Schon vor Beginn der Konferenz war klar, dass die Nato-Partner Amerikas nicht bereit sind, die 10 000 Soldaten zusätzlich nach Afghanistan zu schicken, um die sie Präsident Obama als europäischen Beitrag zu der von ihm beschlossenen "letzten Kraftanstrengung" gegen die Taliban gebeten hatte. Statt eines Beweises von Solidarität und Geschlossenheit bietet die Nato nun ein Bild des Zerfalls.
Weder zum einen, noch zum anderen kann man ihr raten. Mitten im nachrichtenarmen Januar wäre ein "Machtwort" der Kanzlerin für die Journalisten natürlich gerade das Richtige – aber für sie selbst? Warum sollte sie dem renitenten Koalitionspartner, dem es derzeit vor allem darum geht, die Schlagzeilen zu besetzen und dem Vergessenwerden zu entgehen, dabei helfen sich in den Mittelpunkt der Beachtung zu drängen? Dazu hat sie ebenso wenig Grund wie dazu, ihre parteiinternen Kritikern aufzuwerten und ihnen die Genugtuung einer Erwiderung zu verschaffen.
Es wirft ein bezeichnendes Licht auf die Verhältnisse, die sich im Verteidigungsministerium in Folge des Bombenangriffs auf zwei Tanklaster nahe Kunduz entwickelt haben. Welche von beiden Behauptungen zutrifft, ist ungewiss.
Dabei waren 142 Menschen, darunter – wie sich nun herausstellt – viele Zivilisten getötet worden. Punktzielgenau veröffentlichte das Blatt einen Geheimbericht der Bundeswehr und die bislang geheimen Filmaufnahmen dieses Vorgangs, alles Unterlagen und Informationen, die das Verteidigungsministerium dem neuen Minister verschwieg, so dass zu Guttenberg, wie er am Donnerstagmorgen vor dem Bundestag erklärte, erst am Vortag, also unmittelbar vor der Veröffentlichung, durch "Bild" erfahren hatte.
Mit solchen Fragen begibt man sich in den Bereich der Spekulation, denn ehrliche Antworten darauf, welche Motive zu den Personalentscheidungen in den Koalitionsverhandlungen führten, gibt es nicht.