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19.05.2013
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     Vera Lengsfeld
Email:   info@vera-lengsfeld.de
Blog:  http://www.vera-lengsfeld.de/home.php

1952 - geboren  in Sondershausen, Thüringen

1958 - Umzug nach Berlin, seit 1980 in Pankow

1970-1975 - Studium der Geschichte und der Philosophie in Leipzig und Berlin

1975-1979 - Mitarbeiterin der Akademie der Wissenschaften der DDR , Zentralinstitut für Philosophie, erstes Parteiverfahren, wegen Abweichlertums, Zwangsversetzung an das Institut für Wissenschaftliche Information

1980-1983 -  Lektorin am Verlag Neues Leben

Seit den Siebziger Jahren aktiv in der Opposition gegen das SED-Regim

1981- Mitbegründerin eines der ersten halblegalen Oppositionskreise der DDR, des Pankower Friedenskreises, seitdem Mitorganisatorin aller wichtigen Veranstaltungen der Friedens-, und Umweltbewegung der DDR

1983  -   zweites Parteiverfahren wegen Mitarbeit in der Bürgerrechtsbewegung,  Ausschluß aus der SED, Berufsverbot, Reiseverbot

1988 - Verhaftung wegen versuchter Teilnahme an der offiziellen Liebknecht-, und Luxemburgdemonstration mit eigenem Plakat Verurteilung wegen „Versuchter Zusammenrottung“, nach einem Monat Haft
Abschiebung in den Westen, Aufenthalt in England , Studium der Philosophy of  religion am St. Jones College Cambridge

1989 - am Morgen des 9..November Rückkehr in die DDR, abends beim Mauerfall an der Bornholmer Straße dabei Mitglied der Verfassungskommission des Runden Tisches

1990 - Mitglied der ersten und letzten frei gewählten Volkskammer der DDR

1990 -  Aachener Friedenspreis

 

1996 - Mitbegründerin des Bürgerbüros für die Verfolgten der DDR-Diktatur, seitdem im Vorstand

 2003 - Mitbegründerin des Gedenkstättenvereins des Stasigefängnisses Hohenschönhausen , seitdem im Vorstand

1990-2005 - Mitglied des Deutschen Bundestages , Ausschüsse: Verteidigung, Umwelt, Wirtschaft, Kultur, Untersuchungsausschuß  Verschwundenes DDR-Vermögen
Seitdem freischaffende Autorin in Berlin-Pankow

2008 - Verleihung des Bundesverdienstkreuzes

 
RSS Blogeinträge von Vera Lengsfeld

 
Katja Kipping beleidigt die Ostdeutschen
7  Kommentare | Posted 20.02.2013 14:43

Liebe Katja Kipping,

(bitte verzeihen Sie mir als Mitostdeutschem und dem leicht Älteren die etwas informellere Anrede)

mit Entsetzen und ja auch einer gewissen Wut habe ich gelesen, dass Sie in den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hamburg bezüglich einer möglichen eidesstattlichen Falschaussage von Gregor Gysi von einer ‚Kampagne, die im Osten nicht verfangen wird’ reden und sich gar zu der folgenden Aussage versteigen: "Viele Menschen hier haben es einfach satt, dass ohne jede Ahnung vom Alltag in der DDR Urteile über ihr Leben gefällt werden."(beide Aussagen aus TA vom 12. Februar 2013).

Bei allem Respekt: Ist es nicht vielmehr so, dass Sie ‚ohne jede Ahnung vom Alltag in der DDR’ Urteile über Ostdeutsche fällen? Als Jahrgang 78 haben Sie das Privileg, das DDR-System nur bis zum zarten Kindesalter erlebt zu haben (zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs des SED-Systems waren Sie noch keine 12 Jahre alt). Jetzt bin ich nur wenige Jahre älter (Jg. 1972), trotzdem kann Ihnen versichern, dass man in diesen Jahren schon einiges mehr vom DDR-System mitbekommen hat: Mehr oder weniger freiwillige FDJ-Aufnahme und Jugendweihe mit 14, massiver Leistungs- und Anpasssungsdruck um einen gegehrten Abiturplatz oder eine gute Lehrstelle zu bekommen (8/9/10-te Klasse). Wehrunterricht, Wehrlager und als Mann 3-jähriger Wehrdienst um einen Studienplatz zu bekommen (dieser Kelch ging an mir dann glücklicherweise schon vorbei). Mit welchem Recht urteilen Sie also über die Biographien von Ostdeutschen? Ist Ihnen nicht klar, dass in der Anschuldigung, die Diskussion über Gregor Gysis Biographie wäre eine ‚Kampagne’ mit der ‚Urteile über das Leben von Ostdeutschen gefällt’ werden, eine ganz schlimme Unterstellung mitschwingt? Durch Ihre Verteidigung wird doch geradezu so getan, als ob die DDR-Bevölkerung nur aus Spitzeln und SED-Karrieristen bestand. Das Gegenteil ist richtig. Trotz eines riesigen Überwachungsapparats waren die Mehrheit der Ostdeutschen eben keine Spitzel. Oder sie haben sich aus eigener Kraft wieder aus den Fängen des MfS befreit, in die sie z.B. in ihrer Jugend geraten waren. Und es ist auch nicht so, dass die Mehrheit der Ostdeutschen Unterstützer des SED-Regimes waren oder gar Mitglieder der SED. Auch hier ist das Gegenteil richtig – entgegen aller propagandistischen Bemühungen und sozialer Wohltaten (die die DDR ruiniert haben) ist das SED-Regime zu keinem Zeitpunkt vom Volk mehrheitlich akzeptiert worden. Muss ich Ihnen die historischen Meilensteine aufzählen: Stalinistischer Terror als Geburtshelfer der Staatsgründung, gewaltsame Niederschlagung des Volksaufstands 1953, Mauerbau 1961 um die anhaltende Fluchtwelle zu stoppen, breitgefächerter Protest der Künstler und umfangreiche Emigration in Folge der Biermannausweisung 1976 und schließlich zunehmende Opposition unter dem Dach der evangelischen Kirche in den 80-ziger Jahren und friedlicher Umsturz des SED-Regimes im Herbst 1989 durch die übergroße Mehrheit der Bevölkerung? Der Versuch das DDR-System und die DDR-Bevölkerung aneinanderzuketten ist doch der eigentliche Skandal! Eine Verurteilung der DDR-Diktatur ist eben keine Verurteilung ostdeutscher Biographien. Da war die Linkspartei auch mehrheitlich schon mal deutlich weiter. Muss ich Ihnen erklären, dass es die DDR-Bevölkerung war, die unter einem System ohne echte Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, Reisefreiheit, Freiheit der Berufswahl, Vereinsfreiheit, Religionsfreiheit und Kunstfreiheit (Aufzählung nicht vollzählig), ohne echte demokratische Teilhabe und Einflussnahme oder Möglichkeit der freien unternehmerischen Entfaltung leben musste? Es ist deshalb eine bare Selbstverständlichkeit, dass die führenden Funktionäre und Verantwortungsträger und eben auch die wirklich schlimmen Spitzel politisch und teilweise juristisch zur Verantwortung gezogen wurden und werden. Dies ist selbstverständlich insbesondere durch die Ostdeutschen selber getan worden. Und so sind auch sehr viele der vehementen Kritiker von Gregor Gysi Ostdeutsche. Und genau hier werde ich wütend: Obwohl Sie nominell eine Attacke auf Westdeutsche fahren, greifen Sie eigentlich die Ihnen politisch nicht genehmen Meinungen von Ostdeutschen an! Ich finde dies unerträglich und fordere Sie hiermit auf, diese ungeheuerlichen Vorwürfe zurückzunehmen.

Und zum guten Schluss noch ein Wort zu Ihrem Hoffnungsträger Gregor Gysi. Ich kann verstehen, dass in der Linkspartei Panik herrscht, da offenbar die Personaldecke Ihrer Partei so dünn ist, dass Sie seit 24 Jahren den immergleichen Hoffnungsträger nach vorne stellen. Gregor Gysi ist momentan ihr Garant für den Wiedereinzug in den Bundestag, der nur über den Gewinn des dritten Direktmandats in Treptow-Köpenick durch Gregor Gysi wirklich sicher ist. Damit hängt auch Ihr eigener Job als MdB an Gregor Gysi. Soweit, so menschlich. Aber Gregor Gysi ist wirklich kein Repräsentant typischer ostdeutscher Biographien (eine Bewertung seiner Nachwendezeit spare ich mir). Gregor Gysi ist als Sohn eines SED-Funktionärs (u.a. Botschafter, Minister und Staatssekretär) als Teil der privilegierten SED-Nomenklatur aufgewachsen (zu DDR-Zeiten nannte man dies gerne ‚Bonzen-Kind’). Er selber war ein klassischer SED-Karrierist: Parteimitglied mit 21, steile Karriere im Justizapparat, neben Medien und Verteidigung/Sicherheit das Berufsfeld mit der größten geforderten Staats- und SED-Nähe. Mitglied des sehr kleinen, exklusiven Kreises der Westreisekader (Gregor Gysi reiste vor dem Mauerfall Ende der 80-ziger regelmäßig in den Westen). Und einer der wenigen SED-ler, denen sogar Interviews in der Westpresse genehmigt wurden (das entsprechende Spiegelinterview aus dem Jahr 1989 scheint ja der Anlass für die Ermittlungen in Hamburg zu sein). Dass Gregor Gysi vor dem Mauerfall also auf Seiten des SED-Regimes stand, ist völlig unstrittig und wird ja auch von Gregor Gysi nicht wirklich anders dargestellt. Deshalb ist für mich die Frage über Charakter und Intensität einer Zusammenarbeit mit dem MfS fast nachrangig. Trotzdem hat der Immunitätsausschuss des Deutschen Bundestages dazu schon 1998 eine abschließende Einschätzung abgegeben, die auch heute noch so gilt – der Immunitätsausschuss hat 1998 eine "inoffizielle Tätigkeit des Abgeordneten Dr. Gregor Gysis für das Ministerium für Staatssicherheit der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik als erwiesen festgestellt". Trotzdem hat Gregor Gysi es über die 24 Jahre in der bundesdeutschen Öffentlichkeit versäumt mit seiner Vergangenheit und seinem Gewissen reinen Tisch zu machen. Stattdessen hat er diverse Medien und Einzelpersonen in rechtliche Auseinandersetzungen verstrickt, bei denen er auch eidesstattliche Erklärungen einsetzte. Jetzt fällt ihm diese aggressive Verteidigungsstrategie vielleicht auf die Füße. Und es ist schon eine Ironie der Geschichte, dass die Linkspartei jetzt darüber schäumt, dass es ein rechtliches Verfahren gibt, obwohl man sonst die vermeintlichen juristischen Erfolge immer triumphierend zur Verteidigung Gysis ins Feld geführt hat. Warten wir doch einfach ab, was in Hamburg passiert. Eines dürfte wohl klar sein: Einem wegen eidesstattlicher Falschaussage verurteilten Politiker wird auch die Linkspartei auch mit der abstrusesten Verteidigungsstrategie nicht halten können. Und dies sollten Sie sich auch klar machen: Wenn Sie Ihre Worte nicht abmildern, ketten Sie Ihr eigenes politisches Schicksal an das von Gregor Gysi. Ich würde mir dies an Ihrer Stelle noch mal ernsthaft überlegen. Gregor Gysi ist jetzt im Rentenalter – er hat seinen politischen Zenit in jedem Falle überschritten. Ostdeutschland und selbst die Linkspartei brauchen ihn nicht – es wäre strategisch wesentlich klüger für Sie sich rechtzeitig zu distanzieren. 

Mit freundlichen Grüßen,
Philipp Lengsfeld

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Mensch Nazi
2  Kommentare | Posted 04.02.2013 18:04

Die werden doch aus Karnevalvereinen rausgeschmissen, in Kneipen nicht bedient und in Hotels verwehrt man ihnen ein Zimmer und bekommt dafür einen Preis für Zivilcourage.
Vor kurzem wurden wir von den Medien nachhaltig daran erinnert, was vor zwanzig Jahren in Rostock- Lichtenhagen geschah, wo jugendliche Skinheads ein Asylbewerberheim anzündeten , die von dubiosen älteren Männern aufgehetzt wurden, die   weder in der Berichterstattung vor zwanzig Jahren, noch in diesem Jahr vorkamen.
Wo kamen die Anfang der 90er Jahre auf dem Gebiet der ehemaligen, antifaschistischen DDR plötzlich so viele Nazis her?
Stepahn Krawcyks Buch bringt Licht in das Dunkel.
Eine Plattenbausiedlung am Rande von Berlin. Zwei ohne Vater aufgewachsene Jungen hängen jeden Tag an der Bushaltestelle ab, nachdem ihnen der „Hausgemeinschaftsraum“, den es damals in jedem Plattenbau gab, versperrt wurde. 
Aus Protest oder Langeweile rasieren sie sich Glatzen, weil sie dadurch endlich mal auffallen. Der eine bleibt in Berlin und wird Redskin, der andere zieht nach Rostock und wird Nazi. Welcher Gruppierung man sich zugesellte, hing weitgehend vom Wohngebiet ab, in dem man lebte.
Die Geschichte des Nazis Klemens beispielhaft für viele ähnliche Lebensläufe. Sozialistisches Kinderheim, zerrüttete Familie, keine Bezugspersonen. Da passiert es, dass man sich die falschen Vorbilder sucht, weil man endlich dazugehören will, wozu ist schon egal. Man definiert sich über die Gruppe. Es gibt einen älteren Anführer, dem alle folgen . Am Schießstand wird schießen geübt. Wehrsport wird unter der Anleitung eines ehemaligen NVA- Offiziers betrieben, der die Jungen über einen aufgelassenen Armeeübungsplatz jagt, mit denselben Sprüchen wie einst seine NVA-Rekruten.
Die Bande schüchtert Passanten und Passagiere des Öffentlichen Nahverkehrs mit Nazis- Slogans ein, schlägt sich ab und zu mit Redskins und hört in der Stammkneipe ihrem Einheizer zu. Raus kommen die Jungs aus diesem Sumpf vor allem, wenn sie eine Frau kennenlernen, die ihnen wichtig ist.
Klemens wird durch ein Kind erlöst. Es ist das erste Kind, von dem Klemens seit seine Kindheit angesprochen wurde. Der Kleine hat keine Angst und will Klemens’ Halskette.  Er bietet ein Kinderbuch dafür, das der Verblüffte Skinhead annimmt und in dem er noch auf dem Bahnsteig, auf dem diese denkwürdige Begegnung stattgefunden hat, zu lesen beginnt. 
Die Leute staunen: ein lesender Nazi ist ihnen noch nicht begegnet. Für Klemens ist diese Begegnung der Wendepunkt weg von seinen Kameraden. Er beginnt, sich als eine Person zu fühlen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen kann. Einfach ist dieses Leben auch nicht, aber es steckt voller Entdeckungen.
Das Buch ist ein eindringliches Plädoyer dafür, die gegenwärtige Haltung, die den Nazis gegenüber eingenommen wird, zu überdenken und zu korrigieren.
Nicht Ausgrenzung und Ausschluss vom öffentlichen Leben wird das Nazi-Problem nicht lösen, sondern verhärten.
Stephan Krawcyk hat den Mut aufgebracht, in dem Nazi den Menschen zu sehen. Es ist zu wünschen, dass er möglichst viele Leser von der Richtigkeit seiner Haltung überzeugt.


Dieser Beitrag erschien zuerst auf achgut.com.

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Lieber weißer Mann als bunter Augstein
5  Kommentare | Posted 31.01.2013 09:19

Chapeau! Hoffentlich bleibt es dabei. Angeblich diskutiert ganz Deutschland nach den „Enthüllungen“ im Stern, der gern mit weiblichen nackten Tatsachen auf dem Cover Kasse zu machen versucht, über Sexismus. Ganz Deutschland?

Richtiger ist wohl, zu sagen, dass lediglich unsere Einheitspresse, zum Teil wortgleich, diskutiert, sekundiert von Politikern, die ihren jungen Kolleginnen im Plenum des Deutschen Bundestages selbst gern auf s Hinterteil schauen und einer Partei angehören, die mit dem sexistischsten Plakat, das man sich denken kann, Wahlwerbung gemacht hat.
Die „Debatte“ ist deshalb so verlogen, weil eine flapsige Bemerkung zum Skandal hochgeschrieben wird, während der alltägliche Sexismus, der sich mitten unter uns breit gemacht hat, am liebsten mit Schweigen übergangen wird.

Zwangsheiraten, Genitalverstümmelungen, Kopftuchzwang für Frauen und Mädchen- alles kein Thema. Vergewaltigungen in Indien werden breit berichtet und kommentiert. Vergewaltigungen vor der eigenen Haustür sind bestenfalls eine Meldung in den Lokalnachrichten.

Selbst wenn Frauen mit Eisenstangen malträtiert oder gar geköpft werden und der Kopf anschließend auf den Hof geschmissen wird, ist das keine Meldung, geschweige denn ein Kommentar, für Stern & Co. 
Man müsste ja der unbequemen Wahrheit ins Auge sehen, dass in solchen Fällen die Sexisten oder Sexualtäter keine weißen Politiker sind.

Im Grunde geht es auch nicht um vermuteten Sexismus. Es geht den vereinten Medien darum, eine Partei, die sie doch schon für tot erklärt hatten und die sich erdreistete, in den letzten Wahlen erfolgreich zu sein, nun endgültig fertig zu machen, indem man ihren Spitzenkandidaten mit Dreck bewirft.

Frau Himmelreich hat das in aller Offenheit zugegeben. Brüderle wurde von ihr erst als Sexist gebrandmarkt, als er Spitzenkandidat der FDP war. Das es sich im Nebeneffekt um einen gelungenen PR-Coup handelt, der eine bis dato unbekannte Journalistin ins Rampenlicht rückt, wird der Frau wohl bewusst gewesen sein.

Sich auf diese Weise in Szene zu setzen, ist peinlich. Noch peinlicher aber sind Trittbrettfahrer wie Jacob Augstein, die aus dem Sexismus- Vorwurf ein eigenes Süppchen kochen. Und was für eins! Gallebitter vor Selbsthass. Was Augstein absondert, ist in meinen Augen nur ein besonders heftiger geistiger Ausfluss einer Generation, deren geistige Zuchtväter mehr oder weniger in das nazistische Regime verwickelt waren und die ihre Vergangenheit verdrängt und/oder verleugnet haben.

Unser „Im Zweifel links“-Kolumnist ist für mich ein Beispiel dafür, dass totalitäres Denken und totalitäre Methoden integraler Bestandteil des „Zeitgeistes“ sind. Die breite Anerkennung, die er findet, belegt, die Akzeptanz von beidem in der veröffentlichen Meinung.

Augstein feiert die „Krise“ des weißen Mannes. Es ist die klammheimliche Freude über dessen Untergang, den Augstein herbeisehnt und der seiner Meinung nach „kein Verlust“ wäre. 
Diese Vernichtungsphantasie, gespeist aus dem Hass auf die westliche Zivilisation, der die moderne Welt die allermeisten Annehmlichkeiten zu verdanken hat, ist fast so alt, wie die Zivilisation selbst und muss nicht noch kommentiert werden. Interessant ist dagegen, wohin dieser Hass Augsteins Denken treibt.

Der weiße Mann würde bedroht von der Demografie und dem Feminismus. Deshalb hätte er Schwierigkeiten mit Frauen und mit Muslimen. Aha, der Kämpfer gegen den Sexismus des weißen Mannes findet es an der Zeit, den muslimischen Machos das Feld zu überlassen, die ihre Frauen unter das Kopftuch oder gar in eine Ganzkörperverhüllung zwingen.

Natürlich kommt niemand, der einer Burkafrau gegenübersitzt auf den Gedanken, sich vorzustellen, ob sie auch ein Dirndl ausfüllen könnte. Sowieso wären Dirndl in einer schönen, neuen, muslimisch dominierten Welt verboten, womit der Sieg über den weißen Mann mit seinen unreinen Gedanken komplett wäre. Aber der Feminist Augstein geht noch weiter. Er schwärmt vom schwarzen Herrenreiter á la Tarantino, der wie Django die Weißen einfach “niederschießt”. Es stört ihn anscheinend nicht, dass sein Held einen schwarzen Bruder den Hunden vorwerfen ließ, um dem weißen Sklavenhalter zu imponieren.

Was ist an der von Augstein mittels Gewaltphantasien herbei gewünschten „bunten“ Welt erstrebenswert? Etwa, dass ohne Gerichtsurteil „niedergeschossen“, statt rechtsstaatlich verurteilt wird? Oder dass es nur noch eine „raza cosmica“, eine globale Einheitsrasse gibt, statt der Vielfalt der Rassen und Völker, die sich historisch entwickelt hat?  Die Einheitsrasse ist ein Lieblingsgedanke totalitärer Machthaber, der jedem fremd sein müsste, der keine Wiederkehr von Totalitarismus wünscht.

Es waren immer die Intellektuellen, die den Totalitarismus vorgedacht und unterstützt haben. Das Millionärssöhnchen Augstein erinnert an die adligen oder großbürgerlichen Töchter, die für die Bolschewiki Familienschmuck und Geld geschmuggelt haben, bis sie nach der Machtergreifung erst enteignet, dann „ niedergeschossen“ wurden.  Die richtige Gesinnung zu haben, hat sie nicht vor ihrer Auslöschung bewahrt.

Augstein wünscht sich das Ende der westlichen Zivilisation, die ihm seinen Reichtum und seinen Lebensstil ermöglicht. Von daher auch sein Hass auf Israel. Israel ist der Vorposten der westlichen Zivilisation in einer dem Westen überwiegend feindlichen Welt. Wenn Israel fällt, fällt der Westen und Augstein wäre am Ziel seiner Wünsche. Um zu verhindern, dass es unserm weißen Mann, der keiner sein möchte, so geht, wie den adligen Fräuleins vor den Hinrichtungspelotons der Bolschewiki, muss man ihm laut und deutlich widersprechen.

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Das niedersächsische Menetekel
2  Kommentare | Posted 21.01.2013 12:26

Da wurden die CDU- Vertreter immer wieder gefragt, ob es richtig gewesen sei, Stimmen an die FDP zu „verleihen“. Das Bewusstsein, dass der Wähler derjenige ist, der entscheidet, hat sich weitgehend verflüchtigt. Die Kommentatoren reden, als wären die Wähler Marionetten, an deren Fäden die Parteien ziehen.

Als Erfolg wurde gefeiert, dass diesmal die Wahlenthaltung „nur“ 40,06 % betragen habe, also 2,05 % Wähler mehr zur Wahl gegangen seien als 2008. Rechnet man das aufs Endergebnis hoch ,bekam die stärkste Partei CDU gerade mal 21,6%, die SPD 19,5 %, die Grünen 8,2% und die FDP 5,9% der Wählerstimmen. Sehen so Sieger aus?

Den meisten Grund zur Beunruhigung hat die CDU. Sie hat 6,5% ihrer Stimmen verloren, davon, im Gegensatz dazu ,was in den Medien suggeriert wurde ,die Mehrzahl keineswegs an die FDP ,sondern an die Nichtwähler. Rot-Grün ist es gelungen, Nichtwähler zu mobilisieren, dem bürgerlichen Lager nicht.

Aber diese klare Botschaft scheint in den Parteizentralen von CDU und FDP wieder nicht anzukommen. Während nicht genannt sein wollende Stimmen aus dem Konrad-Adenauer-Haus sich noch am Wahlabend den Grünen anbiederten und sich ziemlich würdelos ihre Hoffnung auf Machterhalt mittels „Ausweitung“ der Koalitionsoptionen klammerten, flüchtet die FDP wieder in die Personaldebatte, statt sich auf ihre Aufgabe als liberale Partei zu besinnnen.

Wenn die FDP allen, die wegen des fortgesetzten Vetragsbruchs bei der „Eurorettung“ besorgt  und gegen die zunehmenden Zwangsregulierungen sind, die nicht nur aus Brüssel kommen, hätte die Partei bei der nächsten Bundestagswahl geschätzte 18% und könnte der CDU aus der Bredouille helfen.

Rot-Grün kann leider gewiss sein, dass diese Gefahr nicht besteht. Unsere politisch-mediale „Elite“ hat sich bereits zu sehr von der Realität entfernt, um sie noch wahrnehmen zu können. Sie bewegt sich weitgehend in einer Kunstwelt aus Umfrageergebnissen und selbst produziertem Meinungseinheitsbrei.

Unsere Kanzlerin, an die  sich die Union auf Gedeih und Verderb gekettet hat, hält ihre Partei auf konstant historisch niedrigstem Niveau, was Wählerzustimmung betrifft.

Aber niemand unter den Strategen im Adenauerhaus schient auf den Gedanken zu kommen, dass dies der Tatsache geschuldet ist, dass die CDU inzwischen grüner als die Grünen, sozialdemokratischer als die Sozialdemokraten und fast so staatsgläubig wie die Linken geworden ist, aber ihren Markenkern, Rechtsstaatlichkeit und Marktwirtschaft so gut wie aufgegeben hat.

Angela Merkel muss Kanzlerin bleiben, ist der Minimalkonsens, der die Inhalte ersetzt hat. Die meisten Parteimitglieder scheinen es inzwischen für eine gute Strategie zu halten, die Themen anderer Parteien zu besetzen.

Niedersachsen hat gezeigt, dass dies nicht aufgeht. Die eigenen Wähler bleiben zu hause, während die Wähler von Rot-Grün dann doch lieber das Original als die Kopie wählen.

Merkels „Energiewende“ hat die Grünen nicht geschwächt, sondern ihnen ein historisches Hoch beschert. Von  Dankbarkeit für diese Wahlhilfe keine Spur.

In Niedersachsen wird lieber eine denkbar knappe Mehrheit in Kauf genommen, als der stärksten Partei die Regierungsbildung zu überlassen.

Dieses Szenario könnte uns bei der nächsten Bundestagswahl blühen. Dann hätten Merkel und die Union das Erfolgsmodell Bundesrepublik Deutschland endgültig verspielt. Statt Wahlfreiheit hätten wir dann Verbote und Zwangsregulierung für alle.

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Aufklärung der Liebknecht- Luxemburg- Affäre 1988, jetzt!
0  Kommentare | Posted 17.01.2013 12:45

Zahlreiche Bürgerrechtler, darunter Stephan Krawczyk und ich wurden am Rande der Demonstration , im Zuge der größten Massenverhaftung seit dem Volksaufstand 1953, inhaftiert. Andere Bürgerrechtler, die sich für ihre Freilassung  einsetzten, wie Freya Klier, Bärbel Bohley, Wolfgang  und Lotte Templin und Ralf Hirsch,  folgten am 25. Januar. Die Staatsicherheit der DDR, das wurde nach der Stasiaktenöffnung 1992 klar, führte  damit einen „Enthauptungsschlag“ gegen die Bürgerrechtsbewegung aus. Sie plante, die führenden Bürgerrechtler hinter Gitter zu bringen. Sie ging so weit, Hochverratsprozesse anzudrohen. Sie versprach sich davon einen Zerfall der Opposition.

Der Stasiplan ging nicht auf. Es entwickelten sich überregionale Proteste in einem in der DDR bisher unbekannten Ausmaß. In mehr als 30 Städten, darunter  Berlin, Leipzig, Dresden, Jena, Rostock, Meiningen, fanden allabendlich Protestveranstaltungen statt. In Berlin waren die in der DDR akkreditierten Westjournalisten dabei, die unseren Fall im Westen bekannt machten.

Der politische Druck wurde so groß, dass Partei-, und Staatschef Honecker auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz versprechen mußte, dass alle inhaftierten Bürgerrechtler bis zum 7. Februar 1988 entlassen werden würden.

Die Entlassung erfolgte nicht sofort, weil die Staatsicherheit nun einen Maßnahmeplan zur Abschiebung der Bürgerrechtler in den Westen, ins Werk setzte. Wer sich, wie Bärbel Bohley und ich weigerte, sich ausbürgern zu lassen, wurde mit DDR- Paß abgeschoben und dem Versprechen, nach einer bestimmten Zeit in die DDR zurückkehren zu dürfen.

Die Hintergründe dieser Massenabschiebung  sind bis heute ungeklärt, obwohl  Linke- Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi und der Ex-Ministerpräsident von Brandenburg Manfred Stolpe, an daran mitwirkten.

Es war der Wunsch der viel zu früh verstorbenen Bärbel Bohley, Licht in das Dunkel der bis heute ungeklärten Affäre zu bringen. Um dieses Vermächtnis von Bärbel Bohley zu erfüllen, haben sich die übrigen abgeschobenen Bürgerrechtler mit einem Appell an die Öffentlichkeit gewandt. Wir wollen Druck  auf die politisch Verantwortlichen machen, nicht länger hinzunehmen, dass sich Politiker wie Gregor Gysi ungehindert in Schweigen hüllen und die nötige Aufklärung verhindern können.

Bis heute müssen sich die Betroffenen mit der SED-Lesart der Ereignisse auseinandersetzen, wenn z. B. in Wikipedia behauptet wird, die Inhaftierten wären auf „eigenen Wunsch“ oder auf „Anraten ihrer Anwälte“ in den Westen gegangen.

Mit der Abschiebung namhafter Bürgerrechtler wollte die Staatssicherheit einen Keil in die Bürgerrechtsbewegung treiben, was ihr aber auf die Dauer nicht gelang.

Heute weiß  man, dass  die Massenverhaftung und die nachfolgenden Proteste als Auftakt der Friedlichen Revolution 1989 anzusehen sind.

Das ist der breiten Öffentlichkeit aber immer noch unbekannt. Der Kampf um die Geschichtsdeutung ist längst im gange. Die SED-Linke darf dabei nicht siegreich bleiben.

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