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20.05.2013
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     Josef Bordat
Email:   josef_bordat@hotmail.com
Blog:  http://josefbordat.wordpress.com

Josef Bordat, geb. 1972, Studium des Wirtschaftsingenieurwesens (Dipl.-Ing.), der Soziologie und Philosophie (M.A.) in Berlin. Mitglied des Vorstands einer privaten Arbeitsvermittlung und Dozent. Promotion zum Dr. phil. Derzeit freier Publizist. Zahlreiche Veröffentlichungen, darunter die Monographien Gerechtigkeit und Wohlwollen. Das Völkerrechtskonzept des Bartolomé de Las Casas (2006), Annexion – Anbindung – Anerkennung. Globale Beziehungskulturen im frühen 16. Jahrhundert (2008) und Ethik für heute. Moraltheoretische Überlegungen zu Terrorismus, Menschenrechten und Klimawandel (2009).

 
RSS Blogeinträge von Josef Bordat

 
Partnerschaft und Ehe
8  Kommentare | Posted 20.02.2013 13:14

Die Diskussionen über das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Adoptionsrecht für Homosexuelle haben wieder eines deutlich gezeigt: Wer nicht mit überschwänglichem Jubel für die völlige Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften mit der Ehe plädiert, gilt heute schnell als »homophob«. Das ist zwar so, als sei jeder, der ein Schnitzel isst, Antisemit, aber gut – die Zeiten sind nun mal so. Also bin ich wohl »homophob«. Denn mein Grundsatz im Umgang mit Homosexuellen lautet: Jedem Menschen gebührt Respekt, aber nicht jedem Verhalten – bestimmte Verhaltensweisen kann ich nicht respektieren, sondern nur tolerieren. Ich kann verstehen, dass das nicht ganz einfach zu verstehen ist. Dazu muss das Wesen des Menschen als eine Seinsqualität angenommen werden, die unabhängig von dem ist, was er tut oder sagt oder denkt. Darin leuchtet die unbedingte Würde des Menschen auf, die für mich schöpfungstheologisch begründet ist, als eine von Gott gestiftete »Fremdwürde«.

 

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Kafka und Kirche
0  Kommentare | Posted 19.02.2013 13:26

Damit entsteht eine Diskurssituation, in der es nicht mehr um Sachfragen geht (Geht es darum, dass neue Missbrauchsfälle aufgetreten sind? Oder geht es darum, dass über die Fortsetzung der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Missbrauchsfälle gesprochen wird? – Gibt es zwischen diesen beiden Fragen einen Unterschied?), sondern in der unabhängig von der Wirklichkeit und aktuellen Entwicklungen stereotype Markierungen angebracht werden können, deren Substanz weit schwächer ist als angenommen (nur darauf kommt es aber im Diskurs an), die jedoch vor allem – und das ist entscheidend – nicht mehr beeinflussbar ist. Das ist natürlich ein Pfund, mit dem man dann wuchern kann: Hexen. Oder so. Dass eine Kritik der Deutschen Bischofskonferenz mit Verweis auf die Kreuzzüge etwa so sinnvoll ist wie eine Kritik von Angela Merkels Europapolitik mit Referenz auf das Verhalten germanischer Stämme während der Völkerwanderung, spielt ja keine Rolle.

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Kirche und Gesellschaft
1  Kommentare | Posted 14.02.2013 10:43

In den letzten Woche wird oft die „Weltfremdheit“ der Kirche kritisiert, die sich von der Gesellschaft immer weiter entferne (bzw. diese von jener). Ohne auf die Berechtigung dieser Kritik inhaltlich im Einzelnen einzugehen (ich denke, die Kritik stimmt nur teilweise; insbesondere stimmt sie ganz offensichtlich für den Bereich der Sexualmoral, völlig abwegig ist sie hingegen für den Bereich der karitativen Arbeit und der Soziallehre, deren Beachtung im Rahmen einer Sozialen Marktwirtschaft, ihrer säkularisierten Form, in unseren globalisierten Zeiten von vielen Menschen, nicht nur von Katholiken, schmerzlich vermisst wird), möchte ich einige allgemeine Bemerkungen zum Wert der Distanz vortragen.

Es ist immer wieder der Nicht-Katholik Norbert Bolz, der darauf aufmerksam macht, dass die Nähe einer Kirche zum Zeitgeist zwar zu ihrer Akzeptanz beiträgt, aber nicht zur Stärkung ihrer Bedeutung. Mit Blick auf die evangelische Kirche meinte Bolz erst kürzlich im KNA-Interview: „Sie praktiziert schon seit Jahren eine bedingungslose Anpassungsstrategie an den Zeitgeist und segelt im Windschatten der öffentlichen Meinung. Dabei verliert sie aber jedes Profil.“ Die katholische Kirche, so Bolz an anderer Stelle, ecke an, praktiziere den offenen Widerspruch, provoziere – und sei gerade dadurch wert-, kraft- und sinnvoll. Beispiel: Zölibat. Bolz: „Zölibat ist Askese, und Askese ist etwas, das für unsere Gesellschaft unerträglich ist, das absolut Nicht-Säkularisierbare. Es gibt zwar alle möglichen Formen von Konsum und Befriedigung, aber Askese, also der freiwillige Verzicht auf Möglichkeiten, ist für die offizielle Selbstbeschreibung einer säkularen bürgerlichen Gesellschaft ein Skandal. Die Leute wittern, dass hinter der Askese Macht steckt, und das reizt sie bis aufs Blut.“

 

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Die katholische Position
5  Kommentare | Posted 13.02.2013 14:49

Die Kirche hat Respekt vor jedem Menschen. Gerade das macht die Sache für die Kirche so schwierig: Dass es ihr eben unmöglich ist, das Leben des Kindes, auch wenn es aus einer Vergewaltigung entstanden ist, völlig auszublenden, wie es im Diskurs immer wieder gefordert wird – zumindest implizit, wenn man die Haltung der Kirche als „völlig realitätsfremd“ beschreibt, so, als sei das Leben des Kindes kein Teil der ethisch zu bewertenden Wirklichkeit. Das Leben des Kindes ist ein Faktor im moralischen Kalkül der Kirche, auch, wenn sie damit der Gesellschaft einen Strich durch die Rechnung macht. Denn das Leben des Kindes ist an sich wertvoll und schützenswert.

Steht die Kirche mit ihrer „Menschenverachtung“ (selten zuvor ist ein Begriff so auf den Kopf gestellt worden, achtet doch gerade die Kirche beide Menschen: Frau und Kind) eigentlich allein? Man könnte den Eindruck gewinnen! Wahr ist: Die Kirche steht mit beiden Beinen auf unserer Verfassung, weil das Grundgesetz das „Recht auf Leben [..] jedem gewährleistet, der ,lebt’; zwischen einzelnen Abschnitten des sich entwickelnden Lebens vor der Geburt oder zwischen ungeborenem und geborenem Leben kann hier kein Unterschied gemacht werden“ (so in einem Urteil des BVG), denn das Grundgesetz enthalte gerade keine „dem Entwicklungsprozess der Schwangerschaft folgenden Abstufungen des Lebensrechts“ (so in einem anderen Urteil des BVG).

 

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Karneval als rheinisch-katholisches Kulturphänomen. Theologisches
0  Kommentare | Posted 11.02.2013 12:56

1. Der Karneval ist katholisch. Historisch und geographisch lässt sich das zeigen. Historisch durch die Verbindung zur Fastenzeit, dort wo das Fasten ernst genommen wird, feiert man heftig Karneval. Und geographisch korreliert der Karneval mit katholischen Bevölkerungsanteilen. Das ist klar. Schauen wir nun genauer hin.

Es geht mir jetzt darum, das ambivalente Verhältnis des Karnevals zur Kirche, zum Katholizismus systematisch zu betrachten, anhand dessen, was im Karneval so passiert. Das Spannungsverhältnis von Karneval und Kirche drückt der Narr selbst aus, wenn er von sich sagt, er sei zwar streng katholisch, habe aber mit der Kirche nichts am Hut. Der Karneval gibt uns damit auf seine Art die Frage zur Beantwortung auf, ob die Kirche tatsächlich die Botschaft Jesu in der Welt und für die Welt, die ganze Welt, nicht nur verwaltet, sondern auch erfahrbar macht, das ist ja ihre Aufgabe, die Aufgabe der Kirche, oder ob vielleicht wahr ist, was so mancher Narr vermutet, dass nämlich Gott längst aus der Kirche ausgetreten ist.

2. Viele Witze, in denen der Papst, der Vatikan und andere Würdenträger vorkommen, und zwar eher wenig vorteilhaft, thematisieren die innerkirchliche Spannung von göttlich-überzeitlichem Auftrag im Angesicht der conditio humana unter den Gegebenheiten dieser Welt. Also, das „in der Welt sein“, aber nicht „von der Welt sein“, wird als problematisch entlarvt, indem es immer wieder in Richtung eines Übergewichts allzu weltlicher Erscheinungen innerhalb der Kirche aufgelöst wird und damit Themen wie Geld oder Macht offen und vor dem Hintergrund des kirchlichen Selbstverständnisses eben auch sehr, sehr kritisch verhandelt werden.

 

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