Strauß hatte abgelehnt, da er befürchtete, sich als kinderloser Junggeselle in dieser Funktion zur Witzfigur zu machen. Kurz darauf traf sich Strauß mit Kardinal Josef Wendel, eine Begegnung, die er wie folgt beschreibt:
„Bei einem Kolpingtag im oberbayerischen Bad Tölz meinte Kardinal Josef Wendel freundlich warnend zu mir „Herr Strauß, Sie werden doch nicht auf das Angebot Adenauers eingehen und das Familienministerium übernehmen!“ Ich konnte den Kardinal beruhigen: „Keine Sorge, Eminenz, mein Ehrgeiz ist nicht so groß, dass ich mich nicht im Zaum halten und diese Offerte nicht zurückweisen könnte.“ Damals sah die Kirche das neue Familienministerium noch anders. Wendel meinte nicht nur, dass dieses Amt nicht das richtige für mich und ich nicht der richtige für dieses Amt sei, er hielt ein Familienministerium überhaupt für überflüssig; in ihm sträubte sich alles bei der Vorstellung, dass es ein Familienministerium geben und jetzt auch noch die Familie verwaltet werden sollte.“
Viele Eltern wollen sie übrigens nicht: Die SPD hat während ihrer jahrzehntelangen Regierungszeit in NRW zahlreiche Gesamtschulen eröffnet, ist aber beim Versuch, andere Schulen, insbesondere Gymnasien, aber auch Haupt- und Realschulen, zu schließen, mehr als einmal an Elterninitiativen gescheitert.
Spätestens seit Pisa werden die Forderungen nach einer Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems aber immer vehementer. Es sei ungerecht, Schüler würden viel zu früh selektiert, der schulische Erfolg hänge in diesem System massiv vom familiären Hintergrund ab und die Erfolge seien im internationalen Vergleich bescheiden, so heißt es. Was solle später schon aus Hauptschülern werden, denen die Schule noch nicht einmal mehr die Beherrschung der deutschen Sprache vermitteln könne?
Auch hat sich in diesem Zusammenhang ein weiteres Problem entwickelt: Die alten Volksschulen waren die Schulen des Volkes, dorthin zu gehen war völlig normal. Heute ist es mit einer Stigmatisierung verbunden, wenn man „nur“ einen Hauptschulabschluss hat. Und in der Tat gehen zum Beispiel in den USA – trotz des Klischees vom „dummen Ami“ immerhin das Land mit den meisten Nobelpreisträgern der Welt – Lernbehinderte und Hochbegabte in ein- und dieselbe Schule. Trotzdem sollten sich die Befürworter der Einheitsschule unbedingt von dem Gedanken trennen, es sei die Vereinheitlichung, die gute Ergebnisse erziele. Eher das Gegenteil ist der Fall: Der Schlüssel liegt in der indivduellen Förderung. Die wird in den Parteiprogrammen zwar erwähnt, doch der Eindruck drängt sich auf, dass sich die Verfasser gar nicht im Klaren sind, was das bedeutet. Denn gleichzeitig ist überall von „länger gemeinsam lernen“ die Rede. Das aber wäre eine massive Benachteiligung der Begabten. In den erwähnten US-Schulen etwas besuchen Hochbegabte und Lernbehinderte zwar das selbe Schulgebäude, werden jedoch in getrennten Klassen und natürlich mit unterschiedlichen Lehrmaterialen unterrichtet. Im Sport ist Begabtenförderung selbstverständlich, warum nicht auch in der Bildung? Niemand hätte von Lukas Podolski verlangt, er solle bis aufs Weiteres in der Kreisliga spielen. Hier vor allem könnte ein echter Vorteil der Einheitsschule liegen: Durch ein Kurssystem mit vielen verschiedenen Niveaus wäre es möglich, dass ein Matheas mit geringer sprachlicher Begabung einen sehr schwierigen Mathe- aber einen einfachen Englischkurs belegt.
Alle anderen Vorteile sind eine Illusion: Kluge Eltern werden auch in Zukunft im Durchschnitt klügere Kinder haben, wer nicht lernen will, wird auch in der Einheitsschule nichts lernen und was die Selektion betrifft, sei angemerkt, dass sich gerade in der Pubertät schulische Leistungen oft verschlechtern, so dass eine spätere Auswahl für viele Kinder sogar nachteilig sein könnte. Zudem ist die Gefahr groß, dass man sich bei einer Einheitslösung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigt und so die Qualität für alle absenkt. Maßgeschneiderte Einheitslösungen gibt es nun mal nicht.
Geschlechtsgenossen bei der Müllabfuhr oder bei der Bahnhofssecurity jedoch herzlich wenig. Ein allgemeiner Durchschnittswert ist daher als Indikator für eine eventuelle Lohndiskriminierung ungeeignet.
dieser Rechte und Freiheiten von größter Wichtigkeit für die volle Erfüllung dieser Verpflichtung ist,“.
In der Erklärung selbst geht es um grundlegende Rechte wie ein Leben in Freiheit und körperlicher Unversehrtheit und ein Gelten der Unschuldsvermutung. Dass der postulierte Menschenrechtsbegriff zumindest offiziell nahezu weltweit anerkannt wird, ist in der Tat ein großer Fortschritt der Menschheitsgeschichte. Menschenrechte sind unveräußerlich – sie sind kein Gegenstand der Diskussion. Daher ist es enorm wichtig, dass dieser Begriff nur in Zusammenhängen gebraucht wird, in denen es so gut wie keine vernünftigen Zweifel an seinem Sinn gibt. Menschenrechte werden unter Umständen mit der Waffe in der Hand verteidigt – es muss daher ein breiter Konsens über ihre Definition bestehen. Den Menschenrechtsbegriff im Zusammenhang mit Home Schooling, Homoehe oder Abtreibung zu verwenden ist daher nicht sinnvoll und außerdem gefährlich: Ein inflationärer Gebrauch des Begriffes, der darauf abzielt, bestimmte Ansichten aus Debatten herauszulösen und Kritik an ihnen unmöglich zu machen, entwertet den Begriff der Menschenrechte als solchen. Über die angesprochenen Themen kann und sollte diskutiert werden. Über Menschenrechte nicht.