Sehr geehrte Frauen in der CDU,
Sie kämpfen gegen das Betreuungsgeld für Eltern, die ihre Kleinstkinder im Alter von ein und zwei Jahren höchst persönlich zu Hause erziehen wollen.
In einem Vortrag gab Katharina Spieß, Professorin für Familien- und Bildungsökonomie, den folgenden Ratschlag zum Verbleib der Kinder gut ausgebildeter Mütter:
„Es würde zu mehr Ungleichheit kommen, wenn die gut ausgebildeten Mütter mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen.“
Diese implizite Empfehlung einer Trennung von Müttern und Kindern beschäftigte mich zunächst deshalb, weil sie mir ein Déjà-vu bescherte.
Mit vielen kleinen Meißel-Schlägen wird er gelockert, der Kitt zwischen dem Kind und seinen Eltern. Die politische Landschaft ist von einem Heer dieser auf Spaltung spezialisierter Steinmetze durchsetzt: Manche von ihnen planen Chipkarten für Bildungsangebote, zur Rettung vor veruntreuenden Eltern; mache fassen eine Kindergartenplicht ins Auge, zur Rettung der Migranten-Kindern vor ihrer Muttersprache; manche bereiten die Abschaffung der kinderärztlichen Schweigepflicht vor, zur Rettung vor prügelnden Eltern; manche filmen die Ohnmacht der Armen bei der Kindererziehung, zur Ergötzung der Besserwisser… Oliver Twist und David Copperfield heißen heute Justin und Murat und ihre Wege sollen sie nicht finden, um zu ihrem Ursprung zu kommen.
Ihr A…-Geweih blitzt kurz hervor, während sie sie sich bückt, um Cheyennes Becher („Sommernachtstraum“) aus dem untersten Regalbrett zu angeln. Aber nur kurz, denn sie verliert das Gleichgewicht, wird im letzten Moment noch von den starken Armen ihres Vaters gehalten.
So manche ganztags erziehende Mutter oder ihr Kollege, der Hausmann und Vater reiben sich die Augen, lesen sie morgens in der Zeitung Schlagzeilen, wie: Herdprämie ist Schnapsgeld! Oder: Gutscheine gegen den elterlichen Missbrauch von Kindergeld! Wo liegt die Wurzel dieser tief sitzenden Abneigung gegen Eltern, die nichts weiter wollen, als ihre Kinder selber erziehen? Jeder, der Augen im Kopf hat, sieht sie doch auch und allerorts, Eltern in prekären Lebensumständen, die lieber selber in Lumpen daherkommen, als ihren Kindern den Anschluss zu verwehren! Ganz sicher liegt die Erklärung für das Phänomen des gesellschaftlich anerkannten und hippen Hausfrauen-Mobbings nicht auf der materiellen Ebene, auf der es ausgefochten wird.