Betreute Denunziation als Zivilcourage

Schülerin erhält Preisgeld für „Kampf gegen Rechts“

Die fünfzehnjährige Emilia wurde geehrt. Für ihren Einsatz erhielt die Schülerin den Preis für Zivilcourage gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus des Förderkreises „Denkmal für die ermordeten Juden Europas e.V.“

888 (ohne weitere Bedeutung) Pixabay
Veröffentlicht: | Kategorien: Nachrichten, Nachrichten - Lebenswelt, Nachrichten - Politik, Startseite - Empfohlen | Schlagworte: Antisemitismus, Denunziation, Förderkreises „Denkmal für die ermordeten Juden Europas e.V.“, Rassismus, Rechtsradikalismus, versteckte Codes, Widerstandskämpfer, Zivilcourage
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Mit ihrer aufrechten Haltung habe die 15-Jährige in »besonderem Maße Zivilcourage« gezeigt, heißt es in der Würdigung des Förderkreises, der den Preis in Höhe von 2000 Euro vergeben hat.

Der Deutschlandfunk meldete es, der focus ... Es war eine Top-Meldung. Es hätte nur noch gefehlt, dass sie uns als breaking news präsentiert worden wäre, Bild verkündete: »MUTIGE SCHÜLERIN STELLT SICH GEGEN GANZE KLASSE Alle machten Nazi-Witze.«

Wirklich? »Mutige (?) Schülerin«, »Ganze (?) Klasse«, »Alle (?) machten Nazi-Witze«.

Was war passiert? In der Klasse der mutigen Schülerin begann ein »miese Nazi-Trend« zunächst langsam und mit mehr oder weniger versteckten Codes. Es galt als cool, wenn der Handyakku zu 88 Prozent geladen war. Musste jemand niesen, wurde »Heilung« gerufen.

Dazu muss man wissen: 88 steht in der Neonazi-Szene für die Buchstaben »HH«, kurz für »Heil Hitler«. Emilia, so heißt die Schülerin, deren Foto durch die Presse ging (ihr Nachname und der Name der Schule in Dresden wurden allerdings aus Sicherheitsgründen geheim gehalten) hatte außerdem beobachtet, dass der Hitler-Gruß gezeigt wurde.

»Es wurde noch schlimmer«, erzählt sie, »‚Jude‘ war plötzlich eine Beleidigung.« Im Handychat der Klasse tauchten antisemitische Bilder auf, aus pubertärem Gehabe wurden »möglicherweise Straftaten«.

Emilia wandte sich zunächst an ihre Lehrer und an die Schulleitung, die jedoch nicht deutlich genug einschritten. Dafür stehen sie nun in der Kritik. Emilia berichtet:

»Auch unser Schulleiter hat dazu was gesagt, aber da meinte die Klasse auch, oh nein, wir sind unschuldig, das war alles nur Scherz. Und dann passierte halt auch nicht mehr. Und auf mich als Schüler hören sie erst recht nicht, wenn das selbst die Lehrer sagen und da hören sie nicht. Und letztens gab es auch wieder so eine Situation, da habe ich gesagt, es heißt 'Gesundheit' und nicht 'Heilung'. Aber dann lachen die halt auch wieder und beschmunzeln das und beim nächsten Geniese wird wieder 'Heilung' gesagt. Also richtig viel anders gemacht wird da auch nichts.«

Die fünfzehnjährige Emilia blieb standhaft. Sie zeigte mit Unterstützung ihrer Eltern den Mitschüler wegen Volksverhetzung an. Was passierte dann?

Es änderte sich die Lautstärke. Der Mitschüler, den sie angezeigt hatte, kriegte Besuch von der Polizei und ist mittlerweile nicht mehr in ihrer Klasse. Ein großes Umdenken habe bei den Klassenkameraden jedoch nicht stattgefunden. »Es wird immer noch Heilung‘ gerufen, wenn jemand niest«, sagt Emilia. »Jetzt wird es nur leiser gemacht.«

Hier wird nicht nur mit Mitteln aus dem »Kampf gegen Rechts« eine Art Feinstaubmessung vorgenommen, um Spurenelemente von möglichem rechtsradikalen Gedankengut aufzuspüren und mit betreutem Denunzieren zu bekämpfen, hier geraten auch die Begriffe durcheinander.

Das zeigt Michael Klein auf ScienceFiles: »Wie so viele Begriffe, so ist auch der Begriff der Zivilcourage von den Gutmenschen entwertet und zu einer Floskel gemacht worden ... , die sich vor allem dadurch auszeichnet, dass sich Zivilcourage nicht mehr gegen die Obrigkeit richtet, nicht mehr gegen Gesetze und Regelungen, Maßnahmen des Staates, sondern nur noch gegen andere Bürger. Zivilcourage ist verblockwartet worden. Mensch überwacht Mensch.« 

Und schließlich: »Lächerlicher kann man die Widerstandskämpfer, die im Dritten Reich Zivilcourage bewiesen haben und Einsatz ihres Lebens (und dem ihrer Angehörigen) gegen ein unmenschliches Regime gekämpft haben, nicht mehr machen als sie mit Informanten staatlicher Ordnungsbehörden in einen Topf zu werfen.«

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: H.von Bugenhagen

Bald auch ,,Denkmal für die ermordeten Christen Europas ,,???

Gravatar: K Becker

Am Nasenring geführt( unterstelle ich), und dann ein Preisgeld. Klasse.
Mahner, die diese ganze Misere, Invasion, Förderung von Unrecht, Förderung des Schleusertums, Wohnungs- und Arbeitsmarktverteilkampf, Bildungsniedergang durch die Hochgebildeten, bekämpfen der Christen usw. frühzeitig vorausgesehen haben, wurden als Hetzer, Hasser, Populisten und Nazis beschimpft und denunziert.
Liebe Antidemokraten, ihr seit mit euren Machenschaften auf dem gleichen Weg, wie die "Guten" im Dritten Reich.

Gravatar: egon samu

Dach meinem Verständnis ist Zivilcourage immer mit Risiken verbunden. Weil sie sich gegen das Herrschende, das Gewaltige, das Etablierte wendet.
Oder gegen kriminelles Tun, mit erheblichem persönlichen Risiko selbst angegriffen, verletzt, getötet zu werden.
Von alledem ist Denunziation weitestmöglich entfernt.
Mutig wäre gewesen, sich direkt gegen das von ihr kritisierte Verhalten in der Schule zu wenden. Das hat sie offenbar NICHT getan.
Die junge Dame ist nur mit Verbrechern zu vergleichen, die für persönliche Vorteile Menschen angeschwärzt, verraten, falsch beschuldigt haben. Wohlwissend, daß es für die Beschuldigten um Leben und Tod ging.
Für mich wäre die passende "Auszeichnung" für die junge Dame sie öffentlich als charakterlose Denunziantein zu kennzeichnen. Was hiermit wohl eben geschieht...

Gravatar: Marc Hofmann

Darf der Angler in Zukunft dann auch nicht mehr "Petri Heil" wünschen?
Oder was ist mi "Ski Heil" oder mit "Komm mir fei wieder Heil nach Hause"
Fragen über Fragen....ich hoffe nur...das verheilt bald wieder und die Genesung und Heilung schreitet weiter gut voran.

Gravatar: Marc Hofmann

Nachtrag...
Die 8 soll ja in China bekanntlich eine Glückszahl sein...um so mehr 8 um so besser...also ist 88 somit in China mit Glück und Stärke verbunden.

Sollte wirklich nicht mehr soweit über meinen Tellerrand schaun...;)

Gravatar: siggi

@Becker: die "Guten" im dritten Reich - ist eine Blasphemie an den Ermordeten. Sieht man heute die vielen Filme, Comic, Bücher und Leichtfertigkeit andere als Nazi zu bezeichnen, dann kommt es einer Verherrlichung der Nazi gleich. Es war Völkermord an Zivilisten in Friedenszeiten, man sagt Menschenrechtsverbrechen. In Verbalmhornung vergriffen sich hier die Linken, die Toten im Nachhinein des politischen Kalküls mehr Stimmen zu bekommen, anders Denkende mit diesen Verbrechern auf eine Stufe zu stellen, zu erniedrigen. Dieses sittenwidriges Verhalten muss auf Pubertierende Auswirkungen haben, wie jetzt in dieser Klasse. Den Lehrern nun Schuld zu geben, ist kurz gegriffen: wer bestellt der bezahlt. Hier haben Linke bestellt, wollen nun den Teufel mit Belzebub austreiben. Zivilcourage zu bemühen, ist wirklich eine Frechheit, weiß man dass Zivilcourage sich messen lässt am Mut gegen Oben und nicht dem Gleichaltrigen gegenüber. Zeit in BRD nun wieder Ethik einziehen zu lassen. Verrohung der Sprache nützt niemand.

Gravatar: karlheinz gampe

Der größte Lump im ganzen Land das ist und bleibt der Denunziant, sagten unsere Altvorderen. Nun weiß man was von solchen Preisgeldern und solchen Menschen zu halten ist. Im totalitären SED Stasistaat war Denunziantentum usus und SED CDU Merkel führt Überwachung , Bespitzelung und Denunziantentum anscheinend auch in der BRD ein.

Ich sag manchmal, Schönheit, wenn jemand niest. Ist das rechts ? Oder sind Leut, die sowas behaupten krank und geistig gestört ?

Gravatar: Klingler

Also ich möchte nicht in Sachsen leben, überall Nazis, sogar in der Schule, überall, ich halte es nicht mehr aus, Nazis, Nazis, nur noch Nazis. Armes kleines Girly, mutig und standhaft kämpft sie gegen die braune Pest, hält die Fackel des antifaschistischen Widerstandes in der braunsten Gegend von Dunkeldeutschland empor. Emilia wir danken dir. Nächste Aufgabe für dich, in Berlin werden immer mehr Stolpersteine herausgerissen. Liebe Emilia, bitte finde und stelle die bösen deutschen Nazis.

Gravatar: Karin Weber

Hitler hat halt die Kinder per HJ auf sich und seine Ideologie eingeschworten und diese Blockwarte sind auch nicht anders. Das Mädchen wird´s nicht leicht haben im Leben und an deren Eltern Stelle würde ich jetzt umziehen. Dieses Anscheißen wird sicher nicht "untern Tisch fallen".

PS.: Man muss offen und ehrlich mit den Schülern über die gesamte Wahrheit sprechen. Nur so kann man aufklären. Einseitig eine Ideologie zu installieren ist letztlich nicht besser als das, was die damit vermeintlich bekämpfen. Herr Tichy oder Herr Klonovsky haben den Satz gesagt: "Der Kampf gegen Nazis hat jede Menge echte neue hervorgebracht." Da ist etwas dran. Der Staat soll endlich Ordnung schaffen und den Leuten ein Leben in Ruhe und Frieden ermöglichen, dann verschwindet der Extremis in großen Teilen von allein.

Gravatar: Erbschuldiger

Ein Vergleich dieser freiwilligen und willfährigen informellen Zuträgerin der staatlichen Restriktionsorgane mit den Widerständlern des Dritten Reiches ist für diese beleidigend und zudem absurd. So absurd und verlogen, wie der Vergleich der wohlgenährten und gut präparierten jungen Männer, die als Quartiermacher der Landnahme mit unseren vertriebenen Landsleuten aus den deutschen Ostprovinzen gleichgesetzt werden sollen.
Jeder Staat gibt sich als der bestmögliche aus und sucht und findet seine willigen Helfer und Zuträger. Die "mutige Schülerin" ist insofern nur staatsnah und hofiert die Mächtigen. Das taten auch die "Mutigen", die "Treuen" und die "Wachsamen" in loyaler Staatsgläubigkeit zu den Vorgängerregimes und denunzierten ihre Mitbürger mit oft schlimmen Folgen.
Annehmend, daß das Verhalten der 15-jährigen Emilia nur Ausdruck ihrer Einfalt ist und nicht dem Willen zur bösartigen Denunzierung in Erwartung einer Prämie entspricht, erinnert diese Art von staatsdienlicher
"Zivilcourage" und ihre Entlohnung doch in fataler Weise an das eifrige "Entlarven" von "Staatsfeinden" in totalitären Staaten.
Nun, die Todesstrafe, Gulak oder KZ müssen die Denunzierten wohl nicht befürchten, oft reicht aber auch schon die Stigmatisierung für schwere soziale Nachteile aus. Wo der Bürger den Bürger überwacht und dem Staat unliebsame Meinungen zuträgt, ist es mit der Offenheit vorbei und die Freiheit wird zur Chimäre. Auch dafür gibt es historische Parallelen in Deutschland und eine harsche Feststellung: "Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant !"

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