Publizist über die Dramatik des Sterbehilfegesetzes

22. Januar 2013, 02:05 | Kategorien: Lebenswelt, Politik | Schlagworte: , , | von Redaktion
Foto: Philipp Guelland/ddp
Redaktion (oe)

Mit einem fulminanten Artikel beschreibt der Publizist Alexander Kissler in der Zeitschrift Cicero die kaum gewürdigte Dramatik, ja die Abgründe des Versuchs von Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger (FDP); die Straffreiheit für Beihilfe zur Selbsttötung auf Ärzte und viele andere auszuweiten. Dass das Gesetz einstweilen nicht in Kraft tritt, bedauert Kissler nicht.

Er sieht in dem Nichtzustandekommen einen Sieg der Menschlichkeit über den Versuch, den Staat zum Organisator und Anstifter von Selbsttötungen zu machen. Er urteilt: »Was nach dem üblichen kleinen Karo streiterprobter Koalitionäre aussieht, könnte sich langfristig als menschenfreundlichste Tat dieser Legislaturperiode herausstellen.«

Kissler schreibt: »Keineswegs leuchtet es ein, warum das Sterben zu Beginn des 21. Jahrhunderts ein Vorgang sein soll, der der Hilfe bedarf. Zu Tode kommt jeder Mensch – und dank avancierter Palliativmedizin fast nie unter schlimmen Qualen. Das Schreckensszenario, das die Sterbehilfebefürworter grell ausmalen, bleibt in weiten Teilen Fiktion, und Anteilnahme lässt sich sowieso nicht kodifizieren. Noch weniger leuchtet es ein, weshalb eine Gesellschaft, der es so gut geht wie nie zuvor und vielleicht nie wieder, den Tod von einem intimen, höchst individuellen Abschied zu einer Staatsaktion machen soll. Das im gescheiterten Gesetzentwurf intendierte Verbot ›gewerblicher‹ Sterbehilfe hätte die ›organisierte‹ Sterbehilfe als Königsweg der Lebensbeendigung inthronisiert.«

Der streitbare Publizist bezieht sich auf den Wissenschaftler Axel W. Bauer und den Publizisten Andreas Krause Landt. Er stellt am Ende erleichtert fest: »Eine Atempause ist gewonnen. Sie sollte klug genutzt werden. Ein Staat, der im Namen vermeintlicher Autonomie das Räderwerk der Gesetze in Gang bringt, zementiert die Abhängigkeiten, von denen er sich nährt. Jede organisierte Sterbehilfe festigt die Strukturen der Unfreiheit.«

 

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