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25.05.2013
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     Horst Hennert
Email:   h.hennert@erziehungstrends.de
Blog:  www.erziehungstrends.de

Horst Hennert, geb. 1943 in Bad Godesberg; Studium der Germanistik, Philosophie und kath. Religion in Bonn und Köln; Referendarzeit in Düsseldorf: seit 1971 Geschäftsführer der Fördergemeinschaft für Schulen in freier Trägerschaft; Herausgeber der pädagogischen Schriften die „Gelbe Reihe“ und von www.erziehungstrends.de Derzeit Leiter des Bildungszentrums Feldmark in Berlin.

 
RSS Blogeinträge von Horst Hennert

 
Was lehrt Sitzenbleiben?
5  Kommentare | Posted 21.02.2013 13:03

Die Aufgabe der Schule

Schule hat in erster Linie die Aufgabe, den Schülern ein Wissensfundament für ihren späteren Beruf zu vermitteln und ihre Persönlichkeit so auszubilden, dass sie zu selbständig denkenden und handelnden Menschen in ihrem Leben werden können. In den Landesverfassungen ist dies unter den Bildungs- und Erziehungszielen zusammengefasst. Um festzustellen, ob man ein Ziel erreicht hat, muss man die Möglichkeit haben, die eigene Leistung an den Zielvorgaben zu messen, und bei Noch-Nicht-Erreichen des Zieles muss die Möglichkeit eines erneuten Versuchs gegeben sein. Das Sitzenbleiben, d.h. das Wiederholen des Stoffes einer Klassenstufe, in der man das Ziel nicht erreicht hat, ist eine Möglichkeit dazu. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Sitzenbleiben für viele Schüler in diesem Sinne hilfreich ist.

Was uns der gesunde Menschenverstand lehrt

Jeder hat es in der eigenen Kindheit erlebt und kann es vielleicht auch an eigenen Kindern erneut feststellen: Für Kinder ist der Anreiz, etwas zu leisten, gefordert zu werden, sich zu verbessern, etwas dazu zu lernen, etwas ganz Entscheidendes. Jeder Wettkampf lebt davon und macht Kindern auch deshalb Freude: sich mit den eigenen, früheren Leistungen und denen der anderen zu messen. Die meisten kindlichen Spiele enthalten diese Spannung, die offensichtlich der natürlichen Neigung des Menschen entspricht. Nimmt man diesen Anreiz weg, fehlt die Motivation sich anzustrengen. Es geht daher an der Wirklichkeit des Menschen vorbei, wenn man glaubt, Schüler alleine von der Sache her motivieren zu können.
Selbst uns Erwachsenen fällt das oft schwer. Machen wir doch oft die Erfahrung, dass wir leistungsstärker sind, wenn wir unter Zeit- oder anderem Druck stehen. Offensichtlich gehört es zu unserem Menschsein, dass wir nicht immer gemäß unserer Erkenntnis handeln, sondern von Bequemlichkeit, Lust etc. beeinflusst werden. Das ist aber bei Schülern nicht anders. Daher kann ihnen die Motivation helfen: Wenn du dich nicht anstrengst, bleibst du sitzen.

Vorbereitung auf die Lebenswirklichkeit

Den Kindern vorzugaukeln, dass das eigene Verhalten keine Konsequenzen hat, bedeutet, sie für das Leben untauglich zu machen, weil unsere Lebenswirklichkeit nun einmal anders aussieht. Das Leben muss sie dann lehren, dass man nicht immer in Watte eingepackt wird, dass wir in einer Leistungsgesellschaft leben, in der sich nur diejenigen bewähren werden, die bereit sind, ihr bestes zu geben. Warum sollen den Kindern diese Einsichten vorenthalten werden?
Wenn für das Nicht-Erreichen des Klassenziels ausschließlich den Lehrern die Schuld gegeben wird, werden diese Jugendlichen in ihrem späteren Leben für Misserfolge die Schuld auch immer bei anderen, bei den Umständen etc. suchen. Natürlich werden gute Lehrer immer versuchen, alle Fähigkeiten der Schüler optimal zu fördern. Aber der Schulalltag lehrt, dass die Schüler auch bereit sein müssen, dabei mitzuwirken. Und manche Schüler sind eben nicht oder nicht immer dazu bereit. Dann müssen sie erfahren, dass das für sie Konsequenzen hat, z.B. dadurch dass sie Sitzenbleiben.
In den Diskussionen wird das von den Gegnern des Sitzenbleibens als Bestrafung angesehen. Es geht aber nicht um Bestrafung sondern um Einübung in die Wirklichkeit: Wenn ich nicht lerne, kann ich nicht weiterkommen. Wenn ich mich nicht anstrenge, werde ich sitzen bleiben. So ist es im wirklichen Leben. Und darauf soll die Schule vorbereiten, sonst verfehlt sie ihr Ziel.
Das Argument der Gegner, dass die 2% Wiederholer einer Klasse alle einen psychischen Schaden davontragen, entbehrt jeder Sachlichkeit, wie aus den Biographien sitzengebliebener Politiker, Wissenschaftler, Showmaster etc. hervorgeht. Leider gibt es keine Statistik darüber, wie viele Schüler ihre Leistung verbessert haben, um einem Sitzenbleiben zu entgehen. „Blaue Briefe“, früher als Warnung verschickt, haben viele Schülern zu einem Leistungsschub motiviert. Die Erkenntnis, dass man ohne Anstrengung kein Ziel erreichen kann, gehört zu den wichtigen Lebenserfahrungen. Und die sollte man Schülern nicht vorenthalten.

www.Erziehungstrends.de

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Geschenk-freie Weihnacht?
1  Kommentare | Posted 21.12.2012 09:43

Den Blick auf das Eigentliche von Weihnachten

In vielen Familien, in denen Kinder sind, türmen sich an Weihnachten die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum. Oma und Opa wollen nicht zurückstehen, Tanten und Onkel fühlen sich auch verpflichtet, etwas beizusteuern, obwohl ihnen ausdrücklich gesagt wurde: die Kinder bekommen schon so viel. Und so bleibt der Blick auf die Krippe, wo denn noch eine vorhanden ist, verstellt.

Aber nur, wo der Blick auf das Kind in der Krippe für Kinder wie Erwachsene nicht zugestellt ist, bleibt die Chance, das Eigentliche von Weihnachten wahrzunehmen: Gott der Mensch geworden ist, der uns nicht irgendetwas, schon gar nicht etwas Materielles, sondern sich selbst geschenkt hat. Den Blick für das einmalige und einzigartige Ereignis, das vor gut 2.000 Jahren auf unserem Erdball geschehen ist, wieder frei zu bekommen, das erst ermöglicht, Weihnachten zu feiern.

Geschenke, die uns etwas kosten: Zeit

Wenn wir dem Beispiel des Kindes in der Krippe folgen wollen, und das ist an seinem Geburtstag doch angebracht, dann sollten wir davon lernen: den anderen etwas schenken, Ja, aber uns selbst, etwas von uns, was uns sehr wertvoll ist.

Wertvoller als Geld ist für die meisten Menschen: Zeit. Sie ist uns so kostbar, weil sie meist ein knappes Gut ist. Wenn wir es verschenken, dann geben wir etwas von uns. Etwas Wertvolles, das wir sonst für uns gebrauchen würden. Mit diesem Geschenk zeigen wir am besten, wie wichtig uns der andere ist.

Welche Freude könnte es bei Kindern oder bei Ehepartnern auslösen, wenn der eine dem anderen Zeit schenkt. Wenn die vielbeschäftigten Eltern ihren Kindern ein Gutscheinheft unter den Weihnachtsbaum legen, in dem die Kinder über so und so viele Wochenende oder Abende ihrer Eltern verfügen können. Die Eltern können auch schon Vorschläge je nach Alter der Kinder machen: ein Spielenachmittag, ein Ausflug, ein Zoobesuch, eine Wanderung mit Übernachten im Zelt, einmal zusammen Kuchen backen, ein Fußballspiel besuchen, Schlitten fahren oder einen Drachen basteln und steigen lassen usw. Wie würde sich das Familienleben in vielen Familien verändern, wenn Kinder so etwas zu Weihnachten für das ganze nächste Jahr bekämen!

Auch die Kinder können je nach Alter ihren Eltern etwas schenken: ihr Zimmer aufräumen, beim Waschen oder Bügeln helfen, das Frühstück am Sonntag vorbereiten, den Mülleimer leeren, die Spülmaschine ausräumen usw. Wenn Kinder es ihren Eltern schenken, dann verlieren diese ungeliebten Tätigkeiten sogar viel von ihrer Unannehmlichkeit.

Und wenn sich die Eheleute für jede Woche einen gemeinsamen Abend mit einem gemütlichen Abendessen schenken, oder einen gemeinsamen Konzert- oder Theaterbesuch, einen gemeinsamen Einkaufnachmittag, einige Stunden Hilfe im Haushalt oder im Garten usw., dann wird das sicher belebend auf den Zusammenhalt der Eltern wirken.

Auch Großeltern und andere nahe Verwandte sind sicher sehr davon angetan, wenn sie zu Weihnachten ein Bonus-Heft mit Besuchen und Einladungen erhalten, für eine gemeinsame Familienunternehmung, bei der sie willkommen sind (nicht nur am Geburtstag), für einen Ausflug oder Ähnliches..

Wäre es nicht einen Versuch wert, an Weihnachten Zeit zu verschenken?

 

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Erziehungstrends.de.

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Was können wir aus dem Düsseldorfer Fußball-Chaos lernen?
0  Kommentare | Posted 18.05.2012 12:18

Sind es aber nicht gerade diese Situationen, die uns zeigen, wie anfällig unsere Demokratie ist, wenn sich plötzlich viele nicht mehr an die Spielregeln halten? Warum werden,gegen jede Vernunft die Grundlagen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens zur Disposition gestellt? Wo die Brüchigkeit unserer Fundamente zutage tritt, macht sich Erschrecken breit.

Über die jüngsten Ausschreitungen auf den Fußballplätzen in Düsseldorf und Karlsruhe wird noch eine Weile heftig diskutiert werden. Es wird nach Schuldigen gesucht: Die Ordner, die Polizei, der Schiedsrichter, vielleicht überhaupt die Tatsache, dass sich in zwei Spielen entscheiden soll, in welcher Klasse ein Verein in der nächsten Saison spielen wird... In Düsseldorf soll die Polizei die Berliner Spieler darum gebeten haben, wieder auf den Platz zu kommen, aus Angst davor, dass sonst eine Eskalation eintreten könnte, die nicht mehr zu kontrollieren sei. Angst wovor? Vor einigen Hooligans, die gewaltbereit ihre Bühne suchten? Oder davor, dass friedliche Familienväter sich von einer Massenhysterie mitreißen lassen könnten in eine „Schlacht mit unsicherem Ausgang“? Wieso können einige wenige Chaoten wirklich ein ganzes Stadion massenhysterisch vereinnahmen?

Die Rauchbomben und bengalische Feuer entzündenden Gewaltbereiten waren umgeben von vernünftigen, ruhigen, besonnenen, echten Fußballfans, die diese Ausschreitungen nicht verhindern konnten oder wollten. Aus Angst? Oder haben sie sich mitreißen lassen, wie am Ende, als das Spielfeld vorzeitig gestürmt wurde – und das nicht nur von Chaoten?

Eine Chance zum Nachdenken

Als in Duisburg vor einem Jahr in Massenhysterie Menschen totgetrampelt wurden, ging ein Aufschrei durch die Republik. Nachdem man glaubte, die Schuldigen gefunden zu haben, konnte man wieder zur Tagesordnung übergehen. Nach Düsseldorf und Karlsruhe kann sich dasselbe Zeremoniell abspielen. Als am 1. Mai in Berlin bei den jährlichen „Gewaltfestspielen“ über 100 Polizisten verletzt wurden, feierte der Berliner Senat das als einen großen Erfolg.

Ist es nicht an der Zeit, sich nach den Ursachen zu fragen, die solchen unsere Gesellschaft zerstörenden Tendenzen zugrunde liegen?

Noch nie wurden in unseren Schulen so viele „Streitschlichter-Kurse“ angeboten und „Gewalt verhindernde Maßnahmen“ ergriffen, noch nie so viel von Toleranz gesprochen wie heute. Das alles scheint nicht zu greifen. Warum? Vielleicht führen die neuesten Ereignisse zum tieferen Nachdenken? Vielleicht fragen sich doch einige: Haben wir einen falschen Begriff von Toleranz? Lassen wir zu vieles zu, ohne dass es Konsequenzen für die Täter hat? Hat Toleranz nicht dort seine Grenzen, wo sich das Verhalten anderer gegen die Grundlagen unserer Gesellschaftsordnung richtet? Sind wir noch davon überzeugt, dass es sich lohnt, sich für die Werte von Freiheit, Gerechtigkeit, Verständnis und Rücksicht für andere, also Nächstenliebe, einzusetzen?

Ohne Zivilcourage geht es nicht

Eine Gesellschaft, die unsicher geworden ist, welches ihre Grundwerte sind, auf denen ihr Zusammenleben beruht, verliert die Kraft, sich für diese Werte unter Inkaufnahme eigener Nachteile einzusetzen. Eltern werden dann ihre Kinder nur noch zögerlich auf Werte festlegen und sie einfordern, in der Schule bleiben sie unverbindlich und beliebig, in der Gesellschaft werden sie ausgehöhlt. Wenn dann Situationen entstehen, wie in Düsseldorf, wo das Eintreten für Ruhe und Ordnung, für Rücksichtnehmen und Verständnis, eine große Entschiedenheit von der „schweigenden Mehrheit“ verlangte, die im Stadion sicher vielhundertfach überlegen war – dann versagt sie, wenn der einzelne es nicht mehr gelernt hat, sich couragiert und überzeugt für unsere Werte einzusetzen.

Die christliche Tugend der Tapferkeit besteht mehr im Standhalten als im übermütigen Angreifen, im Sich-Einsetzen für die eigenen Überzeugungen mit der Bereitschaft, für dieses hohe Gut persönliche Nachteile in Kauf zu nehmen. Ihre säkulare Schwester, die Zivilcourage, lebt von denselben Voraussetzungen: Nur da, wo eine feste Überzeugung durch Erziehung, Bildung und Vorbilder verinnerlicht werden konnte, gibt es die Bereitschaft, für diese Überzeugung mutig einzutreten.

Hoffen wir, dass auch solche Überlegungen bei der Verarbeitung der jüngsten Ereignisse eine Rolle spielen.

 

Beitrag erschien zuerst bei www.erziehungstrends.de

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Beckenbauer, Schäuble, Stoiber etc. gratulieren Papst Benedikt XVI. zum 85. Geburtstag
2  Kommentare | Posted 27.03.2012 15:47

Es ist ein beeindruckendes Mosaik entstanden, das dem unvoreingenommenen Leser diese herausragende Persönlichkeit näher bringt. Einige Prominente sollen hier kurz mit ihren Aussagen vorgestellt werden.

Nachwirkungen seiner Deutschlandbesuche

Besonders bei den Politikern, die sich in diesem Buch äußern, hat der Besuch des Papstes im September 2011 in Berlin, Erfurt und Freiburg Spuren hinterlassen. So nahm Finanzminister Wolfgang Schäuble die Rede des Papstes im Bundestag mit der salomonischen Bitte um ein „hörendes Herz“ gerne als einen Hinweis an christliche Politiker auf, sich der eigenen Begrenztheit bewusst zu bleiben und seiner Verantwortung, die jeder vor Gott hat.

Christine Lieberknecht, Thüringens Ministerpräsidentin, sieht in einem sehr persönlichen Zeugnis die große Bedeutung des Papstbesuches im Eichsfeld für die Christen dort als eine besondere Anerkennung ihres Durchhaltevermögens in der DDR-Zeit. „Der Papstbesuch wirkt in Thüringen nachhaltig“, weiß sie zu berichten.

Stärker vom Besuch in Bayern 2006 geprägt sind die persönlichen Erlebnisse von Edmund Stoiber, der beim Papstbesuch noch bayerischer Ministerpräsident war und von Peter Gauweiler MdB, die Josef Ratzinger schon als Kardinal von München hautnah erlebt haben. Der Satz des Papstes: „Mein Herz schlägt bayerisch. In meinem Amt gehöre ich der Welt“, lässt sie stolz seine Heimatverbundenheit erkennen, die weiterhin gilt.

Sportler und der Papst

„Ich habe schon viele große Persönlichkeiten getroffen, aber diese Begegnung war etwas ganz Besonderes, sicher einer der bewegendsten Momente in meinem Leben, den ich nie vergessen werde“, so Franz Beckenbauer, nachdem er auf dem Petersplatz dem Papst den offiziellen Wimpel der FIFA WM 2006 überreicht hatte. Und weiter: „Diese Begegnung mit Benedikt XVI. hat in meinem Leben etwas verändert. Ich gehe seitdem wieder häufiger in die Kirche...“

Maria Höfl-Riesch, eine der erfolgreichsten Skirennläuferinnen der Welt, wünscht sich, „ihn einmal persönlich zu treffen“, was ihr bisher noch nicht gelungen ist. Aber auch für sie hat es eine große Bedeutung, dass der Papst Deutscher und dazu Bayer ist, was sie nach seiner Wahl dazu veranlasst hat, sich bewusster mit ihrem Glauben zu beschäftigen.

Übereinstimmende Wertschätzung

Ob es nun Kirchenleute sind, von denen man es erwarten konnte, oder Professoren oder Personen aus der Wirtschaft, alle sind sich einig darin, dass mit Benedikt XVI. einer der größten Theologen unserer Zeit, aber zugleich auch einer der demütigsten und gewinnendsten Persönlichkeiten den Stuhl Petri inne hat. Seien es die Beiträge der Kardinäle Meisner, Koch oder Marx, die sich jeweils in einem kleinen Traktat mit Aspekten seiner Theologie auseinandersetzen, oder dir Professoren Gerl-Falkovitz und Münch, die seine Veröffentlichungen und Reden näher beleuchten – das Ergebnis ist jeweils dasselbe: keiner bleibt unbeeindruckt von der Wucht seiner argumentativen Auseinandersetzung von Glaube und Vernunft und bei jedem hinterlässt die einnehmende, herzliche Persönlichkeit des Papstes bei persönlichen Begegnungen tiefe Spuren.

Dem Privatsekretär des Papstes, Prälat Dr. Georg Gänswein, ist als Herausgeber des Buches nicht nur ein schönes Geburtstagsgeschenk für den Papst gelungen, sondern ein wichtiger Beitrag, mit dem er einen unserer größten deutschen Zeitgenossen in das ihm gebührende, rechte Licht rückt.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Erziehungstrends.de

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Unsere Kinder - die gehetzten Wesen
0  Kommentare | Posted 26.03.2012 10:58

Kinder zwischen elterlichem Ehrgeiz und eigenen Bedürfnissen

Häufige Medienhinweise auf die Bedeutung frühkindlicher Förderung haben bei vielen Eltern die Sorge geweckt, sie könnten ihrem Kind eine Zukunftsperspektive vorenthalten, wenn sie ihm nicht schon möglichst früh Zugang zu Angeboten an Sport, Musik, Sprachen etc. verschaffen. Die Folge davon ist, dass die Pflicht-Termine zunehmen und die persönliche, kreative Freizeit immer mehr abnimmt. Kinder brauchen aber unverplante Zeit zum Spielen, Erfinden, eigene Ideen zu verwirklichen. Wenn sie immer nur auf Anstöße von außen reagieren, bleibt zu wenig Raum für ihre eigene Kreativität, die sich nur in Freiräumen ungestörter Ruhe entwickeln kann.

Wer kleinen Mädchen zugesehen hat, wie sie selbsttätig ihre ganze Phantasie in ein Puppenhaus stecken, oder Jungen, die beim Bauen einer Burg sich selbst als Ritter erleben, weiß, dass diese Zeiten schöpferische Fähigkeiten in einem Kind wecken, die sonst leicht auf der Strecke bleiben. Dazu brauchen sie Zeit, die nicht verplant ist, die nicht durch äußere Reize bestimmt wird. Mit dem Verschwinden des Wortes „Muße“ ist auch die Sache selbst untergegangen. „Zielloses Spielen“ ist eine der Arten, wie Kinder die vielen auf sie eindringenden täglichen Ereignisse verarbeiten.

Die eigene Persönlichkeit des Kindes fördern

Kinder sind genauso verschieden wie Erwachsene. Es gibt sehr aktive Kinder, die ständig in Bewegung sind, die voller Ideen und Plänen stecken, die aber oft nicht lange bei einer Tätigkeit bleiben, die immer auf der Suche nach etwas Neuem sind. Für diese wird es besonders wichtig sein, ihre Ausdauer und Beharrlichkeit zu fördern, ihre Ruhe und Gelassenheit. Ihnen muss man helfen, bei einer Sache zu bleiben, sie zu Ende zu führen, was oft nicht einfach ist.

Andere Kinder, die eher antriebsschwach bis träge sind, brauchen mehr Unterstützung von außen. Sie brauchen Anstöße, Anleitung, Hinweise, die sie dann umsetzen können. Für sie kann das Eingebundensein in die Aktivitäten anderer eine große Hilfe sein. Dabei ist besonders darauf zu achten, dass sie mitmachen, nicht am Rande stehen, wirklich in die Aktivitäten einbezogen sind.

Da die Eltern ihre Kinder aus eigenem, täglichen Erleben am besten kennen und zusätzlich Informationen aus Kindergarten oder Schule bekommen sollten, können sie auch am besten einschätzen, was ihre Kinder brauchen: ein Mehr an Aktivität oder ein Mehr an „Muße“. Sie merken am ehesten, welche besonderen Fähigkeiten in ihrem Kind schlummern, die geweckt werden können, und welche besonderen Begabungen es zu fördern gilt. Danach sollten sie bestimmen, ob und welche zusätzlichen Aktivitäten ihrem Kind –und in welchem Alter- wirklich gut tun.

Soziales Verhalten lernen

Besonderes Glück haben die Kinder, die in einer Familie mit Geschwistern aufwachsen. Denn sie lernen von Kindesbeinen an, dass sie sich auf andere einstellen müssen, sie lernen teilen, sich zurücknehmen, verzichten. Diese günstige Konstellation ist aus den verschiedensten Gründen aber in vielen Familien nicht mehr gegeben. In diesen Fällen ist es besonders wichtig, sich auf anderen Wegen soziale Kompetenzen anzueignen. Ein größerer Freundeskreis der Kinder, der von den Eltern durch ein „offenes Haus für andere“ sehr gefördert werden sollte, kann vieles ausgleichen. Besonders, wenn auch die Familien untereinander befreundet sind. Dann ergeben sich leicht gemeinsame Aktivitäten, Unternehmungen, Interessen und Hobbys. In diesen Fällen wird sich die Teilnahme an sportlichen, musischen oder sonstigen Vereinstätigkeiten aus den Interessen von gemeinsamen Freunden von selbst ergeben.

Wo das nicht der Fall ist, sollten Eltern darüber nachdenken, für welche Aktivitäten, die über Kindergarten und Schule hinausgehen, sie ihre Kinder gewinnen wollen. Dabei ist es wichtig, die Fähigkeiten der Kinder richtig einzuschätzen, um etwas zu finden, das ihnen auch Freude macht, auch wenn es eine schwierige Eingewöhnungszeit und zwischendurch „Durststrecken“ der Lustlosigkeit gibt. Kleine Erfolgserlebnisse im Verein, die das Selbstwertgefühl fördern, sind dabei wichtiger als die teuerste Fußballausstattung oder das beste Musikinstrument. Viel Ärger kann in der Familie vermieden werden, wenn erst einmal „versuchsweise“ die Teilnahme an Vereinstätigkeiten ausprobiert werden.

Wie viel ist zu viel?

Aus dem Gesagten sollte deutlich geworden sein, dass es keine allgemeine Antwort darauf geben kann, in welchem Alter wie viele Termine gut oder schlecht für ein Kind sind. Denn alle Kinder sind verschieden, somit auch ihre Fähigkeiten, mehrere Termine in der Woche in gesunder Weise in ihre Persönlichkeitsentwicklung integriert zu bekommen.
Untrügliche Zeichen dafür, dass der Terminkalender ein Kind überfordert, sind:

  • ein gehetztes, fahriges Verhalten des Kindes;
  • wenn es immer häufiger lieber zu Hause bleiben will und nur mit Druck der Eltern zu bewegen ist;
  • wenn sich bei ihm eine allgemeine Lustlosigkeit einstellt;
  • wenn es darüber klagt, nie Zeit für sich zu haben;
  • wenn seine eigene Initiativkraft verloren geht und keine Interessen mehr entwickelt werden;
  • wenn die ganze Familie von Terminen tyrannisiert wird.

Für Eltern ist es nicht leicht, sich gegen den „Leistungsdruck“ durch andere Eltern zu behaupten: „Unsere Tochter ist jetzt im Ballettunterricht“, „unser Sohn nimmt an einem Ausscheidungswettbewerb für Klavierspieler teil“, „unsere Tochter kann schon Englisch, bevor sie in die Schule geht“ usw. Für das eigene Kind ist nicht das Wichtigste, was andere tun. Eltern müssen mit dem Blick auf ihr Kind, dessen Fähigkeiten und Möglichkeiten unabhängig von anderen richtig einschätzen. Nur so können sie ihm gerecht werden und für eine gute Entwicklung seiner Persönlichkeit die richtigen Weichen stellen.

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Zeit für eine Familienrevolution

Bild: Podium beim Forum Familie
Bild: Podium beim Forum Familie

Die familienpolitischen Diskussionen in Medien, Politik und Verwaltung laufen immer stärker auf eine Zerschlagung und Vergesellschaftung der Familien hinaus. Oft wird beispielsweise auch in der Union angenommen, dass für die Aufzucht von Kindern nicht die Familie der beste Ort sei, sondern eine staatliche Kinderbetreuungseinrichtung.

Gegen diesen Trend hat sich die Initiative Familienschutz mit der Sprecherin Hedwig von Beverfoerde kurz vor der Wahl zum Bundestag 2009 gegründet mit dem Ziel, Familien in der Politik eine Stimme zu geben. Sie sollten nicht mehr nur Objekt von mehr oder (meist) weniger wohlwollendem politischem Handeln sein, sondern selber mitmischen und ihre Interessen zur Geltung bringen.

Am 14. Mai veranstaltete die Initiative vor zahlreich erschienenem Publikum in Berlin-Mitte das erste Forum Familie, auf dem vor allem eines sehr deutlich wurde: Die Zeit ist reif für eine echte Familienrevolution!

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"Wenn die anderen glauben, man ist am Ende, dann muß man erst richtig anfangen!" - Konrad Adenauer

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