Rekordexporte der Unternehmen, steigende Beschäftigung, konsumfreudige Verbraucher und sprudelnde Steuereinnahmen - trotz der chronischen Schuldenkrise in Europa sind die Wirtschaftsdaten für Deutschland so günstig wie nie seit der Wiedervereinigung.
Was ist der Grund für die Baby-Baisse in Deutschland? Über viele Jahre transportierten die Medien unermüdlich die immer gleiche Botschaft: Der Hauptgrund für die niedrigen Geburtenraten sei die fehlende „Vereinbarkeit" von Beruf und Familie.
In ihrer Meinungsfreude und ihrem Sendungsbewusstsein zeigen sich deutsche Ökonomen unerschütterlich: Zwar haben sie weder den Zusammenbruch der sozialistischen Staatswirtschaften Ende der 1980er Jahre noch den amerikanischer Investmentbanken 2008 und die folgende Finanzkrise vorausgesehen; ihr prognostisches Versagen hindert sie aber nicht im Geringsten daran, lautstark ihre Rezepte zur Gesundung schwächelnder Volkswirtschaften auf dem Meinungsmarkt feilzubieten.
Schon vor Jahrzehnten erkannte der Starökonom Paul Samuelson: Der „homo oeconomicus" zeugt keine Kinder. Monetär betrachtet ist es einfach irrational Kinder zu bekommen: Allein die Ausgaben für ihren Grundbedarf erreichen über die Jahre Hundertausende Euro; der eigentliche materielle Verzicht ist damit aber noch gar nicht beziffert: Sofern Eltern ihre Kinder eigenhändig betreuen, verzichten sie auf Erwerbseinkommen; wenn sie ihre Kinder in die Obhut Dritter geben, zahlen sie oft hohe Beiträge.
In den Kulturkämpfen der „Bewusstseinsindustrie” (Hans M. Enzensberger) sind Wörter die schärfsten Waffen: Ist einmal das richtige „Label” verpasst, verdrängt das ideologische Klischee immer mehr die Wirklichkeit.