Wie Draghi Weidmann ins Aus manövrierte

05. Oktober 2012, 08:56 | Kategorien: Politik, Wirtschaft | Schlagworte: , | von Redaktion
Foto: Thomas Lohnes/dapd
Redaktion

Die inzwischen zu einiger Berühmtheit gewordene Ankündigung von EZB-Chef Draghi, man werde alles tun, um den Euro retten, war eine spontane Eingebung. Sie kam ihm erste wenige Minuten vor Beginn seiner Rede. Das geht aus der minutiösen Rekonstruktion der Entstehung der gegenwärtigen Debatte um die Rolle der EZB bei der Euro-»Rettung« im deutschen Wall Street Journal hervor.

In den Wochen und Monaten vor der Draghi-Ankündigung hatte sich der Chef der deutschen Bundesbank Weidmann zum wichtigsten Gegenspieler Draghis entwickelt. Doch Weidmann stand allein auf verlorenem Posten, auch die Bundesregierung versagte ihm die Unterstützung. Am Ende setzte sich die italienische Position durch.

Die Autoren des Artikels, Brian Blackstone und Marcus Walker, schreiben: »Wie es zu der folgenreichen Kehrtwende der EZB kam, geht aus Interviews mit zahlreichen EU- und Regierungsvertretern hervor, die mit den Ereignissen und der Denkweise der Hauptakteure vertraut sind. Sie zeigen, wie der umsichtige Draghi seine Ansichten zur Rolle der Notenbank änderte. Wie er in einem taktischen Machtkampf die europäische Krisenstrategie neu definierte und wie er zu diesem Zweck führende Politiker in Deutschland dazu brachte, Bundesbank-Präsident Jens Weidmann ins Aus zu manövrieren.«

Blackstones und Walkers Fazit: »In der Kontroverse über das Vorgehen der EZB zeigt sich, welch starke Spannungen die Euro-Krise unter den EU-Staaten erzeugt. In Deutschland macht sich die Furcht breit, dass die Mittelmeerländer die Währungsunion an sich reißen. Andererseits haben jedoch viele Südeuropäer das Gefühl, die Halsstarrigkeit der Deutschen ziehe die Krise in die Länge.«

 

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(oe)

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