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28.05.2012
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Wer errechnet eigentlich die Inflation?
Weitere Themen: Finanzkrisen, Allgemein


Foto: Gerd Altmann, pixelio

Der Verbraucherpreisindex, aus dessen Änderung sich die offizielle Inflationsrate bestimmt,  wird in Deutschland durch das Statistische Bundesamt ermittelt. In dem Gesetz über die Statistik für Bundeszwecke ist zu lesen: „Das Statistische Bundesamt ist eine selbständige Bundesoberbehörde“. Jedoch ist diese „Selbständigkeit“ kritisch zu hinterfragen.

„Der Präsident des Statistischen Bundesamtes wird vom Bundespräsidenten auf Vorschlag der Bundesregierung ernannt.“ Darüberhinaus hat die Behörde einen Beirat, der sie in „Grundsatzfragen“ berät. Dieser setzt sich zu einem Drittel aus Vertretern von Wirtschaft und Gewerkschaften und zu zwei Dritteln aus Ministerien und anderen behördlichen Institutionen zusammen.  In dem 63 Mitglieder zählenden Beirat finden sich lediglich vier Vertreter der Wissenschaft. Dabei ist es in erster Line eine wissenschaftliche Aufgabe, Statistiken wie etwa den Verbraucherpreisindex  zu ermitteln.

Angesichts dieser Zusammensetzung ist klar: Das Statistische Bundesamt ist zumindest im Hinblick auf seine Leitung ein politisches Gremium und keine wissenschaftliche Institution. Wohin eine solche Vermischung von Politik und Forschung führen kann, zeigt die massive Schönung der amerikanischen Inflation durch die FED (Federal Reserve).

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Diese bedient sich einer Reihe von Rechentricks, um den amerikanischen Geldwert-Verlust, also die Inflation, geringer erscheinen zu lassen. Der renommierte US-Ökonom John Williams veröffentlicht die ungeschönte Inflation in den Staaten, ohne die seit 1992 schrittweise eingeführten Rechentricks. Er kommt dabei zu dem Ergebnis, dass diese nicht bei den durchschnittlich ausgewiesenen drei, sondern bei sechs Prozent im Jahr liegt. Wenn BIP und Wirtschaftswachstum ermittelt werden, wird die Inflation aus dem Ergebnissen heraus gerechnet. Ist der veranschlagte Geldwert-Verlust zu gering, kann eine tatsächliche Rezession als leichter Aufschwung erscheinen. Finanzexperten gehen daher davon aus, dass der US-Wirtschaftswachstum während der letzten zwei Jahrzehnte  nur die Hälfte dessen betrug, was die FED suggerierte.

Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank und ARD-Wirtschaftskommentator, sieht ähnliche Tendenzen in der EU: „Grundsätzlich gibt es von Seiten der Politik seit Jahrzehnten den Versuch, Wirtschaftsdaten so zu beeinflussen, dass Wiederwahlen nicht gefährdet sind. Im Vergleich zu den Amerikanern sind wir Europäer hier erst Grundschüler und noch keine Akademiker“. Jedoch werde auch in Europa bereits das Prinzip der Hedonik angewendet. Die Hedonik ist ein umstrittenes Rechenkonzept um Qualitätsveränderungen (wie sie etwa im EDV- Bereich auftreten) zu berücksichtigen. Damit kann  je nach Gewichtung der zu errechnende Verbraucherpreisindex massiv verändert werden.

Entscheidender Faktor für die Preisentwicklung ist die Geldmenge. Wächst diese, verliert das Geld an Wert und die Preise steigen. Wirtschaftsanalysten erwarten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im Zuge der Eurokrise im nie dagewesenen Umfang marode Staatsanleihen von Pleitestaaten wie Griechenland und Italien aufkaufen wird. Diese werden dann mit frischgedrucktem Geld bezahlt. Es bleibt abzuwarten, ob das Statistische Bundesamt seine Berechnungsmethoden für den Verbraucherpreisindex daher bald „reformiert“.

Mehr unter: AbgeordnetenCheck.de



Jonas Lengsfeld, 10.01.2012 22:23 | Kommentare (9)




 
  Kommentare (9)

Sir Toby, 03.05.2012 17:33
Finanzwissen,
13.01.2012 10:36

Laut Statischen Bundesamt lag im November 2011 die Inflationsrate bei 2,4%, gefühlt lag sie für die meisten von uns allerdings höher. Dass die Inflationsrate gefühlt höher ist, liegt vor allem daran, dass die Berechnung der Inflation unter anderem auf einen vor Jahren festgelegten Warenkorb beruht, der nicht nur aus täglichen Bedarfsprodukten, wie Lebensmitteln besteht, sondern auch auf langlebige Konsumgüter, wie Autos.

Ja, das Problem ist aber doch: Ich kaufe jede Woche Lebensmittel - oder besser: NAHRUNGS-Mittel - ... aber ganz bestimmt nicht jede Woche einen Fernseher oder ein Auto! Was hilft es mir also, wenn Autos im Warenkorb relativ billiger geworden sein sollten??


Hans Peter Mnikoleiski, 02.05.2012 22:34
In einem gesund zirkulierenden Waren- Wirtschaftssystem mit demokratischem Geld, besteht nicht die Notwendigkeit so aufwendig täuschen zu müssen, wie es derzeit unsere Politdarsteller gezwungen sind zu tun.

Wer die Instandhaltungskosten zum Gewinn hinzu rechnen muss, wir wir es tun mit den Pharmagewinnen zum BIP, der hat Erklärungsbedarf.

Der aktuell angegebene Inflationswert bzw. der mehrfach angegebene doppelte oder dreifache Wert von 6 bis 8% pro Jahr erklärt nicht den um den Faktor 1,5 gestiegenen Preisen seit 2000.
Wählt mich und ich rechne euch alles noch schöner.......


Claus Oehler, 25.04.2012 04:39
Eine Interessante Frage, hier wird immer noch die Inflationsrate mit 2,5% angegeben, dabei sind wir bei ca. 3-4% angekommen,Tendenz weiter steigend. Diese war in einer kleinen Meldung wo es um die Zerstörung der kleinen Sparguthaben ging nur eine Randnotiz einer grossen Zeitung in NRW wert. Durch die Politik von Draghi im Hinblick auf Target2 , ESFS und ESM ist die umschichtung von Geldvermögen , von unten nach oben in vollem Gange. Die Unverschämtheit der Eliten von Banken und Konzernen bei den horenten Ruhegehältern auch noch einen Inflationsausgleich zu verlangen , lässte auf eine noch höhere Inflationsrate schliessen. Der monitär überhitzte Euro Frachter steuert auf seinen Crash zu. Es ist nur noch eine Frage der Zeit. Die Zeit mit Rettungschirmen den Niedergang des Euros ins Siechtum zu führen ist garantiert der falsche Weg. Das Ende wird nur härter. Der Ausstieg aus dem Euro für einige Länder ist schon längst kein Geheimnis mehr. Die EUSSR hat abgewirtschaftet. Die Folgen können wir schon in Griechenland betrachten. Denn wir leben nicht auf der Insel der Glückseligen. Der Zusammenbruch der Binnenmärkte ist zu spüren. Das Geld im Volk wird zusehend weniger. Der Automarkt beweist es. Nur noch 19% Privatkäufe. Der Rest Firmenwagen.
Ein ungesundes Verhältnis.


Fritsche, Gerolf, 08.03.2012 12:59
Es ist höchste Zeit, den ESM zu stoppen. unsere Abgeordneten sollten endlich erkennen, welche Verantwortung sie haben. Die nehmen sie vor allem wahr, wenn sie Griechenland vertragsgemäß pleite gehen lassen, das Land aus der EU hinausführen und die dann neu ordnen, möglichst bald. Sonst geht Europa kaputt. Das darf vor allem keinem Direktorium ausgeliefert werden. Das schlimme ist aber in der Realität dieses Augenblicks: die Opposition ist noch schlimmer als die Koalition.

CKritzinger, 26.01.2012 22:13
Also nach meinem Verständnis ist die wahre Inflation die Differenz zwischen Geldmengenwacgstum und Wirtschaftswachstum. Die Geldmenge ist seit der letzen Währungsreform 1948 pro Jahr um etwa 10% gewachsen, das Wirtschaftswachstum wohl kaum mehr mehr als 3-4%. Die Warenkorbinflation läßt ich unterhalb der wahren Inflation halten wenn man zunehmend Waren aus Billigländern importiert. Auffallen wird es erst wenn wir alles erwirtschaftete verbraten haben und das wird nicht mehr lange dauern.

Karin Weber, 26.01.2012 13:55
Mein Tipp: Die BILD-Zeitung und RTL-Explosiv! (Das sind Medien für höchste Ansprüche.)

Frank Poschau, 25.01.2012 08:55
„ Der Wert wird bestimmt durch die Akzeptanz der Masse, oder durch die Bewertung eines von der Masse im Wert Erhobenen, sagt aber nichts über den Gebrauchswert aus.“
Frank Poschau
09.04.11
www.frank-poschau.jimdo.com


Finanzwissen, 13.01.2012 10:36
Laut Statischen Bundesamt lag im November 2011 die Inflationsrate bei 2,4%, gefühlt lag sie für die meisten von uns allerdings höher. Dass die Inflationsrate gefühlt höher ist, liegt vor allem daran, dass die Berechnung der Inflation unter anderem auf einen vor Jahren festgelegten Warenkorb beruht, der nicht nur aus täglichen Bedarfsprodukten, wie Lebensmitteln besteht, sondern auch auf langlebige Konsumgüter, wie Autos.

Daher war auch der Aufschrei (zumindest von den Leuten die es mitbekommen haben), als die EZB Anfang Dezember die Druckpressen angeworfen hat so groß, dass Ende waren Versprechungen, alles zu tun um die Inflation aufzuhalten.


Hans von Atzigen, 11.01.2012 22:07
Auf den ersten Blick lügen die entsprechenden Statistiken nicht.
Geht man der Sache etwas eingehender auf den Grund ergibt sich ein anderes Bild.
Nominell sind die Verbraucherpreise tatsächlich nur moderat gestiegen.
Im ganzen Spiel wurde aber ausser acht gelassen,(Bewusst oder unbewust bleibt dahiengestellt.)Das im gleichen Zeitraum die Realeinkommen, teilweise massiv eingebrochen sind.)
Dieser Vorgang wurde durch die Verbilligung der Importgüter aus Billiglohnregionen sowie teilweise durch Produktivitätssteigerungen kompensiert.
Die Ermittlung der Wirtschaftsdaten anhand Monetärer Zahlen ergibt ein Verzerrtes Bild zum tatsächlichen zustand einer Volkswirtschaft.
Das ausbleiben von klassischer üblicher Inflation sugerierte moderate Inflation.In warheit hat sich die Geldentwertung ein anderes Ventil gesucht und gefunden, ein Selbstbetrug der seit rund 30 Jahren eine erweiterung der Geldmenge durch die Zentralbanken als verantwortbar erscheinen liess.
Tja die Geldentwertung hat sich nicht mehr durch den Haupteingang manifestiert sondern diesmal hat sie sich durch mehrere Hinter und Nebeneingänge ins System geschlichen.
Hier liegt einer der Grundursachen für den angeblich überraschenden und scheinbar plötzlichen Ausbruch der innzwischen Globalen Schuldenkriese.
Die Ökonomische Lehre resp.deren aktuelle Representanten haben peinlich desaströs versagt.
Ervolgreiche nachhaltige Ökonomie ervordert den Einbezug aller Relevanten Daten.



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