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25.05.2013
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Wer errechnet eigentlich die Inflation?
Weitere Themen: Finanzkrisen, Allgemein


Foto: Gerd Altmann, pixelio

Der Verbraucherpreisindex, aus dessen Änderung sich die offizielle Inflationsrate bestimmt,  wird in Deutschland durch das Statistische Bundesamt ermittelt. In dem Gesetz über die Statistik für Bundeszwecke ist zu lesen: „Das Statistische Bundesamt ist eine selbständige Bundesoberbehörde“. Jedoch ist diese „Selbständigkeit“ kritisch zu hinterfragen.

„Der Präsident des Statistischen Bundesamtes wird vom Bundespräsidenten auf Vorschlag der Bundesregierung ernannt.“ Darüberhinaus hat die Behörde einen Beirat, der sie in „Grundsatzfragen“ berät. Dieser setzt sich zu einem Drittel aus Vertretern von Wirtschaft und Gewerkschaften und zu zwei Dritteln aus Ministerien und anderen behördlichen Institutionen zusammen.  In dem 63 Mitglieder zählenden Beirat finden sich lediglich vier Vertreter der Wissenschaft. Dabei ist es in erster Line eine wissenschaftliche Aufgabe, Statistiken wie etwa den Verbraucherpreisindex  zu ermitteln.

Angesichts dieser Zusammensetzung ist klar: Das Statistische Bundesamt ist zumindest im Hinblick auf seine Leitung ein politisches Gremium und keine wissenschaftliche Institution. Wohin eine solche Vermischung von Politik und Forschung führen kann, zeigt die massive Schönung der amerikanischen Inflation durch die FED (Federal Reserve).

Diese bedient sich einer Reihe von Rechentricks, um den amerikanischen Geldwert-Verlust, also die Inflation, geringer erscheinen zu lassen. Der renommierte US-Ökonom John Williams veröffentlicht die ungeschönte Inflation in den Staaten, ohne die seit 1992 schrittweise eingeführten Rechentricks. Er kommt dabei zu dem Ergebnis, dass diese nicht bei den durchschnittlich ausgewiesenen drei, sondern bei sechs Prozent im Jahr liegt. Wenn BIP und Wirtschaftswachstum ermittelt werden, wird die Inflation aus dem Ergebnissen heraus gerechnet. Ist der veranschlagte Geldwert-Verlust zu gering, kann eine tatsächliche Rezession als leichter Aufschwung erscheinen. Finanzexperten gehen daher davon aus, dass der US-Wirtschaftswachstum während der letzten zwei Jahrzehnte  nur die Hälfte dessen betrug, was die FED suggerierte.

Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank und ARD-Wirtschaftskommentator, sieht ähnliche Tendenzen in der EU: „Grundsätzlich gibt es von Seiten der Politik seit Jahrzehnten den Versuch, Wirtschaftsdaten so zu beeinflussen, dass Wiederwahlen nicht gefährdet sind. Im Vergleich zu den Amerikanern sind wir Europäer hier erst Grundschüler und noch keine Akademiker“. Jedoch werde auch in Europa bereits das Prinzip der Hedonik angewendet. Die Hedonik ist ein umstrittenes Rechenkonzept um Qualitätsveränderungen (wie sie etwa im EDV- Bereich auftreten) zu berücksichtigen. Damit kann  je nach Gewichtung der zu errechnende Verbraucherpreisindex massiv verändert werden.

Entscheidender Faktor für die Preisentwicklung ist die Geldmenge. Wächst diese, verliert das Geld an Wert und die Preise steigen. Wirtschaftsanalysten erwarten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im Zuge der Eurokrise im nie dagewesenen Umfang marode Staatsanleihen von Pleitestaaten wie Griechenland und Italien aufkaufen wird. Diese werden dann mit frischgedrucktem Geld bezahlt. Es bleibt abzuwarten, ob das Statistische Bundesamt seine Berechnungsmethoden für den Verbraucherpreisindex daher bald „reformiert“.

Mehr unter: AbgeordnetenCheck.de

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Jonas Lengsfeld, 10.01.2012 22:23 | Kommentare (4)




 
  Kommentare (4)

CKritzinger, 26.01.2012 22:13
Also nach meinem Verständnis ist die wahre Inflation die Differenz zwischen Geldmengenwacgstum und Wirtschaftswachstum. Die Geldmenge ist seit der letzen Währungsreform 1948 pro Jahr um etwa 10% gewachsen, das Wirtschaftswachstum wohl kaum mehr mehr als 3-4%. Die Warenkorbinflation läßt ich unterhalb der wahren Inflation halten wenn man zunehmend Waren aus Billigländern importiert. Auffallen wird es erst wenn wir alles erwirtschaftete verbraten haben und das wird nicht mehr lange dauern.

Karin Weber, 26.01.2012 13:55
Mein Tipp: Die BILD-Zeitung und RTL-Explosiv! (Das sind Medien für höchste Ansprüche.)

Finanzwissen, 13.01.2012 10:36
Laut Statischen Bundesamt lag im November 2011 die Inflationsrate bei 2,4%, gefühlt lag sie für die meisten von uns allerdings höher. Dass die Inflationsrate gefühlt höher ist, liegt vor allem daran, dass die Berechnung der Inflation unter anderem auf einen vor Jahren festgelegten Warenkorb beruht, der nicht nur aus täglichen Bedarfsprodukten, wie Lebensmitteln besteht, sondern auch auf langlebige Konsumgüter, wie Autos.

Daher war auch der Aufschrei (zumindest von den Leuten die es mitbekommen haben), als die EZB Anfang Dezember die Druckpressen angeworfen hat so groß, dass Ende waren Versprechungen, alles zu tun um die Inflation aufzuhalten.


Hans von Atzigen, 11.01.2012 22:07
Auf den ersten Blick lügen die entsprechenden Statistiken nicht.
Geht man der Sache etwas eingehender auf den Grund ergibt sich ein anderes Bild.
Nominell sind die Verbraucherpreise tatsächlich nur moderat gestiegen.
Im ganzen Spiel wurde aber ausser acht gelassen,(Bewusst oder unbewust bleibt dahiengestellt.)Das im gleichen Zeitraum die Realeinkommen, teilweise massiv eingebrochen sind.)
Dieser Vorgang wurde durch die Verbilligung der Importgüter aus Billiglohnregionen sowie teilweise durch Produktivitätssteigerungen kompensiert.
Die Ermittlung der Wirtschaftsdaten anhand Monetärer Zahlen ergibt ein Verzerrtes Bild zum tatsächlichen zustand einer Volkswirtschaft.
Das ausbleiben von klassischer üblicher Inflation sugerierte moderate Inflation.In warheit hat sich die Geldentwertung ein anderes Ventil gesucht und gefunden, ein Selbstbetrug der seit rund 30 Jahren eine erweiterung der Geldmenge durch die Zentralbanken als verantwortbar erscheinen liess.
Tja die Geldentwertung hat sich nicht mehr durch den Haupteingang manifestiert sondern diesmal hat sie sich durch mehrere Hinter und Nebeneingänge ins System geschlichen.
Hier liegt einer der Grundursachen für den angeblich überraschenden und scheinbar plötzlichen Ausbruch der innzwischen Globalen Schuldenkriese.
Die Ökonomische Lehre resp.deren aktuelle Representanten haben peinlich desaströs versagt.
Ervolgreiche nachhaltige Ökonomie ervordert den Einbezug aller Relevanten Daten.



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