IWF-Chefin kritisiert deutsche Export-Überschüsse

Lagarde verlangt von Deutschland mehr Investitionen

Seit Jahren schickt Deutschland mehr Waren in die Welt als es aus anderen Ländern importiert. An diesen Exportüberschüssen mehrt sich Kritik, so auch wieder von IWF-Chefin Lagarde, die von der Bundesregierung mehr Investitionen einfordert.

Veröffentlicht: | Kategorien: Nachrichten, Nachrichten - Politik, Nachrichten - Politik - Empfohlen, Startseite - Empfohlen | Schlagworte: Internationaler Währungsfonds, IWF, Christine Lagarde, Finanzsystem, Exporte, Exportüberschüsse, Investitionen, Donald Trump, Emmanuelle Macron, Eurozone
von

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, fordert Deutschland erneut dazu auf, seine Exportüberschüsse noch stärker für Investments in die Infrastruktur zu nutzen. »Wir empfehlen noch weitere Investitionen dieser Art, zum Beispiel in mehr Breitbandtechnologie«, sagte die 61-jährige.

Erste Ansätze seien jedoch erkennbar. So habe die Bundesregierung bereits begonnen zu investieren, auch wegen der Flüchtlingskrise, erklärte die IWF-Chefin, und hob dabei hervor, dass Deutschland sich als eines von wenigen Ländern zu einer Entwicklungsförderung in Höhe von 0,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes bekenne.

»Es ist aber ein langsamer Prozess und wir empfehlen noch immer mehr«, kritisierte die Französin, und warnte vor exzessiven Ungleichgewichten, ausufernder Ungleichheit oder Instabilität im Finanzsystem. »Das alles ist schlecht für die Stabilität und für nachhaltiges Wachstum. Wir zögern nicht, das auch zu sagen.«

Es sei legitim für ein Land wie Deutschland mit alternder Bevölkerung, nach einem Überschuss zu trachten, ließ Lagarde in einem Interview weiter wissen. »Vier Prozent wäre vielleicht gerechtfertigt, acht Prozent sind es nicht«, ergänzte Lagarde. Die Importe hatten zuletzt einen Wert von 954,6 Milliarden Euro.

Schon seit einiger Zeit wird der hohe deutsche Exportüberschuss international kritisiert, unter anderem von US-Präsident Donald Trump, aber auch vom französischen Präsidentschaftsbewerber Emmanuelle Macron, der die deutsche Exportstärke als »nicht mehr tragbar« bezeichnete.

Macron beklagte kürzlich, Deutschland profitiere vom Ungleichgewicht in der Eurozone und erziele sehr hohe Handelsüberschüsse. »Die sind weder für seine eigene Wirtschaft gut noch für die Wirtschaft der Eurozone. Hier muss ein Ausgleich geschaffen werden«, sagte dieser.

Mehr dazu unter dw.com

Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte
unterstützen Sie mit einer Spende unsere
unabhängige Berichterstattung.

Kommentare zum Artikel

Bitte beachten Sie beim Verfassen eines Kommentars die Regeln höflicher Kommunikation.

Gravatar: Freigeist

Fachleute klagen darüber schon seit einiger Zeit. Das Schreib-Personal der Bla-Bla-Presse feierten jedoch naiv die hohen Exportüberschüsse. Dauern die hohen Export-Überschüsse an, führt es zum Bruch im System und Verlust von Ersparnissen.

Gravatar: Aufbruch

In Frankreich wird Wahlkampf auf Kosten Deutschlands gemacht. Sei dies von Lagarde oder von Macron. Wenn in Europa etwas nicht läuft wie es soll, ist Deutschland schuld. Die Schuld mal bei sich zu suchen, fällt keinem ein. Warum fragt man sich nicht, wieso der Euro-Kurs so niedrig ist, der Deutschland diesen hohen Überschuss beschert? Warum fragt man sich nicht, wieso die deutsche Wettbewerbsfähigkeit höher ist, als in den Problemländern? Warum wohl nicht? Weil man sich dann die eigenen Fehler eingestehen müsste. Man müsste wählen zwischen rigorosen Strukturreformen und dem Austritt aus dem Euro. Da man zu beidem nicht bereit ist, ist es doch viel einfacher, den Schwarzen Peter Deutschland zuzuschieben und es zudem noch die ganze Schlamperei finanzieren zu lassen. Frau Lagarde sollte lieber mal vor der eigenen Tür kehren, ehe sie über den nicht vorhandenen Dreck bei anderen mault.

Gravatar: Jochen Reimar

Der Ausgleich ist schon längst da, und er heißt Target II.

Gravatar: HDM

"So habe die Bundesregierung bereits begonnen zu investieren, auch wegen der Flüchtlingskrise"
Angesichts der (offiziell zugegebenen) 22 Milliarden Kosten für die Pseudofachkräfte allein in 2016 (die in Wirklichkeit weit mehr als 50 Milliarden betragen), ist diese Aussage schon erheblich zynisch.

Gravatar: Hans Meier

Herr Reimar, Sie sprechen diese Konstruktion an, bei der letztlich die Zahlungs-Ziele (Targets) der Südländer, die schon heute deutsche Autos auf Kredit fahren, nie gezahlt werden. Denn Draghi versorgt ja die „Südbanken“ ständig mit „frisch gedrucktem Geld“ und die spendieren munter, Konsumenten-Kredite.

Der zweite Aspekt ist aber auch ein Fakt, wer mehr Geld einnimmt als er ausgibt, wird wohlhabender. Sein Wohlstand nimmt zu, weil seine Wirtschaft real wächst.
Was daran schlimm sein soll, beklagen doch nur die, welche in Verhältnissen verharren, wo sie es sich gemütlich machen und das Wetter genießen, also das „dolce varniente“.
Wer selbst keine Wertschöpfung betreibt importiert und entwertet seine Währung.
Wer viel Exportiert hat eine stabile Währung.

Gravatar: H.von Bugenhagen

Na iss denn dass

Jahresgehalt aller Parlamentarier 79,1 Millionen Euro
Bevölkerung 82,4 Millionen
Vielleicht sollte man da ansetzen.

Gravatar: Christian Dirk baehr

@ Aufbruch

Richtige Analyse! Nur: sollen/ können/ wollen die anderen Europäer so werden wie die Deutschen? Die Gott sei Dank bestehen kulturellen Unterschiede in Europa bzgl. der Form von Demokratie und entsprechender Wirtschaftsform sollten mittels Euro überdeckt und dabei eine "europäische" Identität geschaffen werden. Dazu läßt sich nur sagen: Wol­ken­ku­ckucks­heime!!!

Gravatar: Christian Dirk baehr

@ Hans Meier
Wer Investitionen in den heimischen Kapitalstock! (sei es aus Überschüßen oder durch Kreditfinanzierung) tätigt, nur der erhöht seine Vermögensposition.
Die Exportfixierung mit Überschüssen läßt das Kapital jedoch den ausländischen Märkten folgen. Eine logische Folge!

Schreibe einen Kommentar


(erforderlich)

Zum Anfang