Heute vor 200 Jahren war das Wartburgfest

Ein verdrängter Geburtstag von Demokratie und Schwarz-Rot-Gold

In Jahrzehnten zuvor fanden runde Jahrestage des Wartburgfestes noch allerlei festliche Würdigung. Heute jährt sich die erste deutsche Demonstration für Freiheit und Demokratie, auf der erstmals Schwarz-Rot-Gold gezeigt wurde, zum 200. Male. Politik und Medien blenden das Jubiläum aus.

Veröffentlicht: | Kategorien: Nachrichten, Nachrichten - Lebenswelt, Nachrichten - Lebenswelt - Empfohlen, Startseite - Empfohlen | Schlagworte: Bürgerrechte, Burschenschaften, Demokratie, Eisenach, Karl Albert von Kamptz, Karl August, Kleinstaaterei, Martin Luther, Nationalbewegung, Reformation, Schwarz-Rot-Gold, Studenten, Verfassung, Wartburg, Wartburgfest
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Selbst zu Zeiten der deutschen Teilung gehörte das Wartburgfest in West wie Ost zu jenen historischen Ereignissen, die beiderseits der Grenze Würdigung fanden. Das Aufbegehren junger Menschen für mehr Bürgerrechte und gegen Kleinstaaterei wurde als ein wichtiger Meilenstein der Demokratie- und Nationalbewegung Deutschlands gefeiert. Es gab Festakte und Sonderbriefmarken.

In diesem Jahr könnte man die 200. Wiederkehr des Wartburgfestes groß feiern, aber anders als etwa noch vor 15 Jahren sucht man dazu vergebens. Bis auf eine kleine Pressemitteilung der Jungen Union Thüringen, das Wartburgfest doch nicht »Politikern vom rechten Rand« zu überlassen (wo aber sind überhaupt welche?), schweigt die Politik fast ausnahmslos. Bei den Medien gehen fast nur lokale Medien rund um Thüringen auf dieses runde Jubiläum ein.

Am 18. Oktober 1817 versammelten sich 500 politisch unzufriedene Studenten auf der thüringischen Wartburg. Sie protestierten gegen die reaktionäre Politik der Fürsten, forderten eine demokratische Verfassung, die unter anderem Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit garantiert, sowie ein Ende der deutschen Kleinstaaterei.

Im Zuge der Zusammenkunft am Rande von Eisenach wurden vor 200 Jahren erstmals schwarz-rot-goldene Fahnen gezeigt. Die Farben symbolisierten als Zeichen der Nationalbewegung die Uniform des Lüzowschen Freikorps (schwarzer Uniformrock, rotes Halstuch, goldene Knöpfe), welches in den Befreiungskriegen als Freiwilligenverband gegen Napoleon kämpfte.

Die staatliche Obrigkeit sah in dem Zusammentreffen auf der Wartburg natürlich gefährliche Umstürzler. So protestierte etwa der Direktor im Berliner Polizeiministerium Karl Albert von Kamptz, im Namen Preußens scharf bei Großherzog Karl August gegen den »Haufen verluderter Studenten und Professoren« und verlangte die zum »Asyl für Staatsverbrecher« mutierte Universität Jena zu schließen.

Die Wahl der Wartburg als Ort war aus drei Gründen bewusst gewählt: Erstens wegen der Nähe zur Universität Jena mit ihren national aufbegehrenden Studenten, zweitens wegen der liberalen Einstellung von Großherzog Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach und drittens vor allem wegen ihrer Bedeutung als Nationalsymbol.

Die Burg war in den Jahren 1521/22 Zufluchtsort Martin Luthers, den eine päpstliche Bannbulle und das Wormser Edikt für vogelfrei erklärt hatte. Als »Junker Jörg« getarnt verbrachte Luther die Zeit dort mit der ersten Bibelübersetzung - und schuf dafür angesichts unzähliger Dialekte eine neue hochdeutsche Schriftsprache, die für alle deutsche Länder verständlich sein sollte.

Luthers Werk, die Heilige Schrift ins Deutsche zu übertragen und so dem einfachen Volk zugänglich zu machen, machte die Wartburg zu einer bedeutsamen Stätte der jungen Nationalbewegung. Wie passend war es auch, dass just im Jahr 1817 sich Luthers Anschlag der 95 Thesen an die Schloßkirche zu Wittenberg und damit die Geburtsstunde der Reformation zum 300. Male jährte.

In dem Versammlungsaufruf der Studenten stand demzufolge: »Da in diesem Jahr das Reformationsjubiläum gefeiert wird, so wünschen wir gewiß mit allen braven deutschen Burschen dieses Fest am 18ten October 1817, und zwar auf der Wartburg bey Eisenach zu feiern.«

Die in Burschenschaften zusammengeschlossenen Studenten verlangten dabei in einem Forderungskatalog von den Fürsten ein Ende der territorialen Zersplitterung, geistige Freiheit, bürgerliche Freiheitsrechte und ein vereintes Deutschland anstelle des Deutschen Bundes mit seinen zahllosen Kleinstaaten.

Der französische Historiker Etienne François beschrieb das Wartburgfest später als Zusammenkunft politisch unzufriedener Studenten derart: »Ein ganz aktiver Kreis, eine Gruppe von liberalen, nationalen Studenten, die mehr als reine Studenten sein wollten, sondern die sich als Avantgarde der künftigen deutschen Nation verstanden.«

Weiter beschreibt François: »Alle zogen am Vormittag des 18. Oktober 1817 nach oben auf den Berg, und das war eine Art von säkularer Prozession, es gab auch eine große Fahne. Und diese Fahne war eine schwarzrote Fahne, und an den Seiten waren goldene Fäden, also das war im Grunde die erste Vorform der modernen deutschen Fahne. Und als sie oben in den großen Rittersaal kamen, da gab es eine Art halb säkularer, halb protestantischer Liturgie.«

Bekannter wurde das Wartburgfest vor allem durch durch die Geschehnisse am Abend, als noch eine kleinere, politisch radikalere Studentengruppe mit Fackeln den nahe gelegenen Wartenberg hinaufzog, wo bereits im Rahmen eines Volksfestes mehrere »Siegesfeuer« zum Gedenken an den vierten Jahrestag der Leipziger Völkerschlacht entzündet waren.

Dort wollte dieser Kreis ein Zeichen setzen, so wie einst Luther aufbegehrte und die päpstliche Bannbulle verbrannte, wurden neben obrigkeitsstaatlichen Gegenständen wie ein Korporalsstock und ein Ulanen-Schnürleib auch symbolisch reaktionäre Schriften verbrannt.

Linke Kreise wollen heute darin natürlich eine Vorstufe zur Bücherverbrennung 1933 sehen, doch die Menschen von 1817 können sich nicht dem gegenüber erwehren, was andere 116 Jahre später machen. Es handelte sich 1817 nicht um echte Bücher, sondern es waren Makulaturballen, zu denen unter Nennung eines Titels erklärt wurde, welchen Ungeist gegen die Freiheit diese vertreten.

Das was vor 200 Jahren verbrannt wurde, vernichtete somit nicht wirklich wie auch immer geartete Kulturgüter, sondern sollte rein symbolisch die Abneigung gegenüber Verächtern von Freiheit, Demokratie, Bürgerrechte und staatlicher Einheit manifestieren. Die spätere Bücherverbrennung hatte völlig andere Inhalte.

Dem Wartburgfest 1817 folgte wenig später das zeitweise Verbot der studentischen Burschenschaften durch die staatliche Obrigkeit. Universitäten wurden überwacht und unzählige Studenten sowie sympathisierende Professoren verhaftet. 1832 folgte mit dem Hambacher Fest in der Pfalz eine weitere Manifestation patriotisch und freiheitlich gesonnener Studenten.

1848 gelang es schließlich im Zuge der bürgerlichen Revolution sich die Frankfurter Paulskirchenversammlung als erstes deutsches Parlament zu erkämpfen. Eine Verfassung wurde verabschiedet, welche die Forderungen von 1817 aufnahm. Leider scheiterte diese Nationalversammung nach einem Jahr, doch der Siegeszug war nicht mehr aufzuhalten, insbesondere nachdem 1871 es schließlich doch gelang, die Kleinstaaterei zu überwinden.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Unmensch

Deutschland hat keine Kultur und soll auch keine haben, um Platz zu machen für den Islam.
Deutschland hat keine Geschichte, nur die Nazis, um Schuld zu machen für die Selbstaufgabe.
Deutschland hat keine Regierung sondern eine Mutti, um Kinder zu bekommen für den Generationswechsel.

Gravatar: Mark Anton

Verdrängung ist sehr häufig im Kontext von politischen Fehlleistungen zu finden

(Siehe auch hierzu Leon Festingers Theorie der "Kognitiven Dissonanz" (-Reduktion, KDR) und Sigmund Freuds "Psychoanalyse").

Gravatar: Ekkehardt Fritz Beyer

… „Am 18. Oktober 1817 versammelten sich 500 politisch unzufriedene Studenten auf der thüringischen Wartburg. Sie protestierten gegen die reaktionäre Politik der Fürsten, forderten eine demokratische Verfassung, die unter anderem Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit garantiert, sowie ein Ende der deutschen Kleinstaaterei.“ …

Heute aber geht es auch den deutschen Regierungspolitkern wie ihren Wasserträgern auch m. E. noch um Globalismus - vor allem aber sich selbst!!!

Sind dem Verfassung, Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit etc. nicht völlig abträglich???

Gravatar: mah

Ich finde das Verschweigen des Jahrestages absolut verständlich.

Herzog Karl-August hat sich damals weder eindeutig zur Homoehe positioniert, noch hat er aktiv CO2-Moleküle bekämpft. Von fortschrittlichen Gender-Positionen wollen wir mal gar nicht erst reden. All das wäre ihm auf Grund seiner patriarchalen Machtposition durchaus möglich gewesen.
Aber es kommt noch schlimmer.
Dieser Patriach hat es sogar geduldet, dass sich Studenten auf der Wartburg versammeln und dort völkische Gedanken äußern. Damit ist er direkter Vorkämpfer der Judenvernichtung.

Frage: Ehm..ja..könnte man vielleicht diese Sache und den Herzog im Rahmen der damaligen Zeit ....

Antwort: Es ist unerträglich, solche völkischen, homophoben, sexististischen, islamophoben, transgender-feindlichen, dunkeldeutsch-rechtspopulistischen Gedanken hier zu äußern. Dazu ist in unserer freiheitlich-bunten-diversen Gesellschaft kein Platz.

Sakasmus ist hiermit beendet.

Man kann sich darüber aufregen oder auch nicht, aber es bleibt eine Tatsache, dass wir heute in der jüngeren Generation viele Leute haben, denen das Wartburg-Fest oder ähnliche Traditionen völlig egal sind. Sie wissen nicht nur nichts darüber, sie wollen es auch nicht wissen.
Damit nicht genug, diese Leute lehnen auch jede Diskussion ab mit "Argumenten" wie oben aufgelistet.
Persönliche Herabsetzungen gelten eben heute als Argumente, da man nichts anderes hat.

Und wo kommen alle diese Leute her?
Ich kann diese Frage nicht erschöpfend beantworten.
Letztlich hat unsere Gesellschaft sie produziert.

Frage: Gibt es eine Umkehr dieser irren Verhältnisse?
Antwort: Eindeutig ja.
Frage: Wann?
Antwort: Wenn der Leidensdruck hoch genug ist.
Frage: Hätten Sie vielleicht mal 'ne Jahreszahl?
Antwort: Nein.

Bin ich optimistisch? Ja, auf jeden Fall. Wir kriegen unser Land zurück.
Wir sind auch keinesfalls alleine. Die Ungarn, die Polen, die Österreicher haben den Kopf gehoben.

Das ist das Europa, was ich mir wünsche. Selbstbewußte Nachbarn, stolz auf sich selbst und unkompliziert im Umgang. Offen für Neues und jederzeit mit dem Recht auch mal Nein sagen zu dürfen und dabei doch der Zusammenarbeit zugetan.

Tja, so kommt man vom einen zum anderen.....ehm...ja..

Gravatar: rinhard

Eigentlich waren die Deutschen doch noch nie so richtig
frei. Dazu müßte sich die deutsche Mentalität grundsätz-
lich ändern. Solange der Deutsche sich mehr als ein Un-
tertan als ein freier Bürger oder besser noch als freies
Individuum versteht, wird keine echte Freiheit einkehren.
Der Glaube an den Obrigkeitsstaat, der Glaube an das
Kollektiv (Schaafherde) ist die vorherrschende Maxime
der Deutschen.

Wäre die sog. deutsche Masse wirklich frei in ihrem
Handeln und Tun, in ihrer Sprache und Kritik, wäre das
Wahlergebnis am Abend des 24.09.2017 anders ausge-
fallen. Ähnlich wie vor 200 Jahren wird in anderer Form
auch heute noch das deutsche Volk unterdrückt nur eben
viel raffinierter und subtiler wie im 19. Jahrhundert. Die neuen Fürsten heute die Altparteien, die Gewerkschaf-
ten und natürlich wieder die Kirchenpatrone, die Kultur- und Sprachregelungsfürsten, die Medienfürsten die die Keule der Unfreiheit als sog. "political correctness" über den Köpfen der Untertanen schwingen.

Und die Masse der Deutschen erträgt geduldig dieses
System der fein austarierten politischen Manipulation
und Bevormundung die letzendlich nichts anderes als
Unterdrückung ist, ohne zu spüren, wie der Einzelne von
uns immer ohnmächtiger wird gegen diese System-
fürstaneien.

Wären wir innerlich wirklich frei und würden nicht das
Heil und die Glückseligkeit stets bei und von den Obrig-
keitsträgern erwarten, würde es heute nicht zum denkbar
schlechtesten vom Schlechten kommen "Jamaica". Da wir das aber offensichtlich nicht sind, reiben sich die Fürsten heute wieder die Hände und werden ungestört Ihr ruchloses politisches Spiel zum Schaden des Deut-
schen Volkes fortsetzen.

Ich bin aber sicher, daß die Zeit kommen wird, wo auch
die deutsche Geisteswelt wieder auferstehen und für
eine Befreiung bzw. für eine Reform dieser herrschen-
den politischen Fürstentümer aufrufen wird.

Gravatar: Reinhard Hoffmann

Nicht nur das Wartburgfest soll vergessen gemacht werden, sondern alle Daten an denen zumindest Teile des deutschen Volkes gegen die Obrigkeit aufbegehrten. Dazu zählt die Meuterei der Matrosen der Kriegsmarine im November 1918, die das Ende des ersten Weltkrieges einleutete, von deutschen Historikern systemkonform klein geschrieben wird. Von Hitler als „Novemberverbrecher“ beschimpft, sind sie bis heute nicht rehabilitiert. Im Widerstand gegen Hitler fokussiert sich alles auf den Namen Staufenberg, der einer Offizierskaste angehörte, die Millionen in den Tod kommandierte. An die zivilen Widerstandskämpfer, unter anderen die Geschwister Scholl, erinnert niemand. Am 17.Juni 1953 erhoben sich die Ostdeutschen als erste in einer kommunistischen Diktatur gegen die Machthaber, ein Datum das zu recht bis vor wenigen Jahren mit einem Feiertag geehrt wurde. Am 9. November 1989 stürmten DDR Bürger die Berliner Mauer und fegten das Bonzen Regime hiweg. Anstatt diesen Tag zu würdigen, wird der sinnfreie 3. Oktober gefeiert. Das Volk hat einfach Maul zu halten.

Reinhard Hoffmann

Gravatar: karlheinz gampe

@ Unmensch
Diese Mutti ist unfruchtbar und deshalb keine Mutti. Sie schielt deshalb nach den Kindern anderer Mütter. Sie will Fremde adoptieren ? Haben der US Präsident und andere recht, wenn sie sagen diese Frau ( Mutti) ist geisteskrank oder geistig gestört ?

Gravatar: karlheinz gampe

Lügenpresse manipuliert und verschweigt Tradition und Geschichte . Selbst Helmut Schmidt, der sagte schon, dass sie unsere Geschichte verfälscht haben !

Gravatar: Markus Engelsberger

«Gesetzgeber oder Revolutionäre, die Gleichheit und Freiheit zugleich versprechen, sind Phantasten oder Scharlatane"

Goethe

„Die Frage nach der Souverainität des Volkes läuft im Grunde darauf hinaus, ob irgend Jemand ursprünglich das Recht haben könne, ein Volk wider seinen Willen zu beherrschen.

Wie sich Das vernünftigerweise behaupten lasse, sehe ich nicht ab.

Allerdings also ist das Volk souverain; jedoch ist es ein ewig unmündiger Souverain, welcher daher unter bleibender Vormundschaft stehn und nie seine Rechte selbst verwalten kann, ohne gränzenlose Gefahren herbeizuführen;

zumal er, wie alle Unmündigen, gar leicht das Spiel hinterlistiger Gauner wird, welche deshalb Demagogen oder Demokraten heißen.“

A. Schopenhauer: Parerga und Paralipomena II, Erster Teilband, S. 269, § 126 (Ausgabe Diogenes 1977 ISBN 3 257 20429 0)

Gravatar: Peter der Kleine

"Die staatliche Obrigkeit sah in dem Zusammentreffen auf der Wartburg natürlich gefährliche Umstürzler."

Die gleiche Furcht ist heute der Grund, weshalb man das Wartburgfest vergessen lassen will.

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