Zum Sommer droht Athen und EU Rückkehr der Schuldenkrise

Griechenland erneut vor der Pleite

Die Fronten zwischen europäischen Gläubigern und IWF sind verhärtet. Nachdem es zuletzt recht still war, kehrt die Griechenland-Krise wieder voll zurück auf die Agenda der EU-Politiker. Im Sommer droht Athen abermals das Geld auszugehen.

Veröffentlicht: | Kategorien: Nachrichten, Nachrichten - Politik, Nachrichten - Politik - Empfohlen, Startseite - Empfohlen, Startseite - Unterbühne | Schlagworte: Griechenland, Athen, Schuldenkrise, Staatsschulden, Wirtschaft, IWF, EZB, Gläubiger, Reformen, Wolfgang Schäuble
von

Lange war es ruhig um Griechenland, doch nun rückt mit aller Gewalt die nächste Finanzkrise näher. Ohne weitere Finanzspritzen droht im Sommer abermals die Pleite. Athen benötigt in den kommenden Monate neues Geld aus dem laufenden, dritten Rettungsprogramm, um seine Schulden bei der Europäischen Zentralbank zu bezahlen.

Allerdings haben die Griechen Reformen, die es den Geldgebern im Gegenzug für die Rettungsmilliarden zusagte, wieder nur zum Teil oder auch gar nicht umgesetzt. Es wird daher spannend, wie in einer sich wandelnden Welt, wo die Briten den Brexit verhandeln und in Frankreich Marine Le Pen Staatspräsident werden könnte, die Europäer reagieren.

Niemand von den bestimmenden Kräften in der EU hat derzeit Interesse an einer neuen Zuspitzung der Griechenland-Krise, die für sie weiter destabilisierend wirken könnte, wenn die Hellenen um jeden Preis in der Eurozone gehalten werden. Andererseits wird man ein Pleiteszenario ebenso scheuen in einem Land wichtiger Wahlen in EU-Staaten.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) bescheinigt den Griechen zwar viel geschafft zu haben, warnt aber, wenn Griechenland noch mehr spare als jetzt schon, werde sich das Wachstum verlangsamen, was sich wiederum negativ auf den Schuldenabbau auswirke. Es gibt weiter seitens des IWF keine Einigung mit den anderen Geldgebern.

Der IWF bleibt dabei, dass die griechische Schuldenlast von über 300 Milliarden Euro langfristig nicht aus eigener Kraft zu bewältigen sei. Ebenso zweifelt man Aussagen der europäischen Gläubiger an, Griechenland könne in den kommenden Jahren konstant einen Primärüberschuss (ohne Kreditlast) von 3,5 Prozent erreichen.

Dieses dritte Programm stabilisierte zwar die Lage kurzfristig, konnte aber an der Ausgangslage für Athen nichts ändern. Die Staatsschulden betrugen per Ende 2015 rund 180 Prozent des Bruttoinlandsprodukt und sind fast doppelt so hoch wie vor der Krise. Die griechische Wirtschaft wurde schlicht nicht wieder wettbewerbsfähig.

Daher wird von mehreren bei den aktuellen Griechenland-Verhandlungen zwischen Gläubigern und IWF die Meinung vertreten, dass wohl weitere Schuldenerleichterungen nötig sein werden, um die Schuldentragfähigkeit Griechenlands wieder herzustellen.

Für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wird ein Schuldenerlass für Griechenland kurz vor der Bundestagswahl im Herbst noch weniger zu vermitteln sein als vorher. Steigt der IWF jedoch aus, ginge es ebenfalls nicht, denn dann müsse man laut Finanzministerium abermals weitere Hilfen vom Bundestag absegnen lassen.

In Griechenland stiegen als ein Teil der Reformen zum Jahresbeginn 2017 erneut die Abgaben auf Benzin, Kaffee, Tabak, Mobiltelefonie und Festnetz. Zugleich wurde die Mehrwertsteuer erhöht wie auch die Abgaben vor allem der Freiberufler für Krankenversicherung und Rente. Trotzdem reicht es wieder einmal nicht.

Mehr dazu unter bazonline.ch

Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte
unterstützen Sie mit einer Spende unsere
unabhängige Berichterstattung.

Kommentare zum Artikel

Bitte beachten Sie beim Verfassen eines Kommentars die Regeln höflicher Kommunikation.

Gravatar: kassandro

Griechen-Premier Tsipras weiß natürlich ganz genau, dass für Angela Merkelanti Wahlen vor der Tür stehen und dafür tut sie bekanntlich alles. Er wird deshalb besonders dreiste Forderungen stellen und Mutti wird sie ihm erfüllen, koste es was es wolle. Hauptsache es ist Ruhe an der Euro-Front.

Gravatar: Frank Endres

Das ist ja nun wirklich etwas ganz Neues......

Gravatar: renhard

Was sollen diese plakativen Nachrichten bewirken?
Jedem von uns der einigermaßen das kleine Einmaleins
beherrscht, war doch von Anfang an klar, daß Griechen-
land bankrott war und ist. Das Land hat jahrelang weit
über seine Verhältnisse gelebt. Ein Land das auf Pump
lebt kann nie und nimmer aus diesem Schlamassel
herauskommen vor allem nicht bei einer äußerst schwach
ausgeprägten industriellen Struktur. Natürlich tut einem das griechische Volk leid. Aber ohne einen Austritt aus dem Euro wird dieses Land niemals von eigenem Geld leben können. Wenn es so weitergeht wie bisher, wird der Euro früher oder später darüber noch in Gänze zerbrechen.

Wir schimpfen Alle auf Merkel (ich auch) aber der eigent-
liche Verursacher dieser ganzen Misere war Kohl. Kohl
hat sich in einer Selbstherrlichkeit über die Warnungen
von Fachleuten zur Einführung des Euro hinweggesetzt,
die uns eben heute voll auf die Füße fällt. Seine Wieder-
vereinigungseuphorie hat Ihn völlig blind gemacht vor den
Gefahren die Er u.a. gegenüber Mitterand und anderen
eingegangen ist. Er, Kohl und sein damaliger FM Waigel,
sind die Verursacher dieser ganzen verrückten und un-
überlegten Währungsunion! Und das ist im nachhinein
ein gewaltiger Preis den wir für die Wiedervereinigung
zahlen.

Gravatar: Aufbruch

"Trotzdem reicht es wieder einmal nicht." Was ja auch zu erwarten war. Und nun sind es wieder die politischen Zwänge, wie die bevorstehenden Wahlen, die es nicht zulassen, endlich klar Schiff zu machen und die Griechen aus dem Euro zu entlassen. Ein Zwang dürfte jedoch entfallen sein. Es gibt keinen Obama mehr, der den Europäern ins Stammbuch geschrieben hatte, Griechenland im Euro zu halten, koste es den Steuerzahler, was es wolle. Auch wenn die Flüchtlingskrise die Euro-Griechenlandkrise eine Zeitlang überlagert hatte, wird diese Euo-Land bald wieder überfallen. Es ist fraglich, ob die dann erneut entstehenden Risse nochmals zu kitten sind, wenn hier kein Neuanfang gemacht wird.

Gravatar: Dirk S

Zitat:"Griechenland erneut vor der Pleite"

Eigentlich ist die Schlagzeile falsch, korrekt wäre: "Griechenland immer noch vor der Pleite".

Zitat:"Lange war es ruhig um Griechenland,"

Lange standen andere Nachrichten und Personen im Focus der Presse. Griechenland war aber genauso Pleite wie zuvor.

Zitat:"Ohne weitere Finanzspritzen droht im Sommer abermals die Pleite."

The same procedure than every year. Nix neues.

Zitat:"Athen benötigt in den kommenden Monate neues Geld aus dem laufenden, dritten Rettungsprogramm, um seine Schulden bei der Europäischen Zentralbank zu bezahlen."

Hmm, die Älteren unter uns erinnern sich an letztes Jahr. Und an das Jahr zuvor. Und an die Jahre davor. Und die ganz Alten an den Beginn der Krise 2010.

Zitat:"Allerdings haben die Griechen Reformen, die es den Geldgebern im Gegenzug für die Rettungsmilliarden zusagte, wieder nur zum Teil oder auch gar nicht umgesetzt."

Auch nichts neues. Schon die alten Griechen haben sich um die Siege in den Perserkriegen gegenseitig betuppt. Wann kapieren es die Geldgeber endlich? Die Griechische Regierung will das gar nicht. Die sucht einen Sponsor und will weitermachen wie bisher.

Zutat:"Andererseits wird man ein Pleiteszenario ebenso scheuen in einem Land wichtiger Wahlen in EU-Staaten."

Hmm, in DE wird man gewählt werden, wenn man verspricht, GR pleite gehen zu lassen. Weil, die Deutschen haben von der GR-Show die Nase voll. Und der Urlaub im GR würde auch billiger.

Zitat:"Der Internationale Währungsfonds (IWF) bescheinigt den Griechen zwar viel geschafft zu haben,"

Aber das Wichtigste haben die Griechen nicht geschafft: Die Verwaltung organisiert zu bekommen und die Korruption (Fakelaki) zu beenden. Und solange GR sich verwaltungstechnisch noch in der Zeit des Osmanischen Reiches befindet, solange wird sich an der Situation auch nichts ändern.

Zitat:"Der IWF bleibt dabei, dass die griechische Schuldenlast von über 300 Milliarden Euro langfristig nicht aus eigener Kraft zu bewältigen sei."

Das stimmt. Aber ein Schuldenerlass kann nur als Belohnung am Ende stehen, nicht am Anfang. Ist wie mit Kindern, das Eis gibt es ja auch erst nach dem die Hausaufgaben gemacht wurden und nicht davor.

Zitat:"Ebenso zweifelt man Aussagen der europäischen Gläubiger an, Griechenland könne in den kommenden Jahren konstant einen Primärüberschuss (ohne Kreditlast) von 3,5 Prozent erreichen."

Da wäre ich auch vorsichtig. Griechische Statistiken sind gerne mal getürkt.

Zitat:"Dieses dritte Programm stabilisierte zwar die Lage kurzfristig, konnte aber an der Ausgangslage für Athen nichts ändern."

Wie ich schon geschrieben habe, Verwaltung und Korruption müssen angegangen werden.

Zitat:"Die Staatsschulden betrugen per Ende 2015 rund 180 Prozent des Bruttoinlandsprodukt und sind fast doppelt so hoch wie vor der Krise."

Wie schon geschrieben, Schuldenerlass als Belohnung, wenn die Hausaufgaben gemacht sind und GR eine moderene europäische Verwaltung hat. Und natürlich das Fakelaki beendet ist.

Zitat:"Die griechische Wirtschaft wurde schlicht nicht wieder wettbewerbsfähig."

Was auch kein Wunder ist. Korruption und Privilegienwirtschaft legen GRs Wirtschaft lahm.

Zitat:"Daher wird von mehreren bei den aktuellen Griechenland-Verhandlungen zwischen Gläubigern und IWF die Meinung vertreten, dass wohl weitere Schuldenerleichterungen nötig sein werden, um die Schuldentragfähigkeit Griechenlands wieder herzustellen."

Leute beim IWF, am Ende als Belohnung, nicht mittendrin. Denn genau das wollen die Griechen doch. Weiterwursteln wie bisher.
Leute beim IWF, habt ihr keine Kinder? Verhandelt mit den Griechen wie mit Kindern. Und Ihr werdet Erfolg haben.

Zitat:"Für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wird ein Schuldenerlass für Griechenland kurz vor der Bundestagswahl im Herbst noch weniger zu vermitteln sein als vorher."

Ach was, einfach gleichzeitig die Rente erhöhen und gut ist. Der Wähler ist käuflich.

Zitat:"Steigt der IWF jedoch aus, ginge es ebenfalls nicht, denn dann müsse man laut Finanzministerium abermals weitere Hilfen vom Bundestag absegnen lassen."

TINA ist prima! Sagt doch Frau "alternativlos" Merkel immer.
(TINA = There Is No Alternative)

Zitat:"In Griechenland stiegen als ein Teil der Reformen zum Jahresbeginn 2017 erneut die Abgaben auf Benzin, Kaffee, Tabak, Mobiltelefonie und Festnetz. Zugleich wurde die Mehrwertsteuer erhöht wie auch die Abgaben vor allem der Freiberufler für Krankenversicherung und Rente. Trotzdem reicht es wieder einmal nicht."

Ein Problem, das GR hat, ist, dass es keine geordnete Finanzverwaltung gibt und dass massenhaft Steueren hinterzogen werden, gerade die Mehrwertsteuer. Keine Rechnung, keine MwSt. Und wer (Einkommen-)Steuern zahlt, hat selbst schuld.

GR hat noch einen langen Weg vor sich, um aus der Krise zu kommen, wenn es keinen Sponsor findet. Das beginnt mit den Griechen selbst, die nach über 180 Jahren Unabhängigkeit mal langsam ihren Staat nicht mehr als auszuplündernden Feind ansehen sollten, sondern als Gemeinschaftsprojekt. Und natürlich müssen die Griechen ihre Verwaltung modernisieren und auf das geliebte Fakelaki verzichten, von Steuern zahlen ganz zu schweigen. Kurz, das Osmanische Reich hinter sich lassen und in der Moderne ankommen.

Wer sich über die Probleme GRs informieren möchte, dem seien gerade die alten Artikel von Wassilis Aswestopoulos auf telepolis zu empfehlen.

Hoffnungsfreie Grüße,

Dirk S

Gravatar: Alfred

Es ist Karnevalstimmung..... Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld????....

Merkel stellt sicher einen Blanko-Scheck aus? Man darf doch die Wiege der weltgrößten Mafiabande nicht untergehen lassen...

Gravatar: K Becker

Und was tut unser Bundeverfassungsgericht?
Was tut unser Justiz?
Der Volksbetrug ist in Ordnung - hochrichterlich in Übereinstimmung mit unserer Regierungs-Kaste festgestellt.
Das Volksvermögen und das "Deutsche Volk" wird der persönlichen Machtgiiier geopfert, und Alle, Rückgratlosen, machen mit.
Armes Griechenland, armes Europa und versifftes Deutschland.
Alles die ich kenne oder mich unterhalte, sind gegen diese versiffte Politik.
Wo kommen die Umfragewerte her?

Gravatar: Dirk S

@ K Becker

Zitat:"Und was tut unser Bundeverfassungsgericht?"

Liegt denn eine Vrefassungsbeschwerde vor? Und, wäre das BVerfG überhaupt zuständig (was ich zu bezweifeln wage)?

Zitat:"Was tut unser Justiz?"

Nichts, solange kein Anfangsverdacht vorliegt bzw. keine Klage erhoben wurde. Wobei man nicht vergessen sollte, dass die Staatsanwaltschaften weisungsgebunden (gegenüber den Justizministern / -senatoren) sind.

Zitat:"hochrichterlich in Übereinstimmung mit unserer Regierungs-Kaste festgestellt."

Na ja, die Richter werden von der Politik bestimmt. Und die ernennen nun mal ihnen genehme Leute zu Richtern.

Zitat:"Alles die ich kenne oder mich unterhalte, sind gegen diese versiffte Politik."

Dann unterhalten Sie sich doch einfach mal mit anderen Leuten. (Es ist normal, dass man sich über solche Sachen bevorzugt mit Leuten unterhält, bei denen man eine ähnliche Meinung vermutet, was dann als Verstärker der eingenen Meinung wirkt. Das ist normal, aber nicht immer hilfreich. So was kann im Extremfall zu einer weltanschaulichen Isolation führen, so wie bei AntiFanten und anderen Extremisten.) Wenn Sie mutig sind (und schnell laufen können) mit AntiFanten, ansonsten mit weniger Risiko mit ihrem Kreisabgeordneten. Die werden schon eine andere Meinung haben.

Zitat:"Wo kommen die Umfragewerte her?"

Aus dem Umfragecomputer?

Umfragefreie Grüße,

Dirk S

Gravatar: pandahugger

Fatso Kohl ist in der Währungsfrage von Mitterand über
den Tisch gezogen worden, was er nicht eingestehen
wollte. Sein damaliger Währungsberater, der ehemalige
Sparkassendirektor Köhler, hat gemeint, Frankreich durch die Maastrichtkriterien bändigen zu können. Sancta Simplicitas! Schon die amerikanischen Ver-
fassungsväter haben sich über die "paper barriers"
lustig gemacht. Die Franzosen und Italiener sind mit Kohl, Waigel, Köhler und der Trulla umgesprungen wie mit Marionetten. Über die Maastrichtkriterien haben die Bercy-Spezialisten schon bei der Abfassung gehöhnt. Die Tragödie ist, dass Frankreich nach Mitterand über kein Kaliber mehr verfügte, das den deutschen, von den USA manipulierten Weicheiern gegenüber hätte gegen-steuern können. Und diese "Elite" behauptet immer noch, der EURO nutze vor allem Deutschland. Alan Greenspan, der anders als Köhler, von der traurigen Figur Waigel gar nicht zu reden, etwas von Währung verstand, verkündete seinerzeit lächelnd: "Der Euro kommt und geht auch wieder". Joseph Stieglitz gibt die-ser Esperanto-Währung jetzt noch 18 Monate. Dann
werden unsere "Macher" hoffentlich zur Rechenschaft
gezogen.

Gravatar: Karin Weber

Es war nicht "lange Zeit ruhig", sondern es wurde wieder bewusst verschwiegen. Schäuble wird mit einer Zwischenschenkung sicherlich bis zur Wahl noch einmal den Mantel des Schweigens ausbreiten. Danach kommt die bittere Wahrheit ans Licht. Die Beträge, die Merkel mittlerweile verramscht hat, erreichen in der Summe sicher einen hohen 3-stelligen Milliardenbetrag.

Schreibe einen Kommentar


(erforderlich)

Zum Anfang