Publizist: Mütter ohne Job werden verachtet

19. Dezember 2012, 09:54 | Kategorien: Lebenswelt, Politik | Schlagworte: , | von Redaktion
Foto: Maja Hitij/dapd
Redaktion (oe)

Die Frage, warum die Deutschen keine Kinder mehr bekommen, wird immer wieder gleich beantwortet (zu wenige Betreuungseinrichtungen, zu wenig Geld). Insofern ist die Antwort, die das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) jetzt gegeben hat, wenigstens etwas Neues, findet der Welt-Journalist Ulli Kulke. Überzeugt von der angebotenen Erklärung ist er gleichwohl nicht.

Aus der Sicht des BiB sind die Frauen in einen Gebärstreik getreten, weil sie sich nicht dem Druck aussetzen wollen, für eine schlechte Mutter gehalten zu werden, nur weil sie Kindererziehung und Berufstätigkeit unter einen Hut bringen. Dann verzichten sie lieber ganz auf Kinder.

Kulke begrüßt, dass bei diesem Erklärungsversuch wenigstens nicht die vermeintlich schlechte soziale Lage von Eltern ins Feld geführt wird. Aber ansonsten hält er sie für grundfalsch. Nicht die Mütter werden scheel angesehen, die erwerbstätig sind, sondern umgekehrt wird für ihn, nach seiner Beobachtung, ein Schuh daraus: Vor allem wird die Frau unter Druck gesetzt, die sich entschließt, sich voll und ganz um die Kindererziehung zu kümmern und auf Ausübung einer Erwerbstätigkeit zu verzichten.

Kulke schreibt: »Mutter und Beruf ist heute nicht verpönt, sondern eher Bedingung für Mütter, um die gesellschaftliche Anerkennung aus dem Umfeld beizubehalten, und genau da liegt das Problem. Das Umfeld besteht nämlich immer mehr aus Kinderlosen, die ihrer Karriere nachgehen. Und die sich über diejenigen aus ihrem Freundeskreis, die den Job vorübergehend ruhen lassen, auch mit dem Risiko, ihn ganz zu verlieren, nur allzu gern erhaben geben – innerlich, aber allzuoft und allzugern eben doch auch spürbar.«

 

Mehr dazu auf dem Blog von Ulli Kulke

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