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Offener Brief zur Ausladung von Martin van Creveld
Weitere Themen: Allgemein, Bildung


Foto: Antidotto/en.wikipedia

Wie bereits von FreieWelt.net-Blogger Dr. Alexander Ulfig berichtet, hat die Universität Trier Prof. Martin van Creveld ausgeladen. Der israelische Historiker sollte als Gastprofessor mehrere Vorträge zum Thema "Krieg und Frauen" halten. Nach dem ersten Vortrag "Männer, Frauen, Kriegsspiele und Kultur" lud die Universitätsleitung in auf Druck des ASTA wieder aus. Aus Sorge um die Meinungsfreiheit an deutschen Universitäten hat der emeritierte Geschlechterforscher Prof. Gerhard Amendt einen offen Brief an die Universität verfaßt, den FreieWelt.net hier ungekürzt veröffentlicht:

 

Professor Dr. Gerhard Amendt
vormals Institut für Geschlechter- und Generationenforschung der Universität Bremen

Universität Trier
Der Präsident
Prof. Dr. Michael Jäckel

OFFENER BRIEF                        3. November 2011

Sehr geehrter Herr Jäckel,

mit großer Irritation habe ich wahrgenommen, dass die Universität Trier auf Zuruf des ASTA und der Wissenschaftsministerin das Fellowship des angesehenen Militärhistorikers Martin van Creveld rück-gängig gemacht hat. Die Gründe, die dafür ins Feld geführt werden, sind einem agitpropartig verfass-ten Schreiben des ASTA entnommen und können eine politisch gravierende Entscheidung wie die Verletzung der Wissenschaftsfreiheit keineswegs rechtfertigen.
Stattdessen hätte man sich gewünscht, dass die Universität Trier und deren Historisch-Kulturwissenschaftliches Forschungszentrum (HKFZ) sich die Heinrich Heine Universität in Düsseldorf zum Vorbild genommen hätten. Trotz unverblümter Drohungen hat diese es 2010 abgelehnt, sich von feministischen Wissenschaftseinrichtungen und Gruppen vorgeben zu lassen, einen allzu kriti-schen Referenten vom Kongress Neue Männer – muss das sein! auszuladen.

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Ähnlich hat das Wissen-schaftszentrum in Berlin (WZB ) 2011 reagiert, als es auf ähnliche Drohungen aus gleicher Richtung von einer genderpolitischen Veranstaltung sich nicht abbringen ließ. Was immer man sich an gesell-schaftlichen Nutzen aus feministischer Genderwissenschaft erhoffen mag, und allein um das geht es hier, so sollte eines bedacht werden: Wer seine Ideologie nicht zur Diskussion stellen will, dem bleibt nur das Rede- und Denkverbot und letztlich die Drohung, mit Gewalt gegen ungeliebte Meinungen vorzugehen. Solchen Drohungen hat sich die Universität Trier gebeugt. Das Verhalten belegt nicht nur die betrübliche Tatsache, dass Wissenschaftler genauso feige wie alle anderen sein können, son-dern dass sie nicht wahrhaben wollen, dass Wissenschaft nicht nur Selbstverständliches zu hinterfra-gen hat, sondern dass es zu ihrem Wesen gehört, auch dort noch zu forschen und zu analysieren, wo andere, wie der Trierer ASTA und das HKFZ, zur Stützung von Ideologien die Freiheit der Wissen-schaft zu opfern bereit sind. Was „antifeministisch“ daran sein oder gar gegen die Menschenrecht verstoßen soll, nach den Einstellungen von Frauen zu den gegenseitig in Feindeshandlungen sich abschlachtender Männer zu fragen, ist nicht nachvollziehbar. Allerdings kann solch eine Diskussion zum Einfalltor für Erkenntnisse werden, die in Richtung von Crevelds Hypothesen weisen und andere nicht minder Augen öffnende Antworten hervorbringen. Deshalb wohl soll das Denkverbot aufrecht erhalten bleiben. Einige scheinen in der Tat anzunehmen, dass Frauen über den Verlust ihrer Söhne und Ehemänner nur getrauert haben und nicht selber unabdingbare Antriebsriemen des wechselsei-tigen männlichen Hinschlachtens und der politischen Kriegsführung waren. Ist die Trierer kulturwis-senschaftliche Forschung wirklich noch nie auf die Verzweiflung von Frauen und Müttern im 1. Welt-krieg gestoßen, deren Söhne und Ehemänner für den „heroischen Kampf gegen den französischen Erbfeind“ wegen Kriegsuntauglichkeit ausgemustert worden waren? Viele Frauen haben das als uner-trägliche Demütigung erlebt und darunter gelitten. Ebenso wenig ist vorstellbar, dass der Trierer Forschung entgangen sein sollte, dass wir über die Rolle von Frauen während des Nationalsozialismus erst in den 90er Jahren überhaupt zu forschen und zu reden begonnen haben. Genau genommen
rühren die Thesen von Martin van Creveld dann auch an diesen totgeschwiegenen Bereich weiblicher Geschichte. Das sind hochnotpeinlichen Fragen aber nur für diejenigen Wissenschaftler, die in einem Konsens mit jener Ideologie stehen, wonach über Frauen nicht geforscht werden darf, wenn Ergeb-nisse zu erwarten sind, die mit der Ideologie von den guten Frauen und den bösen Männern oder hier der kriegerischen Männer und friedfertigen Frauen nicht in Einklang stehen könnten. Eben weil sol-che Forschung auf einem ungleich differenzierteren Bild vom wechselseitigen Verhältnissen von Männern und Frauen zurückgreift, als es die feministische Ideologie in ihren akademischen wie all-tagspolitischen Varianten ungebrochen tut.
Es wäre der Universität Trier anzuraten, auf die reflexartige Identifizierung mit dem Asta-Redeverbot wie die Ausladung von Martin van Creveld vom Fellowship mit einer Ringvorlesung zu antworten, in der Wissenschaftler und vor allem auch Wissenschaftlerinnen sich den Thesen von Creveld über das Verhältnis von Frauen zum Krieg stellen und damit ihr eignes Genderverständnis offenlegen. Das würde nicht nur den Schaden für die Universität mindern, sondern den Diskurs über das vielgestalti-ge und konfliktträchtige Verhältnis von Männern und Frauen zueinander wieder als ein Projekt der Gemeinsamkeit vorstellen und die Wissenschaft als eine Instanz, die zur Bewältigung der Konflikte dieses Beziehungskosmos beitragen kann. Und die das vor allem auch will!

Mit freundlichen Grüßen
gez. Gerhard Amendt

PS: Dieses Schreiben geht als Offenes Schreiben an die Presse wie wissenschaftlich interessierte Insti-tutionen und Personen.

amendt@uni-bremen.de
http://www.gerhard-amendt.at/



Redaktion FreieWelt.Net, 08.11.2011 11:30 | Kommentare (10)




 
  Kommentare (10)

Altschneider, 22.12.2011 08:28
Das belegt doch wieder, das Feminismus eine der größten Gefahren für Demokratie, Freiheit, Wissen und Menschen- und Börgerrechte ist, wenn wir ehrlich und ohne Scheuklappen hinsehen. Er gehört zu den großen autoritären und freiheitsfeindlichen Ideologien der 2. Hälfte des 20. Jhds. die ihre zerstörerische Wirkung bis heute entfalten, durch ihn ist Intoleranz und Sexismus wieder einmal zur gesellschaftlichen Tugend geworden, das Private politisiert und damit öffentlich gemacht mit der Konseqeunz der Verstaatlichung individueller Lebensentwürfe.
Antifeminismus ist daher nicht frauenfeindlich (denn der Feminimus vertritt die Interessen der Frauen genausowenig wie der Kommunismus die Interessen der Arbeiter und Armen - er instrumentalisiert sie nur), sondern notwendig, wenn man für eine tolerante, freiheitliche, wissensfreundliche Geschellschaft eintritt, wenn man Menschen als Individuen mit eigenen unveräußerlichen Rechten in gegenseitiger sozialer Verantwortung sieht, wenn man für eine Gesellschaft ist, in der Meinungsfreiheit, wissenschaftliche Redlichkeit und gegenseitige Wertschätzung für alle Bürger zu Selbstverständlichkeiten werden, in der Politik auf die notwendigen Bereiche beschränkt bleibt und eine klare Grenze existiert zwischen staatlicher Verwaltung und Führung und individueller bürgerlicher Freiheit.
So absurd, wie die Forderungen des Asta sind, so absurd ist der Alleinerklärungsanspruch des Feminimus. Es wird hohe Zeit, das sich die Bürger und Bürgerinnen dieses Staates gegen dergleichen zur Wehr setzen.


Jan Leris, 20.11.2011 09:57
Die gefährlichsten Angriffe gegen unseren demokratischen Staat kommen heute aus der radikal feministischen Bewegung und deren selbstsüchtigen Frauenwahnpolitik und Gender-Pseudowissenschaft. Wenn man die Demokratie retten, und eine "Frauenherrschaft" vermeiden möchte, müsste man mit härteren Bandagen gegen die radikal Feministinnen und ihre Trittbrettfahrer kämpfen.
@fhbvsdfh:
Übrigends die Nazi-Rassen-Ideologie war damals auch "wissenschaftlich" belegt. Es ist offensichtlich, dass man heute die Gender-Pseudowissenschaft anwendet, um das weibliche Geschlecht zu glorifizieren. Als Steuerzahler MUSS ich auch für Gleichstellungsbeaufragte bezahlen, die sich wie feministische "Gauleiterinnen" verhalten.


Hans von Atzigen, 14.11.2011 08:44
Höchste Zeit den angeblichen grossen Unterschied zwischen den Geschlechtern zu begraben.Letzlich sind beides Menschen im Guten wie im Schlechten die Unterschiede beschränken sich lediglich auf die Notwendigkeiten der Reproduktion.Alles andere ist ein sich aus der Mitverantwortung schleichen.
Das gilt letztlich für beide Geschlechter gleichermassen.


Rudi Gems, 11.11.2011 10:01
Danke! Frau Prasuhn! Sie haben mir richtig aus der Seele geschrieben. Ja, für den Nichtkenner des Universitätsbetriebes, ist es kaum vorstellbar, mit was für profanen Methoden, dort heute gearbeitet wird. Zensur, bei Vorträgen, wo man es den Zuhörern in einer Uni, nicht selber überlassen will, sich ein Urteil zu bilden, ist sowas von absurd, das man die Verteidigung eines solchen Vorganges, schon als Angriff auf die Wissenschaft werten muss.

Trauen sie den Zuhörern, nicht zu, das sie selber entscheiden können, welcher Theorie, sie den Vorzug geben?

Man man, Deutschland! was bist Du tief gesunken? Selbst in deinen Universitäten, wird gearbeitet, als wenn dort einige den Verstand verloren hätten.

Grüße, Rudi Gems


Ursula Prasuhn, 10.11.2011 19:30
@fhbvsdfh
Ich bin - mit Verlaub - so naiv und werde es diesbezüglich auch bleiben. Für mich ist durchaus möglich, dass sich ein Uni-Präsident vom ASTA erpressen lässt, um Querelen zu vermeiden. Studenten sind ja bei der Durchsetzung ihres Willens bekanntlich nicht gerade zimperlich.
Mein Unwille anlässlich der Ausladung von Martin van Creveld wird auch nicht kleiner durch Ihre nachgeschobene Kritik an Form und Inhalt der geplanten Rede.
Für mich sind übrigens Reden ohne sogenannten "wissenschaftlichen" Anspruch meist überzeugender als ihr Gegenüber, bei dem oft viel Schindluder im Spiel ist.
Mit dem Begriff "wissenschaftlich" fühle ich mich so häufig hinters Licht geführt, dass bei mir regelmäßig die Alarmglocken läuten, wenn mal wieder gesellschaftliche Dinge durch angebliche wissenschaftliche Beweise durchgesetzt werden sollen.
Es ist zu sehr Mode geworden, Ideologien auf dem Weg der Pseudowissenschaft an den Mann zu bringen.
Ich hoffe, es stört Sie nicht im Zuge des Gender-Mainstreams, dass ich bei der bekannten Redewendung nur beim "Mann" geblieben bin und nicht auch die "Frau" eingeflochten habe.


fhbvsdfh, 10.11.2011 11:35
Wie naiv muss man eigentlich sein, zu glauben, dass ein Uni-Präsident den Vertrag mit einem Gastdozenten nur auf Druck des ASTA auflösen würde, ohne selbst dahinter zu stehen?

Im übrigen kann man der Universität Trier nur zu ihrer Entscheidung beglückwünschen. Ich habe den Vortragstext in der WELT gelesen und war schockiert, ein solch extrem unterirdisches intellektuelles Niveau vorzufinden. Eine Aneinanderreihung von Anekdoten ohne jeglichen wissenschaftlichen Anspruch (von Methode ganz zu schweigen) und peinliche Verallgemeinerungen (es ging immer nur um "die Frauen"), die gewiss nicht zu irgendeiner Differenzierung von Gendertheorien beitragen. So ein plattes Geschwätz kann ich mir auch anhören, wenn ich mich unter die Besoffenen in der nächsten Trinkhalle stelle. Dafür müssen meine Steuergelder wirklich nicht verschwendet werden.


Ursula Prasuhn, 09.11.2011 11:22
Ebenso wie anscheinend auch Frau Weber bin ich der Meinung, dass ein kostenloses Studium - eins der Lieblingskinder von Rot/Grün - falsche Anreize setzt. Aber so ist das mit den Gutmenschen-Parteien: Hauptsache, das Volk mit Wohltaten beglücken, egal, ob dabei viele durch "Völlerei" dick, faul und träge werden oder Gefallen an Machtspielchen finden. Wenn schon nicht mit Leistung, kann man sich so wenigstens aus der Masse hervorheben und "stolz" auf das Erreichte blicken.

qed, 08.11.2011 16:20
ein recht lebhafter und informativer Thread zum Thema läuft in der 'Welt':

http://boess.welt.de/2011/11/06/latent-vulgarwissenschaftliches-trier/


Karin Weber, 08.11.2011 15:51
Wenn Universitäten um Studenten "ringen" müssten, dann wäre deren Ruf jetzt hoffnungslos ruiniert und viele Studenten würden einen großen Bogen machen. Müssten allerdings Studenten ihr Studium selbst bezahlen, dann würde wiederum kaum etwas nutzloses studiert werden, denn erklärtes Ziel wäre dann, mit diesem Studium die Schulden zu bezahlen und sich nicht mit einem Geschichts-, Gender-, Jura- oder Soz-Päd-Studium selbst zu verwirklichen.

Rudi Gems, 08.11.2011 12:57
Es gibt schon zu denken, das Vernünftiges, offensichtlich nur von Männern kommen kann, die die 60 Jahre, weit überschritten haben.

Einen solchen Zirkusbetrieb, wie wir ihn wohl bei den deutschen Universitäten heute erleben, wäre vor 50 Jahren, undenkbar gewesen.

Sollten uns die Emanzen, mit ihrem "Feminismus", auch noch die wissenschaftliche Kompetenz entwendet haben? Wenn man sich die Lehrerinnenschaft, die jährlich von den Universitäten kommt, ansieht, und ihre Leistungen versucht zu beurteilen, kann man zu keinem anderen Schluss kommen. Wenn man aber dann noch liest, wie im letzten STERN, das ein Vollzeitlehrer in Griechenland, fast die Hälfte von einer Teilzeitlehrerin, hier in der BRD verdient, fragt man sich wirklich, ob noch alle bei Verstand sind. Und wenn das dann noch nicht gereicht hätte, liest man, das regelmäßig, Millionen von Unterrichtsstunden hier in der BRD ausfallen. Also, doppelt so hoch bezahlt, und doppelt so faul?

Da wundert es einen natürlich überhaupt nicht mehr, das es solche Vorgänge in Trier gibt. Was sollte man anderes erwarten?

Grüße, Rudi Gems



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