Wer kennt das nicht, hat's nicht selbst schon erlebt: Man hat sich gemütlich in seinem Weltbild eingerichtet, alle Fragen geklärt, Ambivalenzen aus dem Blickfeld geräumt. Und dann meldet sich jemand zu Wort, der mit ein paar Sätzen das ganze Gebilde zum Einsturz zu bringen droht.
Es ist schon faszinierend zu sehen, dass dasselbe Buch von zwei Menschen ganz unterschiedlich gelesen werden kann. Hier ist meine Rezension von Saul Friedländers »Pius XII. und das Dritte Reich«, hier die Rezension von Thomas Moser.
Die Toten des Doppelanschlags in Norwegen waren noch nicht begraben, da ist in Deutschland und anderen Staaten auch schon ein obszöner Streit über Schuld und Verantwortung für das Verbrechen entbrannt.
Es ist der - wie es scheint - inzwischen fast alltägliche Wahnsinn, dem man dieser Tage wieder nicht entkommen kann: Das Opfer wird zum Täter gemacht, der Bock zum Gärtner. Das Opfer war im aktuellen Fall Sarrazin, die Identität des Täters indes wird verheimlicht.
Die üblichen Verdächtigen haben Recht: Der designierte Erzbischof von Berlin, Rainer Maria Woelki, ist in der Tat untragbar für die Hauptstadt. Allerdings aus einem ganz anderen Grund als vermutet: Er soll ein begeisterter Anhänger des 1.