suchen
23.05.2013
Einloggen | Registrieren
 
 
 
Interview mit Parag Khanna
Weitere Themen: Allgemein



Parag Khanna ist Politikwissenschaftler, hat an der Georgetown University und an der Freien Universität Berlin studiert und schreibt seine Doktorarbeit an der Londoner School of Economics and Political Science. Er ist Director der Global Governance Initiative und Senior Research Fellow bei der New America Foundation. Sein Buch "Der Kampf um die zweite Welt. Imperien und Einfluss in der neuen Weltordnung" ist in über zwölf Sprachen übersetzt worden.

FreieWelt.Net sprach mit ihm über sein Buch und die Weltordnung des 21. Jahrhunderts.

FreieWelt.Net: Ihr Buch legt die Schwerpunkte auf Geopolitik und Globalisierung. Was ist unter diesen Begriffen genau zu verstehen und wie stellt sich aus Ihrer Sicht das Verhältnis dieser beiden Kräfte zueinander dar?

Parag Khanna: Geopolitik bedeutet genau das Verhältnis zwischen Raum und Macht, was alles vom All bis Meer und sogar der CyberWelt abdecken kann. Aber die Andeutung ist sicherlich die unmittelbare Konkurrenz der Akteuere. Dahingegen denkt man mit der Globalisierung eher auf Verflechtung, Interdependenz, und Kooperation. Wie ich das heutige Verhältnis der zwei Begriffe sehe, ist die Globalisierung zu einem blossen Mittel der Geopolitik geworden, indem Supermächte sowie Terroristengruppen die Globalisierungsmöglichkeiten zu eigenen Zwecken ausbeuten.



FreieWelt.Net: Aus Ihrer Sicht gibt es auf absehbare Zeit drei Imperien in der Welt, die USA, China und die Europäische Union. Was spricht dafür diese drei Staaten als Imperien zu bezeichnen und was spricht aus Ihrer Sicht dagegen, dass Staaten wie Rußland, Japan oder Indien in diese Riege aufsteigen?

Parag Khanna: Die "grossen Drei" sind nicht nur Imperien im Sinne wachsender politischen Gebiete, sondern auch, dass sie jeweils ein eigenständiges Vorbild darstellen und weltweiten Einfluss anstreben, bzw. sie sind auch Supermächte. Zu Russland behauptet keiner das wie im Kalten Krieg, und für Indien noch nicht, und Japan steht schon im Schatten von China trotz seines Aufstiegs im 70er und 80er Jahre.

FreieWelt.Net: Kann die EU wirklich als Imperium gelten, obwohl sie nicht über eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik verfügt?

Parag Khanna: Auf jeden Fall. Nur hinsichtlich alter Kriterien der Einheitlichkeit der Entscheidungsfaehigkeit ist die EU nicht als Supermacht zu sehen. Die Vergrösserung der EU ist übrigens an sich ein Beispiel gemeinsamer Außenpolitik, und zwar die erfolgreichste der gegenwärtigen Welt. Das Netzwerk-Handeln der EU mag kompliziert sein, aber es gelingt der EU gleichzeitig auf mehrere Regionen und Strategien gleichzeitig zu denken wie die Nahost, Russland, Indien, China, usw.



FreieWelt.Net: Sie betonen, dass die EU auf weitere territoriale Ausdehnung angelegt ist. Gibt es aus Ihrer Sicht einen Punkt, an dem eine weitere Ausdehnung der EU nicht mehr möglich oder wünschbar ist und welche Konsequenz hätte das, für das europäische Projekt?

Parag Khanna: Jedes Imperium hat Grenzen, auch wenn die weich und ungenau sind, wo Mitgliedschaft und Zugehoerigkeit in gemässigten Einfluss ausschweifen. Die EU ist aber längst noch nicht da. Es bleiben fünf grosse Projekte für die kommenden zwei Jahrzenten. Die Eingliederung und Verwestlichung von Russland, die Integration des gesamten Balkans, eine permanente Partnership mit der Türkei, um die Erstreckung bis zum kaspischen Meer (bzw. Aserbaidschan) zu vollenden, und den Ausbau der von Sarkozy vorgelegten "Mediterranean Union" inklusiv der arabischen Länder Nordafrikas. Diese Gebiete sehe ich als der Grossraum in dem eine gewisse Europäisierung notwendig ist.



FreieWelt.Net: Die Perspektiven Russlands beurteilen Sie eher düster und machen auf das große demographische Ungleichgewicht zwischen Russland und China aufmerksam. Halten Sie es für möglich, dass Russland das dünn besiedelte Sibirien oder Teile davon an China verliert und kann das geschehen, ohne dass es zu einem gewaltsamen Konflikt kommt?

Parag Khanna: Es geschieht schon auf der Ebene der Globalisierung indem so viele Waelder und andere Naturresourcen des fernen russischen Ostens in den Händen von Chinesen (und Koreaner) gefallen sind. Das nennt man aber in diesem Zeitalter "Leasing" statt Eroberung. Die Chinesen können sich dieses Territorium aufkaufen sowie immer weiter besiedeln. Das ist wohl der Trend, und der Kreml hat schon riesen Angst. Ob es zum Krieg kommt, das weiss man nicht, aber es ist durchaus möglich, dass eine Wiederholdung von der Sino-Russischen "Scheidung" wie 1969 stattfindet.



FreieWelt.Net: Nach dem 11. September wurde der Islamismus als Hauptfeind der westlichen Welt angesehen. Welche Rolle wird diese Bewegung in der Weltpolitik in der Zukunft spielen. Kann der Westen den Kampf gegen den Terrorismus gewinnen?

Parag Khanna: Islamismus und Terrorismus muss man natuerlich voneinander ganz deutlich unterscheiden. Es gibt Islamisten, die den Terror anwenden, aber nur ganz wenige. Islamisten kann man zum grossen Teil sogar noch mit der Demokratie im politischen Rahmen der jeweiligen muslimischen Staaten versöhnen. Ich halte die Demokratie und den Aufbau legitimer Staatswesen als das beste Mittel, den Terrorismus zu bekämpfen.

FreieWelt.Net: Sie sagen voraus, dass die USA im Vergleich zu den zwei anderen Imperien, der EU und China, relativ an Einfluss verlieren wird. Was sind die Gründe für diese Entwicklung? Ist diese Entwicklung zwangsläufig oder handelt es sich um Schwächemomente, die aus dem Irakkrieg und der aktuellen Finanzkrise resultieren?

Parag Khanna: Es ist nicht ein unmittelbar Nullsummenspiel, aber doch folgt dem Verlust militarischer und ökonomischer Einfluss der Wachstum vom Einfluss der Anderen. Der Irakkrieg und die Finanzkrise sind nur Meilensteine auf dem Weg einer viel längeren Prozess des Aufstiegs von der EU, China, Indien, Brasilien, Saudi-Arabien usw., Länder, die direkt mit den USA in Konkurrenz stehen fuer Einfluss in den wichtigsten Weltregionen.

FreieWelt.Net: Wer wird in der Auseinandersetzung um Einfluss in Lateinamerika die Oberhand behalten? Die USA oder China? Welche Rolle wird Brasilien spielen?

Parag Khanna: Brasilien hat in den letzten Jahren eine sogennante "strategische Partnerschaft" mit China beschlossen, sieht aber natürlich beide die USA und China als diplomatische Konkurrenten auf seinem Kontinent. Die USA wird aber auf Dauer immer noch viel mehr in Lateinamerika investieren als China, aber es werden viel mehr Spieler sein in der westlichen Hemisphäre als je zuvor.

FreieWelt.Net: Kann die Entwicklung von drei imperialen Mächten dazu führen, dass sich die Blöcke protektionistisch voneinander abschließen und die Freiheit von Handel und Kommunikation dadurch einen Rückschlag erfährt?

Parag Khanna: Blöcke bauen sich schon langsam auf wenn man sich die regionale diplomatische Kreise und Institutionen anschaut, und deren Freihandelszonen und die Vernetzung der Versorgungsketten innerhalb der Regionen. Aber natürlich wird es immer aufgrund des globalen Bedarfs von zerstreuten Naturresourcen immer gegenseitige Einmischung geben.

FreieWelt.Net: Sehen Sie alles in allem eher optimistisch oder eher pessimistisch in die Zukunft?

Parag Khanna: Ich war mir noch nie so unsicher über die Zukunft wie heute. Ich stehe taeglich auf, und frage mich, welche Katastrophe passiert sei, während ich geschlafen bin. Wir betreten ein neues Mittelalter indem man nur auf sich verlassen kann.

Das Interview führte Gerard Bökenkamp

Zur Website von Parag Khanna paragkhanna.com

Foto: Parag Khanna

ANZEIGE




Redaktion FreieWelt.net, 23.06.2009 11:36 | Kommentare (0)




 
  Kommentare (0)


Kommentar schreiben

*=Pflichtfelder

CAPTCHA*

Bitte Geben Sie für die Freischaltung das Ergebnis ein:

Click to reload image
 
 
 
Umfrage

Werden die Grünen jetzt ihre pädophile Vergangenheit aufarbeiten?

angieconscious/pixelio.de



Ergebnis

Im Fokus

Zeit für eine Familienrevolution

Bild: Podium beim Forum Familie
Bild: Podium beim Forum Familie

Die familienpolitischen Diskussionen in Medien, Politik und Verwaltung laufen immer stärker auf eine Zerschlagung und Vergesellschaftung der Familien hinaus. Oft wird beispielsweise auch in der Union angenommen, dass für die Aufzucht von Kindern nicht die Familie der beste Ort sei, sondern eine staatliche Kinderbetreuungseinrichtung.

Gegen diesen Trend hat sich die Initiative Familienschutz mit der Sprecherin Hedwig von Beverfoerde kurz vor der Wahl zum Bundestag 2009 gegründet mit dem Ziel, Familien in der Politik eine Stimme zu geben. Sie sollten nicht mehr nur Objekt von mehr oder (meist) weniger wohlwollendem politischem Handeln sein, sondern selber mitmischen und ihre Interessen zur Geltung bringen.

Am 14. Mai veranstaltete die Initiative vor zahlreich erschienenem Publikum in Berlin-Mitte das erste Forum Familie, auf dem vor allem eines sehr deutlich wurde: Die Zeit ist reif für eine echte Familienrevolution!

Im Fokus lesen




Spruch des Tages
"Wenn die anderen glauben, man ist am Ende, dann muß man erst richtig anfangen!" - Konrad Adenauer

ANZEIGE

ANZEIGE

Meist gelesen
    »Goldlieferung eingestellt. Die Krise eskaliert.«

    Berliner AfD im Chaos

    Forscher: Merkel war DDR treu

    »Forum Familie 2013« in Berlin ein voller Erfolg

    Missbrauchsbeauftragter kritisiert Cohn-Bendit

Interviews

Dr. Eike Hamer von Valtier »Goldlieferung eingestellt. Die Krise eskaliert.«
Dr. Eike Hamer von Valtier
Krisenexperte

Holger Krahmer Einheitliche EU-Steuersätze weder nötig noch sinnvoll
Holger Krahmer
FDP MdEP

Dr. Reinhard Löffler Cohn Bendit ist kein Vorbild
Dr. Reinhard Löffler
CDU-Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg

Bruno Bandulet »Nach der Bundestagswahl wird richtig geschröpft«
Bruno Bandulet
Journalist

John Allan Hattie Visible Learning
John Allan Hattie
Direktor des Melbourne Education Research Institute

Mehr Interviews


Reportage

»Forum Familie 2013« in Berlin ein voller Erfolg »Forum Familie 2013« in Berlin ein voller Erfolg

Wie pädophil war Cohn-Bendits Pflasterstrand? (2) Wie pädophil war Cohn-Bendits Pflasterstrand? (2)

Wie pädophil war Cohn-Bendits Pflasterstrand? (1) Wie pädophil war Cohn-Bendits Pflasterstrand? (1)

Beatrix von Storch in Baden-Württemberg Beatrix von Storch in Baden-Württemberg

Willensbildung: Bürger, mischt euch ein! Willensbildung: Bürger, mischt euch ein!

Mehr Reportagen


Empfohlene Beiträge

Kita-Kindern Mund zukleben, ist keine Strafsache Kita-Kindern Mund zukleben, ist keine Strafsache

EU will »falsche« Meinungen bestrafen EU will »falsche« Meinungen bestrafen

Deutschland: Zinsfalle ist zugeschnappt Deutschland: Zinsfalle ist zugeschnappt

Immerhin ehrlich Herr Wagner! Immerhin ehrlich Herr Wagner!

Papst Franz bei Lebensschutz-Demo in Rom Papst Franz bei Lebensschutz-Demo in Rom


Empfohlene Blogs

author Dr. Andreas Unterberger
Die britische Lunte brennt (Europa samt Führung pennt)

author Mechthild Löhr
Gendiagnostik verstärkt Diskriminierung

author Günter Ederer
Eine Lektüre die vom Umweltbundesamt ignoriert wird

author Richard Schütze
Das Seelenleben der Angela M.

author Albrecht Prinz von Croy
Wer hat über seine Verhältnisse gelebt?

author Christian Ortner
Sex mit Kindern? Nur für aufrechte Antifaschisten!


Galerien

Forum Familie 2013 in Berlin Forum Familie 2013 in Berlin

Impulstag Familienwerte im Deutschen Bundestag Impulstag Familienwerte im Deutschen Bundestag

ESM-Diskussion vor 300 Gästen - Volles Haus gegen Schuldenunion ESM-Diskussion vor 300 Gästen  - Volles Haus gegen Schuldenunion


Video

Beatrix von Storch zur Zypernkrise Beatrix von Storch zur Zypernkrise

Kurz-Interview: Prof. Joachim Starbatty Kurz-Interview: Prof. Joachim Starbatty

Die Zivile Koalition bei Russia Today auf Spanisch Die Zivile Koalition bei Russia Today auf Spanisch

Hedwig Beverfoerde bei Maybrit Illner: Kinder in die Krippen - Frauen in die Produktion? Hedwig Beverfoerde bei Maybrit Illner: Kinder in die Krippen - Frauen in die Produktion?

Beatrix von Storch zur Massenklage gegen die EZB vor dem Europäischen Gerichtshof Beatrix von Storch zur Massenklage gegen die EZB vor dem Europäischen Gerichtshof


Aktueller Goldpreis


Aktueller Silberpreis


Schlagworte

Deutschland Wetter




Allgemein
ZDF-Moderatoren-Gehälter streng geheim
SPD feiert sich zum 150. Geburtstag
Vatikanbank will weiße Weste
Finanzkrisen
Neue EU-Zugeständnisse an Griechenland
Lafontaine: Raus aus dem Euro
»Goldlieferung eingestellt. Die Krise eskaliert.«
Nahost-Konflikt
Lage in Nahost spitzt sich zu
Naht US-Einsatz in Syrien?
SPD will Girokonto für alle
DDR-Unrecht
Medikamententests auch im Stasi-Knast?
DDR verkaufte Patienten als Versuchskaninchen
Roland Jahn: Allen DDR-Opfern gedenken
Bildung
»Der Markt entscheidet nichts«
Guter Unterricht braucht Leidenschaft
Good Teaching demands on Passion
Innenpolitik
ZDF-Moderatoren-Gehälter streng geheim
SPD feiert sich zum 150. Geburtstag
Schneller Jobs für Asylbewerber
Reformen
»Einheitliche EU-Steuersätze weder nötig noch sinnvoll«
Türkei nicht mehr Ramsch
Sarko-Kopie François Hollande
Wirtschaftspolitik
Neue EU-Zugeständnisse an Griechenland
Lafontaine: Raus aus dem Euro
Schweizer Unternehmen drohen mit Abwanderung
Familie
U-3 Betreuung: Bedarf künstlich hochgeschraubt
Homo-Ehe spaltet weiter die Gesellschaft
Steinbrück gegen höhere Mütterrenten
Autoindustrie
SPD und Grüne für Tempolimit
Automarkt brummt nicht mehr
Absatzkrise läßt Daimler straucheln
Wahlen
Rot-Grüne Steuerpläne verärgern Wähler
DDR-Vita: Merkel mauert
Italiens Establishment will Grillo kaltstellen
Justiz
Missbrauchsbeauftragter kritisiert Cohn-Bendit
Neue Dreiprozenthürde: Bundestag will Kleinparteien bei Europawahl behindern
BGH urteilt gegen Google

Nach Oben  |  Impressum  |  Home  |  Politik  |  Wirtschaft  |  Lebenswelt  |  RSS RSS
© FreieWelt.net 2008