So alltäglich, dass wir es gar nicht mehr richtig wahrnehmen. Das zeigt sich beim wohl wichtigsten Tauschverhältnis: beim Arbeitsvertrag. Da herrscht eine eigentümliche Begriffsverwirrung: Wer gibt denn in diesem Tausch eigentlich was? Gibt mir der Arbeitgeber tatsächlich Arbeit - so als Akt der Gnade - und ich muss sie nehmen? Es ist doch zumal in unseren Wissensgesellschaften gerade umgekehrt. Ich gebe dem Unternehmen meine Arbeit, meine Firma nimmt sie und gibt mir dafür Lohn. Der Arbeitgeber ist eigentlich Arbeitnehmer - und umgekehrt. Die Sprache ist noch einem Tauschverhältnis verpflichtet, das keineswegs der Realität entspricht - jeder Einzelne tut gut daran, sich als Arbeitgeber zu fühlen. Und sie auch so im Arbeitsmarkt anzubieten. (http://www.ordnungspolitik.ch/2012/08/28/vom-arbeit-geben-und-arbeit-nehmen/)
Anschauungsbeispiel ist eine kleine lesenswerte Geschichte im aktuellen Magazin (online hier noch verfügbar): Der Autor will eine ganz bestimmte Uhr kaufen. Er hat alles über diese Uhr gelesen, kennt ihre Eigenschaften – und die Bestellnummer. Er lässt sie sich mehrfach im Uhrengeschäft zeigen, zieht sie an und macht ein Foto von seinem Handgelenk. Sie kostet mehr als 20’000 Franken. Er beginnt mit eiserner Disziplin zu sparen. Mit Verzicht auf viele liebgewonnene Annehmlichkeiten schafft er es eines Tages. Seine Euphorie ist gross, seine Nervosität auch. Vor dem Uhrengeschäft beschleichen ihn aber ungeahnte Zweifel. Er fragt sich, ob sein Leben tatsächlich besser würde, wegen eines Gegenstandes. Er will nachdenken und fährt in den Jura zur Uhrenfabrik und spaziert lange durch den Grand Risoux, einen riesigen einsamen Wald.
Jetzt passiert eine freie und individuelle Nutzenabwägung. Für den Autor ist die Frage nicht, ob der Preis denn durch Material und Arbeitseinsatz irgendwie objektiv gerechtfertigt sei, sondern ob der Kauf der Uhr zum Preis mit seinen ganz persönlichen Zielen und Präferenzen übereinstimmt. Ob er dieser Uhr auch in Zukunft diesen Wert gibt und sie geeignet ist, seinen ganz persönlichen Zielen näher zu kommen.
Der österreichische Ökonom Carl Menger erkannte vor mehr als hundert Jahren, dass der Wert eines Gutes oder einer Dienstleistung nicht objektiv aufgrund von Arbeit und Material festzulegen ist, sondern individuell aufgrund von persönlichen Zielen und Überlegungen entsteht und sich in konkreten zu fällenden Entscheidungen manifestiert. Damit stürzte die sogenannte objektive Arbeitswertlehre der klassischen Ökonomie in sich zusammen. Diese hatte den Wert auf genau das reduziert, was in einem Gut drinsteckt. Und in diesem Modell muss jede Art von Gewinn als Übervorteilung des Käufers erscheinen. Menger zeigte, dass diese Theorie zwar logisch klingt, aber Preise von Gütern, Kauf- und Nichtkaufentscheide der Menschen nicht erklären kann. Marx versuchte die Arbeitswertlehre zu retten, weil sie ein Kernstück seiner Ideologie darstellt. Ohne objektive Wertlehre keinen Mehrwert des Arbeiters, der diesem in jedem Fall zusteht; und keine zentrale Planung, welche diese Werte bestellt, den Mehrwert verwaltet und zuteilt. Doch auch sein Rettungsversuch über durchschnittlich benötigten Arbeitsaufwand ist zum Scheitern verurteilt, weil auch die beste Statistik weder dem Individuum noch dessen künftigen Überlegungen und konkreten Entscheidungen gerecht werden kann. Hinzu käme noch das Problem mit dem abnehmenden Grenznutzen: Der Wert eines Gutes bildet sich in der Person des potenziellen Käufers und hat nichts mit der investierten Arbeit und dem Material zu tun.
Der Autor fährt nach dem Waldspaziergang nach Hause. Am nächsten Tag beantragt er bei seinem Arbeitgeber drei Monate unbezahlten Urlaub.
Guten Tag mein Sohn
Wie du weisst bin ich ein Bewunderer von Röpke. Er bringt vieles auf den Punkt, das auch in der Finanzkrise schief gelaufen ist.
Die Grundsatzfrage im Verhältnis zwischen Staat und Individuum ist für Muheim die Stellung der Gesellschaft. Diese ist im Gegensatz zum Staat natürlich gewachsen und einfach vorhanden, weil der Mensch ein soziales Wesen ist.
Mit zahlreichen guten Links steuert Christian Hoffmann auf seine These zu,
dass die staatlichen Zentralbänker nicht die Lösung des internationalen Finanzproblems sind, sondern seine Verursacher.
Die sich dann entwickelnde Diskussion war sehr interessant.