Die Stasi lebt weiter, solange ihre Methoden nicht verstanden sind

Die Stasi hat Geburtstag und feiert ihre Auferstehung

Am 8. Februar 1950 wurde die Stasi gegründet, kurz nach Gründung der DDR. Aufgelöst wurde sie 1990. Doch das war nicht ihr Ende. Sie lebt weiter. Ihre Methoden haben sich nun auch im vereinten Deutschland etabliert.

Symbolbild PIxabay
Veröffentlicht: | Kategorien: Nachrichten, Nachrichten - Lebenswelt, Nachrichten - Politik, Startseite - Empfohlen | Schlagworte: Geheimpolizei NKGB, Internierungslager, Kontaktschuld, Militärtribunale, Netzwerkdurchsetzungsgesetz, SED-Führung, Stasi, Sowjetische Besatzungszone, Thilo Sarrazin
von

Es ist ein Geburtstag der besonderen Art. Kein Grund zum Feiern. Es gibt aber auch keinen Grund anzunehmen, dass die Stasi inzwischen Geschichte ist. Die Stasi wird so lange nicht überwunden sein, solange nicht verstanden wird, worin ihr schreckliches Wirken eigentlich bestand.

Unmittelbar nach Kriegsende waren die Härten und Grausamkeiten des Krieges noch allgegenwärtig. Mit der Sowjetarmee war auch die Geheimpolizei NKGB in die Sowjetische Besatzungszone gekommen. Sie verhaftete im großen Stil deutsche Zivilisten, die sie für Nazis hielt und errichtete gefürchtete Internierungslager. Es traf bald auch Demokraten aller Richtungen, also Personen, die keine Nazis waren, die sich aber gegen den Kurs zur Übertragung des sowjetischen Systems auf Deutschland stellten. 

Die SED-Führung war stark daran interessiert, sich eine eigene Machtbasis zu schaffen, und drängte schon seit 1948 darauf, eine eigenständige Geheimpolizei einzurichten, um unliebsame Personen zu verhaften und von Strafgerichten wegen angeblicher Spionage oder Sabotage zu langjährigen Haftstrafen, in vielen Fällen auch zum Tode verurteilen zu lassen.

Bis 1955 wirkten daran auch sowjetische Militärtribunale mit mehreren tausend Urteilen mit. Die Verfolgung traf sogar Angehörige der neuen SED-Führung und Minister der ersten DDR-Regierung. Die härteste Phase dieser Verfolgung reichte von der 2. Parteikonferenz im Juli 1952 bis zum Tod von Josef Stalin im März 1953. Eine kurze Geschichte kann man u.a. hier nachlesen.

Die Härte zeigte Wirkung. Die Grausamkeit war der Bevölkerung wohl bekannt. Die Drohung lauerte stets im Hintergrund. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Staat, ein offener Dialog, eine demokratische Kultur, eine freie Entfaltung intellektueller Kräfte war damit unmöglich geworden. Sie wurde im Keim erstickt.

Die Stasi war nicht nur eine Zensurbehörde, die sich damit begnügte, kritische Veröffentlichungen zu unterbinden. Die Stasi war eine Terror-Organisation, die gezielt einzelne Personen bekämpfte. Sie hatte dazu einen ganzen Katalog von so genannten zersetzenden Maßnahmen entwickelt, die bis hin zu körperlichen Angriffen reichten. Die Geschichte ihres brutalen Wirkens ist bis jetzt noch nicht geschrieben.

Sie konnten das Denken nicht angreifen, also griffen sie die Denkenden an. Menschen mit eigenen Gedanken wurden isoliert, ihre Korrespondenzen wurden überwacht und gefälscht, so dass sie verzweifeln mussten. Die Isolierung ging so weit, dass Gefangene nicht einmal mehr Blickkontakt haben durften.

Die Stasi-Methoden haben überlebt und sind im vereinten Deutschland unter Merkel wieder auferstanden. Merkels Umgang mit dem Fall Thilo Sarrazin kann dabei als Sündenfall gesehen werden: Die Auseinandersetzung mit seinen Gedanken wurde durch einen Angriff auf seine Person ersetzt. Er verlor seine Arbeitsstelle bei der Bundesbank. So sind die Stasi-Methoden: Ein Kritiker soll kein normales Berufsleben mehr haben können, er wird zur Unperson.

Die vielen inoffiziellen Mitarbeiter der Stasi waren damals genauso wenig qualifiziert, ihre folgenschweren Beurteilungen abzugeben, wie es die unterbezahlten Zuarbeiter sind, die heute im Dienste des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes massenhaft Löschungen vornehmen. Was für Kriterien sollen sie denn anlegen? Dieselben Kriterien, die schon bei der Stasi galten: Es gilt die Kontaktschuld. Wer hat wen getroffen? Wer hat mit wem gesprochen? Wer hatte mit wem Umgang? Die Feinde des Systems werden dabei in erster Linie als Bazillenträger gesehen, erst in zweiter Linie als Menschen. Sie gelten als ansteckend. Sie werden behandelt, als wären sie ein Virus.

Damit wird jedweder Zusammenhalt zersetzt, jedes Vertrauen untergraben. Misstrauen und Missgunst prägen die Stimmung. Es schlägt die Stunde der feigen Denunzianten, die keine Verantwortung übernehmen müssen für die Schäden, die ihre Beschuldigungen anrichten – Schäden bei den einzelnen Opfern, Schäden am gesellschaftlichen Klima. Wer die Stasi noch kennengelernt hat, hat in letzter Zeit immer wieder Aha-Erlebnisse. Wir haben neuerdings wieder, wie es Thilo Schneider geistreich genannt hat, eine Meinungsklima-Katastrophe.

Die Stasi ist nicht tot.  

Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte
unterstützen Sie mit einer Spende unsere
unabhängige Berichterstattung.

Kommentare zum Artikel

Bitte beachten Sie beim Verfassen eines Kommentars die Regeln höflicher Kommunikation.

Gravatar: Angie

@Anne R.

Nicht nur "Weissensee", auch "Das Leben der Anderen" ist gut. Pflichtprogramm für nachfolgende Generationen. Ulrich Mühe spielte es sehr eindringlich, er hatte die Stasi kennengelernt. RIP

Gravatar: Susi

So wie ich die heutige s.g. "Regierungsriege" hasse, habe ich zu DDR-Zeiten Honecker und Seinesgleichen nicht gehasst! Ich hätte so etwas niemals für möglich gehalten. Es ist alles noch viel schlimmer gekommen.

Schreibe einen Kommentar


(erforderlich)

Zum Anfang