Ähnlich hat das Wissen-schaftszentrum in Berlin (WZB ) 2011 reagiert, als es auf ähnliche Drohungen aus gleicher Richtung von einer genderpolitischen Veranstaltung sich nicht abbringen ließ. Was immer man sich an gesell-schaftlichen Nutzen aus feministischer Genderwissenschaft erhoffen mag, und allein um das geht es hier, so sollte eines bedacht werden: Wer seine Ideologie nicht zur Diskussion stellen will, dem bleibt nur das Rede- und Denkverbot und letztlich die Drohung, mit Gewalt gegen ungeliebte Meinungen vorzugehen. Solchen Drohungen hat sich die Universität Trier gebeugt. Das Verhalten belegt nicht nur die betrübliche Tatsache, dass Wissenschaftler genauso feige wie alle anderen sein können, son-dern dass sie nicht wahrhaben wollen, dass Wissenschaft nicht nur Selbstverständliches zu hinterfra-gen hat, sondern dass es zu ihrem Wesen gehört, auch dort noch zu forschen und zu analysieren, wo andere, wie der Trierer ASTA und das HKFZ, zur Stützung von Ideologien die Freiheit der Wissen-schaft zu opfern bereit sind. Was „antifeministisch“ daran sein oder gar gegen die Menschenrecht verstoßen soll, nach den Einstellungen von Frauen zu den gegenseitig in Feindeshandlungen sich abschlachtender Männer zu fragen, ist nicht nachvollziehbar. Allerdings kann solch eine Diskussion zum Einfalltor für Erkenntnisse werden, die in Richtung von Crevelds Hypothesen weisen und andere nicht minder Augen öffnende Antworten hervorbringen. Deshalb wohl soll das Denkverbot aufrecht erhalten bleiben. Einige scheinen in der Tat anzunehmen, dass Frauen über den Verlust ihrer Söhne und Ehemänner nur getrauert haben und nicht selber unabdingbare Antriebsriemen des wechselsei-tigen männlichen Hinschlachtens und der politischen Kriegsführung waren. Ist die Trierer kulturwis-senschaftliche Forschung wirklich noch nie auf die Verzweiflung von Frauen und Müttern im 1. Welt-krieg gestoßen, deren Söhne und Ehemänner für den „heroischen Kampf gegen den französischen Erbfeind“ wegen Kriegsuntauglichkeit ausgemustert worden waren? Viele Frauen haben das als uner-trägliche Demütigung erlebt und darunter gelitten. Ebenso wenig ist vorstellbar, dass der Trierer Forschung entgangen sein sollte, dass wir über die Rolle von Frauen während des Nationalsozialismus erst in den 90er Jahren überhaupt zu forschen und zu reden begonnen haben. Genau genommen
rühren die Thesen von Martin van Creveld dann auch an diesen totgeschwiegenen Bereich weiblicher Geschichte. Das sind hochnotpeinlichen Fragen aber nur für diejenigen Wissenschaftler, die in einem Konsens mit jener Ideologie stehen, wonach über Frauen nicht geforscht werden darf, wenn Ergeb-nisse zu erwarten sind, die mit der Ideologie von den guten Frauen und den bösen Männern oder hier der kriegerischen Männer und friedfertigen Frauen nicht in Einklang stehen könnten. Eben weil sol-che Forschung auf einem ungleich differenzierteren Bild vom wechselseitigen Verhältnissen von Männern und Frauen zurückgreift, als es die feministische Ideologie in ihren akademischen wie all-tagspolitischen Varianten ungebrochen tut.
Es wäre der Universität Trier anzuraten, auf die reflexartige Identifizierung mit dem Asta-Redeverbot wie die Ausladung von Martin van Creveld vom Fellowship mit einer Ringvorlesung zu antworten, in der Wissenschaftler und vor allem auch Wissenschaftlerinnen sich den Thesen von Creveld über das Verhältnis von Frauen zum Krieg stellen und damit ihr eignes Genderverständnis offenlegen. Das würde nicht nur den Schaden für die Universität mindern, sondern den Diskurs über das vielgestalti-ge und konfliktträchtige Verhältnis von Männern und Frauen zueinander wieder als ein Projekt der Gemeinsamkeit vorstellen und die Wissenschaft als eine Instanz, die zur Bewältigung der Konflikte dieses Beziehungskosmos beitragen kann. Und die das vor allem auch will!
Mit freundlichen Grüßen
gez. Gerhard Amendt
PS: Dieses Schreiben geht als Offenes Schreiben an die Presse wie wissenschaftlich interessierte Insti-tutionen und Personen.
amendt@uni-bremen.de
http://www.gerhard-amendt.at/