Israel wird – ungeachtet des Wunsches bestimmter Repräsentanten der offiziösen deutschen ‚Israel-Solidarität’, der jüdische Staat möge sich politisch-kulturell in die Region, deren Teil er sei, integrieren, mithin seinen westlichen Charakter aufgeben – auch im „Westen“ nach wie vor als nationalstaatliche Konkretion der kulturellen Moderne in einer dieser vermeintlich unzugänglichen Region gehandelt und als solche zur Disposition gestellt.
Die jüngsten Kontroversen um die gewaltsame Aufrechterhaltung der Seeblockade des Gazastreifens durch die israelische Kriegsmarine sind geeignet, schlaglichtartig die Bruchlinien zu beleuchten, die das, was Gerhard Scheit als „den westlichen Begriff des Souveräns“ verteidigt, von dem „Wahn“ trennen, auf welchem die Vorstellung einer restlosen Aufhebung staatlicher Souveränität durch eine „Weltinnenpolitik“ beruht: Eine säkulare demokratische Republik, die ihre Bürger gegen die terroristischen Attacken von Gotteskriegern zu verteidigen bereit ist und sich daher weigert, bei der Bekämpfung dieser Gotteskrieger – auch in Gestalt der genannten Blockade – irgendwelche Konzessionen an ihre erklärten Feinde zu machen, steht großen Teilen auch „westlicher“ Öffentlichkeiten gegenüber, die die Wahrnehmung des Selbstverteidigungsrechtes Israels allen Ernstes als einen „Piratenakt“ ansehen – womit im Umkehrschluss islamistische Angriffe auf die Souveränität der jüdischen Republik, wie sie die „Geschädigten“ des israelischen „Piratenaktes“ offen propagierten, einem zivilen Warenverkehr gleichgestellt werden, zu dessen Schutz ein supranationaler „Souverän“ mit globalem Ordnungsanspruch herbeigesehnt wird.
* Der Wahn vom Weltsouverän. Zur Kritik des Völkerrechts.
Da kann man schon verstehen, daß Wolfgang Thierse und Joseph Martin Fischer auch künftig schwerlich bereit sein werden, Putin als ihrer "Werte- und Interessengemeinschaft" Europa zugehörig zu betrachten.
Es dürften, so Putin, keine "Bedingungen geschaffen werden, die eine freie Meinungsäußerung unmöglich machen". (ND, 31.5.2010)
Da kann man schon verstehen, daß Wolfgang Thierse und Joseph Martin Fischer nicht bereit sind, Putin als ihrer "Werte- und Interessengemeinschaft" Euroa zugehörig zu betrachten.
Ein Verdienst von Otfried Höffes Werk „Demokratie im Zeitalter der Globalisierung“ (1999) ist es, der Tendenz zu einer widerstandslosen Hinnahme totalitärer Angriffe unter dem Vorwand des „Dialogs der Kulturen“ die Konzeption eines weltrepublikanischen Gemeinwesens entgegengesetzt zu haben.