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23.05.2013
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     Vera Lengsfeld
Email:   info@vera-lengsfeld.de
Blog:  http://www.vera-lengsfeld.de/home.php

1952 - geboren  in Sondershausen, Thüringen

1958 - Umzug nach Berlin, seit 1980 in Pankow

1970-1975 - Studium der Geschichte und der Philosophie in Leipzig und Berlin

1975-1979 - Mitarbeiterin der Akademie der Wissenschaften der DDR , Zentralinstitut für Philosophie, erstes Parteiverfahren, wegen Abweichlertums, Zwangsversetzung an das Institut für Wissenschaftliche Information

1980-1983 -  Lektorin am Verlag Neues Leben

Seit den Siebziger Jahren aktiv in der Opposition gegen das SED-Regim

1981- Mitbegründerin eines der ersten halblegalen Oppositionskreise der DDR, des Pankower Friedenskreises, seitdem Mitorganisatorin aller wichtigen Veranstaltungen der Friedens-, und Umweltbewegung der DDR

1983  -   zweites Parteiverfahren wegen Mitarbeit in der Bürgerrechtsbewegung,  Ausschluß aus der SED, Berufsverbot, Reiseverbot

1988 - Verhaftung wegen versuchter Teilnahme an der offiziellen Liebknecht-, und Luxemburgdemonstration mit eigenem Plakat Verurteilung wegen „Versuchter Zusammenrottung“, nach einem Monat Haft
Abschiebung in den Westen, Aufenthalt in England , Studium der Philosophy of  religion am St. Jones College Cambridge

1989 - am Morgen des 9..November Rückkehr in die DDR, abends beim Mauerfall an der Bornholmer Straße dabei Mitglied der Verfassungskommission des Runden Tisches

1990 - Mitglied der ersten und letzten frei gewählten Volkskammer der DDR

1990 -  Aachener Friedenspreis

 

1996 - Mitbegründerin des Bürgerbüros für die Verfolgten der DDR-Diktatur, seitdem im Vorstand

 2003 - Mitbegründerin des Gedenkstättenvereins des Stasigefängnisses Hohenschönhausen , seitdem im Vorstand

1990-2005 - Mitglied des Deutschen Bundestages , Ausschüsse: Verteidigung, Umwelt, Wirtschaft, Kultur, Untersuchungsausschuß  Verschwundenes DDR-Vermögen
Seitdem freischaffende Autorin in Berlin-Pankow

2008 - Verleihung des Bundesverdienstkreuzes

 
RSS Blogeinträge von Vera Lengsfeld

 
Von der Schillergruft zum Schillerpreis
0  Kommentare | Posted 13.05.2013 13:54

Dabei ist der 1948 in Erfurt geborene Autor ein wahres Multitalent: in der DDR war er Musiker und Lyriker. Nach seiner Ausweisung in den Westen 1985 veröffentlichte er in schneller Folge Gedichtbände, Romane, Erzählungen. Im Jahr 1990 erhielt er den Marburger Literaturpreis, dann wurde es still um den Autor. Seine Veröffentlichungen wurden hauptsächlich von Kennern goutiert.

Vor ein paar Jahren entdeckte Hultenreich seine Neigung zur Malerei wieder und hat seitdem als „Tuschör“ eine erstaunliche Palette von Tuschezeichnungen geschaffen, die bald Beachtung fanden und schon in mehreren Ausstellungen zu sehen waren.
Dankenswerterweise hat die Deutsche Schillerstiftung Hultenreichs Roman „Die Schillergruft“ wieder entdeckt und gestern in Marbach mit der „Kester- Haeusler-Ehrengabe 2013 prämiert. 
Eine wohlverdiente Auszeichnung. Zu vermuten ist, dass Dr. Jens Kirsten den Vorschlag gemacht hat, denn er kommt aus Weimar, das Erfurt benachbart ist und wo Hultenreich immer noch eine Art Legende ist, obwohl der Autor schon fast dreißig Jahre im Wedding lebt.

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Die „Schillergruft“, die in diesem Jahr in einer erweiterten Fassung neu aufgelegt wurde (Edition A.B.Fischer), ist einer der eindrücklichsten Romane über die untergegangene DDR. Georg Hull, der Held der Geschichte, wird als 18-jähriger wegen versuchter „Republikflucht“ verhaftet und vor Gericht gestellt. Weil er auf die Frage der Staatsanwältin, was er denn lese, vier mal antwortet: „Schiller“, beantragt die, ihn in eine Psychiatrische Klinik zu überwiesen.
Dort wird Hull auf seine Zurechnungsfähigkeit untersucht. Vor allem prüft sein Arzt sehr ausführlich, ob Hull beliebige Schillerzitate ergänzen kann. Er kann. Nicht nur das. Hultenreich schildert die Erlebnisse seines Helden in der Klapsmühle mit so viel Humor und philosophischer Reflexion, dass man bald merkt: nicht Hull ist krank, sondern die Gesellschaft, in der er zu leben gezwungen ist und mit ihr alle, die ihr aus Überzeugung oder Opportunismus dienen.
Hull ist eine Art Eulenspiegel, der hinter dem sozialistischen Antlitz immer wieder die Fratze einer totalitären Gesellschaft bloß legt, die alle individuellen Regungen zu ersticken sucht.
Seine Staatsanwältin, die ihm nicht viel mehr vorwerfen kann, als dass er die Grenze zur befreundeten CSSR unbefugt überschritten hat, denn für einen Fluchtversuch in den Westen fehlen sämtliche Beweise, klagt ihn dann an, weil er die Rolle des Kollektivs missachte und nicht verstanden hätte, dass nicht individuelle, sondern nur kollektive Leistungen zählten.
Hultenreich verliert nicht nur nie seinen Humor, seine Schilderungen sind auch fern von jeder Schwarz-Weiß-Malerei. Er berichtet, wie der Vertreter seiner Brigade versucht, vor Gericht durch eine günstige Schilderung von Hulls Persönlichkeit, ihm zu helfen. Selbst sein Gefängniswärter lobt sein Verhalten in der Untersuchungshaftanstalt. In der Psychiatrie hört der junge Nachtwächter den Saarländischen Rundfunk und Hull darf neben ihm mithören. Ruby Tuesday von den Stones wird in seinem Kerker das Symbol für ein Leben in Freiheit.
In die Handlung verwoben ist eine der zartesten Liebesgeschichten der deutschen Literatur. Das Nachbarmädchen Marion, das er kennt, seit sie als Baby in ihrem Kinderwagen im Hof rum stand, wird seine erste Liebe. Der Gedanke an sie hält ihn aufrecht, wenn ihn seine Umgebung zu erdrücken droht. Sie holt ihn ab, als er nach einer zweiten Verhandlung eine Bewährungsstrafe bekam. Das es dennoch keine Happy- End- Geschichte wird, ist schon vorher klar. Für Liebespaare kann sich Hull nur ein Ende vorstellen, wie es Gottfried Keller in „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ beschreibt.
Während das Schiff seine Fahrt fortsetzt, treibt es die Liebenden in den dunklen Fluten davon.
Hultenreichs Buch ist aber trotzdem eine Ermutigung. Für alle, die von der Macht und ihren Inhabern nicht beeindruckt sind, die wissen dass Freiheit ein Gefühl von innen und keine milde Gabe von außen ist. Für alle, die wissen, oder ahnen, dass es ein Wert an sich ist, sich jenseits von Anpassung und Opportunismus bewegen zu können so wie Hull/ Hultenreich.

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Adonisröschen und Schukow-Bunker: eine Oderbruchwanderung
2  Kommentare | Posted 02.05.2013 11:05

Heutzutage gibt es kaum eine stillere, friedlichere und doch von der Geschichte gezeichnetere Landschaft in Deutschland als das Oderbruch.
Geschaffen wurde es in seiner heutigen Gestalt durch die Begradigung der Oder auf Befehl von Friedrich II und die darauf folgende Trockenlegung. Das entstandene Kulturland wurde systematisch besiedelt in neu angelegten Straßendörfern. Die Neusiedler wurden durch Vergünstigungen gelockt, einen der besten, aber schwieristen Ackerböden zu bearbeiten. Wer das wagte, gewann bald beachtlichen Wohlstand.
Das Dörfchen Reitwein gilt als die anerkannte „Perle des Oderbruchs“. Keine acht Kilometer von der ehemaligen Festungsstadt Küstrin entfernt, ist seine Lage durch die „Reitweiner Nase“ geprägt, ein Bergsporn, der die tischebene Landschaft überragt.
So klein das Dörfchen ist, in der Geschichte hat es zweimal eine entscheidenden Rolle gespielt.
Zu Beginn des Jahres 1762 hatte die Russische Armee die Stadt Kolberg genommen und der preußischen Militärmaschine Friedrichs des Großen tödlichen Schaden zugefügt. Die Vortrupps der Russen hatten Reitwein erreicht. Die Straße nach Berlin stand offen.
Nur noch ein Wunder konnte Preußen retten. Und dieses Wunder geschah. In Rußland starb Zarin Elisabeth. Ihr Thronfolger Peter III, ein bekennender Preußenliebhaber, bot dem überraschten Friedrich Friedensverhandlungen an und wollte nicht mal Ostpreußen haben, das Friedrich ihm zu überlassen bereit war.
Fast zweihundert Jahre später hoffte der Gröfaz auf ein ähnliches Wunder nach dem Tod Roosevelts. Vergebens.  Diesmal wurde Reitwein Ausgangspunkt der größten Schlacht des II. Weltkrieges auf deutschem Boden. Auf dem Reitweiner Sporn ließ Generalfeldmarschall Schukow den Bunker errichten, von dem aus er die Schlacht auf den Seelower Höhen befehligte.
Wenn man heute in dieser Gegend wandert, besonders im Frühling, könnte man sich im Paradies wähnen, ob der üppigen Blütenpracht der lieblichen Hänge. Einen regelrechte Touristenattraktion sind die Adonisröschen, die hier noch in Massenbeständen vorkommen und wie tausende kleine Sonnen leuchten, dass es dem Auge fast weh tut.
Erst auf den zweiten Blick realisiert man, was es mit den zahllosen Vertiefungen auf sich hat, die wie Pocken den Höhenzug befallen haben: es sind die Schützenlöcher und Laufgräben. Unter der Frühlingsblütenpracht liegt eines der blutigsten Kapitel der Geschichte. Noch heute werden jährlich bis zu hundert Skelette geborgen und bestattet, entweder auf einem der zahlreichen sowjetischen oder deutschen Soldatenfriedhöfe der Gegend.
Auf dem Weg zum Befehlsbunker der Roten Armee kommt man an der Stühler- Kirche vorbei, eine romantische Ruine, wie aus einem Bild von Caspar-David-Friedrich. Ihr Turm war, als die Sowjets an der Oder standen, wie alle anderen Kirchtürme gesprengt worden, um ihrer Artillerie keine Anhaltspunkte zu bieten.
Das Schloss des Dorfes, der Familiensitz der Finck von Finckensteins, wurde dagegen erst 1962 dem Erdboden gleich gemacht, obwohl es noch bewohnt war. Heute zeinet eine Buchenhecke die Umrisse nach.
Der letzte Nachfahre des Geschlechts hat sich wieder im Dorf niedergelassen. Er hat die Villa seiner Eltern, die, so lange die alte Gräfin noch lebte, nicht im Schloß wohnen konnten, wieder aufgebaut. Er erzählt, dass im Winter 1945 Reitwein drei mal von den Sowjets erobert und wieder zurück gewonnen wurde, ehe es endgültig in den Händen der Roten Armee blieb. Am 30. Januar 1945 waren die Rotarmisten bis zur Umzäunung des Schlossparks vorgerückt, dann aber stehen geblieben. Am nächsten Tag verließen die Schlossbesitzer und ihr Gesinde per Treck den Ort Richtung Westen.
Sie nahmen fast nichts mit. Sie glaubten immer noch an den Endsieg.
Anfang April begann Schukows 1. Weißrussische Front mit den Vorbereitungen auf die Entscheidungsschlacht. Der Oberbefehlshaber weilte noch in Moskau, um Stalins Instruktionen entgegen zu nehmen. Am ersten Mai, so wollte es der Generalissimus, sollte die Rote Fahne auf dem Reichstag wehen. Den gleichen Befehl erteilte er Marschall Konew von der 1. Ukrainischen Front und löste damit einen rivalisierenden Wettlauf zwischen den Befehlshabern aus, der mit aller Rücksichtslosigkeit durchgeführt wurde und viele Soldaten das Leben kostete.
Schukowas Bunker liegt etwas unterhalb des Aussichtspunktes mit dem besten Blick auf die Seelower Höhen. Am 16. April um 5.00 Moskauer Zeit sollte es losgehen. Vorher servierte im Bunker ein Mädchen mit dem deutschen Namen Margot den Generalitäten Tee, dann stiegen sie die heute noch vorhandene Holztreppe hinauf.
Unten standen sich eine Millionen sowjetische Soldaten und 100 000 deutsche Ersatz-Truppen gegenüber: eilig aus den Armeebüros herbei Georderte, Volkssturm, leicht Verwundete. Das letzte Aufgebot.
Als Shukow eine Viertelstunde später per Telefon den Beginn der Offensive befehligte, begann das wohl größte Trommelfeuer der Geschichte. Es wirbelte ungeheuere Mengen Staub auf, was den Vormarsch behinderte, traf aber leere Stellungen, die von den Deutschen in Erwartung des Angriffs geräumt worden waren.
Zusätzlich erschwert wurde der Angriff , weil das Gelände von tausenden an Flugzeuge montierte Scheinwerfern ausgeleuchtet wurde, was die Rotarmisten zu Schießscheiben machte.
Am Ende des Tages endete der Angriff im Desaster. Schukow musste Stalin melden, dass er das Ziel nicht erreicht hatte.
Da die Verluste noch höher, als bei der Sowjetarmee ohnehin üblich, gewesen waren, ließ Schukow Nachschub von jenseits der Oder kommen, obwohl die dortigen Truppen noch nicht gefechtsbereit waren. Am nächsten Tag behinderten sich die Truppenteile auf den engen Oderstraßen gegenseitig. Erst am dritten Tag gelang der Durchbruch. Die Verluste auf Seiten der Roten Armee mit ihrer überlegenen Waffenstärke waren dreimal so hoch, wie bei den Deutschen. Erst am 2. Mai wehte die Rote Fahne auf dem Berliner Reichstag.

Sechzig Jahre danach ist das alles längst nicht vergessen, aber es herrscht sichtbar ein neuer Geist: In der geschickt konservierten Kirchenruine von Mallnow findet man auf zwei Tafeln die Geschichten zweier in der Schlacht Gefallener, eines deutschen und eines sowjetischen Soldaten. Ihre Kinder erzählen, wie sehr sie ihre Väter immer vermisst haben. Das ist eindrücklicher als jede Heldenrhetorik. Die heute gefundenen Toten werden in gemeinsamen Zeremonien zur letzen Ruhe gebettet. Manchmal kommen auch Angehörige aus den ehemaligen Sowjetsaaten, um ihren lange verschollen gewesenen Lieben die letzte Ehre zu erweisen. Nicht selten entstehen Freundschaften aus solchen Begegnungen.
Damals waren auch polnische Soldaten in Seelow dabei. Heute kommen die Polen zum „Deutsch-polnischen Heiratsmarkt“ nach Reitwein. (Der nächste ist am 24. Mai !) Wenn hier etwas knallt, dann sind es Sektkorken.
Auf der anderen Seite der Oder hat im ehemaligen Küstrin ein spannendes Vorhaben begonnen. Die nach dem Zeiten Weltkrieg bis auf die Grundmauern niedergerissene Stadt, die Steine wurden nach Warschau für den Wiederaufbau geschickt, ist weitgehend wieder frei gelegt worden. Die alten Straßen, deren Originalbelag samt Straßenbahnschienen noch da ist, wurden mit neuen Straßenschildern versehen. Tafeln informieren über die Lage von Festungen, Schloß, Kirche, Stadttoren. Der Wall, auf dem der Freund des Kronprinzen Friedrich, Katte, enthauptet wurde, ist bereits restauriert. Am Schloß finden Ausgrabungen statt. Es heißt, die Polen hätten vor, die Altstadt wieder aufzubauen, wie die Dresdener die Frauenkirche.
Das wäre ein gutes Zeichen, wenn auf einem der schlimmsten Schlachtfelder der Geschichte Krieg und Gewalt nicht das letzte Wort haben.

 

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Der Tatort als geistiger Brandstifter
6  Kommentare | Posted 29.04.2013 12:40

Statt Analysen oberflächliches Geplapper im Boulevard- Stil. So weit, so öde, wenn mit diesem Film nicht eine Botschaft verbreitet worden wäre, die nichts Gutes für die Zukunft unserer Rechtsstaatlichkeit ahnen lässt.
Abgesehen davon, dass die Grundidee des Drehbuchs von einer Stubbe- Folge, die zudem auch noch in Hamburg spielt, recycelt, oder sollte man besser sagen, geklaut, wurde, bekommt der Zuschauer ein links- grün- alternatives Weltbild serviert, dass einem kalte Schauer über den Rücken jagt.
Das geht mit dem Brandstifter los, der, exakt wie bei Stubbe,  so unschuldig-süß in die Kamera gucken muss, dass klar ist, dies ist ein guter Junge, der höchstens marginal über die Stränge schlägt. Er kommt sowieso aus dem armen Osten der Stadt und zündelt im reichen Westen, der, das wird in der Folge vorgeführt, eigentlich auch nichts Besseres verdient hat. Der arme Feuerteufel will bloß seiner Freundin imponieren, die von den Flammen auf seinem Handyvideo offenbar auf sein heißes Begehren schließen soll.
Leider verdirbt ihm eine „Schlampe“ den Spaß, die doch Dreistigkeit besessen hat, in ihrem Auto vor sich hinzudösen, was unserem Brandstifterlein leider entgangen war.
Er flucht, aber zieht die Frau raus, ruft sogar den Notarzt an, denn im Grunde ist er ja eine gute Seele.
Leider läuft dem Engel mit Bettelblick noch mehr aus dem Ruder. Bei einer Schlägerei mit einem (na klar !) verdächtig „rechts“ aussehendem Typen kommt dem das Handy in mit der flammenden Liebesbotschaft in die unbefugten Hände. Da bleibt rein gar nichts übrig, als die Glatze abzustechen. Damit der Zuschauer auf keine dummen Gedanken kommt, bricht der Messerstecher am Tatort in ein herzzerreißendes Schluchzen aus.
Sein weiterer Amoklauf führt ihn zum Ehemann der toten Autobesitzerin, in dessen Garten der ein weiteres Feuerchen legen musste, denn dieses Abbild eines verachtenswerten Spießbürgers hatte tatsächlich ein Kopfgeld auf den Autozündler mit Todesfolge ausgesetzt.
Glücklicherweise naht in höchster Not die Rettung in Gestalt des Kommissars Torsten Falke, aus dem Problemviertel Billstedt stammend und von daher ausgerüstet mit dem „richtigen“ Sinn für „Gerechtigkeit“. Falke hatte von Anfang an so ein „Bauchgefühl“, dass die Schuldigen im reichen Westen sitzen müssten. Das ist alleiniger Maßstab für seine Ermittlungen. Der Ehemann der Toten ist ihm gleich verdächtig und die aufgebrachten Bürger, die an die 300 Autobrände pro Jahr ertragen müssen, von denen nur 5% Prozent aufgeklärt werden sind die eigentlichen Schurken. So werden sie auch dargestellt: unsympathische, heimliche Rechtsradikale, die nicht die erforderliche politische Korrektheit (früher sagte man Reife) besitzen die Brandstiftungen sich selbst zuzuschreiben.
Hier greift Falcke hart durch. Als er ein paar bürgerlich aussehende Elemente um das ausgebrannte Auto herum stehen sieht, bedeutet er ihnen, sofort Leine zu ziehen, sonst würde ihnen einen kleinen Arrestaufenthalt verpassen. Auf die Frage einer Frau, was sie denn getan hätten antwortet er tatsächlich: „Ach, da werde ich mir was Schönes ausdenken“.
An dieser Stelle sind wir mit der ARD in der DDR gelandet, wo ähnliche Praktiken alltäglich waren, wenn ich auch gestehen muss, dass die Stasimänner selten so gut aussahen, wie der coole Kommissar.
Natürlich findet Falcke den Beweis für die Verderbtheit der von ihm Vertriebenen. Ein Flugblatt, das vermittels einer plumpen Fälschung die Autozündelei der Antifa in die Schuhe schieben soll. Natürlich fällt Falcke nicht darauf herein. Er hat nämlich beste Verbindungen zur Antifa, einer ehrenwerten Truppe, die in ihrem Kampf gegen Rechts von der Polizei im Stich gelassen wird, was Falcke zu einem seiner häufigen Wutausbrüche verleitet: „Denkst Du, mir gefällt das?“.
Die Antifa, wird dem Zuschauer nachdrücklich klar gemacht, hat nichts mit Autobränden zu tun. Wer es noch nicht begriffen hat, erfährt es noch mal aus dem schönen Mund von Falckes Assistentin (Petra Schmidt-Schaller), deren natürliche Lebendigkeit von der Regie zu einer synthetischen Lifestyle-Puppe mit Hirn und Hotpants degradiert wurde.
Am Ende wird der wahre Schurke überführt : Der Ehemann war am Tatort und hat seine Frau mit bloßen Händen erstickt, weil er ihre ständigen Drogenabstürze nicht mehr ertragen konnte. Macht nichts, dass außer diesem ganz und gar unglaubwürdigen Geständnis, nichts dafür spricht. Die Gerechtigkeit, wie Falcke und seine Gesinnungsgenossen sie verstehen, hat gesiegt. Der Feuerteufel darf angesichts so viel heimlicher bürgerlicher Verderbtheit noch mal in ein finales Schluchzen ausbrechen, dann ist die Schauerstück endlich zu Ende.
Aber der nächste Tatort mit Falcke droht und wir müssen das bezahlen, ob wir wollen, oder nicht.

 

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Terrorismus als Lebensentwurf
0  Kommentare | Posted 15.04.2013 10:44

Wer Sehnsucht nach Brandenburg bekommen möchte, muß sich den Film „Das Wochenende“ unbedingt anschauen. Die Kamera liebt dieses Land und hat wunderschöne Bilder eingefangen.

Das ist aber schon das Beste, was man vom Film sagen kann. Denn als Kammerspiel über Lebensentwürfe und ihr Scheitern ist das Werk trotz großartiger schauspielerischer Leistungen total missglückt.

Die Zentralfigur Inga, gespielt von einer brünetten Katja Riemann, die ahnen lässt, welches Potential in dieser Mimin noch brach liegt, wird durch einen Anruf ihrer Freundin aus ihrem gewohnten Leben gerissen. Der Vater ihres Sohnes Gregor, ein ehemaliger RAF-Kader, wird überraschend vorzeitig aus der Haft entlassen. Sie wird mit ihrem Mann von der Schwester des Terroristen zu einem Wochenende auf ein entlegenes brandenburgisches Gutshaus eingeladen. 
Hier soll die Entlassung gefeiert und ein alter Freundeskreis wieder zusammengeführt werden. Daraus wird nichts. Misstrauen und Missmut beherrschen die Begegnung.

Achtzehn Jahre Haft haben dem Terroristen Jens (Sebastian Koch)äußerlich kaum etwas anhaben können. Ebenso wenig hat sich sein Denken geändert. Als Erstes holt er eine in seinem Plattenspieler versteckte Pistole hervor. Er scheint zu überlegen, ob er sie gegen Henner richtet, der die RAF verließ, als sie mit dem Morden begann und den er für einen Verräter hält.

Sylvester Groth als RAF-Aussteiger und Buchautor, der über seine ehemaligen Genossen schreibt und lieber Forellen mit der Hand fängt, als Menschen zu Tode bringt, bleibt leider ziemlich blass neben dem „gradlinigen“ reuelosen Terroristen. Zweifel und Angst,  die Sebastian Koch seiner Figur in einem Interview zum Film zuschreibt, sind für den Zuschauer nicht zu bemerken, wohl aber die Aura des einsamen Kämpfers für eine „gerechte“ Sache.
Nur Ingas Mann Ulrich gelingt es, diese Attitüde als verlogen zu entlarven. „Ihr ward einfach Killer!“, hält er Jens entgegen. Es ist Tobias Morettis große Leistung, dass seine Figur die realistische Bewertung der RAF eindrucksvoll und glaubwürdig macht.

Leider wird Ulrich durch die Entscheidung Ingas gegen ihren Mann konterkariert. Warum sie ihn, der ihren Sohn wie einen eigenen angenommen hat, einen Beruf ausübt, der das Leben der Menschen bereichert und der in seiner Freizeit Unterschichtkindern das Kochen beibringt, für einen reuelosen Killer stehen lässt., kann nur erklärt werden, wenn man weiß, dass die Regisseurin Nina Grosse Terrorismus für einen „Lebensentwurf“ und die RAF für Vertreter einer ganzen Generation hält.

Deshalb muß auch Sohn Gregor, kongenial gespielt von Robert Gwisdek, der erst als angeblicher Aktivist der linksradikalen Berliner Szene seinem Erzeuger als absurden Ewiggestrigen entlarvt,  am Ende den frustrierten Sohn, dessen Schrei nach Liebe vom Knastvater nicht erhört wurde, geben.

Gwisdeks stärkster Auftritt ist, als er seinem Vater, der ihm auf seine Aufforderung, sich für sein erbärmliches, verpuschtes Leben zu entschuldigen, entgegenhält hat, an ihn würde man sich erinnern, an den Sohn nicht, die Hand auf den glühenden Grill presst, um seinem Erzeuger eine bleibende Erinnerung zu verpassen.

Kurz darauf zwingt ihn das Drehbuch, dem Mörder die Hand zu geben, nachdem der mit sanfter Stimme die angeblichen Ideale erläutert hat, für die man eben töten musste.

Fazit: die RAF hatte zwar vielleicht nicht die richtigen Mittel angewendet, aber das moralische Recht auf ihrer Seite. Ein reueloser Terrorist hat mehr Sexappeal als ein wunderbarer Ehemann. Selbst die Wut des Sohnes richtet sich nicht gegen den Mörder, sondern gegen den Vater, der sich entzieht. 

Mehr verlogene RAF-Romantik und Geschichtsklitterung sind kaum möglich.

Besonders ärgerlich ist, dass so etwas mit unseren Zwangsgebühren finanziert wird.

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Vorsicht: Einlagensicherung schützt nicht vor Zwangsabgabe
5  Kommentare | Posted 25.03.2013 12:24

Bei Phoenix erläutern die Finanzexperten von CDU und SPD Norbert Barthle und Carsten Schneider, was auf alle europäischen Sparer, auch die Deutschen, zukommen kann: eine Zwangsabgabe auf Sareinlagen. 

Norbert Barthle weist in aller Offenheit darauf hin, dass eine Einlagensicherung nur bei Insolvenz einer Bank in kraft tritt. 

Wenn ein Staat eine „einmalige Zwangsabgabe“ auf Sparkonten beschließt, greift die Einlagensicherung nicht. Und „selbstverständlich“ sei eine einmalige Abgabe auf Vermögen und Sparguthaben möglich, wenn es eine „Notsituation“erfordere.

Ergänzend teilt Herr Schneider mit, dass die Aussage der Kanzlerin, die Konten der deutschen Sparer seien „sicher“, nie mit einem Gesetz unterlegt wurde.

Wer das genau wissen will, kann sich hier die Originaltöne anhören:

http://www.phoenix.de/content/656230

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Zeit für eine Familienrevolution

Bild: Podium beim Forum Familie
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Die familienpolitischen Diskussionen in Medien, Politik und Verwaltung laufen immer stärker auf eine Zerschlagung und Vergesellschaftung der Familien hinaus. Oft wird beispielsweise auch in der Union angenommen, dass für die Aufzucht von Kindern nicht die Familie der beste Ort sei, sondern eine staatliche Kinderbetreuungseinrichtung.

Gegen diesen Trend hat sich die Initiative Familienschutz mit der Sprecherin Hedwig von Beverfoerde kurz vor der Wahl zum Bundestag 2009 gegründet mit dem Ziel, Familien in der Politik eine Stimme zu geben. Sie sollten nicht mehr nur Objekt von mehr oder (meist) weniger wohlwollendem politischem Handeln sein, sondern selber mitmischen und ihre Interessen zur Geltung bringen.

Am 14. Mai veranstaltete die Initiative vor zahlreich erschienenem Publikum in Berlin-Mitte das erste Forum Familie, auf dem vor allem eines sehr deutlich wurde: Die Zeit ist reif für eine echte Familienrevolution!

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"Gegen eine Dummheit, die gerade in Mode ist, kommt keine Klugheit auf." - Theodor Fontane

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