Was wird aus diesem Land, welche demokratischen Übungen taugen noch, welche müssen der Zeitläufte, vor allem aber der veränderten kulturellen Empfindungen der Deutschen wegen dringlich reformiert werden? Muss sich dieses Land nicht eindeutiger als je zuvor einer Diskussion über die Tauglichkeit seiner Verfassung stellen? Ist für diese herculanische Aufgabe das richtige Personal überhaupt rekrutierbar? Haben wir nur die falschen Personen in der Politik, weil die „richtigen“ sich zu fein für das politische Geschäft sind oder lässt unser System es gar nicht zu, die richtigen zu erwählen? Ist der Fall „Wulff“ ein Personal- oder ein Systemproblem? Ist es nur folgerichtig, dass sich dieses Land vornehmlich mit Privat-Krediten, mehr oder minder scheußlichen Einfamilienhäusern und einer daraus ziemlich aufgeblasenen Empörungswelle beschäftigt? Ist es eine Konsequenz unseres Überdrusses an mittelmäßigen Politikern, dass wir uns lieber mit den peinlichen, aber tolerierbaren privaten Verfehlungen des Bundespräsidenten befassen als mit der Frage, was dieses Amt in einer Republik mit solchen Herausforderungen eigentlich zu leisten hätte?
Christian Wulff ist in dieses Amt „geraten“, weil es das System möglich gemacht hat.
Veranstaltungen mit dem Papst bedeuten immer eines: man ist viel früher am Ort des Geschehens als der eigentliche Beginn nahelegt. So geschehen in Freiburg am Samstagabend bei der Vigil und am Sonntagmorgen zur heiligen Messe.
Wenn man mal wieder "Urkirche" erleben will, folge man Bischof Augustini, dem Bischof von Sapes und Präsidenten der albanischen Malteser. Seine Visitationen bedeuten lange, strapaziöse Autofahrten in einem Rumpeljeep auf schottrigen Nichtstraßen, dann stundenlange Fußmärsche in abgelegene Dörfer, die seit Jahren keinen Priester mehr gesehen haben und ihrem Bischof im wahrsten Sinn des Wortes entgegenkommen.
Es ist nicht jedermanns Sache, dass nun aus dem in fast jeder Hinsicht erfolgreichstem Bundesland Baden-Württemberg ein grünes Experimentierfeld für meinungsdiktatorische Gutmenschen werden soll.
Ja, sie war nicht fein, die Treibjagd der verschwiemelten Jungtürken in der FDP. Aber eine Treibjagd ist nichts stilvolles, in der Politik schon gar nicht. Und wer nicht hören will, muss fühlen.