Eine Familienförderung steht zur Zeit dabei besonders im Fokus: das Ehegattensplitting. Es sei untauglich und wenig effektiv und sei deshalb abzuschaffen. Eine Erklärung, wie es zu dieser Einschätzung kommt, läßt sich leicht finden. Es geht um Steuereinnahmen: Wenn Familien so viel Geld zur Verfügung haben, daß sie es sich leisten können, das Einverdienermodell zu leben, dann fehlen dem Staat die Steuereinnahmen und die Einnahmen der Sozialversicherung des Ehepartners, der sich entscheidet, die Kindererziehung selber zu übernehmen. Und nicht nur dessen Abgaben fehlen, sondern auch die der Erzieherinnen und all der Menschen, die im weiteren Bereich der staatlichen Kinderbetreuung angestellt wären. Ein finanzielles Desaster für den Staat.
Und weil Familien sich nicht freiwillig fügen, wird ihnen die finanzielle Grundlage ihrer Entscheidungsfreiheit genommen. Die Abschaffung des Ehegattensplittings ist nur der logische nächste Schritt in die Richtung, die die Familienpolitik seit Jahren verfolgt:Geldhahn zudrehen und belohnen, was staatskonform ist. Die Abschaffung des Ehegattensplitting bedeutet, gezielt nur einer Bevölkerungsgruppe eine Steuererhöhung zuzumuten, den Familien. Die einzige Lösung, die Familien bleibt, um der drohenden Armut durch die gezielte Steuererhöhung zu entkommen, ist die Doppelerwerbstätigkeit und damit auch die Inanspruchnahme der staatlichen Betreuung. Diese wird vom Staat subventioniert, mit 1500€/Kind/Monat: das Geld ist also da. Nur gibt es der Staat nicht den Familien, denen er es vorher genommen hat, sondern investiert es in staatliche Einrichtungen, die – und das setzt dem Ganzen die Krone auf - sogar Kindern unter drei Jahren nachweislich schadet. Warum nur? Die Geburtenrate hat der Krippenausbau nicht steigern können. Nur finanzielle Gründe? Von den Ausgaben für Krippen und Kitas fließen zwar bis zu 48 Prozent an den Staat zurück, aber vielleicht steckt doch noch eine Ideologie dahinter, denn alle alternativen Betreuungsformen werden nicht staatlich gefördert. Wir erleben einen gesellschaftlichen Umbau, wie er vor 40 Jahren in Schweden gestartet wurde. Dort wurde das Konzept der Kindertagesstätte ebenfalls ohne Rücksicht, ob die Eltern es nötig hatten oder ob sie sich dafür interessierten, über Änderungen im Steuersystem eingeführt. Kinder wurden zu „Hindernissen für die Emanzipation der modernen Frau“ und ihre emotionale und intellektuelle Entwicklung wurde in die Verantwortung des Staates gestellt.
Also scheint es doch eher um die Lufthoheit über den Kinderbetten zu gehen, die über den Umweg der finanziellen Ausbeutung von Familien am Ende erzwungen wird? Gelebte Familie ist von der Politik erklärtes Auslaufmodell – nur die zur Schlafgemeinschaft reduzierte wird noch geduldet und finanziert. Die wertvollste Kraft einer Gesellschaft aber sind gesunde und glückliche Menschen, die aus starken und zufriedenen Familien kommen. Jede Gesellschaft steht oder fällt mit dem Zustand der Familie - wird die Familie zerstört oder geschwächt, so wird es nicht lange dauern, bis auch die Gesellschaft zerstört ist.
Der öffentlichen Auseinandersetzungen um das ab 2013 geplante Betreuungsgeld liegt eine massive Fehleinschätzung der Leistungsfähigkeit von Kinderkrippen zu Grunde. Darauf weist das Familiennetzwerk schon seit Jahren hin und wird jetzt durch den kürzlich erschienenen 8. Familienbericht der Bundesregierung bestätigt. Selbst bei guter Qualität der externen Betreuungseinrichtung verlieren demnach Kinder aus Mittelschichtfamilien an persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten:
Andere Analysen zeigen jedoch, dass die Berufstätigkeit der Mütter mit negativen Entwicklungsergebnissen des Kindes zusammenhängt, wenn die Familien nicht in ökonomisch belasteten Situationen sind (Mittel- und Oberschichtfamilien). Dies unterstützt wiederum die „lost resource" Hypothese für diese Familientypen. Dem Kind entgeht also durch die außerfamiliäre Betreuung die Bildung und Erziehung durch seine gut gebildete und erziehungskompetente Mutter. /..../ Für Kinder aus der Mittel- und Oberschicht bleibt das Bildungsangebot in den Kindertageseinrichtungen hinter der familiären Bildungsanregung zurück. (aus: Zeit für Familie. Familienzeitpolitik als Chance einer nachhaltigen Familienpolitik. Achter Familienbericht. März 2012. S. 102)
Die Unkenntnis dieser Tatsache hat gerade bei bildungsorientierten Eltern eine Dynamik ausgelöst, die gesellschaftspolitisch und volkswirtschaftlich negative Effekte erwarten lassen:
Die Betreuungsquote (Tageseinrichtungen und Tagespflege zusammengenommen) lag in Deutschland im Jahr 2010 für Kinder unter drei Jahren bei 23%. (....) Mütter mit Migrationshintergrund und Haushalte mit vielen Kindern nutzen für unter 3-Jährige seltener Tageseinrichtungen und Tagespflege als vergleichbare Haushalte ohne Migrationshintergrund bzw. mit lediglich einem oder keinem älteren Geschwisterkind. Demgegenüber zeigt sich, dass Mütter mit höherem Bildungsabschluss ihre Kinder öfter durch Tageseinrichtungen/Tagespflege betreuen lassen als anderweitig vergleichbare Mütter mit niedrigem oder mittlerem Bildungsabschluss. (aus: Zeit für Familie. Familienzeitpolitik als Chance einer nachhaltigen Familienpolitik. Achter Familienbericht. März 2012. S. 99f)
Auch die positiven Wirkungen außerfamiliärer Betreuungseinrichtungen für Kinder aus sozial-schwachen Familien werden vom 8. Familienbericht deutlich relativiert:
Die Mehrzahl der hauptsächlich im US-amerikanischen Raum durchgeführten Studien deutet auf eine positive Wirkung der frühkindlichen Kinderbetreuung auf kognitive und sprachliche Fähigkeiten - zum Teil auch mit Auswirkungen auf den langfristigen Schulerfolg - und gleichzeitig negative Auswirkungen auf soziale Kompetenzen hin. (....).Dieser Befund deckt sich mit Studien, nach denen Kinder aus niedrigen sozioökonomischen Lebenslagen am meisten von der Bildungsanregung der Kindertageseinrichtungen profitieren, jedoch auch nur dann, wenn diese eine gute Qualität aufweisen.
Diese Qualität ist in Deutschland jedoch sehr selten zu finden. Abgesehen vom Saarland wird in ganz Deutschland der international geforderte Personalschlüssel von einer Erzieherin pro 3 bis 4 Kinder unter 3 Jahren nirgendwo eingehalten. In ganz Ostdeutschland liegt die Betreuungsrelation sogar mit 1:6,6 (2010) weit unter der geforderten Qualität. In der alltäglichen Praxis werden die offiziellen Quoten jedoch überall wegen Krankheit, Urlaub und Fortbildung des Personals zudem klar verfehlt.
Unterm Strich, so eine bundesweite Studie, ist die notwendige Betreuungsqualität öffentlicher Kinderbetreuungseinrichtungen nicht gegeben:
In deutschen Gruppenbetreuungseinrichtungen überwiegen geringe (1/3) bis mittlere (2/3) Qualitätsstandards. Die notwendige hohe Qualität findet sich nur bei 2 % der Einrichtungen. (aus: Rainer Böhm: Auswirkungen frühkindlicher Gruppenbetreuung auf die Entwicklung und Gesundheit von Kindern. Kinderärztliche Praxis 82 (2011) Nr. 5)
Und selbst der Befürworter institutioneller Frühförderung der amerikanische Bildungsökonom und Wirtschaftsnobelpreisträger James Heckman räumt den Eltern und vor allem den Müttern eine zentrale Rolle bei der Entwicklung ihrer Kinder ein:
Gute Erziehung braucht Zeit, eine materielle Grundausstattung und Glück. Und vor allem Aufmerksamkeit für das Kind ..../ Die Eltern müssen ihre Erziehung verändern, mehr Zeit mit dem Kind verbringen, es stärker motivieren. (...) hier in Chicago (...)gibt es ein Wohnungsprojekt in einer armen Gegend, in denen Kinder unter miserablen äußeren Bedingungen aufwachsen. Aber die Mütter - und normalerweise nur sie - haben auf ihre Kinder geachtet. Sie haben sie vor der Umgebung beschützt, sie in die Schule geschickt und ihnen geholfen, ihre Fähigkeiten zu entwickeln. Diese Kinder haben sehr viel erreicht, obwohl sie unter schlechten Bedingungen aufgewachsen sind. (aus: "Eltern müssen in die Schule". Interview mit dem NOBELPREISTRÄGER JAMES HECKMAN. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 18.03.2012, S. 35)
Angesichts dieser Fakten sollten sich unsere Gesellschaft, unsere Politik und Wirtschaft von ihrer einseitigen Bevorzugung öffentlicher Betreuung für Kleinkinder verabschieden. Auch wer diese Betreuung für unverzichtbar hält, sollte wissen, dass sie niemals mehr als einen „familienergänzenden Bildungs- und Erziehungsauftrag“ (8. Familienbericht) wahrnehmen kann. Daraus gilt es endlich die politischen Konsequenzen zu ziehen und den notwendigen wirtschaftlichen wie rechtlichen Freiraum für Eltern und ihre Kinder zu schaffen.
(Pressemitteilung des Familiennetzwerkes - www.familie-ist-zukunft.de)
Diese Tatsache an sich ließe einen schon Seiten füllen, aber man beachte die Änderung der Zielsetzung der Einführung dieser Geldleistung, genannt Elterngeld: 2007 war diese Neuerung die Wunderwaffe gegen die Stagnation der Geburtenrate in Deutschland. Schon sehr bald, so versprach Frau von der Leyen werden unsere Geburtenzahlen in die Höhe schnellen - offenbar ein Märchen, oder doch eine Irreführung?
Die Geburtenrate stagniert, kein Effekt nachweisbar. Hat sie uns damals nicht die Wahrheit gesagt? Offenbar, denn die Schlagzeilen zum Elterngeld - nur 5 Jahre später - sind andere geworden. Logischerweise müsste es doch jetzt bei ausgebliebener Geburtenratenerhöhung, heißen: Das Elterngeld ist eine Pleite - Ziel nicht erreicht - Geburtenrate stagniert - wir müssen uns etwas anderes überlegen, um die Geburtenrate zu erhöhen, oder?
„Wer A sagt muß nicht B sagen - er kann auch sagen A war falsch"
Die Schlagzeilen jedoch erstaunen jeden aufmerksamen Bürger: Hurra! Das Elterngeld ist ein voller Erfolg. Mütter kehren früher an den Arbeitsplatz zurück!
War also das der wirkliche Grund für die Einführung des Elterngeldes, Mütter ran an die Erwerbsfront? Die Erhöhung der Geburtenrate nur vorgeschoben, die wahren Gründe verschwiegen, um den Bürger zu manipulieren? Manipulieren lassen haben sich auf jeden Fall die Berichterstatter, denn keiner erinnert sich daran, was uns versprochen wurde, sondern alle singen im Chor das Lied vom Erfolg des Elterngeldes.
Und noch ein kleiner Gedanke lässt einen an den vorgegebenen Gründen zweifeln: der parallel getriebene Ausbau der Kleinstkinderbetreuung. Wußte Frau von der Leyen, daß eine Erhöhung der Müttererwerbstätigkeit folgen würde und war das ihre Motivation für den Ausbau der Kitaplätze, der inzwischen weit über dem von der EU geforderten 35% liegt?
Über ihre wahren Motive lässt sich nur spekulieren, ebenso darüber, wie sie sich morgens noch im Spiegel ansehen kann, weil sie die Vernachlässigung von Millionen von Kleinstkindern zu verantworten hat. Denn das ist das tabuisierte Konsequenz ihres Elterngeldprojektes: Millionen von Kindern müssen zu früh und zu lange in zu schlechten Kindertagesstätten ausharren mit dem tagtäglichen Verlust von acht Stunden elterlicher, bedingungsloser Liebe.
Emotionalität aber lenkt nur allzu leicht davon ab, dass sachliche Analysen und Fakten zum Thema fehlen.
Dabei sollte es die gelernte Ärztin eigentlich methodologisch besser wissen. Bevor ein Arzt eine Therapie einleitet, muss ihm die Ursache der Krankheitssymptome klar sein, sonst kann die Therapie nie gezielt wirken.
Wenn z.B.
Media Control hat ermittelt, wie viele Minuten Kinder aus den verschiedenen Bundesländern täglich vor dem Fernseher verbringen.
Erstaunlicherweise sind die Bundesländer mit einer hohen Krippen- und Ganztagsversorgung Spitzenreiter im Fernsehkonsum der Kinder.