Natürlich freue sie sich, „für die Partei und für den neuen Präsidenten“. Sie vermied sorgfältig den Vornahmen und gab sich geschäftsmäßig. Aber ihr Lächeln war wie eingefroren. Schließlich hatte dieser Mann, den sie und andere Größen in der Partei lange als „Pudding“ verniedlicht und verächtlich als ihren Sekretär betrachtet hatten, jetzt die politische Bestie namens Sarkozy besiegt, die vor fünf Jahren deutlich gegen Madame Royal gewonnen hatte.
Das sah in den achtziger Jahren und auch zur Jahrtausendwende noch ganz anders aus. Mitterrand hatte damals Madame Royal als Ministerin vor ihrem Mann bevorzugt. Und auch in den Jahren danach war Madame Royal die stärkere Persönlichkeit, in Partei und Zuhause. Jetzt wird sie in der Partei keine große Rolle mehr spielen. Das Heft des Handelns liegt jetzt in der Hand ihres früheren Ehemannes, der seit einigen Jahren mit einer Journalistin zusammenlebt. Die Parallele zu Deutschland endet jedoch hier. Denn Hollande ist kein Mann, der sich die Freiheit als absolutes Ziel auf die Fahnen geschrieben hat. Am Wahlabend bezeichnete er sich laut als „Sozialist“ und verkündete sein Bild von Gerechtigkeit: Gleichheit.
Damit steht er in der Tradition der französischen Linken. Allerdings ist er eher dem sozialdemokratischen Flügel zuzuordnen und dürfte sich ähnlich wie sein Vorbild Mitterrand Einsichten in die Realität nicht verschließen. Bei Mitterrand hatte es zwei Jahre gedauert, bis er das Ruder brüsk herumriss, weil das linke Programm in den Jahren 1981-1983 das Land an den wirtschaftlichen Abgrund geführt hatte. Solange muss es bei Hollande nicht dauern. Er ist von Haus aus Ökonom, seine Ausbildung hat er an den Eliteschulen des Landes absolviert, von Beruf ist er Richter am Nationalen Rechnungshof und Anwalt. Aber schon früh verfolgt er eine politische Karriere. 1981 wird er Berater Mitterrands, später Generalsekretär der Partei. Niemand hätte ihm vor ein paar Jahren noch zugetraut, überhaupt für das Elysee zu kandidieren. Sein rundliches Äußeres, seine Witzchen, seine Gutmütigkeit – all das entsprach nicht dem Bild eines Staatschefs, wie die Mediengesellschaft es sieht. „Hollande président? Jamais! – Hollande Staatspräsident? Niemals!“ soll Fabius ausgerufen haben, als bekannt wurde, daß der Generalsekretär der Partei sich mit dem Gedanken einer Kandidatur beschäftigte.
Aber Hollande ist ein Langläufer. Seine Herkunft ist ländlich. Geboren in Rouen (12.8.1954), eingeschult im Reichenviertel Neuilly in Paris und zwar in einer Privatschule, beheimatet in der Corrèze, in der „France profonde“, wo er mit dem früheren Präsidenten Chirac eine herzliche Freundschaft pflegt. Gegen Chirac verlor er 1981 seinen ersten Wahlkampf, es ging um einen Sitz im Parlament, den er allerdings sieben Jahre später dann eroberte. Als der Parteichef der Sozialisten, Lionel Jospin, 1997 Premierminister wird, übergibt er Hollande die Zügel der Partei. Elf Jahre bleibt Hollande Generalsekretär der Sozialisten, er kennt sie alle. Seine Beliebtheit in der Partei half ihm, als er bei den parteiinternen Vorwahlen im Oktober vergangenen Jahres gegen Martine Aubry antritt und deutlich gewinnt. Er ist ein Mann des Volkes, „ein normaler Typ“, wie er selber gerne sagt. Deshalb haben ihn die Chefs der Partei und die Intellektuellen in den Redaktionen stets unterschätzt. Und irgendwann muß eine Art Metamorphose stattgefunden haben, die aus ihm einen harten, argumentationsstarken und kämpferischen Typ machte.
Viele schreiben diese Wandlung dem Einfluss seiner Lebensgefährtin Valerie Trierweiler zu. Sie soll ihn medientauglich gemacht und trainiert haben. Zunächst absolviert er eine harte Diät, nimmt ab, bekommt Maßanzüge verpasst. Dann ändert er auch seine Stimme, spricht wie Mitterrand, tiefer und staatstragender, mit weniger Scherzen. Dann steht ihm auch das Glück zur Seite. Der klare Favorit der Sozialisten, Dominique Strauss-Kahn, katapultiert sich selbst mit seinen Sex-Affären aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur. Hollande tritt an, schon mit einem neuen Image. Sein Programm ist auch neu: Jugend und Finanzen. Valerie Trierweiler hält sich im Hintergrund. Jetzt ist sie die First Lady, im Schatten des Francois Hollande.
Karl Blessing, Bundesbankpräsident in den sechziger Jahren, meinte ganz lapidar: „Es gibt keine harte Währung ohne harte Maßnahmen“. Die Frage ist nur: Für wen sind sie hart? Nur für die Steuerzahler, oder auch für die Politiker, oder gar für die Banken? In der Tat, es geht schon seit einiger Zeit nicht mehr nur um Griechenland.
Länder wie Frankreich, Großbritannien oder Italien haben ein eher instrumentelles, kühles Verhältnis zur Währung. Geld als Tauschmittel, nicht als „geprägte Freiheit“ (Dostojewski) oder als Symbol für neue Souveränität nach einem verlorenen Krieg.
Zwar spricht der SPD-Vorsitzende Gabriel von einem „Riesenerfolg“ aber angesichts der Wirklichkeit, dass Bremen noch nicht einmal ein Prozent der deutschen Bevölkerung ausmacht und von diesem Prozent gerade mal die Hälfte überhaupt zur Wahl gegangen ist, kommt der „Riesenerfolg“ doch recht bescheiden daher.
Jüngster Ausdruck dieser Annäherung: Am Mittwoch wird in Kairo ein Abkommen zwischen der Hamas und der Fatah ratifiziert, das zu einer Einheitsregierung und Wahlen in den Palästinensergebieten führen soll.