Als Richterin verhängte sie im SED-Regime Todesurteile

»Blutrichterin« Hilde Benjamin in Broschüre als »starke Frau« geehrt

Hilde Benjamin war Volksrichterin im SED-Regime. Sie verhängte Zuchthausstrafen von insgesamt 550 Jahren, in 15 Verfahren lautete ihr Urteil »lebenslänglich« und zwei Mal verurteilte sie Menschen zum Tode. Eine Broschüre in Berlin ehrt sie als »starke Frau«.

Bundesarchiv, Bild 183-14812-007 / Quaschinsky, Hans-Günter / CC-BY-SA 3.0
Veröffentlicht: | Kategorien: Nachrichten, Nachrichten - Politik, Nachrichten - Politik - Empfohlen, Startseite - Empfohlen | Schlagworte: Ehrung, Broschüre, Hilde Benjamin, SED-Richterin, Todesurteile, »starke Frau«
von

Das SED-Regime litt in den Anfangsjahren seiner Existenz unter dem Mangel an juristisch ausgebildetem Personal. Die meisten Richter hatten bis 1945 der NSDAP angehört und wurden daher für eine Weiterbeschäftigung in diesem Feld als ungeeignet betrachtet. Ab 1946 wurden in der SBZ daher Menschen an Volksrichterschulen respektive der Zentralen Richterschule zu sogenannten Volksrichtern ausgebildet. Eine von ihnen war Hilde Benjamin, die von 1949 bis 1953 in zahlreichen Verfahren der Vorsitz inne hatte.

Zu diesen Verfahren gehören auch 13 Prozesse, die Benjamin gegen Oppositionelle des SED-Regimes führte. Insgesamt verhängte Benjamin Zuchthausstrafen von 550 Jahren, schickte 15 Menschen lebenslänglich hinter Gitter und verhängte im Dresdner Schauprozess zwei Todesurteile (gegen Johann Buraniek und Wolfgang Kaiser), die 1952 vollstreckt wurden. Nicht zuletzt für diese beiden Urteile erhielt sie Beinamen wie die »Rote Guillotine«, »Rote Hilde« oder auch »Blutige Hilde«.

In einer vom Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf herausgegebenen Broschüre »Starke Frauen in Steglitz-Zehlendorf« wird die »Blutige Hilde« als eine solche starke Frau geehrt. Dabei hatte Benjamin bereits zu Lebzeiten genügend Ehrungen als treue Parteigenossin erfahren. 1955 und 1962 erhielt sie den Vaterländischen Verdienstorden, 1972 die Ehrenspange zum Vaterländischen Verdienstorden, 1977 und 1987 den Karl-Marx-Orden und 1982 den Stern der Völkerfreundschaft. Ihre Urne wurde nach ihrem Tod im April 1989 in einem Staatsakt unter Teilnahme der Politbüromitglieder Egon Krenz, Erich Mielke und Alfred Neumann mit militärischen Ehren auf der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde beigesetzt.

Die beiden von Hilde Benjamin zum Tode verurteilten und später von SED-Schergen hingerichteten Buraniek und Kaiser wurden 2005 rehabilitiert.

Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte
unterstützen Sie mit einer Spende unsere
unabhängige Berichterstattung.

Kommentare zum Artikel

Bitte beachten Sie beim Verfassen eines Kommentars die Regeln höflicher Kommunikation.

Gravatar: Gerd Müller

Ich, als ein ehemaliger Ostzonenzwangsbürger, dessen Vater, ein Mittelständler, durch eine verlogene und erfundene Stasianklage zu 10 Jahren Zuchthaus und entschädigungslosem Einzugs seines Vermögens von so einem „SED-Gericht“ verurteilt wurde, weiß daß diese Benjamin das ekelhafteste war, was diese Zeit hervorbrachte.

In meinen Augen ist sie nicht weit weg von dem Lumpen Roland Freisler, der seinerzeit im Reichsgerichtshof wütete !

Aber wie alles, wird hier durch das deutsche Gutmenschentum beschönigt und verklärt, bis zur Unkenntlichkeit und der Jugend, die diese Zeiten Gott sei Dank nicht erleben mußte, ein völlig falsches Bild des damaligen Ostzonenregimes vorgegaukelt !

Warum wohl ?

Gravatar: Donald Ganter

Die Verantwortlichen aus dem Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf wiedern mich an.... nicht zum ersten mal.

Gravatar: Thomas Waibel

Es wäre interessant zu erfahren, was passieren würde, wenn jemand Roland Freisler einen starken Mann bezeichnen würde.

Gravatar: karlheinz gampe

Wie kann es sein, dass links indoktrinierte geistig Kranke in der BRD Ämter ausüben und eine kriminelle, mordende Blutrichterin des mörderischen Stasi Staates ehren. Ist die BRD von diesem linken , roten, widerlichem und ekelhaften Stasipack unterwandert ? Solche Leute haben in den Amtsstuben einer Demokratie nix verloren. Wann wird diesen widerlichen Antidemokraten der Prozess gemacht ?

Gravatar: Jörg

Parallelen zum Vorgehen des heutigen "Rechtsstaates" sind sicher reiner Zufall. Zumindest weiss man jetzt welchen Vorbildern gefolgt werden soll.

Gravatar: Ekkehardt Fritz Beyer

… In einer vom CDU regierten „Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf herausgegebenen Broschüre »Starke Frauen in Steglitz-Zehlendorf« wird die »Blutige Hilde« als eine solche starke Frau geehrt.“ …

War dies nicht nur unter der CDU und einer Parteichefin möglich, die vom Kommunismus scheinbar einfach nicht lassen kann??? https://www.youtube.com/watch?v=-Dj_Cp_Bg0Y

Gravatar: E. Ludwig

@Thomas Waibel
Zitat:Es wäre interessant zu erfahren, was passieren würde, wenn jemand Roland Freisler einen starken Mann bezeichnen würde.

Ja, das wäre wahrlich interssant, denn soviel ich weiß, war er bis 1936 strammes Mitglied der KPD.

E. Ludwig

Gravatar: Theo

Steglitz-Zehlendorf.

Gut, dass man dort nicht leben muss.

Wo Stalinistische Massenverbrechen der DDR derart hochgejubelt werden, sollte man dann auch nicht mehr Ernst Reuter und Willy Brand ehren.

Denn damit setzt man die Charakter-Politiker der Bonner Republik in Berlin mit den Mördern der DDR-Perversenzone gleich.

Gravatar: Frank

Vermutlich stand ein Bild von Frau Benjamin und von Herrn Mielke auch auf dem Dienstschreibttisch vom damaligen Bundesjusitizminister Hei-k.O. Maas. Mindestens beim NetzDG hat er sich von Erich Mielke inspirieren lassen. Er hat ihn nun ja auch überholt.

Schreibe einen Kommentar


(erforderlich)

Zum Anfang