»Es gibt niemanden, der das Recht hat, in eine Sprache einzugreifen«

Sprachwissenschaftler kritisiert »Gender-Gaga«

Professor Dr. Peter Eisenberg ist ein deutscher Linguist. Er war bis 2005 Professor für Deutsche Sprache der Gegenwart an der Universität Potsdam - und hält nichts von grammatischen Kunstformen.

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Die deutsche Sprache ist vielschichtig, tief und mitunter etwas kompliziert. Jeder, der sich intensiver mit ihr befasst oder sie als Fremdsprache erlernt, weiß das aus eigener, mitunter leidvoller, Erfahrung nur zu gut. Sie hat ihre Eigenheiten und sogar einige Buchstaben, die es in anderen Sprachen nicht gibt; wie unter anderem die Umlaute. Und das »ß« hat die deutsche Sprache in Deutschland sogar quasi exklusiv für sich.

Aber gerade weil sie so vielseitig und vielschichtig ist, deckt die deutsche Sprache auch alle möglichen Geschlechtervarianten ab. Das sagt Professor Dr. Peter Eisenberg, Prof. em. Professur Deutsche Sprache der Gegenwart Institut für Germanistik Universität Potsdam, in einem Interview mit dem »Deutschlandfunk«.

Wenn man Frauen in der deutschen Sprache sichtbarer machen will, dann kann man entweder personenunabhängig sprechen oder aber macht sich die Mühe, »wenn es darauf ankommt, die Personen zu benennen.« Diese Optionen gibt die deutsche Sprache aktuell bereits her. »Da sind keine ungrammatischen oder frei erfundenen oder autoritär verordneten Formen drin, sondern das ist eine Formel, die es im Deutschen gibt.«, sagt Professor Dr. Eisenberg.

Dazu bedarf es aber nicht der Auswüchse und ideologisch motivierter Sprachmanipulationen. Er, Eisenberg, hält unter anderem gar nichts von dem sogenannten Binnen-I, weil es die Form nicht gibt: »Die ist frei erfunden und sie hat sich sehr problematisch entwickelt.«

Doch damit nicht genug: »Wir haben heute nicht nur das große I, sondern wir haben den Schrägstrich, wir haben den Unterstrich und wir haben vor allen Dingen das unsägliche Gender-Sternchen, das in Berlin in den Bezirken jetzt teilweise obligatorisch gemacht werden soll.«

Letzteres bedeute, dass Schriftstücke nur dann anerkannt werden sollen, wenn sie nach einer Regel »die es im Deutschen nicht gibt, die frei erfunden ist, einen gegenderten Text enthält.« Dagegen, so der Professor, muss man rechtlich vorgehen. Und: »Solche Eingriffe in die Sprache sind typisch für autoritäre Regimes, aber nicht für Demokratien.«

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Lothar Kopp

Dem stimme ich voll und ganz zu !

Gravatar: H. H. Dieter

Die meisten Wissenschaftler ducken sich weg, sind glücklich mit ihrer Sprachnische "English only". Derweil bedrängen Gender-Aktivisten die Studenten mit ihrem ideologisch motivierten Neusprech. Die haben Angst, fügen sich still. Nur der Sprachwissenschaftler Eisenberg entlarvt ihn mutig als autoritär verordnet. Wo steht eine Demokratie, die noch viel mehr solchen Mutes bedarf? Immerhin geht es um eine Entwicklung, die längst alle staatlichen Institutionen durchwuchert sowie freies Reden und Schreiben massiv behindert.

Gravatar: Hans Kaufmann

Diese ideologischen Sprachmanipulatoren glauben wohl, die deutsche Sprache gehöre ihnen und sie könnten damit machen, was sie wollen.

Gravatar: Dr. Alfred Becker

Sprache ist gewachsenes kulturelles Erbe einer Nation, nicht aber eine zivilisatorische Erfindung, die je nach politischer Zweckdienlichkeit neu definiert und sanktioniert werden kann. Während jenes kulturelle Erbe die Gedankenfreiheit ermöglicht, wird dieses Grundrecht im Orwellschen Sinne (1984) zum Diktat einer politischen Nomenklatura, die im Wellenlängenbereich von 490 - 630 nm der Spektralfarben aufleuchtet.

Gravatar: H.Roth

Ich plädiere dafür, dass endlich alle Nomen der deutschen Sprache sächlich werden, alles andere ist nebensächlich!
Das Mann, das Frau, das Gör, das Stadt, das Land, das Fluss ist doch wesentlich einfacher zu lernen! Diese Vereinfachung würde dem angestrebten, ideologischen Bildungsstandard an deutschen Schulen doch sehr entgegenkommen, zudem den zahlreichen, lernwilligen Zuwanderern, das Erlernen der Sprache hierzulande leichter machen. Denn wenn das der die das nicht wär, wär das deutsche Sprach nicht schwer!
So einfach geht gendergerecht.
Und jetzt das Applaus, bittesähr!

[Anm. der Redaktion: Wie wäre es mit dem niederländischen "de"? De Haus, de Frau, de Mann, de Gör, de Land, de Fluss, etc.?]

Gravatar: Nostrovicino

»Wir haben heute nicht nur das große I, sondern wir haben den Schrägstrich, wir haben den Unterstrich und wir haben vor allen Dingen das unsägliche Gender-Sternchen, das in Berlin in den Bezirken jetzt teilweise obligatorisch gemacht werden soll.«
Ein Sprachwissenschaftler, der sicher mit seiner Aussage Recht hat, aber einer, der fehlerhaftes Deutsch spricht.
Etwas kann in Bezirken nicht "teilweise obligatorisch" sein. Entweder etwas ist obligatorisch oder eben nicht. Entweder meint er, daß diese Schreibweise in manchen Bezirken vorgeschrieben ist oder, daß sie in manchen Ämtern vorgeschrieben ist. Er sollte besser formulieren können.

Gravatar: Nostrovicino

Ich habe längere Zeit in Norwegen gelebt. Dort wurden bereits in den siebziger Jahren solche Sprachregelungen eingeführt. Um eine Gleichbehandlung von Frauen zu erzielen, wurden sämtliche weibliche Formen entfernt, ausgenommen Mutter, Großmutter und Hebamme.
Spätestens hier wird klar, daß es sich bei diesen Sprachregelungen um einen Geßlerhut handelt, also um eine Maßnahme, die den Gegner demütigen und allen anderen den Anspruch auf Herrschaft zeigen soll.

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