Bücher sollen aussortiert werden

Zensur in Bibliotheken

Eine Zensur findet nicht statt. Heißt es. Auch nicht in Bibliotheken, die mit öffentlichen Geldern arbeiten. Da erst recht nicht. Oder doch? In Potsdam wird das Aussortieren von Büchern gefordert.

Symbolbild Bücher Pixabay
Veröffentlicht: | Kategorien: Nachrichten, Nachrichten - Lebenswelt, Startseite - Empfohlen, Startseite - Unterbühne | Schlagworte: Aktionsplan für Toleranz, Bibliotheken, Dachverband des Bibliotheks- und Informationsvereins, DIE aNDERE, 'Die Asyl-Industrie’, 'Finis Germania’, 'Kontrollverlust’ Verschwörungstheorie, Zensur
von

In Potsdam gibt es in der Stadtverwaltung eine linksalternative Fraktion, die sich ‚Die Andere’ nennt. Die korrekte Schreibweise führt ein kleines »a« im Schilde, sie nennen sich also: »DIE aNDERE« – hier stellen sie sich vor.

Die Fraktion hat, wie die Potsdamer Neuen Nachrichten melden, nachgefragt, ob es in der Stadt- und Landesbibliothek Bücher gibt, die »laut Kritikern mindestens rechtspopulistisches oder verschwörungstheoretisches Gedankengut vermitteln.«

In der Frage stecken schon verschiedene Fallstricke. Wer sind die Kritiker, die hier als ausschlaggebend gesehen werden? Sind sie es womöglich selber? Was heißt »mindestens rechtspopulistisch«? Gibt es auch »höchstens rechtspopulistisch«, das dann gerade noch durchgehen würde? Was heißt überhaupt Verschwörungstheorie? Was heißt »vermitteln«? In einer Bibliothek wird nur etwas angeboten; es wird nur etwas zur Verfügung gestellt. Ob es jemand annimmt, ist eine ganz andere Frage. Wenn ein Buch in einer Bibliothek steht, ist das noch keine Vermittlung.

Wie auch immer: Mehr als 20 »umstrittene« Bücher wurden genannt. Dazu gehören unter anderem ‚Finis Germania’, ‚Die Asyl-Industrie’ oder ‚Kontrollverlust’ – Titel also, die es auch in die Bestsellerliste geschafft haben und an denen öffentliches Interesse besteht.

Hier wird offenbar, was gemeint ist: Es geht um Kritik an der so genannten Flüchtlingskrise.

Die Fraktion DIE aNDERE wittert hier einen Widerspruch zu den »Zielsetzungen des Potsdamer Aktionsplanes für Toleranz sowie Demokratie und gegen Gewalt, Rechtsextremismus sowie Fremdenfeindlichkeit beim Literatur- und Medienbestand der Stadtbibliothek«. Demnach sollten solche Meinungsäußerungen »nicht unwidersprochen« stehen gelassen werden. Es wird ein »generell offensiver Umgang mit rechter Propaganda empfohlen«.

Das Thema sei schon lange Debattengegenstand im öffentlichen Bibliothekswesen, hieß es dazu. Der Dachverband des Bibliotheks- und Informationsvereins habe die Position, solche Titel »in geringem Umfang« anzubieten, spreche sich aber für den »ungehinderten Zugang zu Informationen aus« und lehne Zensur ab.

Die Fraktion DIE aNDERE findet die Antwort »unbefriedigend«, sie zeige, dass »keinerlei Problembewusstsein bei Stadtspitze und Leitungsebene der Bibliothek vorhanden ist«. In einem Kommentar, den die Potsdamer Neue Nachrichten veröffentlichen, heißt es: »Natürlich sind es nur einige wenige Bücher mit rechtspopulistischem Inhalt, die in Potsdams Stadt- und Landesbibliothek angeboten werden. Allerdings könnte man auch kritisch anmerken: Es sind einige solcher Schriften zu viel.«

Sie gehen keine Ruhe. Sie geben sich nicht damit zufrieden, die Bücher selber nicht zu lesen. Das steht ihnen ja frei. Die Freiheit der Kunst hat zwei Enden. Die Freiheit des Schriftstellers korrespondiert mit der Freiheit des Lesers, der ein Buch nur liest, wenn er es will und der dann die Freiheit hat, sich kritisch distanziert zum Inhalt des Buches zu verhalten.

Es gibt jedoch – und gab schon immer – Kräfte, die gegen so eine Freiheit wirken und die Leser bevormunden wollen. Sie nennen ihren Ruf nach Zensur eine »treffliche Argumentation«: »Es lässt sich nämlich trefflich argumentieren, dass in Zeiten, in denen im Internet jede noch so absurde Verschwörungstheorie und rechte Hetze jedweder Art als normale Meinungsäußerung durchgehen, solche Inhalte nicht noch in öffentlichen und von Steuergeldern bezahlten Bibliotheken angeboten werden müssen.«

 

 

Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte
unterstützen Sie mit einer Spende unsere
unabhängige Berichterstattung.

Kommentare zum Artikel

Bitte beachten Sie beim Verfassen eines Kommentars die Regeln höflicher Kommunikation.

Gravatar: Karl

"„Aktion wider den undeutschen Geist“ hatten wir schon 1933 und wurde nie beendet, auch heute nicht solange es dem politisch unliebsamer Schriftsteller oder deren theorieen zu verhindern gilt,, Damals war das die öffentliche Buchverbrennung,, heute eben still und leise, Göbbels strategie lebt fortan weiter,,,,,

Gravatar: Reinhard Hoffmann

Nachdem öffentliche Büchereien von regierungskritischen Schriften „gesäubert sind“, werden Buchhändler, die diese verkaufen, Repressalien ausgesetzt sein. Das beginnt absehbar mit existenzgefährdenen Kampagnen: kauft nicht bei xy, Farbschmiererein, eingeschlagenen Fensterscheiben oder gleich Brandstiftung. Bald jährt sich die Bücherverbrennung im Mai 1933 zum fünfundachtzigsten mal, hier können die links Faschisten eine alte „Tradition“ wieder aufleben lassen. Die braunen und roten Faschisten sind wie immer 2 Seiten der gleichen Medallie.

Gravatar: H.von Bugenhagen

JA so kommt es...Die Geschichte wiederholt sich...es wurden schon mal Berge von Büchern auf den Straßen verbrannt.
Bald darf jeder nur noch den neuen ,,Mein Kampf,, in Arabisch zuhause haben. Ist das schön , ist das schön...

Gravatar: ropow

Um das „Problembewusstsein bei Stadtspitze und Leitungsebene der Bibliothek“ zu fördern, könnten „12 Thesen wider den unlinken Geist“ helfen, die man nur aus einer Periode der Geschichte mit gleicher Geisteshaltung übernehmen und minimal anpassen müsste, etwa (3) „Reinheit von Sprache und Schrifttum liegt an Dir!“ oder (7) „Der unlinke Geist wird aus öffentlichen Büchereien ausgemerzt.“

Andere Teile der klassischen 12 Thesen werden ja auch bereits umgesetzt, etwa (6) „…wir wollen für den Studenten nicht Stätten der Gedankenlosigkeit, sondern der Zucht und der politischen Erziehung“ oder (11) „Wir fordern die Auslese von Studenten und Professoren nach der Sicherheit des Denkens im linken Geiste.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Bücherverbrennung_1933_in_Deutschland

Gravatar: Alfred

Eine öffentliche Buchverbrennung von regierungskritischer Literatur.
Siehe weiter Hoffmann.

Gravatar: Sabine W.

Unglaublich, was in diesem Land passiert. Warum soll man nicht lesen dürfen, was man will? Jeder Leser kann doch solche Bücher lesen und selbst entscheiden, ob er es für erträglich hält oder nicht, ob er es für gut oder schlecht, für rechtsextrem oder nicht hält. Dafür brauchen wir doch keine Journalisten oder Geschichtsexperten. Wer soll das denn überhaupt sein? Da drängt sich doch die Parallele zu NS-Zeit und DDR-Regime förmlich auf.
Ich selbst habe in dieser Hinsicht auch schon sehr negative Erfahrungen gemacht: Im Oktober kurz vor der Frankfurter Buchmesse lieh ich mir ein Buch mit dem Titel "Alternative für Christen?" in einer evangelischen Bücherei aus. Das Buch warb damit, dass unterschiedliche Positionen zu hören seien, also auch AfD-Mitglieder zu Wort kommen. Was für ein differenziertes Buch, dachte ich, endlich. Beim Lesen bin ich jedoch fast hintenüber gekippt. Christen, die sich gegen Abtreibung, gegen Christenverfolgung und für die traditionelle Familie einsetzen, wurden als "Rechtskatholiken" bzw. "Evangelikale" bezeichnet, die sich mit diesen "Themen" an den "Rändern" der beiden großen Kirchen befänden. Mit anderen Worten: Man will die dort nicht haben. Aber es kam noch besser: Die EKD-Mitglieder brüsteten sich in ihren Beiträgen damit, AfD-Mitglieder, aber auch schon Sympathisanten in ihren Gremien (z.B. Presbyterien) nicht dulden. Gesäubert wurde auch in Wuppertal ein Presbyterium von einem AfD-Landtagskandidaten. Die Gemeinde sah sich als direkter Nachfolger der NS-Widerstandkämpfer im Dritten Reich. Welche Arroganz und Anmaßung!
Auf der Buchmesse auf diese Problematik angesprochen, gaben sich die Verlagsmitarbeiter unwissend und überrascht und verwiesen mich an das Lektorat. Ich habe die Sache nicht weiter verfolgt, weil es mir einfach als Zeitverschwendung erscheint, mich mit den Leuten auseinanderzusetzen. Als ich das Buch von Boris Palmer "Wir können nicht allen helfen", seines Zeichens Grüner und dennoch ein Kritiker von Merkels Flüchtlingspolitik, entdeckte und voller Begeisterung las, beschloss ich der ev. Bücherei ein Exemplar zukommen zu lassen. Anfang November setzte ich meinen Plan um. Mitte November sprach mich die Leiterin darauf an, ob ich mit dem Buch irgendetwas bezwecken würde. Dazu schwieg ich weitestgehend. Sie äußerte, sie sei noch nicht dazu gekommen, es einzubinden und in den Bestand aufzunehmen, da sie noch viele andere Bücher hätte neu einstellen müsste. Warum man, wenn man 20 Bücher einbindet, nicht auch 21 Bücher einbinden und einstellen kann, bleibt ihr Geheimnis. Ich bin gespannt, ob ich das Buch am kommenden Sonntag, also fast zwei Monate danach endlich finde...

Gravatar: Stephan Achner

Dieses widerliche Beispiel aus Potsdam zeigt, dass es allerhöchste Zeit wird, den Kampf gegen Gesinnungsterror, Meinungsverbote und Zerstörung der freiheitlichen Gesellschaft - also den Kampf gegen Links - besser als bisher zu organisieren und ihn auf eine institutionelle Ebene zu bringen.

Gravatar: Franz Horste

Ich erinnere mich noch genau an das "Je suis Charlie"-Geschreie und an die Debatte um die Karikaturen in Dänemark. Jeder wußte und sagte, dass Muslime in Europa auch Kritik und Satire ertragen müssen, und niemand wegen anderer religiöser Ansichten ermorden dürfen. Das war einmal! Heute meint jeder kleine Pseudo-Linke, er müsse den anderen islamisches Gedankengut aufzwingen. Niemand darf Muslime kritisieren. So ist Europa schon umgekrempelt nach islamischem Vorbild. Die kleinen Grün-Linken haben bloß noch nicht begriffen, dass eine islamische Welt auch vor ihnen nicht halt machen wird. Für die haben Ungläubige keine Daseinsberechtigung, egal ob rechts oder links. Wenn Links-Grüne das verstanden haben werden, ist es schon zu spät.
Nicht erst set dem Maas'schen Netzwerkdurchsetzungsgesetz wird zensiert!
http://wort-woche.blogspot.de/2017/04/t-online-treibt-geschlechterapartheid.html
http://wort-woche.blogspot.de/2016/11/focus-zensiert-kommentare.html

Gravatar: Armin Helm

@ Karl

Mal ganz langsam mit den jungen Pferden! Damals haben Studenten IHRE EIGENEN BÜCHER aus den EIGENEN BÜCHERREGALEN demonstrativ verbrannt. Dr.Goebbels befürwortete die keineswegs von ihm selbst initiierte Aktion.

Was hingegen heute geschieht ist etwas ganz anderes. Bücher werden aus den Buchhandlungen und Bibliotheken geholt, angepasst (Preusslers Werke etwa) oder in Auflagenstärke eingestampft.

Ihr Vergleich bedient die übliche Nazikeule, nur andersherum. Aber wie man es auch dreht und wendet, Ihre Analogie ist historisch falsch.

Schreibe einen Kommentar


(erforderlich)

Zum Anfang