Niedrigzinspolitik der EZB

Hans-Werner Sinn: Enteignung des deutschen Sparers geht weiter

Für Hans-Werner Sinn, Ökonom und ehemaliger Präsident des ifo-Instituts, ist die Niedrigzinspolitik der EZB gleichbedeutend mit der Enteignung des deutschen Sparers.

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Für die deutschen Sparer ist die von Mario Draghi zu verantwortende Null- und Niedrigzinspolitik auch weiterhin nichts anderes als eine Enteignung. Das sagt Finanzwissenschaftler Hans-Werner Sinn. Die Nichtverzinsung des angesparten Kapitals, alleine auf deutschen Sparbüchern ruhen rund 605 Milliarden Euro, sowie die Inflationsrate entwerten das in den meisten Fällen für die Altersvorsorge geplantes Kapital. Die Erträge aus diesem Sparvermögen werden, so Sinn, nicht im erhofften und erwarteten Umfang der Sparer ausfallen.

Das Modell der deutschen Altersvorsorge war über viele Jahre ein großer Erfolg. Das gelte heute aber nicht mehr. Früher sparten die Menschen während ihres Arbeitslebens für ihre Rente an. Die Erträge aus diesen Ersparnissen setzten sich bei einer normalen Verzinsung dann zu einem Drittel aus dem Nettobetrag des angesparten Vermögens, zu zwei Dritteln aber aus dessen Zins und Zinseszins zusammen. Diese zwei Drittel fallen bei einer Nullzinspolitik weg; und das angesparte Nettovermögen verliert durch die angestrebte Inflationsrate von zwei Prozent seinen Wert.

Gegenwärtig liegt die Inflationsrate im Euroraum bei 0,5 Prozent immer noch auf niedrigem Niveau, ist gegenüber des Vormonats um 0,1 Prozent gestiegen. Ausschlaggebend für diesen erwarteten Anstiegs ist die Entwicklung der Energiepreise. Im Jahresvergleich sind sie zwar weiterhin rückläufig; da aber der Rückgang deutlich geringer ausfiel als in den Vormonaten, kann die Verteuerung der Dienstleistungen nicht kompensiert werden. Die Verteuerung von Nahrungsmitteln schwächste sich etwas ab, die Preise für Industriegüter bleiben quasi unverändert.

EZB-Chef Draghi will diese niedrige Inflationsrate mit aller Gewalt auf die Zwei-Prozent-Marke anheben. Zu diesem Zweck hat er nicht nur die Zinsen für Guthaben auf Null gesenkt, sondern sogar eine Strafzahlung für angesparte Guthaben eingeführt. Außerdem greift die Europäische Zentralbank durch zahlreiche andere Maßnahmen massiv in den Finanzmarkt ein, um Draghis Utopie zu realisieren.

Mehr dazu hier: welt.de

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Gernot Radtke

Die Politik der EZB, sprich: der EU, ist der größte Raubzug, den eine deutsche Regierung jemals in Friedenszeiten gegen ihr eigenes Volk zugelassen hat. Eine Komsomolzin und ein gerissener Finanz-Pate führen ihn aus. Daran sollten die Deutschen (nicht nur bei Wahlen) immer denken, wenn ihnen einer was von der europäischen Wertegemeinschaft erzählen will. Das Vermögen der Deutschen holt sich der EU-Süden; seine Schulden gibt er ihnen zurück. Es ist ein doppelter Beschiß. Geld nimmt er; Schulden gibt er. Von beidem nicht zu wenig. Reformen in Sicht? Warum denn? Ausplünderung und Schuldenhaftung laufen doch wie geschmiert. Das ist EU-Sozialismus auf höchstem Niveau: Diebstahl, vollständige Mißwirtschaft bei relativ angenehmem Leben auf Pump.

[Gekürzt. Die Red.]

Gravatar: Gerd Müller

Mich wundert es sehr, daß hier überall gleichgültige Ruhe herrscht ....

Scheinbar sind die Menschen von den Medien schon so eingelullt, daß sie unfähig geworden sind zu unterscheiden, wer ihr Feind und wer ihr Freund ist !

Es könnte auch sein, daß sie ihr Geld zu leicht verdienen und deshalb so leichtfertig damit umgehen, oder sehe ich dies falsch ?
Ich meine, was muß so eine Krankenschwester, Kassiererin oder ein Maurer schon groß arbeiten ?

Da kann es ihnen doch egal sein, ob da beträchtliche Beträge von Ihrem Konto geklaut werden oder nicht .....

Die einzigen, die ganz schwer arbeiten müssen, sind ja die Politiker.
Damit denen nichts verlorengeht, erhöhen sie sich ja auch meist als erste Handlung in einem neuen Jahr, ihre Bezüge.
Das ist ja bei der Leistung die sie für Deutschland erbringen mehr als gerecht, oder ?

Gravatar: Sepp Kneip

Nun, Herr Sinn, Ihre Feststellung, die ja zutrifft, hilft dem Rentner, Sparer und Arbeitnehmer nicht weiter. Ich verstehe nicht, dass Leute wie Sie, die den entsprechenden Sachverstand und auch ein Renomee haben, nicht viel eindringlicher Kritik üben, an dem was da passiert. Es ist ja nicht nur der gegenwärtige Verlust, den die Menschen erleiden. Es ist ja auch die Zerstörung der Altersvorsorge, die zu einer schrecklichen Altersarmut führt. Und unsere "Elite", die das alles betrifft, rät, eine Ironie hoch drei, zur privaten Altersvorsorge. Als hätten das nicht viele schon längst getan. Aber Draghi hat ja im Einvernehmen mit dem Polit-Establishment alles wieder kaputt gemacht. Und jetzt auf ein Neues? Da erkennt man, wie abgehoben und bürgerfern diese Politiker sind.

Gravatar: Hans-Peter Klein

Als Nicht-Ökonom mal dumm gefragt:
Was ist an Niedrig-Zinsen eigentlich so schlecht, denn die Inflation ist ja auch sehr gering, d.h. das Geld behält dadurch seinen Wert. Zinserträge sind wiederum ein leistungsloses Einkommen und erhöhen die Geldmenge ohne Gegenwert. So sehr ich Prof. Sinn schätze, ich erlaube mir zu behaupten, dass wir in einer Phase stabilen Geldwert leben.
MfG, HPK

Gravatar: Rotwurst

Tja, mit Herrn Sinn macht man den Bock zum Gärtner, aber das ist bei der WELT nichts Neues. Denn er forderte nach der Einführung des Euros Lohndumping für die BRD. Die Folge daraus: Handelsbilanzen und Exporterfolge in den Eurostaaten mehr denn je unausgeglichen. Lohnsteigerungen in der BRD unterhalb der Produktivität, damit man anderen Marktanteile abnimmt. Die Folge: Sparer werden enteignet, weil sich die anderen Euro-Staaten stärker durch die deutsche Wirtschaftspolitik verschulden müssen und man daher die Zinsen niedrig hält, um dort "Wachstum" zu erzeugen. Aber auch durch den "miserablen" ökonomischen Rat des Herrn Sinn von damals. Jetzt die Preisfrage, warum geht das Konzept mit den niedrigen Zinsen heute nicht auf?

Gravatar: Rotwurst

Übrigens: Die Inflationsrate von zwei Prozent für alle Länder im Euroraum entspricht den EU-Verträgen für die gemeinsame Währungsunion. Dass sie nicht eingehalten wurde, hat zu den Verwerfungen im Euro-Raum geführt.

Gravatar: Elvi Stegner

"Durch Deutschland muß ein Ruck gehen. Wir müssen Abschied nehmen von liebgewordenen Besitzständen...."
(Bundespräsident Herzog, 1997)

Nach 20 Jahren präsidialer Rucklosigkeit
wird es dafür allerhöchste Zeit!

Als Vertreter der "praktischen Vernunft" bin ich deshalb
unbedingt für Hans-Werner Sinn als nächsten Bundespräsidenten!!!

Da entwickelt doch tatsächlich noch jemand ein realisierbar zukunftsweisendes Konzept für Deutschland, was es u.a. zur Überwindung der Spaltung Europas durch die EU in ihrer undemokratischen Jetztform beitragen kann.

Ich lese gerade mit Hochspannung sein neuestes Buch zum Brexit und den daraus
zu ziehenden Konsequenzen:

"Der Schwarze Juni: Brexit, Flüchtlingswelle, Euro-Desaster - Wie die Neugründung Europas gelingt ",
Herder, Okt.2016

Alle anderen bislang vorgeschlagenen Aspiranten für das höchste Staatsamt - bewegen sich nach meinem Dafürhalten auf der Skala von "politisch verschlissen" bis "Gruselkabinett".

Gravatar: Karin Weber

Die Wirtschaftswaisen sind seit Jahren abgetaucht. Früher wurde mit viel medialem Trubel immer deren Orakel offenbart, heute ist es denen vermutlich zu riskant. Nicht eine "Krise" haben die vorhergesehen und sicher Unsummen dafür von den Steuerzahlern erbeutet. Die Wirtschaftswaisen waren immer soetwas wie ein morscher Stock für die wirtschaftsblinde Gelegenheitsregierung.

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