Türken attackieren Kurden in syrischer Grenzprovinz Afrin

Türkische Bodentruppen im Norden Syriens einmarschiert

Kurdische Milizen im Norden Syriens haben unterstützt vom Westen die Terrormiliz IS erfolgreich verdrängt. Jetzt droht ihnen Ungemach vom NATO-Mitglied Türkei. Türkische Bodentruppen marschierten am Sonntag in die syrische Kurdenprovinz Afrin ein.

Veröffentlicht: | Kategorien: Nachrichten, Nachrichten - Politik, Nachrichten - Politik - Empfohlen, Startseite - Empfohlen | Schlagworte: Afrin, Frankreich, IS, Kurden, Mevlüt Cavusoglu, Militär, Recep Tayyip Erdogan, Rex Tillerson, Russland, Sergej Lawrow, Sigmar Gabriel, Syrien, Türkei, UNO, USA, YPG
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Türkische Bodentruppen marschierten am Wochenende in die von kurdischen Milizen kontrollierte Region Afrin im Nordwesten Syriens ein. Damit setzte die Türkei ihre Offensive gegen kurdische Truppen fort, die zuvor dort erfolgreich die Terrormiliz »Islamischer Staat« bekämpften.

Die türkische »Operation Olivenzweig« hat die mit den USA verbündeten kurdischen Volksschutzeinheiten YPG in der Enklave Afrin zum Ziel. Dabei bombardierten am Sonnabend türkische Kampfflugzeuge Stellungen der YPG. Sonntag rückten schließlich auch Bodentruppen über die türkisch-syrische Grenze vor.

Die sich als autonom bezeichnende Provinz Afrin ist von Islamisten, protürkischen Milizen und der Landesgrenze fast eingeschlossen. Seit einiger Zeit regiert dort eine Koalition aus oft säkularen Kurden, orientalischen Christen und arabischen Muslimen unter Führung der linken PYD.

Nach ersten Berichten wurden bei den ersten türkischen Angriffen sechs Zivilisten und drei kurdische Kämpfer getötet. Es gebe zudem unzählige Verletzte. Von Syrien aus wurden als Reaktion drei Raketen über die Grenze geschossen, die in der türkischen Grenzprovinz Kilis einige Wohnhäuser beschädigten. Hier gab es eine verletzte Person.

Am Sonnabend gab es ein Telefongespräch zwischen US-Außenminister Rex Tillerson, seinem türkischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu sowie dem russischen Außenminister Sergej Lawrow, über dessen Inhalt noch nichts bekannt ist. Das US-Außenministerium erklärte nur, es wolle keine Eskalation zwischen der Türkei und der YPG.

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim erklärte, die Türkei wolle im Norden Syriens eine 30 Kilometer breite Sicherheitszone an der Grenze schaffen. Präsident Recep Tayyip Erdogan ergänzte dabei, die YPG-Miliz werde grundlegend vernichtet.

In Afrin leben aktuell mindestens 800.000 Zivilisten, die teilweise im Rahmen des Bürgerkrieges aus anderen Gegenden in Syrien hierher geflohen sind. Es sollen sich zwischen 8.000 und 10.000 Kämpfer der YPG dort aufhalten. Die USA haben die YPG im Kampf gegen die Terrormiliz »Islamischer Staat« mit Waffen ausgerüstet. Die Türkei sieht in der YPG einen verlängerten Arm der als Terrororganisation verbotenen Arbeiterpartei PKK auf syrischem Boden.

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan kündigte unterdessen an, dass nach der Afrin-Offensive auch ein Angriff auf die Region um die Stadt Manbidsch folgen solle, die ebenfalls von einem Bündnis unter Führung der kurdischen Volksschutzeinheiten YPG kontrolliert wird. Russland hat unterdessen seine Truppen aus der Region um die Stadt Afrin abgezogen, um die Sicherheit der russischen Soldaten zu gewährleisten, heißt es aus Moskau.

Wie bei den nach Unabhängigkeit strebenden irakischen Kurden drohen auch die im Kampf gegen den IS erfolgreichen syrischen Kurden abermals im Stich gelassen zu werden. Die Bundesregierung unterstützt durch Bestrebungen des Außenministers Sigmar Gabriel (SPD) wieder die Türkei mit Waffenlieferungen durch Rheinmetall und schweigt weitgehend. Frankreich hat zumindest nun eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates beantragt.

Gegen den Wunsch aus Paris kam postwendend Protest aus der Türkei. Außenminister Cavusoglu erkläte, wenn Frankreich oder ein anderes Land den Einsatz vor die Vereinten Nationen bringe, stehe es nicht als Verbündeter an der Seite der Türkei, sondern vielmehr an der Seite einer Terrororganisation wie der kurdischen YPG und werde von Ankara dementsprechend behandelt.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Uferschwalbe

Ich stehe nicht auf der Seite einer national islamistisch ausgerichteten türkischen Regierung, bin ich nun ein Feind oder Freund einer einst demokratisch westlich ausgerichteten Türkei welche ein Partner war und vielleicht nicht mehr ist.

Schön das wenigstens Frankreich nicht zögert, aber das ist ja auch das Heimatland der westlichen Freiheit und Bürgerrechte.

Gravatar: Dafeanzl

Hallo, Sie haben weggelassen, dass es doch das allerschlimmste ist, dass schon wieder ein NATO Staat in einen souveränen Staat(das ist Syrien!) einmarschiert und Bomben wirft! Sie haben den Protest Assads weggelassen!
Die Türken wollen IN Syrien eine 30 km breite Zone errichten:ja geht's noch?

Gravatar: Der Unverwüstliche

... eine Koalition aus ... orientalischen Christen und arabischen Muslimen ...

Das versteh mal einer. Ansonsten Alles gut!

Gravatar: karlheinz gampe

Die Türkei sollte man auf jeden Fall als Urlaubsland meiden. Es wird da nun immer schlimmer statt besser.

Gravatar: Elmar Oberdörffer

Und dabei bedient sich die Türkei DEUTSCHER WAFFEN, des Panzers Leopard 2A4, der Sturmgewehre G3 und HK33, des Maschinengewehrs MG3 und der Maschinenpistole MP5.

Gravatar: Werner

Die Türken sollte man aus der Nato raus schmeissen. Die Kurden haben gegen den IS gekämpft, Erdogan sympathisiert mit ihnen.

Gravatar: Alfred

Terrortrainer aus dem Westen zerstören die Stabilität der Länder. Die Kurden werden ebenfalls zum Terror animiert.

Gravatar: Ekkehardt Fritz Beyer

… „Die türkische »Operation Olivenzweig« hat die mit den USA verbündeten kurdischen Volksschutzeinheiten YPG in der Enklave Afrin zum Ziel. Dabei bombardierten am Sonnabend türkische Kampfflugzeuge Stellungen der YPG. Sonntag rückten schließlich auch Bodentruppen über die türkisch-syrische Grenze vor.“ …

Da das Nato-Mitglied Türkei in Syrien nun gegen die Nato-Führungsführungsmacht USA kämpft, wobei sich dies in Kürze in „Manbidsch“ wahrscheinlich fortsetzt https://deutsch.rt.com/der-nahe-osten/63905-syrien-turkische-kampfflugzeuge-bombardieren-kurdische-afrin-ypg/ :

Wäre es für die EU (besonders aber die Göttin und Bundeskanzlerin (incl. ihrer Flintenuschi und der Bundeswehr) nicht auch schon deshalb allerhöchste Zeit, der Bitte ihres Nato-Partners Türkei zu entsprechen??? http://www.t-online.de/nachrichten/ausland/krisen/id_83060046/syrien-erdogan-fordert-nato-beistand-gegen-usa.html

Gravatar: karlheinz gampe

Unsere geisteskranken Politiker haben den Türken Leopard Panzer LEO 2 geliefert mit denen die Türken nun die Kurden unser Bollwerk gegen den IS vernichten. Stellt die kranken deutschen Kriegstreiber SED CDU Lobby-Merkel und ihre Helfer vor Gericht. Merkel und Co stehen nun für Ermordung der Kurden ! Keine Gnade für Kriegsverbrecher.

Gravatar: Hannelore

Wie kann Deutschland ausgerechnet den Türken
Panzer geben.
Und wieso ist die Türkei in der Nato!
Die gehören sofort aus der Nato entfernt.
Die haben nie da hineingehört.

Die Türken lagen 1683 vor Wien und wollten uns
erobern. Größere Feinde kann man sich kaum vorstellen.

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