Absurdes Demokratieverständnis gegenüber Deutschlands drittstärkster Partei

Hamburger SV: Ausschluss von AfD-Mitgliedern beantragt

Ein Antrag auf Ausschluss von AfD-Mitgliedern und Gleichgesinnten beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV sorgt im Vorfeld der Mitgliederversammlung für intensive Diskussionen. Die Initiative zeigt ein befremdliches Demokratieverständnis.

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Der Hamburger SV befindet sich als das einzige nie aus der Fußball-Bundesliga abgestiegene Gründungsmitglied von 1963 mal wieder im freien Fall. Erneut droht nach vier Niederlagen in Folge trotz immer neuer millionenschwerer Investitionen der letzten Jahre in den Spielerkader der erste Abstieg aus dem Oberhaus.

Doch nicht nur sportlich, sondern auch politisch sorgt jetzt der HSV für heftige Schlagzeilen und Diskussionen. Für die Mitgliederversammlung des Traditionsklubs am 18. Februar wurde ein Antrag auf Ausschluss von AfD-Mitgliedern gestellt. Peter Gottschalk, Vorsitzender des HSV-Seniorenrats, will mit seiner entsprechend eingebrachten Initiative darüber abstimmen lassen.

Die Mitgliederversammlung solle demnach das Präsidium auffordern, dafür zu sorgen, dass »AfD-Mitglieder oder gleichgesinnte Personen nicht Mitglied im Hamburger-Sport-Verein e.V. werden oder der HSV Fußball AG angehören«, schreibt Gottschalk, seit 1954 HSV-Mitglied, in seinem Antrag. Weiter heißt es »Kein Platz für Rassismus! Toleranz und Solidarität sind Werte, die innerhalb jeder Sportart zählen«, heißt es in dem Antrag.

Zuletzt gab es bereits beim Bundesliga-Klub Eintracht Frankfurt Diskussionen um einen ähnlichen Umgang mit AfD-Mitgliedern. Insgesamt ist das Vorgehen ein Novum in der Geschichte der Bundesrepublik. Nie wurde in früheren Jahren bei einem Bundesliga-Klub beantragt, Mitglieder einer bestimmten Partei pauschal auszuschließen. Auch nicht bei der im Verfassungsschutzbericht als rechtsextrem eingestuften NPD.

Noch nicht einmal, nachdem diese 2016 im Hamburger Wahlkampf mit dem Volksparkstadion und dem Slogan »Wir glauben ans Volkseigentum« plakatierte. Es gab lediglich eine Distanzierung von der NPD-Aktion. Offenbar hat der HSV also mit der NPD geringere Probleme als mit der AfD als konservative Partei, die nicht im Verfassungsschutzbericht steht und auch Behörden zufolge nicht anderweitig beobachtet wird.

Der Antrag zeugt von einem erschreckenden Demokratieverständnis. Die demokratisch organisierte AfD ist von den Bürgern dieses Landes als drittstärkste Kraft in den Bundestag gewählt worden, sitzt auch in der Hamburger Bürgerschaft. Das Grundgesetz sichert eine Meinungsfreiheit zu, in der man sich auch in Parteien als Teil der Willensbildung organisieren darf und soll.

Es ist nicht einmal jemand als Mitglied der AfD innerhalb des Hamburger SV irgendwo aufgefallen. Trotzdem will der Antrag pauschal sämtliche AfD-Mitglieder ausschließen. Doch nicht nur das, auch gleichgesinnte Personen, wo in Deutschland ein Wahlgeheimnis herrscht. Woran macht sich gleiche Gesinnung fest? Gilt das dann auch für Mitglieder des rechten Flügels von CDU oder FDP, die in manchen Positionen vielleicht ähnliches äußern?

Gibt es künftig Gesinnungsschnüffelei in einem Verein, wo nur der Sport im Vordergrund stehen sollte? Wer überprüft das? Wird zu Denunzierungen aufgerufen, wer AfD-Mitglied ist oder der AfD nahesteht? Sollte es zu einem solchen Beschluss kommen, wäre zu prüfen, inwieweit ein Verstoß gegen das Grundgesetz vorliegt.

Unbescholtene Bürger aufgrund nicht mal extremistischer politischer Einstellungen aus Sportvereinen auszuschließen, das gab es in Deutschland zuletzt in der DDR. Wer sich kritisch zum SED-Regime äußerte, auch wenn das nur im Freundeskreis war und die Stasi davon Wind bekam, flog durchaus mal aus dem Verein.

Ein früherer DDR-Nationalspieler wie Günter »Jimmy« Hoge bekam so aufgrund einer (inhaltlich sogar unwahren) Denunzierung 1970 Spielverbot und wurde auf Druck der SED aus dem 1. FC Union Berlin ausgeschlossen. Anderen guten Fußballern wurde eine Karriere verwehrt, weil sie als »politisch unzuverlässig« eingestuft gar nicht so weit kamen. Etliche Oppositionelle durften nicht mal Mitglied ihres Herzensverein werden. Das sollte sich nicht wiederholen.

Der Hamburger SV hat keine immer ruhmreiche Geschichte. Er gehörte zu jenen Klubs, die sich 1933 ganz schnell den nationalsozialistischen Machthabern unterordneten, wo sich zahlreiche Funktionäre und Spieler der NSDAP anschlossen. Jüdische Mitglieder wurden recht früh ausgeschlossen und durften nicht mal mehr Spiele besuchen, obwohl einige von ihnen wenige Jahre zuvor den HSV durch Spenden vor dem Bankrott retteten. Man sollte von daher sensibeler sein, im Umgang mit Andersdenkenden.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Werner

Solche Pfeifen wie Gottschalk haben den HSV ruiniert. Jetzt kommt er mit so einem Scheiss um davon abzulenken. Kalle, die St.Pauli- Größe, hat recht wenn er sagt, da müssten manche Prügelstrafe bekommen. Der erste wäre Gottschalk.

Gravatar: Ekkehardt Fritz Beyer

„Hamburger SV: Ausschluss von AfD-Mitgliedern beantragt“

Ist das nicht schon schlimmer als in Südafrika unter seinem letzten Apartheit-Präsidenten Pieter Willem Botha???

Da durften sogar Schwarze Fußball spielen!!!

Gravatar: Herbert

Das sind die Linksversifften aus der Schanzenstrasse und Umgebung mit am Werk. Danach kommt als Strafe die zweite Bundesliga. Moin, Moin!

Gravatar: Sigmund Westerwick

Fussball, die schönste Nebensache der Welt

Den Herrn Gottschalk muss man nicht kennen um ihn für eine Fehlbesetzung zu halten.
Statt sich über die Leistungen des Vereins zu kümmern, schlägt er lieber Schaum und dreh seine freiheitlich demokratischen Piruetten.
Der Herr G. könnte glatt Staatssekretär werden, zuständig für Sport, wenn sein Verein absteigt und er vielleicht arbeitslos wird, weil keiner mehr sein Gehalt zahlen mag.

Es ist die übliche Masche, wenn sich einer in seiner Unfähigkeit ertappt fühlt, gegen die AfD schiessen ist immer gut, und vielleicht kann man denen ja auch den Abstieg in die Schuhe schieben, was weiss ja nie was kommt.

Gravatar: Tomas Poth

Ein weiteres Beispiel wie die Hetze und Verunglimpfung aus der RotGrünen Politecke zur Spaltung Deutschlands beiträgt und die Zerstörung unserer Demokratie mit EU-Totalitarismus und Masseneinwanderung aus totalitären Glaubenssystemen vorantreibt.

Gravatar: Gerd Müller

Wir sind schon ganzschön weit gekommen, auf dem Weg ins deutsche Absurdistan.

Ich glaube jeder, der anderer Meinung ist als Millionen deutscher Bürger, darf hier seine persönliche Sau durchs Dorf jagen, ganz wie es ihm beliebt.

Anstatt diesen üblen, innerhalb der Merkel-Ära herausgebildeten Machenschaften demokratiefremder Zeitgenossen einen Riegel vorzuschieben, wird derlei Idiotismus aber sogar noch bejubelt ...

Ich glaube die jubeln vor lauter Eifer auch noch, wenn das Fallbeil schon im herabfallen befindlich ist und dies ohne zu begreifen, daß es um den eigenen Kopf geht !

Gravatar: Rainer Vocale

Und was kommt als nächstes, schlimmer wie zu Hitlers Zeiten - Zutritt nur für Arier.
Mit dem wollen wir nicht MiMiMiMi.
Dann müssen Sie auch bei den Grünen oder Linken die Mitgliedschaft verweigern wenn die der Antifa nahe stehen oder Mitglied sind oder bekennende Holis.

Gravatar: s.Braun

Auf so einen Schwachsinn würde unser Vorstand gar nicht kommen - beim "geilsten Club der Welt", auf der richtigen Seite des Mains ! Gegenüber, bei der Eintracht fangen sie auch schon an !

Gravatar: Stephan Botz

dieser Schwachkopf sollte lieber die Krawallmacher und Gewaltvertreter aus dem Stadion Verbannen.
Ich gönne dem HSV den Abstieg in die 3.Liga, dann wird den unfähigen Verantwortlichen ihre Gehaltsgrundlage entzogen. Die Diskriminierung intelligenter und verantwortungsvoller Bürger aus dem AfD Umfeld sollte angezeigt werden.

Gravatar: Ulrich Berndt

Die Zwangsgebühren für die Sportschau Übertragungsrechte nehmen sie aber schon,
auch wenn sie von Afd Mitgliedern kommen.

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