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     Christoph Spielberger
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Christoph Spielberger, Jahrgang 1961, studierte
Kunstgeschichte und Archäologie, und arbeitet als freier Journalist und Autor
in Berlin, hauptsächlich für das deutsche Fernsehen. Dokumentationen und Reportagen erschienen im ZDF, 3sat, arte und dem NDR. Seit zwei Jahren ist er
auch als Blogger tätig, für die Achse des
Guten.

 
RSS Blogeinträge von Christoph Spielberger

 
Obama, der erträumte Präsident
3  Kommentare | Posted 12.06.2012 13:21

Doch seit kurzem listet Google das Buch auch als Werk von Bill Ayers. (http://www.google.de/#q=Bill+Ayers&hl=de&prmd=imvnso&source=lnms&tbm=bks&ei=fluz&fp=4ce944c3fd0479b8 ) Ayers ist Mitbegründer der linksradikalen Terrororganisation Weather Underground. Diese rief 1970 den Krieg gegen die USA aus, wollte deren Vernichtung, beging Bombenattentate gegen Regierungsgebäude und Banken. Bis heute bereut Ayers eigentlich nur, nicht noch mehr Terror gemacht zu haben. Jeden Morgen, so sagt er selbst, betet er darum, dass die USA untergehen.

Was ist bloß mit Google los, spinnt sein Algorithmus? Sofern man das Suchergebnis als das Resultat vorher gelegter Verknüpfungen betrachtet, ist es lohnenswert ebendiesen nachzuspüren. Dreams from My Father und Bill Ayers tauchen gemeinsam in drei verschiedenen Themenkomplexen auf.

Zunächst hat Bill Ayers bei verschiedenen Gelegenheiten selbst behauptet, Dreams geschrieben zu haben. Vor Studenten an der Universität und auch in mehr privaten Zirkeln. Jeweils mit dem ausdrücklichen Hinweis an die Zuhörer, dass er jederzeit bereit wäre, dies zu wiederholen. In einer e-mail heißt es: „Ich habe es ja gegenüber Anne und Reagan schon zugegeben, dass ich das Buch geschrieben habe, und seitdem immer und immer wieder. Was also soll ich in Deinen Augen noch tun? OK, ich versuch’s nochmal: ich habe Dreams from My Father geschrieben, Jim!!! Bitte hilf mir, es zu beweisen, du scheinst ein kluger Kerl zu sein, vielleicht findest Du einen klugen Anwalt, dann würde ich das Autorenhonorar mit Dir teilen.”

Wie glaubwürdig ist diese Behauptung? Bill Ayers ist einer der ältesten Freunde und politischen Begleiter von Obama. In Ayers’ Wohnzimmer startete Obama 1995 seine politische Karriere, dort wurde er in die höheren Kreise der Chicago Politics eingeführt. Ayers’ Frau Bernadine Dohrn arbeitete in derselben Kanzlei wie Obamas spätere Frau Michelle.

Dann sind dort die Recherchen des Celebrity- Biographen Christopher Andersen. Ausführlich beschreibt er in seinem Buch Barack and Michelle: Portrait of an American Marriage von 2009, wie ein verzweifelter Barack Obama die literarische Hilfe von Ayers erbat. Obama hatte für seine erste Autobiographie vom Verlag Simon and Schuster Jahre zuvor einen Vorschuss von 125.000$ erhalten, aber noch nichts geschrieben. Seine Arbeit als Präsident der Harvard Law School, vor allem aber seine politische Kampagnenarbeit (Project Vote, ACORN, Woods Fund, Chicago Annenberg Challenge), ließen ihm keine Zeit zum Schreiben. Auf Druck seiner Frau sammelte Obama alle seine Unterlagen, hauptsächlich Tonbänder mit Interviews seiner Verwandten, aber auch Papiere, biografische Skizzen, Briefe, Artikel und Fotos, und brachte dies, ungeordnet in mehreren Kartons, zu Bill Ayers. Dieser wohnte damals direkt neben ihm in Hyde Park, dem linken Nobelviertel von Chicago. Andersen vermutet, er habe Ayers gebeten, Dreams zu schreiben. Nachbarn sahen damals daran nichts ungewöhnliches, sie wussten, dass beide immer an mehreren Projekten arbeiteten.

Andersens Vermutung kam auch aufgrund der starken stilistischen Ähnlichkeiten zum literarischen Werk von Bill Ayers zustande. Zahlreiche Literaturwissenschaftler, und dies ist der dritte Strang, haben dies, vor und nach Andersens Buch, bestätigt. Ayers benutzt einen ähnlichen Satzbau, ähnliche Metaphern, eine ähnliche Symbolik, am ähnlichsten in seiner  Autobiografie Fugitive Days. Und Ayers kann sehr gut schreiben.

Die authentischen Texte Obamas sind von ganz anderer Art. Doch zunächst gibt es hierbei das Problem, dass fast gar keine Texte von Obama öffentlich zugänglich sind. Ein brillianter Schreiber, der fast nichts schrieb. Keine Abschlussarbeiten an College und Universität, kein Artikel als Mitglied und Präsident des Harvard Law Review, keine Artikel als Mitglied der Chicago Law School, immerhin 13 Jahre. Es gibt nur drei kurze Schriftstücke: zwei Artikel für Sundial, die Studentenzeitschrift des Columbia Universität von 1982 und 88 (Breaking the War Mentality, Why Organize) und ein Brief an die Fakultätszeitschrift Harvard Law Record von 1990. Alle drei sind stilistisch eher bescheiden und grammatisch voller Fehler. Obama verwendet falsche Präpositionen, Verben und Substantive stimmen nicht überein, oft gibt es fehlende Sinnzusammenhänge, die Kommasetzung geschieht im Freistil.

Ein Beispiel von 1982: “What members of ARA and SAM (Studentische Antikriegs- Gruppen, Anm.d.A.) try to do is infuse what they have learned about the current situation, bring the words of that formidable roster on the face of Butler Library, names like Thoreau, Jefferson, and Whitman, to bear on the twisted logic of which we are today a part.” Und: “The belief that moribund institutions, rather than individuals are at the root of the problem, keep SAM’s energies alive.” Im Artikel von 1990 heißt es gleich im ersten Satz: “Since themerits of the Law Review's selection policy has been the subject of commentary for the last three issues, I'd like to ….” Weiter: "Approximately half of this first batch is chosen ... the other half are selected" Und dann: "No editors on the Review will ever know whether any given editor was selected on the basis of grades, writing competition, or affirmative action, and no editors who were selected with affirmative action in mind."

Wer so schlecht schreibt, kann fünf Jahre später unmöglich Dreams geschrieben haben, so argumentiert eine Reihe von Literaturwissenschaftlern, allen voran Jack Cashill in seinem Buch Deconstructing Obama. Obama hatte weder das literarische Talent, noch die Praxis, um seinen Stil zu üben und verbessern.

Hätte es Obama geschadet, wenn er, wie viel Politiker, einen Ghostwriter genannt hätte? Sicherlich wäre nicht die Legende vom klügsten und tollsten Politiker entstanden, denn sicher ist, Obama hat immer wieder betont, er selbst hätte Dreams geschrieben. In nur vier Wochen im Sommer 1995.

Hier scheint eine der größten literarischen Betrugsgeschichten auf, gemessen an ihrer Wirkung. Es ist so, als hätte Christian Klar die Autobiografie von Angela Merkel geschrieben. Ayers Vergangenheit im Weather Underground war im Wahlkampf 2008 bekannt, seine enge Beziehung zu Obama nicht. Deswegen nannte Obama ihn, als die Verbindung auftauchte, „nur einen Typ, der in der Nachbarschaft lebt.“

Man muss kein Anhänger der Republikaner sein, um die Tragweite dieses Betruges zu ermessen. Maureen Dowd, die liberale Kolumnistin der New York Times, war 2008 eine der größten Fans von Obama. Zwei Jahre schreibt sie: „In Dreams from My Father zeigte Obama Leidenschaft, Lyrik, Einfühlungsvermögen und ein außerordentliches Verständnis für Charakter und psychologischen Kontext – all’ die Qualitäten, die er nun als Präsident hartnäckig verweigert zu zeigen. Es war ein Buch, das uns einen Präsidenten versprach, der in die Herzen Anderer schauen könnte. Doch es gibt so viel, was man über Kandidaten in Wahlkampagnen nicht erfährt, selbst wenn sie vollkommen entblößt scheinen.“

Mit der Wahl im November und dem Eintauchen in die Vergangenheit des Herausforderers Mitt Romney, bis in die Generation seines Ur-Urgroßvaters, gibt es auch einen genaueren Blick auf den Kampagnenpräsidenten Obama. Dreams wir neu gelesen, und es erscheinen neue Obama- Biografien. Edward Klein, der ehemalige Chefredakteur des (eher linken) New York Times Magazine, beleuchtet in The Amateur Obamas Charakter und seine Eignung zum Präsidenten. Das Urteil fällt nicht freundlich aus. Den Titel  erhielt Klein von Bill Clinton, der noch im August 2011 seine Frau Hillary bedrängte, im November 2012 gegen Obama anzutreten. Denn dieser sei ein Amateur, destruktiv und selbstbesessen, wisse nichts über die Mechanismen in Washington, wisse aber alles besser und ziehe mit seiner Politik das Land in den Abgrund. So sagte es Bill Clinton.

In zwei Wochen kommt die Biografie von David Maraniss, Barack Obama: The Story heraus. Maraniss gelingt etwas, was keiner der vielen Obama Biografen, allen voran David Remnick, fertigbrachte: er fand zwei Frauen, die Obama zu seiner Zeit am Columbia Universität in New York datete. Obama musste jetzt zugeben, dass er die beiden zu einer Figur in Dreams verdichtete - dort taucht nur eine Columbia- Freundin auf. Er gebrauchte dafür das Wort „compressed girlfriend“, ein recht technisches Verständnis von Verdichtung. Mit der einen, Genevieve Cook, hatte er, lt. Dreams, einen tränenreichen Streit über Rassendifferenzen. Sie sagt, sie könne nicht so fühlen wie er, weil sie nicht schwarz sei, und so müssten sie sich trennen. Maraniss hat Cook befragt, nur, den Streit hat es nie gegeben. Obama behauptete dann, er hätte den Streit mit einer anderen Frau erlebt, wollte aber ihren Namen nicht nennen, aus Rücksicht gegenüber den Frauen. Ob es dem nächsten Biografen gelingen wird, diese Frau zu finden? Viele Details aus Dreams sprechen dafür, dass die Vorlage für die Komposit-Freundin in Wirklichkeit die verstorbene Freundin von Bill Ayers, Diana Oughton ist.

Dreams beschreibt ausführlich sechs verschiedene Fälle von Schwierigkeiten und Anfeindungen, die Obama aufgrund seiner Rasse erlebte. Jack Cashill konnte nachweisen, dass alle diese Begebenheiten von Ayers/Obama erfunden wurden. Es ging um die Konstruktion von sog. racial grievances, rassisch begründeten gesellschaftlichen Missständen, im vermeintlich rassistisch getränkten Amerika. Zweck dieser Geschichten war es, Obama eine street cred, die Glaubwürdigkeit des einfachen schwarzen Mannes zu verleihen; denn seine Herkunft von Eliteschulen und Eliteuniversitäten war für die bevorstehende Wahl zum Bürgermeister von Chicago, und dafür wurde Dreams eigentlich geschrieben, nicht bodenständig genug.

Die zweite Freundin, Alexandra McNear, ist ebenfalls weiß und wie Cook eine intensive Tagebuchschreiberin. Sie erhielt von Obama 30 Liebesbriefe, die sie alle aufbewahrte. Auszüge dieser Briefe wurden bereits vorab publiziert. Welch’ angenehmer Zufall, dass sie ausgerechnet jetzt, kurz vor der Wahl auftauchen. Denn die Briefe dienen als neue Stütze der Legende vom literarischen Genie Barack Obama. Zur gleichen Zeit seines o.g. Sundial- Artikels, 1983, philosophiert Obama über Literatur, über T.S. Eliot und Thomas Münzer, mit korrektem Umlaut, in einwandfreiem Satzbau und perfekter Punktierung. Obama, von dem seine Kommilitonen berichten, er wäre an Columbia eher unter den schlechteren und fauleren Studenten gewesen, schreibt hier, als sei er ein Bücherverschlinger und sein eigentliches Fach die vergleichende Literarturwissenschaft:

„I haven’t read “The Waste Land” for a year, and I never did bother to check all the footnotes. But I will hazard these statements—Eliot contains the same ecstatic vision which runs from Münzer to Yeats. However, he retains a grounding in the social reality/order of his time. Facing what he perceives as a choice between ecstatic chaos and lifeless mechanistic order, he accedes to maintaining a separation of asexual purity and brutal sexual reality. And he wears a stoical face before this. Read his essay on Tradition and the Individual Talent, as well as Four Quartets, when he’s less concerned with depicting moribund Europe, to catch a sense of what I speak. Remember how I said there’s a certain kind of conservatism which I respect more than bourgeois liberalism—Eliot is of this type. Of course, the dichotomy he maintains is reactionary, but it’s due to a deep fatalism, not ignorance.”

Sehr erstaunlich für einen Schreiber, der schon bei der Singular/Plural- Bildung von Verben regelmäßig versagt. Also eigentlich völlig unglaubwürdig. Denn Maraniss bleibt bisher den Fakt schuldig, ob er die Briefe selbst gesehen hat, ob es Kopien oder Originale waren, handgeschrieben oder getippt. Es wäre nicht das erste mal, dass Maraniss biografische Fakten zugunsten Obamas falsch darstellt, er tat dies bereits im Wahlkampf 2008, als es Zweifel zu Obamas Familiengeschichte zu zerstreuen galt.

Worum geht es also letztendlich? Die Geschichte von Obama als dem klügsten Präsidenten muss um jeden Preis aufrecht erhalten werden. Es ist Geschichte im Sinne des Wortes narrative. Die zur Wahrheit gewordene Nacherzählung. Das, was Journalisten und andere Lobbyisten aus einem Ereignis machen, durch den richtigen spin. Obamas narrative wurde konstruiert, um ihn ins Amt zu heben und anschließend seiner Politik die Aura des Pragmatischen und Innovativen zu geben. So konnten alle Schwierigkeiten auf dem Weg in das bessere Obama- Amerika als Relikte des dummen Bush deklariert werden.

Nach der Wahl 2008 war die Presse fortan wie berauscht von Obama. Es hieß, das Land erlebe mit seiner Präsidentschaft seinen größten Segen. Es erschienen Bücher, die ein goldenes Zeitalter anbrechen sahen. Der Chef von Newsweek meinte, Obama stehe über der Welt, er sei eine Art Gott. Es erschienen immer mehr Fotos von Obama mit einem Heiligenschein – dem Präsidentensiegel unscharf im Hintergrund.

An dieser Überhöhung hat Obama von Anfang an mitgearbeitet. Das Emblem seines Bewusstseins um seine eigene Besonderheit ist eine Rede kurz vor seiner Wahl. Sein Wahlsieg markiere, so Obama, „den Moment, da die Meere ihren Anstieg verlangsamen und der Planet begänne zu heilen.“  Nicht umsonst nennen ihn seine Kritiker den Chicago Jesus.

Dass Obama ein Narzisst ist, darüber sind sich in den USA eigentlich alle einig. Die einen nennen es die Berufskrankheit des Politikers, die anderen pathologisch. Das auffälligste Beispiel seines Narzissmus lieferte Obama gleich zu Anfang seiner Präsidentschaft, bei seinem ersten Besuch in England. Sein Gastgeschenk für die Queen war ein i-pod, gefüllt mit Reden und Fotos von sich selbst. Zur Qualität seiner Mitarbeiter sagt er: „Ich mache alles besser als die Leute, die ich dafür anstelle.“ Zu einer Gruppe jüdischer Lobbyisten (vor zwei Wochen): „Ich weiß vielleicht mehr über das Judentum als jeder andere (vorige) Präsident, weil ich darüber gelesen habe.“ Adams und Madison sprachen hebräisch, doch das zählt nicht für The One. Über die US- Streitkräfte: „wenn ich an die Soldaten denke, ….die dort draußen in meinem Auftrag kämpfen“ Und gerade hat Obama, auf der offiziellen Internetseite des Weißen Hauses, die Lebensläufe aller Präsidenten seit Calvin Coolidge (1923-29) ergänzen lassen, mit Hinweisen auf seine eigenen politischen Leistungen bzw. Absichten. Obama erscheint als der Vollender alles Guten, was frühere Präsidenten noch nicht vollbrachten.

Die Liste der Selbstbeweihräucherungen ist lang, und fast täglich kommen neue hinzu. George Will, Kolumnist der Washington Post, drückte es kürzlich so aus: „Wenn man von Obamas Wortschatz das Wort „Ich“ entfernen würde, würde er verstummen, was ein Segen für uns und tatsächlich ein Dienst für ihn wäre; denn er war in den letzten drei Jahren dermaßen unmäßig (incontinent) mit seinen Redeauftritten, dass er inzwischen, wie in der Ohio University, vor leeren Stühlen spricht.“

Denn Obama und seine Frau Michelle sind im Dauerredeeinsatz, sie sind das am häufigsten im Fernsehen aufgetretene Präsidentenpaar in der Geschichte der USA. Sie schafften 195 Auftritte in nur acht Jahren. Mehr als Ronald und Nancy Reagan in 85 Jahren, und da sind ihre 99 Filmauftritte schon mitgezählt. Obama führt auch weitere Statistiken an: er wird die beiden teuersten Wahlkämpfe in der Geschichte des Landes geführt haben, er hat schon jetzt so viele Fundraising- Dinners absolviert, wie die letzten sechs Präsidenten vor ihm zusammen. Ja, und was den narrative vom am härtesten arbeitenden Präsidenten betrifft: kein Präsident vor ihm liebte es so zu zeigen, wie cool er mit dem Amt umgeht: sein offizieller Tagesplan beginnt derzeit oft erst um 10 Uhr. Kein Präsident machte so viel Urlaub wie er, keiner spielte so viel Golf wie er, 98 Runden, 1764 Löcher, und keiner feierte im Weißen Haus mehr Partys als er.

Dass in seine Amtszeit auch die schlimmsten 30 Monate der Arbeitslosenstatistik der letzten 25 Jahre fallen, und Obama am Ende seiner Amtszeit so viel Schulden gemacht haben wird, wie alle 43 Präsidenten vor ihm zusammen, erscheint seinen Schönrednern und -schreibern, vom Großteil der amerikanischen Medien bis zu den fleißigen copy-and-paste- Ideologen in Deutschland (allen voran im Spiegel) wie ein schwer zu erklärender Betriebsunfall. Anhand der anhaltenden wirtschaftlichen Misere gibt es jetzt schon erste Stimmen, die sagen, Obama sei wahrscheinlich zu intelligent, zu intellektuell und zu einfühlsam für das Amt.

Neben seinen Fähigkeiten als Schriftsteller, leitet sich die Geschichte von Obamas Intelligenz aus seinen Redekünsten ab. Wie ist es darum bestellt? Auch hier erleben Obama- Fans eine böse Überraschung: seine Reden haben, mit dem Flesh- Kincaid- Test wissenschaftlich genau untersucht, sprachlich ungefähr das gleiche Niveau, wie die Reden von George W. Bush (ca. 7 Punkte, die Reden von Reagan lagen bei 9 Punkten und waren von ihm selbst geschrieben, am höchsten war das sprachliche Niveau bei Kennedy, mit bis 10.5 Punkten). Was Obama wirklich gut macht, ist die Verwendung des Teleprompters. Er benutzt ihn überall, sogar wenn er in Grundschulen vor Achtjährigen spricht. So entstand eine konsistente Illusion seines Rednertums. Er spricht wie frei, ganz empathisch und energisch. So entstand der Eindruck, er sei ein guter Redner.

Doch in freier Rede versagt Obama seinem narrative. Er stockt, stottert, und macht ganz fürchterliche Fehler. Es gibt weltweit wahrscheinlich keinen Politiker, bei dem der Unterschied zwischen freier und abgelesener Rede so groß ist. Dies ist auch der Grund, warum es viele Fernsehauftritte mit vorbereiteten Ansprachen, aber sehr wenig Pressekonferenzen mit Obama gibt. Denn spontan spricht er von 57 amerikanischen Bundesstaaten, von countries like Europe, dass Hawaii zu Asien gehört, nennt die Falklandinseln (span.: Malvinas) die Malediven, redet von der österreichischen Sprache, dass die Afghanen arabisch sprechen, dass die Muslime den Kompass erfunden haben, und die USA das Auto. Bei einer Wahlkampfrede in Minnesota, vor ein paar Tagen, beschrieb Obama, was Familien mit mehr Geld in der Tasche alles tun könnten: „vielleicht würde jemand ein Dingsbums (thingamajig) für seinen Brennofen austauschen.“ Diese Rede steht jetzt bei YouTube unter dem schönen Namen „Obamas Wirtschaftsprogramm: kauft ein Dingsbums.“

Deutlich schlimmer sind die Ausrutscher aus der Kategorie absichtliche Geschichtsfälschung: „Ich hatte einen Onkel, der gehörte zu den amerikanischen Truppen, die als erste Auschwitz befreiten.“ Nichts an dieser Geschichte, die Obamas historisches Bewusstsein beweisen soll, stimmt: die Russen befreiten Auschwitz, es war sein Großonkel, und der befreite ein Lager, das ein halbes Jahr Außenposten des KZ Buchenwald war, Ohrdruf in Thüringen, 700 km weiter westlich. Obama weiter: „Mein Vater diente im Zweiten Weltkrieg, und als er nach Hause kam, bekam er alle Versorgung, die er brauchte. Und dies beinhaltete, unter Anderem (eine Behandlung gegen) posttraumatisches Stress Syndrom.“ Wieder stimmt gar nichts: Obamas Vater ist 1936 geboren (sein Stiefvater ein Jahr früher), war am Kriegsende neun Jahre alt, lebte 1945 in Kenia, und Behandlungen gegen PTSD gab es erst Jahrzehnte später.

Gänzlich unverständlich sind solche Ausrutscher, wenn Obama nach einem Wirbelsturm in Kansas von 10.000 Toten spricht, es aber nur elf (11) Opfer gab. Und wie ist es zu erklären, dass Obama gerade, in zwei Reden hintereinander, von „meinen Söhnen“ sprach, jeweils zweimal? Also viermal „meine Söhne“ sagte, wo er doch nur Töchter hat? In der Welt der Teleprompter passieren merkwürdige Dinge. Am St. Patrick’s Day 2009 war der irische Premierminister Brian Cowen im Weißen Haus zu Gast. Zuerst sprach Obama, dann Cowen. Nach einigen Sätzen fiel dem Iren auf, dass er Obamas Rede las. Obama kehrte ans Podium zurück, der Teleprompter wechselte nun aber zur Rede von Cowen. Obama las unbeirrt auch die gesamte Rede seines Gastes, bis zum Schluss, bis er sich dann selbst dankte.

 

Zuletz gibt es die Kategorie der Versprecher, die gar keine waren. Die Jüngste produzierte gerade einigen politischen Wirbel: vergangene Woche sprach Obama, in der Laudatio für den polnischen Nazi-Widerstandskämpfer Jan Karski, von „polnischen Todeslagern.“ Gemeint waren die Lager der Nazis im besetzten Polen. Für Obama war die Sache, mit einem Satz  seines Pressesprechers von einem „einfachen, bedauerlichen Versprecher“ zunächst erledigt. Doch Staatspräsident Komorowski und Ministerpräsident Tusk erwarteten eine formelle Entschuldigung des Präsidenten. Denn der Versprecher war abgelesen vom Teleprompter (und steht auch so im Transkript auf der Webseite des Weißen Hauses). Er reflektiert also das historische (un-) Verständnis des Präsidenten und seiner Redenschreiber. Zudem lehnte das Weiße Haus die offizielle Anfrage Polens, Lech Walesa möge den Preis für Karski entgegennehmen, ab. Mit der Begründung, Walesa sei „zu politisch.“ Die Polen erinnern sich auch noch gut daran, dass Obama die Streichung des Raketenschutzschildes in Tschechien und Polen ausgerechnet am 17. September 2009, dem 70. Jahrestag der sowjetischen Invasion Polens, bekanntgab. Man sagte, der Termin sei ein Zufall. Die „polnischen Todeslager“ waren zu viel, die Polen nun richtig sauer. Komorowski schrieb einen höflichen Brief, Tusk griff zur Ironie: „Ich bin mir sicher, dass sich unsere Amerikanischen Freunde nun eine deutlichere Reaktion gönnen können, als den schlichten Ausdruck des Bedauerns durch den Sprecher des Weißen Hauses – eine Reaktion, die darauf abzielt solche Irrtümer ein für alle Mal zu beseitigen.“ Man hatte sich also in der Tragweite dieses Versprechers grandios verschätzt. Im weißen Haus des klügsten Mannes war die oft beklagte US-amerikanische Ignoranz und Arroganz bezüglich europäischer Geschichte und Politik am Werke. Nun schrieb Obama einen Brief, der in Polen sogleich veröffentlicht wurde. Dort heißt es: „Ich bedauere diesen Irrtum und stimme zu, dass dieser Moment die Möglichkeit birgt, sicher zu stellen, dass diese und alle zukünftigen Generationen die Wahrheit kennen.“ Der Staatspräsident zeigte sich nun zufrieden, doch für Obama war die Sache noch nicht beendet. Es war ihm wichtig, mittels seines Pressesprechers, zu betonen, dass der Brief keine Entschuldigung beinhalte, nur Bedauern.

 

Dieser Präsident hat schon so viel dummes Zeug gesagt, und noch immer ist er der klügste von allen. Ronald Reagan war ein „liebenswerter Schwachkopf“, Bush war „der dümmste Präsident aller Zeiten.“ Der narrative von Präsident Dingsbums ist immun gegen die Wirklichkeit.

 

Worin sich alle einig sind, auch seine ärgsten Kritiker, ist, dass Obama schlau ist. Schlau im Sinne von clever und sly. Er führte 2008 einen klugen Wahlkampf, präsentierte sich als Mann der Mitte, getrieben von Pragmatismus, nicht von Ideologie. Der Rest zum Erfolg war ein schwacher Gegner und die eigenen TV- Qualitäten, gutes Aussehen, gutes Reden, umgeben vom Nimbus hoher Intelligenz. Die Presse, deren quasi- verfassungsmäßige Aufgabe es ist, den Kandidaten zu durchleuchten, half mit. Sie war immer bereit, unliebsame Details, die das perfekte Bild störten, schönzureden oder zu beschweigen; Störungen im narrative, wie Bill Ayers, Tony Rezko, ACORN, Frank Marshall Davis, Reverend Wright, Khalid Al-Mansour, wurden ignoriert. Im Falle der herzlichen Beziehung Obamas zu dem Terrorunterstützer Rashid Khalidi ging die Los Angeles Times so weit, ein exklusives Video zurückzuhalten, denn dieses sei „nicht Nachrichten- würdig.“ Dass Obama aus einem durch und durch korrupten Umfeld kam und eine radikal- linke Vergangenheit hat, also alles andere als der pragmatische Mann der Mitte war, passte nicht zum Bild der neuen Heilsfigur.

 

Stattdessen gab es Körpermetaphorik, wie die des angesehenen – bei der New York Times als konservativ geltenden - Kolumnisten David Brooks: „An ein Bild erinnere ich mich noch genau, wir saßen bei ihm (Obama) auf der Couch und ich betrachtete sein Hosenbein und seine perfekte Bügelfalte, und dachte mir: er wird Präsident werden, und er wird ein sehr guter Präsident sein.“ Dies beschreibt das Niveau, auf dem das Durchleuchten stattfand. Man hatte sich entschieden, alles würde gut werden, denn Obama gehörte vermeintlich derselben Klasse an, wie die Presse: der intellektuellen Elite der Küstenstädte.

 

Zudem bot die Wahl eines Schwarzen einen sozialen Mehrwert – man konnte sich von der eigenen, imaginierten Rassenschande befreien. In Deutschland vom Anti-Amerikanismus - so pathologisch der Hass auf Bush in Demos, Leitartikeln und Parteitagsreden ausagiert wurde, so dankbar war man, ihn mit Obama ablegen zu dürfen. Nicht umsonst hat sich Obama Berlin ausgesucht, um mit einer Rede an das Volk, als neuer Führer (der freien Welt) vor der Siegessäule, sein außenpolitisches Portfolio zu konstruieren. Er wurde in der Presse, und dies weltweit, fortan als der Traum eines besseren Amerika gefeiert. Ein Amerika ohne militärische Entgleisungen und falschen Nationalstolz. Als das Gegenbild zur ach so dummen, weißen Landbevölkerung. Ein so attraktiver Präsident, der nicht nur klug sondern auch schwarz ist. Cool und sexy - die Welt erträumte sich das Politiker-Topmodel.

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Gegen diesen Trend hat sich die Initiative Familienschutz mit der Sprecherin Hedwig von Beverfoerde kurz vor der Wahl zum Bundestag 2009 gegründet mit dem Ziel, Familien in der Politik eine Stimme zu geben. Sie sollten nicht mehr nur Objekt von mehr oder (meist) weniger wohlwollendem politischem Handeln sein, sondern selber mitmischen und ihre Interessen zur Geltung bringen.

Am 14. Mai veranstaltete die Initiative vor zahlreich erschienenem Publikum in Berlin-Mitte das erste Forum Familie, auf dem vor allem eines sehr deutlich wurde: Die Zeit ist reif für eine echte Familienrevolution!

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