Zeit. Zwischen Cyberwelt und Jagdmessern. O. k., es hat ein bisschen was von „MacGyver“ und „Kevin allein zu Haus“, wie die finale Schlacht auf „Skyfall“ vorbereitet wird, aber was soll‘s: Er gewinnt am Schluss und er weint um M. M wie Mutter.

Er wird auch noch weitere 50 Jahre gegen die Bösewichte dieser Welt kämpfen und ich werde ihn lieben. Der neue Boy‘s Club beim MI6 verspricht zudem einen hohen Spaßfaktor im Drehbuch und selbst Moneypenny hat plötzlich nicht nur Hintern, sondern auch Hirn. Er wird sich nie mehr verlieben, dafür haben ihm die Frauen zu sehr zugesetzt. Also wieder austauschbares Vergnügen. Vesper hat es für uns Frauen für immer versaut. Die Schlampe ist tot. Darauf einen Bourbon, aus der Flasche, scheiß auf den Martini.

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Schluss mit dem Nanny-Staat
6  Kommentare | Posted 31.10.2012 10:17

Die Strategen im Familienministerium sind getrieben. Von der Notwendigkeit, die Geburtenrate zu erhöhen, vom demografischen Wandel, der unsere Gesellschaft dramatisch altern lässt, vor allem aber vom Willen der CDU, dabei auch noch als moderne Großstadtpartei rüberzukommen.

Der Gelb-Anteil an der Familienpolitik der traditionsreichen Koalition kann dabei getrost vernachlässigt werden. Sie war thematisch schon immer ein Stiefkind der FDP: der „Gedöns“-Faktor im Regierungsauftrag, ganz in Gerhard-Schröder-Manier – keine Herzensangelegenheit. Es war die CDU, der die Familie einmal am Herzen lag, die das zuständige Ministerium immer für sich beanspruchte. Die sich für eine Ehe im christlichen Sinne einsetzte. Insofern ist es nun auch die CDU, die Bilanz ziehen muss. Was hat sie erreicht, was macht sie unverwechselbar, wohin führt die Reise? Mehr Fragezeichen als Antworten finden sich auf der Suche nach einem eigenen familienpolitischen Profil. Denn das größte Problem ist: Die CDU hat keines.

Krippenministerin von der Leyen

Wo sind die großen aktuellen Themen, das Alleinstellungsmerkmal der CDU-Familienpolitik? Egal ob Krippenplätze, U3-Ausbau, Erhöhung des Frauenerwerbsanteils, Frauenquote, Gleichstellung unehelicher Kinder und jetzt ganz neu Gleichstellung der sogenannten Homoehe – nichts davon ist eine ureigene CDU-Idee. Nicht einmal das Betreuungsgeld, das nur von der Schwesterpartei CSU vorangetrieben wird. Alles haben wir als Forderung schon von anderer Seite gehört.

Es gibt keinen großen Plan, kein erkennbares Konzept – man reagiert nur und will sich nicht nachsagen lassen, man sei nicht mit der Zeit gegangen; hätte keine Antworten auf die geänderten gesellschaftlichen Verhältnisse, die steigende Zahl von Scheidungen, unehelich geborene Kinder, Patchwork-, Regenbogen- und Sonstwie-Familien. Leider hat man dabei das eigene Leitbild aus den Augen verloren. Die Mehrheit, die nach wie vor einfach heiratet und Kinder bekommt, zusammen bleibt und das Ganze – Gott behüte – womöglich noch mit kirchlichem Segen.

Ach, was waren das noch für Hoffnungen, die gerade das konservative Lager der CDU-Mitglieder und -Wähler in Ursula von der Leyen setzte, als diese 2005 zur Familienministerin berufen wurde. Eine Mutter von sieben Kindern, verheiratet, christlich, Tochter aus traditionsreicher CDU-Familie – es hätte ein Neuanfang werden können. Moderner als Urgestein Rita Süssmuth, mutiger als das farblose Mäuschen Claudia Nolte und ganz sicher weiblicher als Heiner Geißler.

Stattdessen wurde von der Leyen zum letzten Sargnagel der eigenständigen CDU-Familienpolitik. Man hätte genauso gut ihre sozialdemokratische Vorgängerin Renate Schmidt im Amt lassen können, die sich immer wieder öffentlich freut, dass ihre Nachfolgerin fortgeführt hat, was sie einst begann. Fortgeführt ist dabei nahezu beleidigend untertrieben.

„Röschen“ entpuppte sich mit ihrem schon berühmt-berüchtigten Drang zur Perfektion als noch sozialdemokratischer als die SPD. Sie wird als Krippenministerin in die Geschichte eingehen, die Opposition frohlockte. Zustimmung von vielen Seiten – in der Regel aber von Menschen, die niemals auf den Gedanken kämen, dafür die CDU zu wählen. Neue Zielgruppe war fortan nicht mehr die traditionelle Familie, der eigenen Stammwähler oder gar die Hausfrau – eine weib­liche Existenzform, die parteiübergreifend als eine abzuschaffende gilt –, sondern der moderne Akademikerhaushalt mit zwei Einkommen.

Familienkonzept auf dem Bierdeckel

Es ist nur noch ein routinemäßiges Zusammenzucken, wenn alljährlich die Geburtenzahlen in Deutschland veröffentlicht werden, die gemeinhin als Gradmesser einer erfolgreichen Familienpolitik betrachtet werden. Reflexartige Schuldzuweisungen zwischen Regierung und Opposition – nur an den Zahlen ändert sich, trotz der viel gerühmten über 100 verschiedenen familienpolitischen Maßnahmen, leider nichts.

Im Frühjahr 2011 gab Ministerin Kristina Schröders Staatsminister Josef Hecken angesichts der desolaten Geburtenraten zum Besten, wie wichtig doch eine „nachhaltige“ Familienpolitik sei. Man sei auf einem guten Weg. Ja, das klingt gut, nur was meinte er bloß damit? Etwa, dass wir in puncto Nachwuchs Schlusslicht sind im europäischen Vergleich, das aber konsequent und nachhaltig?

Dabei gäbe es für die CDU noch immer die Möglichkeit, familienpolitisch legendär zu werden: mit einem radikalen Schnitt. Einer Art Familienkonzept auf dem Bierdeckel, wie es einst Friedrich Merz für das Steuerrecht vorschwebte. Sympathisch, einfach und deswegen politisch unerwünscht. Weg mit den 100 Instrumenten der Familienpolitik, deren Wirkung niemand nachvollziehen oder gar beweisen kann, und stattdessen deutliche Steuerfreiheit für Eltern durch ein Familiensplitting.

Was wir den Familien nicht wegnehmen, müssen wir ihnen anschließend nicht mühsam verteilt wieder zuführen. Selbst das Betreuungsgeld und die leidige Debatte darum könnten wir uns durch einen Pauschalbetrag pro Kind sparen, den die Familie einfach so einsetzt, wie sie es für richtig hält: egal ob für Kita, Selbst-erziehen, Oma, Nachbarin oder Kindermädchen. Kein Nanny-Staat mehr, sondern echte Freiheit für Familien, da müsste doch auch das liberale Herz kurz höherschlagen.

Ein bisschen Mut bräuchte es dafür schon, deswegen ist eine Kursänderung in der verbleibenden Regierungszeit nicht zu erwarten. Wer hätte schon den Willen und die Kraft, das durchzusetzen? Die Kanzlerin ist alternativlos, die amtierende Familienministerin Schröder ohne Rückhalt, die CSU zu klein und die Frauen-Union ganz auf Von-der-Leyen-Süssmuth-Kurs. Nichts wird sich mehr ändern in den letzten Monaten von Schwarz-Gelb.

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