Zu viel überschüssige Liquidität bei der Notenbank

Deutschen Banken drohen 2,2 Milliarden Euro Strafzinsen

Da die deutschen Banken nach wie vor zu wenig Kredite ausreichen, statt das Geld bei der Notenbank zu parken, drohen ihnen seitens der EZB Strafzinsen in Höhe von 2,2 Milliarden Euro. Dieses könnte abermals zu Lasten der Bankkunden gehen.

Veröffentlicht: | Kategorien: Nachrichten, Nachrichten - Wirtschaft, Nachrichten - Wirtschaft - Empfohlen, Startseite - Empfohlen | Schlagworte: Banken, Eurozone, EZB, Geldinstitute, Strafzinsen, Negativzinsen, Liquidität, Kredite, Barkow Consulting
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Den Banken der Euro-Zone gehen durch die Strafzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) immer höhere Summen verloren, wie aus aktuellen Berechnungen der Düsseldorfer Beratungsfirma Barkow Consulting erkennbar ist, die »Reuters« öffentlich machte. Zu erwarten ist, dass diese an die Kunden weitergegeben werden.

Allein die deutschen Geldinstitute hatten seit Jahresbeginn 900 Millionen Euro Zinsen zu zahlen, weil sie überschüssige Liquidität auf Konten der Bundesbank oder der EZB hielten.  Damit hat man schon jetzt fast das erreicht, was die heimischen Banken im gesamten vergangenen Jahr  an Strafzinsen zu leisten hatten: nämlich rund eine Milliarde Euro.

Mitte 2014 führte die EZB einen Strafzins auf Bankeinlagen von aktuell 0,4 Prozent ein. Das Ziel war, die Banken dazu zu bewegen, vermehrt Kredite an Firmen und Privatleute auszureichen, statt das Geld bei der Notenbank zu parken. Es wurde aber nur teilweise erreicht. Die Kreditvergabe kommt lediglich zögerlich in Schwung.

Mitte dieses Jahres hatten alleine die deutschen Banken rund 550 Milliarden Euro bei der EZB geparkt. Die Werte des ersten Halbjahres auf das gesamte Jahr 2017 hochgerechnet,  drohen von deutscher Seite bis zum Jahreswechsel Strafzinsen von 2,2 Milliarden Euro fällig zu werden. 

Bei den Banken in anderen Ländern der Euro-Zone sieht die Situation kaum besser aus. Alle an der EZB hängenden Institute in den 19 Euro-Ländern kamen im Juni auf eine Überschussliquidität in Höhe von 1,6 Billionen Euro. Das bedeutet im ersten Halbjahr 2,9 Milliarden Euro Strafzinsen - oder auf das Gesamtjahr hochgerechnet 6,6 Milliarden Euro.

Dabei sind die Probleme durch die EZB teils hausgemacht. Diese kauft bei den Banken in Größenordnungen Wertpapiere, um so bei einem Leitzins von null Prozent ihre Geldpolitik in Richtung höherer Inflation durchzudrücken. Mit den Käufen der EZB wird jedoch bei den Geldinstituten jene überschüssige Liquidität befördert, für die gleiche EZB sie mit Zinsen abstraft.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Heinz

Die Leute, die diesen Herrn Draghi ans Ruder gelassen haben sind an allen Folgen dieser Entscheidung Schuld.

Doch, wann wurde schon ein Schuldiger aus dieser Schubladen zur Verantwortung gezogen?

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