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26.05.2013
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     Karin Pfeiffer-Stolz
Email:   info@stolzverlag.de
Blog:  http://www.stolzverlag.de/

Die ehemalige Lehrerin betätigt sich seit Jahrzehnten als Autorin von schulpraktischen Lernhilfen und Büchern. Sie freut sich über jede Zuschrift, jedes Lob und jede konstruktive Kritik. Mit viel Engagement vertritt sie ihre pädagogischen Ideen. Die schnell wechselnden Moden in der Schullandschaft lassen sie unbeeindruckt, denn die meisten sind wenig durchdacht und verschwinden ebenso rasch, wie sie gekommen sind. Erfolgreiches Lernen benötigt einen stabilen Rahmen, nichts ist der Schule abträglicher als der ständige Wechsel von Methoden und Rahmenbedingungen. Unsicherheit und Orientierungslosigkeit verhindern Lernerfolg, schaffen Überdruß und Aggression. Von dieser Einsicht geleitet, gewinnen die Veröffentlichungen des Stolz Verlags eine zeitlose Wirksamkeit, was bei den Benutzern der Hefte sehr gut ankommt.

 
RSS Blogeinträge von Karin Pfeiffer-Stolz

 
Arbeitsplätze schaffen
10  Kommentare | Posted 26.02.2013 21:50

Deutschland 1994. „Deutsche Bischöfe gegen Arbeitslosigkeit“. Kaum eine Printmedien-Schlagzeile, in der damals nicht zur Schaffung von Arbeitsplätzen aufgerufen wird. Sitzen die Herren Unternehmer denn aus purer Boshaftigkeit und Heimtücke auf den Arbeitsplätzen, horten sie diese etwa in Speichern und Tresoren? Weshalb gönnen sie der arbeitswilligen Öffentlichkeit die Arbeitsplätze nicht? Man muß ihnen endlich zeigen, wo der Hammer hängt. Allez hopp!

Ich wollte ein guter Arbeitgeber sein, einer, der freizügig mit Arbeitsplätzen ist. Mit viel Elan, Erfindungsreichtum und selbstausbeutender Schufterei hatte ich in etlichen Jahren ohne jede Fremdfinanzierung aus einer Idee eine kleine Firma aufgebaut. Zunächst hatte ich stundenweise Aushilfskräfte beschäftigt, später kamen sechs Vollarbeitsplätze hinzu. In der ländlichen Region, wo ich lebte, waren diese sehr willkommen. Es erfüllte mich mit großem Stolz, daß ich so etwas auf die Beine gebracht hatte. Ich legte mich mächtig ins Zeug und machte gute Miene zum Spiel der Bürokratie, den Vorschriften (getrennte Klosetts) und den hohen Sozialabgaben, den Zwangsmitgliedschaften und -beiträgen – Beispiel Berufsgenossenschaft. Es dauerte nicht sehr lange, und die Freude wurde mir Stück für Stück verdorben. Im folgenden schildere ich zwei Schlüsselerlebnisse, die einen grundsätzlichen Einstellungswandel bei mir bewirkten.

Eines Tages setzte mich meine wichtigste Kraft von ihrer Schwangerschaft in Kenntnis. Man wird es mir nicht glauben, aber ich freute mich aufrichtig für die junge Frau und gratulierte ihr arglos zum künftigen Mutterglück. Ich ermunterte sie, mir eventuellen Sonderwünsche mitzuteilen – ein Kissen für den Stuhl oder eine zusätzliche Pause. Schon am Tag darauf revanchierte sie sich für mein Entgegenkommen: sie blieb der Arbeit fern. Die Krankenmeldungen kamen stets per Post. Absender waren – in dieser Reihenfolge – Frauenarzt, Internist, Neurologe. Eine Geburtsanzeige bekam ich nicht, obwohl ich finanziell nicht unerheblich zum Gedeihen der jungen Familie beitrug. Es ginge der jungen Frau und ihrem Sohn gut, und sie fahre ihn täglich im Kinderwagen spazieren. Nicht ohne Bestürzung mußte ich erkennen, daß der verlängerte Schwangerschaftsurlaub offensichtlich von vornherein geplant war. Bereits am Tag der Empfängnisverkündung hatte die werdende Mutter heimlich ihren Arbeitsplatz bis auf den letzten Krümel geräumt und die persönlichen Bürohabseligkeiten inklusive Bärchen-Kaffeetasse vorsorglich mit nach Hause genommen.

Neben dem finanziellen Schaden durch Krankheitsfortzahlung hatte ich die Kosten für eine neue Aushilfskraft zu tragen, die ich einarbeiten mußte. Ich wurde aufgeklärt, daß meine „Kindsmutter“ immer noch das Recht auf ihren alten Arbeitsplatz habe. Über ihre Absichten brauche sie den Arbeitgeber nicht zu unterrichten. Solche persönlichen Dinge gingen ihn nichts an. Schließlich binde der Chef seinen Angestellten ja auch nicht alles auf die Nase.

In den abendlichen Stunden, während andere schon lange mit Bier und Chips vor der Glotze hingen, grollte ich und beschloß, niemals mehr eine Frau in gebärfähigem Alter einzustellen. Da wußte ich noch nicht, welche Überraschungen das Unternehmerdasein noch alles so in petto hat. An einem der folgenden Vormittage erreichte mich die bestürzende Nachricht, daß einer meiner Außendienstmitarbeiter einen schweren Verkehrsunfall verursacht habe. Bei einem Überholmanöver in unübersichtlicher Kurve war sein schwer mit Waren beladener Wagen mit einem entgegenkommenden Auto zusammengeprallt. Während mein Mitarbeiter nur leicht verletzt wurde, starb der Fahrer des anderen Wagens noch am Unfallort. Das Firmenauto und dessen Ladung waren Schrott. Das mag zwar im Vergleich zum Tod eines Unschuldigen unwesentlich erscheinen; mich drückte es dennoch nieder, denn für mich war das eine empfindliche finanzielle Einbuße.

Da der Unglücksfahrer bereits zweimal wegen anderer Verkehrsdelikte schriftlich abgemahnt worden war, kündigte ich ihn fristlos. Ein gewiefter Rechtsanwalt fand einen Formfehler, und schon wurde, hokuspokus, aus der fristlosen Kündigung eine fristgerechte. Da ich den Mann nicht mehr im Außendienst beschäftigen konnte und wollte, schickte ich ihn nach Hause und überwies ihm noch drei Monate lang fürs Nichtstun die vollen Monatslöhne sowie eine Abfindungszahlung in nicht unbeträchtlicher Höhe, die er ebenfalls gerichtlich durchgeboxt hatte. Mir wurde zudem gerichtlich untersagt, den wahren Kündigungsgrund in die Entlaßpapiere des Crashpiloten zu schreiben, damit dem armen Mann keine finanziellen Nachteile entstünden. Nach den finanziellen Nachteilen für meinen kleinen Betrieb und für mich als Kleinunternehmer fragte niemand. Es war in jenen Tagen, daß ich zum ersten Mal einen Firmenkredit aufnehmen mußte. Es war zugleich das letzte Mal.

Denn nach diesen beiden Vorfällen begann ich umzudenken. Ich wollte nicht einfach hinnehmen, daß – bei allem Respekt für Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft – eine Schwangere sich das alles mit Unterstützung gesellschaftlicher Kräfte von einem fremden Menschen bezahlen läßt, der damit im Grunde nichts zu tun hat, außer daß er zur Gattung Unternehmer gehört. Unternehmer sind bekanntlich ethisch anrüchige Personen, denen man es zeigen muß, wo immer es geht. Darin besteht gesellschaftlicher Konsens. Ich konnte nicht verstehen, daß ein Autofahrer, der den Tod eines Unschuldigen fahrlässig verursacht und dazu Sachschäden in sechsstelliger Höhe angerichtet hat, dafür fürstlich belohnt wird. Ich mußte einsehen, daß ich einen grandiosen Fehler begangen hatte, indem ich die Forderung der Bischöfe und der Politiker ernst genommen und verwirklicht hatte, was sie forderten: Arbeitsplätze schaffen! Jahrelang hatte ich den Karren gezogen und mich gewundert, weshalb dieser immer schwerer wurde, bis ich schließlich erkannte, daß ich der einzige war, der zog. Alle anderen saßen gemütlich drin und amüsierten sich.

An einem Sonntagnachmittag saß ich mal wieder allein im Büro. Draußen schien die Sonne. Spaziergänger spähten zu mir herein, der ich an meinem Bürotisch lustlos Behördenpapiere ausfüllte. Da hörte ich im Radio die Stimme des Bundespräsidenten Roman Herzog, der die Deutschen zu mehr „Unternehmergeist“ aufrief. Ich stand auf, drehte das Radio ab und rief: „Schafft euch eure Arbeitsplätze doch selbst! Pflückt sie von Bäumen oder buddelt sie aus der Erde! Aber laßt mich künftig dabei aus dem Spiel!“ In den folgenden Monaten zog ich die Konsequenzen, verkleinerte meine Firma und löste die Arbeitsplätze auf. Seither bin ich ein Einmannunternehmen. Ich lebe bescheiden, komme aber über die Runden. Niemandes Herr bin ich, und niemandes Knecht. Man läßt mich weitgehend in Ruhe, und das ist meiner Erfahrung nach das beste, was einem Menschen in diesem Staat passieren kann.

Olaf Stamm

 

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Randnotizen am Freitag (7. Folge)
2  Kommentare | Posted 22.02.2013 09:08

Deficit Spending

Es heißt, John Maynard Keynes habe das Deficit Spending zu Zwecken der Abwehr der nach dem Zweiten Weltkrieg drohenden Bolschewisierung Mittel- und Westeuropas empfohlen. Aus dieser Perspektive betrachtet, war das aus ungedecktem Kreditgeld finanzierte staatliche Arbeitsbeschaffungsprogramm eine Notmaßnahme. Wie geplant, erzeugte die Medizin zunächst ein positives Resultat. Keynes verstarb unerwartet im Jahr 1946. Das läßt gewisse Zweifel daran offen, ob der Meister der Geldvermehrung mit den Ergebnissen zufrieden gewesen wäre, wie sie sich heute zeigen. Der Geist, einst aus der Flasche entwichen, benebelt bis heute die Hirne seiner Jünger. Die Medizin des Fiat-Money schmeckte halt gar so süß, so daß der „Patient“ sie auch nach seiner Genesung weiter einnahm.

 

Dummheit

Trotz aller ursächlichen Widerwärtigkeit sind persönliche Niederlagen, erlitten durch die listige Niedertracht eines Zeitgenossen, leichter zu ertragen als der Schaden, den man durch Dummheit von Mitmenschen erleidet. Mit der Bosheit kann man ringen. Der Dummheit ist man schutzlos preisgegeben.

 

Sippenhaft

Anläßlich einer medial in Szene gesetzten Feierstunde erinnerte ein Mitglied der politischen Klasse die junge Generation der Deutschen wieder einmal daran, daß diese zu den Verbrechen des Dritten Reiches zu stehen und für diese zu sühnen habe, immerdar. Da sage noch einmal einer, die Sippenhaft sei abgeschafft! Im privaten Recht mag das gelten, und staatsrechtlich?

 

Wenn die Worte ihren Sinn verlieren, verlieren die Menschen ihre Freiheit.

Konfuzius

 

Keine Hunde

Hinweisschild am Eingang zum Amt: „Bitte keine Hunde mitnehmen.“
Mann mit Hund kommt, liest das Schild, betritt mit dem Tier die Vorhalle, geht zum Aufzug, drückt einen Knopf und wartet. Kommt stracks eine uniformierte Person daher und sagt: „Haben Sie nicht gelesen? Hunde nicht mitnehmen.“
Der Mann setzt ein verschmitztes Gesicht auf und sagt: „Aber ich nehme doch keinen Hund mit, ich bringe ja nur einen!“

 

Wie Knechtschaft entsteht

Der neugierige, schaffensfreudige und tüchtige Menschentyp hat sein Augenmerk auf die Dinge seiner Umgebung gerichtet. „Was kann ich damit machen? Welchen Nutzen ziehe ich aus ihnen, wenn ich sie bewege und mit ihnen arbeite?“

Der unbegabte, bequeme oder herrschsüchtige Menschentyp richtet seine Aufmerksamkeit hingegen nicht auf die Dinge, sondern auf die Mitmenschen. Er beobachtet, wie deren Schaffenskraft Güter und Werte hervorbringt, und das weckt in ihm brennende Begierde und flammenden Neid. Fortan widmet er seine gesamte Lebensenergie der Beobachtung und Beeinflussung von Menschen: er wird politisch tätig. Sein Arbeitsgebiet ist nicht die Natur, sondern der Mensch. Er müht sich nicht um den Erwerb praktischer Tüchtigkeit in lebensnotwendigen Angelegenheiten. Sein Arbeitsgerät ist hauptsächlich das Wort. Er benutzt die Sprache als weiche Waffe. Er verbiegt und mißbraucht sie nach allen Regeln der Kunst. Damit erringt er das Vertrauen desjenigen, der wortgläubig ist, weil die Materie, mit der er praktisch umgeht, nicht lügt. Die Natur ist niemals niederträchtig und gemein.

So entsteht Knechtschaft. Der emsig arbeitende, schöpferisch tätige Mensch nimmt sich keine Zeit für Politik. Deshalb durchschaut er die Pläne der Politiker nicht. Er nimmt Propaganda für wahr, denn man nennt sie Nachrichten. Daß diese nur ein Teil der Politik sind – und zwar jener, die dem Zweck dienen, die wahren Absichten der politisch Aktiven zu verschleiern – erkennt er nicht. Der schöpferische Mensch geht ganz in seiner Arbeit auf. Gegen die raffiniert getarnten Übergriffe des Fiskus ist er seit jeher wehrlos.

 

Eigentum

Eigentumsschutz und Beschaulichkeit – sprich Zeit – sind eng miteinander verknüpft. Wo kein Eigentumsschutz vorhanden ist, ist die Gesellschaft unruhig und hektisch. Die Menschen sind dauerwachsam, denn sie leben in ständiger Furcht vor dem Verlust ihres bescheidenen Besitzes.

 

Kriegskunst

Wer flieht, kann wieder ins Gefecht,
wer bleibt und fällt, der kann das necht.
Wer folglich läuft zur rechten Zeit,
ist in der Kriegskunst schon sehr weit.

Carl Julius Weber, Schriftsteller und Satiriker  (1767 – 1832)

 

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Randnotizen am Freitag (6. Folge)
1  Kommentare | Posted 08.02.2013 10:49

Urkundenfälschung

Das schriftliche Urkundenwesen entstand im Mittelalter. In kirchlichen und weltlichen Kanzleien wurde eine charakteristische Urkundenschrift gepflegt – diese war kunstvoll und ästhetisch. Es mag den Leser überraschen: die Schönheit der Kalligraphie mochte wohl auch das Auge erfreuen, doch diente sie nicht bloß diesem Zweck. Die eigenwillige Schriftform fungierte zugleich als Schutz vor Fälschungen. Jede Urkunde war ein Unikat, das nicht leicht zu kopieren war. Siegel und Monogramm rundeten das Gesamtbild der Echtheit ab.

Mit der Verbreitung der Schreibkunst setzte eine Uniformierung der Handschrift ein; gleichzeitig schwand die „graphische Fälschungssicherung“, womit dem Siegel und der persönlichen Unterschrift jeweils größere Bedeutung zukam. So lange Urkunden handschriftlich abgefaßt waren, erwies sich das Fälschen von Urkunden als zeitraubendes Unterfangen, das neben Intelligenz auch großes handwerkliches Geschick erforderte.

Diese Zeiten sind unwiderruflich vorbei, wie uns die Plagiatskandale deutlich vor Augen führen. Die technisierte Schriftreproduktion im Verein mit der unbeschränkten Verfügbarkeit von Schriftstücken aller Art versetzt jedermann in die Lage, aus vorhandenen Textbausteinen beliebige Schriftstücke zusammenzustellen, ohne geistige Eigenleistungen erbringen zu müssen. Schriftliche Äußerungen zur Dokumentation geistiger Reife dürften damit endgültig obsolet geworden sein. Immer häufiger werden im akademischen Bereich Fälle von Urkundenfälschung aufgedeckt. Dieser Sachverhalt ist deshalb heikel, weil die „Schriftdokumente geistiger Reife“ der Schlüssel sind, mit dem sich das Eingangstor öffnet zu höheren Diensten und Besoldung aus öffentlichen Mitteln.

Auch eine simple Prüfungsarbeit an der allgemeinen Schule ist eine Urkunde. Urkundenfälschung in diesem Bereich darf nicht zur allgemein akzeptierten Norm werden. Es wäre an der Zeit, sich über alternative Prüfungsverfahren Gedanken zu machen, die sich den plumpen Fälschungsversuchen von Schriftstücken widersetzen.

 

 

Kalorienmesser beim Sport

Es gibt Leute, die rechnen sich aus, wieviel Kalorien sie verbrauchen, wenn sie eine Stunde lang gehen. Viele Geher führen Stöcke mit, denn dieses Gerät soll, schenkt man den gängigen Tabellen Glauben, für zusätzlichen Kalorienverbrauch bürgen. Noch mehr Energie wird beim Laufen verbraucht. Wie kommt es, daß man niemals jemanden mit Stöcken laufen sieht? Nach der gängigen Kalorienlehre müßte der Stockläufer am Ende der Trainingseinheit die Hose festhalten müssen, damit sie nicht vom abgemagerten Körper rutscht.

Doch Spaß beiseite. Der Glaube, durch Gehen oder Laufen dauerhaft an Gewicht verlieren zu können, ist eine Illusion – ein Aberglaube, von dem die Sportbranche gut lebt. Nein, ich mache mich nicht lustig über die Walker, ich bin selbst begeisterte Läuferin, seit 25 Jahren. Gehen und Laufen sind wertvolle Tätigkeiten, sie beruhigen und stärken das Kreislaufsystem. Im Verein fördern sie die Geselligkeit. Sport macht Spaß, und das ist keine Lüge. Es stärkt das Selbstbewußtsein. Doch für eines taugt aller Sport nicht: zum Abnehmen. Der Appetit folgt der Bewegung auf dem Fuße, wie das Amen im Gebet. Die beeindruckend hohen Kalorienverbrauchszahlen sind überdies zu kommerziellen Zwecken geschönt. Und da kann es schon sein, daß einer durch das Laufen sogar zunimmt; nämlich dann, wenn er sich mit Hilfe der Tabellen haarscharf ausrechnet, was er nach einer Trainingseinheit ohne schlechtes Gewissen essen darf: ein Schnitzel mit Pommes und Majo, ein Stück Sahnetorte oder ein Eis – oder, weshalb nicht, nach sehr anstrengendem Training, alles zusammen?

Bewegung in der Natur ist etwas Wunderbares. Aber Bewegung macht halt auch furchtbar hungrig. Der dem Sport angedichtete Kalorienverbrauch ist geringer, als  allgemein angenommen. Jogger, die mit der Kalorientabelle in der Hand zum Zwecke der Gewichtsreduzieren laufen, werden sich wundern.

 

 

Gehen

Etliche Jahre intensiver Forschungsarbeit wurden investiert, um das Geheimnis der menschlichen Fortbewegung zu lüften. In diesen Tagen ist der entscheidende Erkenntnisdurchbruch gelungen. Man hat herausgefunden, daß der Mensch beim Gehen immer einen Fuß vor den anderen setzt, und dies in konsequentem Wechsel. Endlich wissen wir, was „Gehen“ ist.

 

 

 

Ein Kinderrätsel

Wie viele Beine hat ein Schwein?

Vier.

Und wenn wir seinen Schwanz nun auch zu den Beinen zählen, wie viele sind es dann?

Fünf.

Aber ganz und gar nicht!

Weshalb denn?

Man kann einen Schwanz schließlich nicht zu einem Bein machen, indem man ihn einfach so nennt.

 

 

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Charly, du blöder Hund!
1  Kommentare | Posted 30.01.2013 13:09

Meine Laufstrecke führt vom Fluß fort und geradewegs zwischen die Häuser hinein. In den letzten Tagen hat es getaut. Verwitterte Schneehaufen lehnen erschöpft an den Gartenzäunen. Schwärzlich schimmert der Asphalt im matten Licht des Nachmittags.

Wo mein Weg in die Querstraße einmündet, versperrt mir ein schwarzer Riesenschnauzer den Weg. Ich sehe, daß der Hund von einer Frau an der Leine geführt wird und will dem Gespann in weitem Bogen ausweichen. Der Hund ist jedoch vom Wunsch beseelt, die nahende Läuferin begrüßen zu wollen.
„Charly, hierher!“ ruft die Frau. Sie zieht an der Leine, holt diese aber nicht ein. Ungehindert nähert sich mir der Hund.
„Charly!“ Da hat mich Charly schon erreicht, er ist außer sich vor Freude über die Begegnung und zeigt das auch.
„Charly!“ kreischt die Frau. Sie reißt an der Leine, versäumt es aber, diese zu arretieren. Die heftige Zugbewegung geht ins Leere. Es gibt einen eindruckvollen Plumps, als ihr Körper der Länge nach auf den mit Streugut durchsetzten Schneewall niedergeht. Und dann ist es auf einmal ganz still.

Charly läßt von mir ab und läuft zu seinem gestrauchelten Frauchen. Ich bremse meinen Lauf und eile ebenfalls zur Unfallstelle. Die Frau liegt seitlich, die rechte Hand unter sich begraben. Sie rührt sich nicht.

„Haben Sie sich wehgetan?“

Keine Antwort.

„Haben Sie sich was gebrochen?“

Leises Wimmern.

„Können Sie aufstehen?“ Ich beuge mich über die Liegende und berühre sanft ihren linken Oberarm. Sie richtet sich ein wenig auf, zieht die rechte Hand unter dem Gesäß heraus und beäugt sie wie einen wundersamen Gegenstand, den sie im Schneehaufen gefunden hat.
„Ist etwas gebrochen?“ frage ich und überlege schon, bei welchem Haus ich schellen und Hilfe holen soll.

Die Frau verliert das Interesse an der Hand und stiert den Hund an. Sie ergreift den auf der Straße liegenden Griff und vergißt diesmal nicht, die Leine zu arretieren. Der Schnauzer macht einen Hüpfer, als er den harschen Zug spürt. Mit angelegten Ohren und zitterndem Schnurrbart duckt er sich nieder. 
„Blöder Hund!“ kreischt die Frau in einer Lautstärke, welche die Grenze der gesetzlich tolerierten Dezibelobergrenze deutlich überschreitet. „Platz!“
Charly folgt aufs Wort.
„So ein braver Hund“, sage ich und versuche mit gespielter Heiterkeit die Situation zu entkrampfen. „Schimpfen Sie ihn doch bitte nicht aus, er hat ja gar nichts gemacht.“

Mein Beschwichtigungsversuch scheitert. Auf dem Schneehaufen sitzend scheißt Frauchen ihren Charly nach Strich und Faden zusammen. Schließlich fasse ich die Tobende unter dem linken Arm und ziehe sie hoch. Jetzt sehe ich ihr Gesicht aus der Nähe: ein farblos-teigiges Antlitz mit Tränensäcken über ausgeprägten Augenringen. Ein feiner Bierkellerhauch umweht mich. Die Frau klopft sich den Mantel ab, ein abgerissenes und schmutziges Ding.

„Charly, du blöder Hund!“ keift sie und zerrt das Tier an der Leine hinter sich her. Mich läßt sie stehen, genau wie den verwitterten Schneeberg, auf dem sie eben noch gesessen hat. Während meine Beine beim Weiterlaufen zum gewohnten Tempo zurückfinden, denke ich: „Charly, du armer Hund!“

 

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Randnotizen am Freitag (5. Folge)
0  Kommentare | Posted 25.01.2013 10:34

Auf dem falschen Weg

Es ist durchaus möglich, daß eine ganze Gesellschaft auf Abwege gerät. Der Einzelne orientiert sich am Verhalten der Mitmenschen; niemals kann er sicher sein, daß das ringsum Vorgelebte auch das Richtige ist. Und so besteht immerzu die Gefahr, das gesamte Kollektiv könne damit beginnen, nachteilige oder ausgesprochen schädliche Verhaltensweisen zu praktizieren. Die modernen Ernährungsgewohnheiten zum Beispiel verursachen Zivilisationskrankheiten, deren sichtbarste die Fettsucht ist. Ein anderes Beispiel ist die Praxis fiatgeldfinanzierter Wohlfahrtsdemokratien, wo paradoxe Verhaltensweisen gefördert werden: Konsum und Verschwendung werden belohnt, Produktivität und Sparsamkeit werden bestraft.

Der Mensch ist ein soziales Wesen, und sein Verstand kann nur so weit reichen, wie es ihm die Kultur vorgibt, in der er lebt. „Das Gehirn ist ein Organ, das uns befähigt, Kultur aufzunehmen, aber nicht sie zu entwerfen“, warnte Friedrich August von Hayek jene Konstruktivisten, die sich vorgenommen haben, die Schöpfung zu verbessern. Und er wurde noch deutlicher: „Nur Narren glauben, daß sie alles wissen, aber es gibt viele davon.“

Auch Wege, die sich anfangs als bequem und nützlich darstellen, könnten auf lange Sicht ins Verderben führen. Diese Wahrheit sollte nicht in Vergessenheit geraten.

 

 

Mangelgeschwätz

Schule ist eine kollektive Einrichtung. Dem Individuellen bietet sie keinen Platz. Von den Verantwortlichen wird dieser Mangel sehr wohl empfunden, das schlechte Gewissen fördert indes nichts anderes als eine schier unerträgliche Geschwätzigkeit. Ohne Unterlaß reden Schulpolitiker und selbsternannte Experten der angeblich in der modernen Schule verwirklichten Individualisierung das Wort. Sie entwerfen das schöne, aber unrealistische Bild der persönlichen Betreuung und Förderung, bei dem kein Kind zurückgelassen wird. Nur wenige durchschauen diesen Euphemismus. Persönlich betreut und individuell gefördert wird das Kind nur an einem einzigen Ort der Welt: im Elternhaus.

Es läßt sich eine generelle Regel aufstellen: wovon in Politik und Öffentlichkeit am meisten die Rede ist, dessen tatsächlicher Mangel ist am größten. Wir haben es mit dem leeren Getöse von Mangelgeschwätz zu tun.

 

 

Die Ökologie des Schmerzes

Ernst Jünger sagt, der Schmerz fordere seine Außenstände zurück. Freude und Leid müßten im Leben eines jeden Menschen im Gleichgewicht sein. Die Homöostase der Gefühle ist notwendig, wenn man nicht in manchen Situationen verzweifeln will. Es existiert auch ein Gleichgewicht zwischen Recht und Unrecht, Freiheit und Unfreiheit, Gut und Böse – wiewohl das Pendel von der einen zur anderen Seite nicht immer im Takt schlägt. Die Froschperspektive, zu der wir alle verdammt sind, vermittelt nur einen Teil der Wahrheit, den anderen muß der Verstand ergänzen. Die Tragik des Daseins will es, daß Soll und Haben makroökonomisch zwar das Gleichgewicht halten, das Schicksal dem einzelnen aber willkürlich das eine oder das andere zuteilt.

Für den Gefühlshaushalt gilt: gleich dem Radfahrer, der sich nur durch kaum merkliches Schwanken nach links und rechts in der Vertikale hält, so pendeln auch die Bedingungen unseres Daseins hin und her. Es ist ein unablässiger Kampf, bei dem es stets nur darum geht, verlorengegangenen Raum zurückzuerobern.

Jedes Ding hat zwei Seiten, für jedes Lachen bezahlen wir mit Tränen, für jeden Genuß mit Schmerz. Gut tut, wer dies weiß und sich auf diese Buchhaltung des Lebens einrichtet. Der Vorausschauende legt seinen Begierden selbst die Zügel an. Er übt sich frühzeitig im vorübergehenden Verzicht, sonst wird ihm das Leben denselben mit brutaler Gewalt abverlangen. Er schluckt freiwillig dann und wann einen Löffel bittere Medizin, damit er nicht eines Tages das ganzes Faß in einem Zuge ausleeren muß. Es gibt sie tatsächlich, die Ökologie des Schmerzes.

 

 

Weshalb ist moderne Architektur so häßlich?

Im antiken und mittelalterlichen Wettstreit um Einfluß und Macht beeindruckten die Clans einander mittels Errichtung prächtiger Bauwerke. Monumentale Burgen und kunstvolle Sakralbauten sind Relikte einer Epoche, in der man sich noch durch handwerkliches Können und Kühnheit der Schöpferkraft zu übertrumpfen suchte. Wie anders stellt sich uns die Architektur heute dar. In atemberaubendem Tempo entsteht eine bauliche Scheußlichkeit nach der anderen: Schnelligkeit ist Trumpf!

Machtdarstellung dazumal war Kunst, Machtdarstellung heute ist das durch Kreditfinanzierung Machbare. Ob ein Bau entsteht oder nicht, wie groß er wird und welche Form er hat, ist vom Kreditrahmen abhängig. Und dieser scheint heute unbegrenzt zu sein, denn die Bauherren bestimmen diesen Rahmen selbst. Das Fiatgeld hat von Kunst und Können unabhängig gemacht. Bauen ist eine rein technologische Angelegenheit, gleichermaßen herzlos erscheinen die architektonischen Früchte.

Im Mittelalter wuchs die Architektur im Pulsschlag der Zeit heran – so manches Großprojekt überstieg die Lebenszeit des Bauherren. Niemand, der ein Großprojekt anordnet, muß dies heute noch befürchten. Quasi über Nacht werden Beton-Stahl-Glas-Silos hochgezogen, es sind allesamt Produkte abstoßend häßlicher Geistlosigkeit und monströse Zeugnisse der Gewaltherrschaft des Fiatgeldes. Gewaltherrschaft hat noch nie anderes als Häßlichkeit hervorgebracht. Allein die historisch gewachsene Autorität gewährt den notwendigen zeitlichen Rahmen, in welchem auch die Schönheit zur Entfaltung kommen kann. Gut Ding braucht Weile. Das gilt auch für heute, mehr denn je.

 

 

Am stillen Örtchen

Schriftlicher Hinweis auf der Innenseite der Toilettentür: „Bitte werfen Sie keine Binden in die Toilette. Benutzen Sie dafür den bereitstehenden Treteimer.“
Darunter locker hingekritzelt: „Habe es versucht. Eimer ist leider zu groß.“

Die „Damen-Schachtel“
In öffentlichen Damentoiletten findet man häufig ein Behältnis vor, das wie folgt beschriftet ist: „Lady-Box“. Wie wäre es mit der Eindeutschung des Begriffes? Mein Vorschlag: „Damen-Schachtel“.

 

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Zeit für eine Familienrevolution

Bild: Podium beim Forum Familie
Bild: Podium beim Forum Familie

Die familienpolitischen Diskussionen in Medien, Politik und Verwaltung laufen immer stärker auf eine Zerschlagung und Vergesellschaftung der Familien hinaus. Oft wird beispielsweise auch in der Union angenommen, dass für die Aufzucht von Kindern nicht die Familie der beste Ort sei, sondern eine staatliche Kinderbetreuungseinrichtung.

Gegen diesen Trend hat sich die Initiative Familienschutz mit der Sprecherin Hedwig von Beverfoerde kurz vor der Wahl zum Bundestag 2009 gegründet mit dem Ziel, Familien in der Politik eine Stimme zu geben. Sie sollten nicht mehr nur Objekt von mehr oder (meist) weniger wohlwollendem politischem Handeln sein, sondern selber mitmischen und ihre Interessen zur Geltung bringen.

Am 14. Mai veranstaltete die Initiative vor zahlreich erschienenem Publikum in Berlin-Mitte das erste Forum Familie, auf dem vor allem eines sehr deutlich wurde: Die Zeit ist reif für eine echte Familienrevolution!

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"Wenn die anderen glauben, man ist am Ende, dann muß man erst richtig anfangen!" - Konrad Adenauer

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