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24.05.2013
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Wir brauchen Demografie-Lehrstühle - Interview mit Prof. Tilman Mayer
Weitere Themen: Reformen, Familie


Prof. Tilman Mayer, Präsident der DGD

Prof. Tilman Mayer ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Demographie (DGD). Im Interview mit FreieWelt.net spricht der Bonner Politologe über das Verhältnis zwischen Demografie und Politik und über die Ergebnisse der Jahrestagung der DGD zum Thema „Wiederanstieg oder Stagnation der Geburtenraten? -  Spielräume der Fertilitätsentwicklung und Wandel der Familie“.

 

FreieWelt.net: Sie haben für die diesjährige Tagung der DGD das Generalthema Fertilität gewählt. Warum?

Tilman Mayer: Fertilität stellt die entscheidende demografische Größe dar. Wenn sie Probleme bereitet, ist die gesamte gesellschaftliche Entwicklung betroffen – und so ist die Lage seit fast vier Jahrzehnten. Und Lage heißt nicht Stillstand, sondern bedeutet, bildlich gesprochen, dass wir uns auf einer schiefen Ebene befinden. Für Demografen kein neuer Befund, aber ein Untersuchungsfeld, das Interesse weckt.

FreieWelt.net: Welche Ergebnisse hat die Tagung erbracht? Sind Sie mit dem Verlauf der Tagung und den Ergebnissen zufrieden?

Tilman Mayer: Ein Kongress dieser Art produziert immer viele Einzelergebnisse, aber in der Summe kann man vielleicht sagen, ist über das Thema Kinderwunsch befunden worden – nicht einstimmig -, dass man von unerfüllten Wünschen durchaus sprechen kann.

FreieWelt.net: Trotz gesonderter Einladung ist niemand aus dem Familienausschuss des Bundestages erschienen. Interessieren sich Familienpolitiker nicht mehr für Fertilität?

Tilman Mayer: Wir tagten in einer sitzungsfreien Woche. Vielleicht kann man das so sehen. Ein bisschen enttäuschend war das schon.

FreieWelt.net: Als Hauptrednerin aus der Politik konnten Sie Familienministerin Kristina Schröder gewinnen, welche die neue Demografiestrategie der Bundesregierung vorstellte. Wie wird diese Strategie unter Fach-Demografen beurteilt?

Tilman Mayer: Durchaus positiv, was den Ansatz überhaupt angeht, denn immerhin gibt es einen großen Demografiebericht und wird eine Demografiestrategie entwickelt, ein Dialog begonnen. Ich spreche von Demografiestrategie I, denn vermutlich genügt die Strategie nicht den Erwartungen, könnte sie noch etwas mutlos bleiben, sich mit Anpassungsprozessen begnügen. Was wir bräuchten, sind Strategien, d.h. nachhaltig wirkende Prozesse, die wirklich auf den demografischen Wandel gestaltend einwirken, ihn beeinflussen, u.a. im Bereich der Fertilität.

FreieWelt.net: Auf der Berliner Tagung waren mit dem Wiesbadener BIB und dem Rostocker MPI auch die wichtigsten Institutionen der Demografie vertreten. Wie beurteilen Sie den derzeitigen Entwicklungsstand des Faches in Deutschland und die Bedeutung der Demografischen Expertise für die Politik?

Tilman Mayer: Die Bedeutung der Expertise für die Politik ist natürlich groß – so man sie einholt. Das Fach selbst ist in den Universitäten fast gar nicht vertreten, jedenfalls nicht als allein stehendes, eigenständiges Fach. Darin liegt ein großes Manko und das bedeutet vielleicht auch ein Signal: tut was.

FreieWelt.net: Die DGD gilt als ein zentrales Forum für das Fach Demografie in Deutschland. Welche Ziele haben Sie für die Gesellschaft und welche Rolle soll sie in der Zukunft spielen?

Tilman Mayer: Die DGD als Plattform entwickelt sich gut. Sie integriert unterschiedliche Disziplinen, kann sich als unabhängige Instanz darstellen, wird viel nachgefragt, weil der demografische Wandel nun überall sichtbar wird. Im Gegensatz dazu spielt sie im Wissenschaftssystem noch nicht die ihr zukommende Rolle. Wir brauchen klar Lehrstühle in diesem Bereich.

Das Gespräch führte Christoph Kramer

Foto: uni-bonn.de

Um eine Bildergalerie der Jahres-Tagung 2012 der DGD zu sehen, klicken Sie bitte hier

 

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Christoph Kramer, 21.03.2012 22:25 | Kommentare (2)




 
  Kommentare (2)

Hans von Atzigen, 22.04.2012 16:52
Auf einem begrenzten Planeten kann es kein endloses Flaechenwachstum geben.Dies ist nur mit einem Hoehenwachstum moeglich,sprich mit einer stetigen steigerung der produktifitaet.Nur damit sind die Kosten der sog.Ueberalterung letztlich bezahlbar.Eigentlich einfach,denn innzwischen grasiert in zuvielen Gesellschaften und Nationen die Arbeitslosigkeit der jungen Generation.Eine verlorene betrogene Generation die weder fuer sich noch fuer Andere einen Beitrag fuer die Altersvorsorge leisten kann.Die aktuellen Diskusionen sind angefuellt mit in sich nicht schluessigen diletantisch aufgelegten Rezepten.Demografische Prozesse sind immer Langfristprozesse mit einer Laufzeit von rund mindestens 50-100 Jahren.Zeitraeume mit denen die Meisten offenbar heillos uebervordert sind.Mit einer diletantischen nicht ans morgen und uebermorgen Denkweise ist die angelegenheit unmoeglich beherrschbar.

Gladstone, 22.03.2012 10:18
Danke für das interessante Interview!


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Bild: Podium beim Forum Familie
Bild: Podium beim Forum Familie

Die familienpolitischen Diskussionen in Medien, Politik und Verwaltung laufen immer stärker auf eine Zerschlagung und Vergesellschaftung der Familien hinaus. Oft wird beispielsweise auch in der Union angenommen, dass für die Aufzucht von Kindern nicht die Familie der beste Ort sei, sondern eine staatliche Kinderbetreuungseinrichtung.

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Am 14. Mai veranstaltete die Initiative vor zahlreich erschienenem Publikum in Berlin-Mitte das erste Forum Familie, auf dem vor allem eines sehr deutlich wurde: Die Zeit ist reif für eine echte Familienrevolution!

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