Belgien diskutiert über Sterbehilfe

16. Januar 2013, 08:31 | Kategorien: Lebenswelt, Politik | Schlagworte: , , | von Redaktion
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Der Tod der Zwillingsbrüder Marc und Eddy V. hat die Diskussion über die belgische Gesetzgebung zur Suizidbeihilfe neu angefacht. Die beiden haben sich im Dezember 2012 im Universitätsklinikum Brüssel unter ärztlicher Aufsicht das Leben genommen, weil sie bereits taub zur Welt gekommen waren und nun zu erblinden drohten. Die belgische Regelung ist sehr weitreichend.

Die beiden Brüder hatten keine unheilbare Krankheit, die zum Tod führt, und litten keine Schmerzen. Dennoch war ihnen – wie vom Gesetz als Voraussetzung für die Straffreiheit der Beihilfe zum Suizid gefordert – »unerträgliches Leiden« attestiert worden. »Ihnen wurde ihr Recht auf Sterbehilfe nicht gewährt, einfach nur weil sie taub und blind waren. Unerträgliches Leid kann ebenso mental wie körperlich sein«, heißt es rechtfertigend aus der Klinik.

Die Frage, die Spiegel-Autorin Simone Utler im Angesicht dieses Falls aufwirft, ist berechtigt: »Es ist der Kern der Debatte: Kann ein Gesetz benennen, was Menschen als unerträglich empfinden?« Leider gibt sie selbst keine Antwort. Doch was, wenn man sie verneinen würde? Dann würden vermutlich am Ende alle Schranken fallen.

Belgien scheint bereit, diesen Weg zu gehen: Im vergangenen Jahr wurde im vergangenen Jahr von den Sozialisten der Vorschlag gemacht, auch die Beihilfe zum Suizid von Minderjährigen straffrei zu stellen. Lediglich »urteilsfähig« und »unheilbar krank« müssten sie sein und darüber hinaus an »unstillbaren Schmerzen« leiden. Die Chancen auf Umsetzung des Vorschlags stehen gut.

 

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