Was uns verschwiegen wird

Viele Syrer stehen nach wie vor hinter Assad

Washington, London, Berlin und Brüssel vergessen die Millionen Syrer, die hinter Assad stehen. Dazu gehören fast alle religiösen und viele ethnische Minderheiten des Landes. Wenn das Assad-Regime fällt, ist dem Rachefeldzug der radikalen Islamisten Tor und Tür geöffnet.

Foto: Wikimedia Commons
Veröffentlicht: | Kategorien: Nachrichten, Nachrichten - Politik, Startseite - Empfohlen | Schlagworte: Alawiten, Baschar al-Assad, Brüssel, Damaskus, Iran, Islamischer Staat, Israel, Schiiten, Sunniten, Syrien, USA
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Der Krieg in Syrien ist ein schmutziger Stellvertreterkrieg auf vielfacher Ebene: Hier treffen die Interessen der Golfstaaten, der Türkei und Israels auf die Interessen des Iran sowie vor allem die Interessen der USA auf die Interessen Russlands. Syrien ist ein strategischer Dreh- und Angelpunkt der Geopolitik und ein Durchgangsland für wichtige Pipeline-Projekte.


In den Medien werden mehrere Narrative vermittelt:


Narrativ der westlichen Leitmedien und der syrischen Opposition: Baschar al-Assad ist ein grausamer Diktator, dessen Militär und Polizei rücksichtslos gegen das eigene Volk vorgeht. Daher muss die Opposition gegen ihn unterstützt werden. Dazu gehören alle, die gegen ihn sind (offiziell ausgenommen bleibt der »Islamische Staat« alias IS).


Narrativ des Iran und Russlands: Israel und die radikalen Sunniten wie die Al-Nusra-Front (Dschabhat an-Nusra, neuerdings jedoch in Dschabhat Fatah asch-Scham umbenannt, was in den Medien für Verwirrung sorgte), der »Islamische Staat« (IS alias ISIS alias ISIL alias DAESH) und die anderen sunnitischen Rebellengruppen wollen mit Unterstützung US-amerikanischer und anderer westlicher Geheimdienste die legitime Regierung von Baschar al-Assad stürzen und die Alawiten, Drusen und schiitischen Minderheiten sowie wie die moderaten Muslime und Christen eliminieren. Daher muss Assad geschützt werden.


Narrativ Israels (seit Jahrzehnten!): Der Iran will mit Hilfe der schiitischen Hisbollah, des Assad-Regimes und der Al-Quds-Brigaden Israel schwächen, wahrscheinlich sogar angreifen, zerstören und von der Landkarte austilgen. Daher muss sich Israel mit allen Mitteln gegen die schiitische Achse (Hisbollah im Südlibanon, Assad-Regime und Iran sowie neuerdings die schiitische Regierung des Irak) wehren.


Narrativ der Golfstaaten: Baschar al-Assad geht grausam gegen die sunnitische Mehrheit in der syrischen Bevölkerung vor. Daher müsse man die sunnitischen Oppositionsbewegungen in Syrien mit allen (finanziellen) Mitteln unterstützen (und insgeheim auch den sogenannten »Islamischen Staat«).


Narrativ der Türkei: Assad ist ein grausamer Diktator und die Terrororganisationen an der Grenze (hier wird vom IS gesprochen aber an die Kurden gedacht) sind eine Gefahr für die Sicherheit der Türkei.


Worüber nicht gesprochen wird: Millionen Syrer stehen hinter Baschar al-Assad. Dazu gehören größtenteils die moderaten und säkularen Muslime, die Alawiten, Drusen und Christen im Lande sowie alle, die Ruhe und Ordnung im Lande haben wollen und bisher mit dem Regime in Damaskus ganz gut gefahren sind. Sie alle fürchten die grausame Rache der radikalen Sunniten, falls Assad fallen sollte. Denn dann würden alle religiösen Minderheiten und alle säkularen Muslime sowie ehemaligen Anhänger des Assad-Regimes den Radikalen Islamisten (Al-Nusra, IS) ausgeliefert sein.


In den von Assad kontrollierten Gebieten (Damaskus, südliche Zentralregion und Küstenregion) ist es noch relativ friedlich. In vielen Orten ginge der Alltag seinen normalen Lauf, wenn die Sanktionen das Leben nicht erschweren würden.


Bereits zu Beginn des Syrien-Krieges schrieb der Journalist Jonathan Steele im Guardian, dass es viele Syrer gebe, die hinter der Regierung von Baschar al-Assad stünden. Doch die westlichen Medien würden diese schweigende Mehrheit verschweigen. Stattdessen würde immer wieder auf die laute Opposition verwiesen werden.


Niemand in Washington, Brüssel oder Berlin scheint sich die Frage zu stellen, was die sunnitischen Rebellen und radikalen Islamisten wohl mit den ehemaligen Assad-Anhängern und religiösen Minderheiten (Drusen, Alawiten, assyrische Christen, Armenier) anstellen würden, wenn sie die Kontrolle über deren Gebiete hätten.


Dabei kann sich jeder diese Frage selbst beantworten: Man muss nur schauen, was der IS in seinem Terror-Territorium veranstaltet, um zu ahnen, welche grausamen Massen-Massaker Syrien noch bevorstehen, wenn das Assad-Regime endgültig fällt. Dann ist das Tor zur Hölle geöffnet.

 

Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Ekkehardt Fritz Beyer

… “Baschar al-Assad ist ein grausamer Diktator, dessen Militär und Polizei rücksichtslos gegen das eigene Volk vorgeht“? ...

Deshalb(?) wurde er bereits im Sommer 2014 mit 88,7% vom seinem Volk wieder gewählt??? http://www.handelsblatt.com/politik/international/syrien-assad-mit-88-7-prozent-der-stimmen-wiedergewaehlt/9993270.html

Allerdings wurden die Wähler von Assad von der US-Allianz in den Folgejahren dafür härtest bestraft!!!

Wenn Syriens Diktator(???) aber noch immer den oben beschriebenen Rückhalt bei seinem Volk hat:

Bleibt dem Donald, der Angie & Co. nun nichts andres übrig, als Syrien komplett auszulöschen – „ähnlich“ wie es die Amis 1967 aus Versehen(?) schon mit Ägypten vorhatten??? https://www.allmystery.de/themen/gg1895

Gravatar: renhard

Das ist eben die perfide Verlogenheit sowohl der USA und in deren Windschatten Europa (EU). Allein die Tat-
sache, daß kaum ein Blick auf das leidvolle Schicksal anderer Kulturen in Syrien gelegt wird, ist ein Beleg, daß die USA wie damals in Afghanistan sich wieder selbst den islamischen Satan (al Kaida) heranzüchten in dem sie die falschen Unterstützen. Baschar Assad ist gewiß kein Philantrop aber unter Ihm haben alle Kulturen relativ
friedlich miteinander kooperiert. Das auch Er Vergehen
gegen das Völkerrecht in der Vergangenheit begangen
hat, bestreitet niemand. Aber man sollte nicht vergessen,
daß der Unfrieden und die heimlichen Provokationen bisher stets und überall auf der Welt von der größten islamischen Gemeinschaft den Sunniten inszeniert wird. Egal wo man hinschaut, ob nach Ägypten, in die Türkei, nach Indonesien, Afrika oder wo sonstwo sunnitische Muslime die Mehrheit bilden, stets sind Sie diejenigen
denen es gemäß Ihres unheiligen Buches nach Mord
und Totschlag Andersdenkender gelüstet. Ein Blick auf
die Verhältnisse in unserer eigenen deutschen Heimat
bestätigt dies. Selbst in den Asylunterkünften, also in
Zufluchtsorden, benötigen Andersdenkende vor religiös
sunnitischer Gewalt Schutz.

Auch Herr Putin ist gewiß kein Heiliger (wie alle die Ihre
Existenzgrundlage mit dem schmierigen Beruf "Politik"
sichern) aber in seiner Haltung zur Frage von Assad in
Syrien gegenüber den Amerikanern, gebe ich Ihm Recht.
Denn nach wie vor gibt es keinerlei stichhaltigen und un-
umstößlichen Beweise ob Assad tatsächlich für den
letzten Giftgasangriff verantwortlich war. Ich erinnere mich, daß schon einmal im Verlauf des Syrien-Krieges
Assad beschuldigt wurde für einen Griftgasangriff verant-
wortlich zu sein. Und am Ende stellte sich heraus, daß es sunnitische Rebellen gewesen waren.

Ich habe mich zwar über den Präsidentschaftssieg von
Herrn Trump gefreut (da ich der Meinung war, endlich
ein Präsidant der sich nicht manipulieren läßt) aber ich
bin enttäuscht. Er, Trump, hätte wissen müssen, daß
die USA schon des öfteren ohne stichhaltige Beweise
Länder angegriffen bzw. grundlos beschossen haben.
Ich erinnere nur an den Irak-Krieg. Ich sah in Trump
tatsächlich jemanden, der sich solche Verrücktheiten
seiner Berater nicht mehr gefallen lassen wollte. So
wie es aussieht, habe ich mich getäuscht. Und das un-
ser deutsches Küchenkabinett mit der Köchin Merkel
und dem Beikoch Hollande den Angriff gutheißen, be-
stätigt nur die Lächerlichkeit unserer Regierungsver-
antwortlichen.

Rußland handelt richtig, was Syrien und Assad angeht.
Die Mehrheit der Syrier weiß ganz genau, warum Sie
Herrn Assad als Regierungschef behalten wollen und
keine Rebellenübernahme wünschen. All denen, die
das Gegenteil wollen (einschließlich unserer Regierung)
sei gesagt, sollten Sie Sie tatsächlich Assad zum Rück-
tritt oder Verzicht zwingen, für das dann beginnende
große sunnitische Morden und Töten die alleinige Ver-
antwortung tragen. So wie in Lybien, so letztendlich
auch in Ägypten und in Irak oder eben jetzt in Syrien!

ververantworsinSiverantwortlich für
das dann beginnende große sunnitische Morden und
töten.

Gravatar: H.von Bugenhagen

Na iss denn dass
Es gibt ja auch immer noch ein paar Deutsche die hinter Merkel stehen.

Gravatar: Aufbruch

@ H.von Bugenhagen

Leider. Dafür stehen umso mehr mächtige Kräfte hinter ihr, die, denen Putin und Assad ein Dorn im Auge sind. Kräfte, deren Interessen Merkel auch in Europa vertritt. Kräfte, die darauf aus sind, Deutschland und Europa für den Multikulturalismus und damit für eine neue Weltordnung reif zu machen. Mit dieser Macht im Rücken wird Merkel wieder Kanzlerin und kann das ihr befohlene Deutschland-Abschaffungs-Programm fortsetzen.

Gravatar: Karl Brenner

Man hat das Völkerrecht gebrochen.

Es herrscht nicht mehr das Recht, sondern die Gewalt des Stärkeren. Das Problem: Die deutschen Regierungen, Parteien und Medien stimmen dem zu.

Aber wenn das Recht erst einmal weg ist, dann kann man auch selber schnell Opfer dieser Zustände werden.

Gravatar: Dirk S

Zitat:"Baschar al-Assad ist ein grausamer Diktator, dessen Militär und Polizei rücksichtslos gegen das eigene Volk vorgeht."

Wenn man weiß, dass die Alternative so was wie der IS ist, dann ist auch ein grausamer Diktator eine gute Alternative, solange der weniger grausam ist.
Dazu kommt noch, dass sich in Diktaturen viele die Hoffnung machen, dass der Kelch des Leidens an ihnen vorüber geht und / oder dass sie von der Diktatur profitieren können. War im 3. Reich nicht anders und ist bei den heutigen Linksradikalen die selbe Hoffnung (wo doch ein kluger Diktator die Schläger, die ihn zur Macht verholfen haben, als erste entsorgt).
Die "breite" Unterstützung Assads will daher also nichts bedeuten.

Zitat:"Narrativ des Iran und Russlands:"

Aus russischer Sicht gilt es, den eigenen "Bastard" zu stützen. Würde es einen Austauschkandidaten geben, wäre Assad im Exil.
Aus Sicht der schiitischen Iraner hingegen ist der Alevit Assad gegenüber einer sunnitischen Regierung das kleinere Übel.

Zitat:"Narrativ Israels (seit Jahrzehnten!):"

Da würde ich sagen, liegt der Autor daneben. Israel will vor allem Ruhe an den Grenzen und da haben die Assads früher nach dem Yom-Kippur-Krieg weitgehend Ruhe gegeben. Dass Israel nun die grenznahen Al-Quds-Brigaden "toleriert", dürfte eher bedeuten, dass man in Israel Assad abgeschrieben hat und die zweite Option zieht: Einen langen, blutigen Bürgerkrieg, der einen Angriff Israels von Syrien aus verhindert. Nicht nett, aber durchaus nachvollziehbar.

Zitat:"Narrativ der Golfstaaten:"

Assad ist Alevit. Das langt für die bereits.

Zitat:"Narrativ der Türkei:"

Assad maßt sich an, einen Teil des Osmanischen Reiches zu beherrschen. Dieser Aufständische muss vernichtet werden, auch als Abschreckung gegenüber anderen, die es ihm gleich tun wollen. Niemand rebelliert ungestraft gegen den Sultan!

Zitat:"In den von Assad kontrollierten Gebieten (Damaskus, südliche Zentralregion und Küstenregion) ist es noch relativ friedlich. In vielen Orten ginge der Alltag seinen normalen Lauf,"

Ja, das war mal Assads Pfund, dass sich durch seinen früheren Giftgaseinsatz verflüchtigt hat. Ohne das Giftgas wäre im Westen das Interesse am syrischen Bürgerkrieg erlahmt und man hätte sich durchaus auf eine Fortführung der Regierungs Assads (vielleicht nach einer Präsidentschaftwahl unter UN-Aufsicht) einigen können. Aber das hat sich Assad bereits damals selbst versaut.

Konfliktfreie Grüße,

Dirk S

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